Erste Hilfe kommt nicht mit der Post

06.08.2017
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Manchmal bekommen wir Besuch von besorgten Kunden, die fragen, wie es uns als Vor-Ort-Apotheke in Zeiten des Onlineversands geht. Das wissen wir bisweilen auch nicht so genau. Was aber feststeht: Nur wir wissen wirklich, was zu tun ist, wenn sich 90-jährige Damen in Not befinden.

Am Samstag war eine Dame zu Besuch bei uns, die wissen wollte, ob wir Schwierigkeiten durch die Internet-Apotheken hätten. So kamen wir ins Gespräch. Und sie sagte uns noch einmal, wie froh sie ist, dass wir uns so gut um unsere ältere Kundschaft kümmern. Vor ein paar Wochen rief nämlich die knapp 90-jährige Mutter dieser Frau ganz aufgelöst bei uns an und erzählte, dass sie sich gerade beim Kochen verbrüht habe.

Auch außerhalb der Offizin im Einsatz

Sie war ziemlich durcheinander, war nicht sicher wie schlimm es ist und wusste nicht genau was sie machen sollte. Meine Kollegin Lea beruhigte sie und riet der Dame den verbrühten Arm unter zimmerwarmes laufendes Wasser zu halten. Sie versprach, vorbei zu kommen und sich ein Bild darüber zu machen, was nun zu tun sei. Wir packten ihr ein kleines Hilfeset zusammen, mit Brand- und Wundgel, Hydrokolloidpflastern und anderem Verbandmaterial. Lea fuhr mit dem Auto zu unserer Kundin. Je nach Schweregrad der Verbrennung würde sie die Dame dann direkt zu ihrem Hausarzt fahren.

Etwa 20 Minuten später kam Lea zurück. Es war noch einmal alles glimpflich ausgegangen. Die verbrannte Stelle war zwar gerötet, aber nicht blasig, und die Haut auch nicht verletzt oder überwärmt. Sie half unserer Kundin sowohl mit dem auftragen des Brand- und Wundgels, als auch mit dem Verband um die verletzte Stelle und gab die Anweisung, dass sie noch einen Arzt aufsuchen sollte, falls später schlimmere Schmerzen auftreten sollten.

Mehr als nur Erste Hilfe

Alles war folgenlos abgeheilt – was die Dame in dieser Situation wohl am dringendsten gebraucht hatte, war der Zuspruch und dass ihr jemand die Hand hält. Zusammen mit der Sicherheit, dass sie zum Arzt gebracht werden würde, wenn sich die Situation doch noch schlimmer entwickelt als zuerst gedacht. Das können nämlich nur wir Vor-Ort-Apotheken. Darauf können wir stolz sein.

Der Dank unserer Kundin am Samstag tat gut, aber noch schöner war es zu erfahren, dass es ihrer Mutter gut geht. Sie verbreitet jedenfalls seither überall in ihrem Bekanntenkreis, wie wichtig die Präsenzapotheken sind – und das ist doch die beste Werbung, die wir uns nur wünschen können!

Bildquelle: দেবর্ষি রায়, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.08.2017.

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Pharmazie
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Gast
#18: Alle jammern, keiner will mehr seine Arbeit tun. Das ist auch kein Wunder, weit PTAs PTA-fremde Tätigkeiten machen müssen, wie Ärzte auch. Nicht mehr Arzneimittel und Therapie, sondern Gummibärchen und Venenstrümpfe, Marketing und Datenverarbeitung.
#19 am 14.08.2017 von Gast
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Gast
#17 dazu sollte man erst mal die Ärzte anhören. Die können sicher genauso jammern, wie Apotheker das dauernd tun.
#18 am 14.08.2017 von Gast
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Gast
"Und sie sagte uns noch einmal, wie froh sie ist, dass wir uns so gut um unsere ältere Kundschaft kümmern.": es ist traurig, dass sich Apotheken bzw. Apothekenmitarbeiter darum kümmern müssen. Das Prinzip ist aber auch aus anderen Bereichen bekannt. Nicht nur Apotheken sind Anlaufstellen für solche Fälle. Das Problem entsteht durch die Ärzte, die z. B. heute so gut wie keine Hausbesuche mehr machen, die Patienten mit Voranmeldungen, langen Wartezeiten etc. abschrecken. Ich muss immer nur den Kopf schütteln bei Praxen, in denen 3 bis 5 Ärzte arbeiten. Der einzelne max. 2 Tage die Woche. Und die restliche Zeit sieht man sie auf dem Tennisplatz.
#17 am 14.08.2017 von Gast
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Gast
@#13 müsste eine an sich ja hochqualifizierte PTA nicht wissen, wo erste Hilfe anfängt und wo sie aufhört?
#16 am 13.08.2017 von Gast
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Gast
Blöder Versandhandel! Die weigern sich mir jemanden zu schicken, der mir (adipositas per magna, ich komme da nicht hin) die Hämorrhoidencreme aufträgt. Ich sollte doch wieder in die lokale Apotheke wechseln.
#15 am 12.08.2017 von Gast
  7
Gast
Meine Frau kommt mit ihrem Pessar oft nicht zurecht. Darf ich da die PTA meines Vertrauens anrufen. Das wäre netter Service und quasi Erste Hilfe.
#14 am 12.08.2017 von Gast
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Meine Kollegin hat der alten Dame wirklich nichts verabreicht. Sie hat lediglich nachgeschaut, ob der gesamte Verwundete Bereich mit Gel bedeckt ist, und sie hat geholfen den Verband anzulegen, denn die Verletzung war am Unterarm. Unsere Kundin hätte den Verband nicht alleine festmachen können. Zählt sowas nicht zu "Erste Hilfe"?
#13 am 12.08.2017 von Ptachen Ptachen (Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA))
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Gast
Versandhandel, das ewige Trauma von PTAchen. Nehmen Sie einige SSRI oder inhalieren Sie schwarzen Afghanen und es wird Ihnen besser gehen.
#12 am 12.08.2017 von Gast
  15
Gast
PTAs die gerne Doktorspiele machen!?
#11 am 12.08.2017 von Gast
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Gast
Zu 8: Das ist völlig in Ordnung, das Ihnen das komisch vorkommt. Tatsache ist aber, dass die Anwendung von Arzneimitteln durch UNS am Patienten nicht erlaubt ist. Ich hatte vor ein paar Jahren eine rechtliche Auseinandersetzung mit einem Kollegen, weil meine PTA einer Kundin mit ihren Augentropfen geholfen hat. Daswar ein teures Vergnügen, das sage ich Ihnen!
#10 am 11.08.2017 von Gast
  2
Gast
zu 7: Bitte vergessen Sie nicht: Tausend kostenlose Kopien von Privatrezepten, kostenlose Windelentsorgung für Groß und Klein, kostenlose Milchpumpenreinigung, kostenlose Proben für alles und jeden, kostenlose, hochwertige Beratung in allen Lebenslagen (auch für unbelehrbare, pampige, pflaumige, angefressene und sonstige Kundentypen) und und und... Als nächstes erledigen wir gleich noch den Wocheneinkauf mit dazu, wo die Apotheke doch direkt neben dem Aldi ist und der Getränkemarkt ja sowieso um die Ecke ist....
#9 am 11.08.2017 von Gast
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Gast
#6: die Kollegin hat wie ich das verstehe nichts verabreicht, sondern einer alten Dame lediglich geholfen bei der Selbstverarztung. Würde mir auch komisch vorkommen in so einem Fall alles nur auf den Tisch zu legen und wieder wegzufahren. #7: haben sie keinen kostenlosen Botendienst? Ich finde es klasse was so mancher Kollege für seine Kunden macht. Hut ab!
#8 am 11.08.2017 von Gast
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Gast
Ich sehe uns ja auch als Dienstleister, der gerne mal kostenlos den Blutdruck misst oder mal ein Pflaster (als Privatperson, ohne Kittel) draufklebt. Aber zu einer Kundin nach Hause? Kostenlos? Erinnert mich an das kostenlose Stellen, kostenlose Medipläne, kostenlose Umschau...
#7 am 11.08.2017 von Gast
  4
Gast
Liebe Kollegen denkt bitte denkt dran dass wir keine Arzneimittel verabreichen dürfen: Das ist Ausübung von Heilkunde und uns verboten, wenn nicht zufällig jemand Arzt oder Heilpraktiker ist! Kann böse enden!
#6 am 11.08.2017 von Gast
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Gast
Meine Mutter bekam vor kurzem die Diagnose Diabetes und muss jetzt Insulin spritzen. Im Krankenhaus wurde ihr alles rund um den Diabetes nur unzureichend erklärt bzw. überforderte sie und sie ging, nach ihrem Aufenthalt dort, hilfesuchend zu ihrer Stammapotheke. Dort wurde ihr anhand von Vorführmaterial sehr eingehend erklärt und auch praktisch gezeigt, wie sie mit allem umgehen muss. Im Anschluss durfte sie das Erlernte gleich unter Beweis stellen und selber Zucker messen und den Umgang mit dem Insulinpen üben, so dass Fehlerquellen, die man als Anfänger gerne macht, gleich erkannt und ausgemerzt werden konnten. Sie bekam diverse Infobroschüren über Ernährung etc mit und fühlt sich wieder mal gut aufgehoben in ihrer Apotheke vor Ort. Ohne die Apotheke wäre meine Mutter aufgeschmissen gewesen...da ihr Arzt zur Zeit im Urlaub ist und sie nur von dessen Vertretung die Rezepte ausgestellt bekam...wie froh waren wir da an unserer Apotheke! Per Post...keine Chance!
#5 am 11.08.2017 von Gast
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PTA + gern für Kunden da
stimmt! Wir hatten Kunden, die am Ende mit dem Krankenwagen wegfahren mussten, weil der Kreislauf kollabierte oder denen nach einer Injektion vom Arzt nach einiger Zeit so übel wurde, dass sie in der Apotheke um einen stillen Ort und einen Eimer (der dann gottlob nicht nötig war) baten, bis es ihnen wieder besser geht und wir sie dann heimbrachten. Eine verwirrte alte Dame wird auch gerne von uns nach Hause oder zurück ins Altersheim gefahren, es werden blutende Wunden versorgt - kostenlos. U.v.a.m. Gestern war eine alte Frau hier, die nach ihrem Krankenhausaufenthalt eine lange Medikamentenliste mit hatte und nicht wusste, wie sie damit klarkommt. Wir haben ihr dann für die komplette Woche die Tabletten in einen Tablettenspender einsortiert, die restlichen Packungen noch extra mit Dosieranweisung beschriftet, damit ihre Tochter, die erst am Wochenende kommt, ihr für die Folgezeit die Tabletten herrichten kann. Per Internet/online-Apotheke/Postpaket alles nicht möglich!!
#4 am 11.08.2017 von PTA + gern für Kunden da (Gast)
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Gast
Das Schlimme ist, dass es allen völlig klar ist, was für einen Stellenwert die öffentliche Apotheke in der Gesellschaft einnimmt, es aber nur in zwei Wahlprogrammen nämlich dem der CDU und dem der Linken bei Einhaltung dieser Versprechen nicht zu einem Apothekensterben kommen würde. Wenn es nach allen anderen Parteien geht wird sich zumindest die Apothekenlandschaft drastisch verändern. Ob wir dann jedoch noch solche Geschichten erzählen können ist mehr als fraglich. Und mal Ehrlich ob eine Koalition zwischen CDU und Linke die Regierung bilden wird nun ja auch nicht wirklich oder? Also merkt euch diese Geschichten vielleicht lesen wir Sie in Zukunft nicht mehr.
#3 am 11.08.2017 von Gast
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Gast
Ich danke für den respektvollen und umsichtigen Umgang mit der Kundin. Gerade solche Begebenheiten zeichnen ein Bild in der Öffnetlichkeit, die die "Geiz ist geil Mentalität in ihrer Einbahnstraße nicht wahrhaben können und wollen.
#2 am 11.08.2017 von Gast
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Gast
Ich möchte dieser Geschichte noch eine von vielen, die ich berichten könnte beifügen um damit den Leitartikel zu ergänzen und zu bekräftigen, dass wir gebraucht werden und nicht der freien Marktwirtschaft geopfert werden sollten. Ich stand etwa 5 Meter von einer Privatversicherten Kundin entfernt, die sich von einer meiner PTAs gerade antibakterielle Augentropfen auf Rezept von einem Augenfacharzt geben ließ, als es mir irgendwie einkam, dass irgendwas an diesem Bild nicht passte. Irgendwie fand ich es nicht stimmig, dass in Ihrem Gesicht die bei einer Bindehautentzündung zu erwartende Rötung nicht im sondern außen oberhalb des Auges zu erkennen war. Also klinkte ich mich in das Beratungsgespräch ein. Um es kurz zu machen mein Rat einer weiteren ärztlichen Konsultation ersparte durch rechtzeitige Behandlung der Gesichtsrose der Patientin womöglich eine sehr langwierige Behandlung einer solchen Rose, die bei völlig nutzloser Antibiose womöglich viel späht erst erkannt worden währe.
#1 am 11.08.2017 von Gast
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