Der lange Weg eines Nierensteins 3/8

29.07.2010
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Aktive Kräfte

Im Gegensatz zu Tülle und Schlauch sind Nierenbeckenausgang und Harnleiter in der Lage, den Weg des Urins und damit auch den Weg eines Nierensteins aktiv zu voranzutreiben. Diese peristaltische Kraft ist vergleichbar mit der unseres Darms. Wellenförmige Muskelbewegungen fördern den Inhalt des „Schlauches“ Richtung Ausgang. 

Die Wand des Harnleiters ist mit sensiblen Schmerznerven versorgt, die äußerst empfindlich auf Überdehnung reagieren. Das ist gut so, denn der Schmerz ist in diesem Fall, wie so oft, ein Frühwarnsystem, das folgenschwere Schäden verhindern soll. Aber im Leid sieht man diesen Vorteil nicht als Vorteil, man leidet - höllisch. 

Nierenkolik

Überdehnte Harnleiter, die zudem noch durch spitze, unförmige Kristallsteine geritzt werden, senden ein Maschinengewehrfeuer an Schmerz. Unaufhaltsam. Allenfalls mit kurzen Pausen, sozusagen als Anlauf für eine neue peristaltische Welle - die berüchtigte Kolik. Das geht so lange, bis die Situation bereinigt ist, intern oder extern, soll heißen, durch spontanen Steinabgang oder medizinischen Eingriff. 

Gelangt der Stein auf natürlichem Weg in die Blase, hat der Schmerz ein Ende. Aber an dieser Stelle gibt es wieder mehrere Möglichkeiten, wie es weitergeht. Die Varianten reichen von der Entstehung eines Riesen-Blasensteins, sozusagen als Sammelobjekt, bis hin zum unkomplizierten Weg des Steins nach draußen. Dieser letzte Weg über die Harnröhre (nicht mehr Harnleiter) kann allerdings zu einer weiteren Schmerzattacke führen. Dass in diesem Fall die Männer mehr leiden als die Frauen, liegt ausnahmsweise nicht an ihrer Empfindlichkeit. Die Kürze des Weges von der Blase nach draußen macht es den Frauen leichter. 

Therapie im Falle eines Harnleitersteins

Im Notfall ist die Therapie logisch: Schmerzmittel in hoher Dosierung und vor allem krampflösende Mittel, um aus dem Teufelskreis der peristaltischen Wellen herauszukommen und den Harnleiter erschlaffen zu lassen. Erschlaffung bedeutet Schmerzlinderung und vor allem Erweiterung des Hohlraums, damit die schmerzhaften Kolikensalven unterbrochen werden. 

Trinken und/oder Infusionstherapie sollen den Urinstrom erhöhen und damit den Harnstein ausspülen.

Reicht das alles nicht, geht es technisch weiter: Verschiedene Arten der Steinzertrümmerung, per Ultraschall oder Laser stehen zur Verfügung, um aus einem Stein Krümel zu machen, die leichter abfließen können. Den Stein mit einer Schlinge zu fassen, um ihn herauszuziehen und ähnliche Methoden werden da schon handfester. Wenn alles nichts hilft und die Niere im Stau zu versagen droht, muss operiert werden.

Unserem Herrn M. aus H. im Zug auf dem Weg nach Hause standen diese Therapievarianten erst noch bevor. Dazu kamen in seinem Fall Unwägbarkeiten der Medizin, wie sie leider heutzutage immer häufiger auftauchen: wenig Zeit, fehlende persönliche Zuwendung, Verzicht auf Zuhören. Es sind die drei Z, die in der Lage wären, das Leiden der Patienten zu verkürzen. Es sind die drei Z, die heutzutage gern durch die drei Kein verdrängt werden: Kein Personal, Kein Spielraum, Kein Interesse.

Lesen Sie weiter in Teil 4

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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