Was bringt der Finger im Po?

02.08.2017
Teilen

Als Allgemeinchirurgin verbringt man sehr viel Zeit im Hintern seiner Patienten. Denn viele Leute kommen in die Notaufnahme, weil sie „hinten raus bluten“. In diesem Fall ziehe ich mir erst mal Gummihandschuhe an und beginne, zu tasten.

Sprich: Blut kommt hinten raus. Was macht man als Chirurgin in dem Fall gleich zu Beginn, also nachdem man die Fragen “Was führt Sie hier her?”, “Seit wann besteht das Problem” oder “Haben Sie ungewollt an Gewicht verloren?” abgehandelt hat. Richtig, man nimmt einen linken und zwei rechte Handschuhe, sowie eine Tube Vaseline und schiebt den Zeigefinger in den Patientpo. Warum zwei rechte Handschuhe übereinander? Weil einer reißen kann, und dann steckt man wortwörtlich in der Scheiße.

Ich bin letztens gefragt worden, welche Erkenntnisse man aus dieser Untersuchung gewinnen kann. Man beurteilt zuerst die Analhaut von außen: Gibt es Hautveränderungen oder Risse? Besteht eine Perianalthrombose? Wölben sich beim Pressen Hämorrhoiden aus dem Analkanal heraus? Oder besteht schon ohne Pressen ein Prolaps?

Am Blut sind häufig Hämorrhoiden Schuld

Mit dem Finger im Analkanal kann man anschliessend den Sphinktertonus, also den Spannungszustand des Schließmuskels beurteilen. Weiter guckt man, ob man im Anal-/Rektalkanal Gewebe tastet, das dort nicht hingehört. Und wenn man seinen Finger anschließend betrachtet, klebt da hoffentlich kein Blut dran.

Bei Blutabgang aus dem After muss nicht zwingend ein Tumor vorliegen, sondern sehr häufig handelt es sich dabei um Hämorrhoiden. Hämorrhoiden sind Gefäßpolster unter der Darmschleimhaut, die der Feinkontinenz dienen. Risikofaktoren wie zum Beispiel Verstopfung, Übergewicht oder eine Schwangerschaft begünstigen diese Erkrankung, die sich durch das Ausstülpen des Hämorrhoidalpolsters nach außen auszeichnet. Von Hämorrhoiden abzugrenzen sind Perianalthrombosen, die den thrombotischen Verschluss eines Blutgefäßes bezeichnen.

Vom Handy auf der Toilette rate ich ab

Hämorrhoiden können auch bei jungen Patienten vorkommen und sind keine Alterserscheinung. Vor allem bei Schwangeren ist dieses Problem ein sehr häufiges. So unangenehm ein Hämorrhoidalleiden auch ist, gefährlich ist es nicht und ich empfehle Patienten immer konservative Maßnahmen vor einer eventuellen Operation.

Das A und O ist ein regelmäßiger und weicher Stuhlgang. Mit stundenlangem auf der Toilette sitzen und Pressen verschlimmert sich die Symptomatik. Also: die Zeitung/das Handy draußen lassen! Neben Blut am Toilettenpapier beklagen die Patienten häufig ein Nässen und Jucken. Es ist nicht immer möglich, aber am besten duscht man die Analregion aus und trocknet sie anschließend trocken ab. Von Feuchtpapier rate ich ab, da das die Haut zusätzlich reizt.

In dem Sinne: happy pooping!

 

Bildquelle: Allie_Caulfield, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.08.2017.

75 Wertungen (4.69 ø)
25878 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
In den letzten 35 Jahren kann ich mich an 4 Patienten erinnern ,die mich wegen eines andern Problems konsultiert hatten und mit der Türklinke schon in der Hand sagten: "ach Herr Doktor ich bräuchte noch eine Hämorhoidensalbe". Bei der von mir konsequent durchgeführten rektalen Untersuchung fand viermal ein Rektumcarcinom
#18 am 12.08.2017 von Gast
  0
Manfred L. DIETWALD
Der Arztberuf hat seinen geschichtlichen Ursprung in den Betrachtern des Enddarms und seiner Ausscheidungen von Pharaonen. Trotz Medizinaltechnik kann man heute auf das Abtasten mit Fingern nicht verzichten.
#17 am 09.08.2017 von Manfred L. DIETWALD (Gast)
  0
#6 warum ist der Kommentar nicht passend? Er hat absolut Recht. Sowohl was die Länge des Fingers angeht als Grund für die "Bevorzugung" dessen für solche Untersuchungen, als auch dass die Bezeichnung des Fingers kommt nicht von ungefähr kommt, sondern nunmal diesen Hintergrund hat.
#16 am 09.08.2017 von Jeannine Kögler (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
  0
Gast
Aber die unangenehmen Dinge will eben keiner hören, Prophylaxe nein Danke. Erst wenn das Problem groß ist darf der Doc ran- bevorzugt im Bereitschaftsdienst am Abend. Nö.
#15 am 05.08.2017 von Gast
  10
Gast
Vorsicht vor der immer wieder auftretenden Verwechslung von Hämorrhoiden und Perianalthrombosen! Schwangere haben häufiger Perianalthrombosen aufgrund des erhöhten Druckes während Schwangerschaft und unter Geburt!
#14 am 04.08.2017 von Gast
  0
Gast
# 11 Damit bin ich D'accord, einzig und Alleine mein Intim-Freund lasse ich Anal agieren
#13 am 04.08.2017 von Gast
  1
Die Erkenntnisse der digitalen Untersuchung wurden gut dargestellt. Aber daraus den Schluss zu ziehen:"es sind Hämorrhoiden" die geblutet haben ist leider einer der häufigsten und verhängnisvollsten Kunstfehler auf diesem Gebiet! Sogen. "konservative" Massnahmen sind obsolet, wenn sie sich auf "Hämorrhoidenmittel" beziehen. Auch wenn die Untersuchung nicht vergnügungssteuerpflichtig ist (schon wegen der Vorbereitung) - aber ein Rektum- oder Kolon-Ca sind es erst Recht nicht. Eine peranale Blutung gehört endoskopisch abgeklärt - und manche Patienten haben "Läuse und Flöhe".
#12 am 04.08.2017 von Dr. med. Roland Hunecke (Arzt)
  0
Gast
Ich hatte schon 2 Magen-Darm Spiegelungen und auch rektale Untersuchungen, aber ein großer Fan davon bin ich wahrlich nicht. Besonders wenn ein Arzt ( männlich) das Procedere durchführt, ist mir die ganze Sache ziemlich unangenehm
#11 am 04.08.2017 von Gast
  8
Zu erwähnen wären noch die Marisken die die Analhygiene erschweren, so ist die Popodusche zu einem nicht mehr missbaren Hilfsmittel geworden und reduziert den Papierverbrauch enorm. Noch etwas kann man sich bei den Indern abgucken: das Hocken. Ein entsprechend gebauter toilettenhocker hilft den EndDarm in optimale Position zubringen, dann geht's fast von allein ;-)
#10 am 04.08.2017 von Dipl.-biol. Ulrike Schütt-Berg (Heilpraktikerin)
  3
Sehr schöner Artikel zu einem wichtigen, nahezu täglich auftretendem Problem der Allgemeinarztpraxis. Unser Proktologe des Vertrauens hat für Patienten ein Aufklärungsblatt mit allem, was wichtig ist und es warnt vor der allergisierenden Wirkung von feuchtem Toilettenpapier.
#9 am 04.08.2017 von Susann Bürger (Studentin der Humanmedizin)
  4
Gast
Fast alle Patienten die sich mit Verstopfung und desh. Blut im Stuhl vorstellen haben keinen regelmäßigen weichen Stuhlgang und hatten schonmal Medikamente, die sie natürlich wieder weggelassen haben als es gut ging, weil es ja so gut ging bis es dann nicht mehr gut ging. Und dann natürlich im Bereitschaftsdienst aufschlagen. Soviel zum regelmäßigen Stuhlgang.
#8 am 03.08.2017 von Gast
  5
Gast
#6 Was soll daran unpassend sein? Der "Stinkefinger" hat seinen Namen nicht von ungefähr. Auch zu Zeiten vor der Erfindung des Latexhandschuhs wurden rektale Untersuchungen durchgeführt.
#7 am 03.08.2017 von Gast
  12
Dr. med. Plum-Hummel
#1 Auch wenn dieser Artikel humorvoll geschrieben ist, finde ich ihren Kommentar nicht passend.
#6 am 03.08.2017 von Dr. med. Plum-Hummel (Gast)
  20
Gast
Gelegentlich ist die Ursache für nässende Analekzeme auch mal eine Streptokokkeninfektion. Penicillin oral hilft.
#5 am 03.08.2017 von Gast
  9
" lieber sich den Finger beschmutzt, als den Ruf als Chirurg" - alter Chirurgenspruch, schon früher war die Medizin auch mal "digital".
#4 am 03.08.2017 von Heinz-Jürgen Mäckler (Arzt)
  2
Gast
Stil und Duktus klasse .... :-))
#3 am 03.08.2017 von Gast
  2
Gast
Kinder: kleiner Finger. Heutzutage darf es ja keine Regeln mehr geben: es wird gegessen wann und wo man will und man hat Stuhlgang wie man will. Aber Regelmäßigkeit ist eben auch dort hinten wichtig.
#2 am 03.08.2017 von Gast
  7
Perfekt fundierter, lockerer Artikel. Nur die Abbildung: Ich würde nicht den Zeige-, sondern den Mittelfinger nehmen, der ist bei fast allen Untersuchern länger und detektiert 1-2 cm mehr. Ach so, das ist ja der "Stinkefinger"?
#1 am 03.08.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  22
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Beim Aufnahmegespräch stellt man zwar regelmäßig fest, dass die meisten Patienten halbwegs bis sehr gut informiert mehr...
Der Körper wird älter und irgendwann merkt man, hoppala, man kann nicht mehr unbemerkt essen, feiern und faul sein. mehr...
Dann Transplantversagen, Sepsis, Teilresektion des Organes, Galleleckage, wieder Fieber … ein absoluter Albtraum. mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: