30 Jahre Viagra - Das Phänomen der blauen Pille

30.07.2017
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Eigentlich sollte der Wirkstoff Sildenafil Bluthochdruck und Angina Pectoris (Brustenge) behandeln. Doch bereits während der Entwicklung fiel auf, dass Sildenafil eine äußerst interessante Nebenwirkung hatte: Der Wirkstoff behob Erektionsprobleme beim Mann (fachmedizinisch erektile Dysfunktion genannt). 1998 brachte das Unternehmen Pfizer schließlich das Medikament Viagra auf den Markt, welches den Wirkstoff Sildenafil beinhaltet.

Fast zwei Jahrzehnte ist der Wirkstoff heute auf dem Markt. Entdeckt wurde er allerdings bereits im Jahr 1989. Damit begann die Geschichte der kleinen blauen Wunderpille vor fast 30 Jahren. Seitdem eroberte sie nicht nur den Markt regelrecht im Sturm, sondern veränderte auch das Leben von zahlreichen Paaren immens. Mehr als 64 Millionen Männer auf der ganzen Welt nutzen Viagra heute laut dem US-amerikanischen Fachmagazin "the Pharmaceutical Journal" regelmäßig - und bald soll der Wirkstoff z.B. Großbritannien rezeptfrei verfügbar sein. Ein entsprechender Antrag von Pfizer an die britische Gesundheitsbehörde läuft.

 

m_1501430576.jpgInfografik: Three Decades of Viagra – Pharmaceutical Journal (Vollansicht)

Viagra und seine lange Geschichte

Viagra ist ein Mittel zur oralen Einnahme. Der enthaltene Wirkstoff der blauen Pille gehört zu den sogenannten PDE-5-Hemmern. Diese wirken erweiternd auf die Gefäße, auch auf die der Geschlechtsteile. Das sorgt zum einen dafür, dass das Glied und somit die Schwellkörper, die zum Aufbauen und Erhalten einer Erektion mit Blut gefüllt sein müssen, besser durchblutet werden. Zum anderen werden durch Viagra jedoch auch andere Gefäße, etwa die des Herzens geweitet. Aus diesem Grund sollten Männer, die beispielsweise unter Herzkrankheiten leiden, Viagra nur mit Absprache des behandelnden Arztes verwenden.

Der Tatsache, dass auch die Gefäße des Herzens geweitet werden, haben wir heute allerdings die Entwicklung der blauen Pille zu verdanken. Denn nachdem der Wirkstoff Sildenafil 1989 entdeckt wurde, wurde genau diese Wirkungsweise 1991 erstmals genauer erforscht. Ursprünglich sollte herausgefunden werden, ob sich koronare Herzerkrankungen durch Sildenafil behandeln lassen. Das sollte sich als erfolglos herausstellen, jedoch fiel bereits hier auf, dass sich der Wirkstoff auffallend auf die Durchblutung der Geschlechtsteile auswirkte.

Dennoch sollte es noch rund acht Jahre dauern, bis dieses Wissen an die Öffentlichkeit gelangte. nach der dritten Testphase berichtete im Jahr 1998 die britische Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine" umfangreicher über den Wirkstoff Sildenafil und dessen Wirkungsweisen. Noch im selben Jahr, im September, brachte das Unternehmen Pfizer Viagra auf den Markt, nachdem es zuvor von der US-amerikanischen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) zugelassen wurde. Wenig später zieht auch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA (EuropeanMedicines Agency) nach.

Viagra und der lange Kampf der Rezeptbefreiung

In den folgenden Jahren kamen eine ganze Reihe von ähnlichen Wirkstoffen und vergleichbaren Medikamenten auf den Markt. Einige bekannte Beispiele sind die Pille Cialis (2002) mit dem Wirkstoff Tadalafil vom Hersteller Lilly und die Pille Levitra (2003) mit dem Wirkstoff Vardenafil vom Hersteller Bayer. Grundlegend wirken diese ähnlich der blauen Pille, zeigen allerdings dennoch je nach Dosierung und Einnahmeform leichte Abweichungen in puncto Wirkungsweise vor. Ein Beispiel hierfür ist die Cialis 5mg Variante aus dem Jahr 2007, bei der die Pille nicht nach Bedarf eingenommen wird, sondern täglich. Durch diese Variationen erweitert sich auch das Spektrum an verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Auswirkungen und Ursachen von Erektionsstörungen.

Im Jahr 2008 wurden verstärkt Verhandlungen darüber geführt, ob Viagra und die Konkurrenz auch ohne eine ärztliche Verschreibung in den Apotheken und Co. erhältlich sein sollten. Da die EMA allerdings Bedenken bezüglich der Überwachung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen äußerte, zog Pfizer seinen Antrag zurück. 2009 und 2010 wurden die Rufe nach der Abschaffung der Verschreibungspflicht in Großbritannien allerdings so laut, dass die UK Ketten Boots und Tesco sie erhörten und das Medikament ohne ärztliches Rezept anboten - jedoch nur für bestimmte (nicht gefährdete) Patientengruppen. Bevor diese die Pillen erhielten, mussten umfangreiche Fragebögen über ihre gesundheitliche Verfassung ausgefüllt und vorgelegt werden. Nach Ablauf dieser Testphase sind Viagra sowohl bei Boots als auch bei Tesco wieder ausschließlich unter Vorlage eines ärztlichen Rezepts erhältlich.

Viagra und was sich in den vergangenen Jahren getan hat
 

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Grafik: Viagra von Pfizer – 121doc.com (rechts: Generikum von Sandoz)


Im Jahr 2013 lief das Patent für den Wirkstoff Sildenafil aus. Die ersten Generika auf Basis des Wirkstoffs Sildenafil folgten, sodass von nun an auch Männer mit kleinerem Budget zur blauen Pille greifen konnten. 2017 schlägt auch die medizinische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel in Großbritannien, die MHRA (The Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) vor, Sildenafil ebenfalls ohne ein Rezept vorlegen zu müssen, in den Apotheken zugänglich zu machen.

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.07.2017.

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Medizin, Urologie
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