Sie lügen mich doch an!

16.07.2017
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Herr Schmids-Blau war drei Stunden lang mit seinem Auto im Stau gestanden. Nun fühlte sich sein Bein irgendwie seltsam an. „Hmhm, bestimmt eine Thrombose!“, dachte sich der Hausarzt und „zing“ lag Herrrr Schmids-Blau an einem schönen Freitagabend auf so einer unbequemen Ultraschallliege in irgendsoeinem Krankenhaus.

„Hallo“, sagte der Dienstarzt, der von Herr Schmids-Blau fast mit einer Schwester verwechselt wurde.

„Ich bin der Dienstarzt“, sagte der Dienstarzt, „Zorgcooperations ist mein Name.“

Herr Schmids-Blau wusste auch nicht so recht, ob er diesem Dienstarzt vertrauen sollte, traute sich aber auch nicht wegzulaufen.

Jop.

Ich klickte mich nun denn durch diverse fancy Ultraschallprogramme („Wollen Sie ein rechtes oder doch lieber ein linkes Bein ultraschallen?“) und tränkte Herrn Schmids-Blaus Bein in Ultraschallgel für ein besseres Bild.

Einen teuren Highend-Ultraschallkopf in der Hand begann ich nun, nach der vermuteten Thrombose zu suchen. Blaue und rote Farben flammten in schwarzen Punkten am Bildschirm auf, alles wurde glibberig und klebrig. Ich drückte sehr lange und gründlich an Herrn Schmids-Blaus Bein herum. Trotz exzellenter Sicht – das Bein sei durch gründliches Rennraddahren gestählt, erzählte Herr Schmids-Blau – war aber keine Thrombose zu sehen.

Erfreut erklärte ich also: „Hier ist wirklich keine Thrombose zu sehen. Alles ist in Ordnung.“

„Äh, moment“, sagte Herr Schmids-Blau an dieser Stelle, „Sie lügen doch!“

„Öh, warum? Was meinen Sie?“

„Ich habe Sie genau beobachtet und alles am Bildschirm gesehen!“

„Ah, hm und was genau meinen Sie, stimmt nicht?“ Nun war ich ordentlich verwirrt.

„Da ist doch dauernd die rote Warnfarbe im Bild angegangen!“

Hä? Rote Warnfarbe? Oh.

„Ah, nein, nein, keine Sorge, die Farben zeigen richtungskodiert den Blutfluss an. Die eine Flussrichtung ist halt rot und die andere blau. Es ist wirklich keine Thrombose bei Ihnen zu sehen.“

„Grm, okay.“ Herr Schmids-Blau freundete sich dann aber doch schnell damit an, thromboselos zu sein und verließ uns sehr erfreut.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.07.2017.

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Medizin, Innere Medizin
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Die ganzen Gast-Nörgler ignorieren. Keep up the good work Zorgi. Ermuntert mich immer wieder zu lesen dass es wohl überall derselbe Scheiss ist - und das manche Leute das im Gegensatz zu mir schön zu Papier bringen können.
#10 vor 6 Stunden von Johannes Häuser (Arzt)
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Gast
Ich hab zwischendrin immer gefragt b U-Schall u bei jedem Arzt super nett u kompetent Erklärung gekriegt. Hier mal ein Lob an diese Ärzte u Ärztinnen ( zumindest meine waren fachlich u sozial kompetent).
#9 gestern von Gast
  0
der Patient war einfach nur schlecht erzogen und unhöflich. Wenn Ärzte merken, dass es mich interessiert was zu sehen ist, drehen sie sogar den Bildschirm so, dass ich auch was sehen kann und erklären mir, was sie gerade machen. Wenn es schwierig wird - so bei meinen Gallensteinen, die erst nicht gefunden wurden, dann aber doch, sagen Ärzte auch, dass sie sich nun konzentrieren müssen. Ich bin ein kranker Mensch und ein Laie, jedoch nicht auf den Kopf gefallen, und meine behandelnden Ärzte sind die Fachleute , jedoch keine Götter in Weiß.
#8 gestern von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  1
Gast
@#4 Wie recht Sie haben. Bei mir wurde vor 17 Jahren angeblich eine "ernst zu nehmende Verengung" der linken Halsschlagader festgestellt. Einige Jahre später wurde diese Verengung von einem anderen Arzt kontrolliert und nicht gefunden. Ein weiterer Arzt kam zum Ergebnis, das da eigentlich nie was gewesen sein könnte. Jahrelanger Tablettenkosum, weil der Arzt "Schall-Probleme" hatte.
#7 gestern von Gast
  4
Gast
Ich fürchte, auch und ganz besonders hier gilt die Spruchweisheit "Man sieht nur, was man weiß". Und manfrau kann ja nicht alles wissen.
#6 gestern von Gast
  2
Gast
Als Patientin mit genetisch bedingter Gerinnungsstörung liege ich seit 30 Jahren immer Mal wieder eingegelt unter mehr oder weniger Highend Ultraschallköpfen und kann versichern, lustig ist das nicht, egal ob der zuständige Arzt das Gerät ebenso rätselhaft findet wie man selbst, oder ob er sich damit so gut auskennt, dass er den Laien, den er erforscht, völlig aus den Augen verliert. Die hilfreichsten Untersuchungen für mich, bei denen ich wirklich erleichtert von der unbequemen Liege steigen konnte, waren die, wo der Arzt in der Lage war, seine eigene Erforschung des Abgebildeten mit dem Laien zu teilen.
#5 gestern von Gast
  1
Viele können weder reden noch schallen!
#4 gestern von Andre Mueller (Student)
  11
Gast
Manche Ärzte konzentrieren sich auch auf die Untersuchung.
#3 gestern von Gast
  9
Gast
Manche Ärzte erklären während der Untersuchung, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Aber es ist wohl nicht jedem gegeben, gleichzeitig den Ultraschallkopf zu führen, auf den Schirm zu gucken und auch noch zu reden.
#2 gestern von Gast
  32
Gast
Ultraschall ist und bleibt ein Buch mit sieben Siegeln für die allermeisten Patienten. Damit kann man auch viel Eindruck machen.
#1 gestern von Gast
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