Ostern und Weihnachten an einem Tag

24.04.2010
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Man kann so lange Hausarzt sein wie man will: Es gibt immer wieder Überraschungen. Letztens war so ein Tag. Gleich drei Dinge, die man, wenn überhaupt, nur ausnahmsweise als Hausarzt erlebt, sind mir an einem Tag widerfahren.

1. ein Patient besucht mich an seinem 65. Geburtstag

2. ein Patient hat mit dem Rauchen aufgehört und

3. ein Patient hat sein Leben umgestellt.

Ich gebe zu, jedes einzelne dieser Erlebnisse ist nicht besonders erschütternd oder überwältigend, aber lesen Sie weiter:

Patient Nr. 1 saß an seinem 65. Geburtstag in meiner Sprechstunde und brauchte ein Wiederholungsrezept. Dieser Grund war allerdings vorgeschoben, mitteilen wollte er mir etwas anderen. Er eröffnete mir, dass er gerade den letzten Arbeitstag seines Lebens beendet habe. Zwar sei es kein voller Arbeitstag mehr gewesen, sein Chef hätte ihm den Nachmittag erlassen, aber nun sei sein Arbeitsleben beendet. Warum ist das so ungewöhnlich? Ehrlich gesagt, ich erlebe wenig Menschen, die tatsächlich bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten. Dieses Ende eines Arbeitslebens fiel mir richtig auf.

Patient Nr. 2 war solange ich ihn kenne ein starker Raucher. In diesem Tag frage ich ihn, wie es mit den Zigaretten steht. Ich erinnerte mich daran (hatte auch eine Aktennotiz), dass wir ein halbes Jahr zuvor über das Rauchen gesprochen hatten. Der Patient antwortet mir: "Wieso? Ich rauche doch gar nicht mehr." Ich: "Wie das?" Er: "Das haben Sie mir doch letztes Mal verboten und da habe ich aufgehört." Ich: "Wie? Sie rauchen also seit einem halben Jahr nicht mehr?" Er: "Genau!"

So einfach kann das Leben eines Hausarztes sein. Es klang gerade so, als ob ich schon eher mal etwas hätte sagen sollen.

Patient Nr. 3 ist eine Frau und ein besonders erfreulicher Fall. Ebenfalls vor etwa einem halben Jahr kam sie zum Check zu mir. Im Rahmen dieses Checks fielen ein zu hoher Zuckerwert, ein massiv erhöhter Cholesterinwert, ein zu hoher Blutdruck und ein deutliches Übergewicht auf. Diese Entgleisung des Stoffwechsels war seit Jahren absehbar und mein Gerede bis zu diesem Tag Schall und Rauch. Im Zuge dieses letzten Checks wurde das vierte Medikament fällig. Nach zwei Blutdruckmitteln und einem Cholesterinsenker (wg. des kombinierten Risikos) setzte ich ein Mittel gegen zu hohen Blutzucker an.

Die sukzessive Entgleisung ihres Blutzuckers muss vor einem halben Jahr bei der Patientin eine Initialzündung ausgelöst haben, denn ich musste zum ersten Mal von einem manifesten Diabetes mellitus Typ II sprechen. Das war der Punkt, an dem sich bei dieser Patientin offensichtlich ein Schalter umgelegte. Sie hat nach diesem Check ihr Leben umgestellt.

Die Frau, Anfang sechzig, hat seitdem insgesamt zwölf Kilogramm Gewicht abgebaut. Inzwischen ist sie regelmäßige Walkerin und fährt täglich mit dem Rad. Ich konnte das Metformin zwischenzeitlich wieder absetzen. Heute waren Simvastatin und eines der beiden Blutdruckmittel fällig. Geblieben ist ein Blutdruckmedikament, von dem ich sicher bin, dass ich es in naher Zukunft auch noch absetzen oder reduzieren kann.

Alles in allem eine erfreuliche Häufung von positiven Fällen. Da freut sich der Hausarzt. Das ist wie Ostern und Weihnachten auf einem Tag. Einziger Wermutstropfen vielleicht die Frage: Warum fallen solche Erlebnisse als extrem besonders auf?

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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