SpiFa oder "Der Hase und der Igel"!

30.06.2017
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Bis auf die FDP haben CDU/CSU, SPD, Die Grünen und Die Linke wenig Verständnis für die in einem Positionspapier des Spitzenverbandes der Fachärzte (SpiFa) veröffentlichten Forderungen nach einer stärkeren Rolle von Fachärzten in der Grundversorgung. Selbst der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt warnte beim Fachärztetag im Rahmen des Hauptstadtkongresses:

CDU-Position

"Ob der Ansatz des SpiFa richtig ist, erscheint mir fraglich. Was ich von Fachärzten höre, ist, dass deren Praxen auch voll sind." Denn die hohe, eher eindimensional orientierte fachärztliche Qualifikation werde für die spezialisierte Versorgungsebene benötigt, sie mache für die Grundversorgung keinen Sinn.

SPD-Position

Professor Edgar Franke (SPD), Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, warnte davor, Haus- und Fachärzte gegeneinander auszuspielen. Er wollte die längerfristige Wirkung des Versorgungsstärkungs-Gesetzes abwarten. Nur wenn Haus- und Fachärzte ein gemeinsames Konzept anbieten würden, könne dies aufgegriffen werden.

Deutscher Hausärzteverband (HÄV)

Der Deutsche Hausärzteverband betrachtet den Vorstoß des Spitzenverbands Fachärzte Deutschland (SpiFa) zur "Grundversorgung" als realitätsfern und gefährlich. Am Montag, den 19.6.2017, hatte der SpiFa in einem Grundsatzpapier gefordert, die hausärztliche Versorgung neu zu denken. Hausärzte allein könnten absehbar ihrem Versorgungsauftrag bald nicht mehr nachkommen. Deshalb müsse die Bedeutung von Fachärzten in der "Grundversorgung" aufgewertet werden, so der SpiFa.

SpiFa bildungs- und -versorgungsfern?

Das findet Hausärzteverbandschef Dr. med. Ulrich Weigeldt "ziemlich wirr". "Es werden eine Menge steiler Thesen in den Raum geworfen, ohne die Konsequenzen für die Patientenversorgung zu bedenken". Der SpiFa unterscheidet Medizin-bildungs- und -versorgungsfern zwischen unimorbiden und multimorbiden Patienten. Angeblich benötige nur die multimorbide Gruppe eine Koordination durch den Hausarzt?

Hausarzt-spezifische Versorgung

Diese Einteilung bezeichnet Weigeldt als "krude, unpraktikabel und gefährlich": "Soll denn dabei die psychosoziale Gesamtsituation der Patienten überhaupt keine Rolle mehr spielen?", fragt er. Durch solche Vorschläge wird ein Versorgungs-"Chaos produziert". Es wäre viel besser, sich gemeinsam für eine vernünftige Strukturierung der Versorgung einzusetzen, fordert er.

"Der Hase und der Igel" kein Märchen?

Das erinnert allzu sehr an das Märchen "Der Hase und der Igel": Als der Hase wieder oben ankam, rief ihm der Igel entgegen: "Ich bin schon da!" Der Hase aber, ganz außer sich vor Eifer, schrie: "Es wird noch mal gelaufen!" "Mir recht, meinetwegen so oft, wie du Lust hast", antwortete der Igel. So lief der Hase dreiundsiebzigmal und der Igel hielt es immer wieder mit ihm aus. Jedes Mal, wenn der Hase unten oder oben ankam, sagte der Igel oder seine Frau: "Ich bin schon da!" http://maerchen.woxikon.de/27/der-hase-und-der-igel

Haus- und Fachärzte wie Hase und Igel?

So werden immer weniger Hasen (Hausärzte) von den vielen Igeln (Fachärzte) hereingelegt. Denn zur hausärztlichen Grundversorgung gehört das gesamte Gebiet der ambulant umfassend sicherzustellenden Versorgung unserer Patientinnen und Patienten, nicht nur die fachärztliche Rosinen-Pickerei:

1. Haus- und Heimbesuche auch zu Unzeiten, Beratung der Angehörigen

2. Routine- und Überwachungs-Labor, Kontroll-EKG, Lungenfunktion etc.

3. Differenzialdiagnostische Erörterung/Erklärung von Krankheitsbildern

4. Berücksichtigung bio-psycho-sozialer Lebens- und Krankheitsumstände

5. Aufarbeitung von Nebenwirkungen, Chancen, Risiken, Alternativen

6. Koordination, Kommunikation, Motivation, Empathie, Zuwendung, Steuerung

7. Prävention, Vorsorgeuntersuchungen, flankierende psychosoziale Hilfen

8. Begrenzung von "Flatrate"- und "all-you-can-eat"-Mentalität

9. Reflexion der medizinisch psychosomatischen Machbarkeiten 

10. Einordnung und Bewertung bio-psycho-sozialer Interdependenzen

SpiFa schlicht gestrickt?

Das alles kann der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) in den Arbeitsinhalten seiner Facharzt-Mitglieder nicht konkret verorten, benennen, anregen oder konkretisieren. Er duckt sich wie Herr und Frau Igel in der Ackerfurche, bis Politiker, Medien, Medizin-Journalisten und die interessierte Öffentlichkeit bzw. die hausärztlichen "alten Hasen" vorbeikommen.

SpiFa-Mogelpackung

Dann springt er wie die Igel-Familie auf und ruft ganz laut: "Ich bin schon da!" Oder wie es auf Plattdeutsch unter dem Titel "De Has un de Swinegel" heißt: "Ick bün al dor"!

Bildquelle: Repro © Praxis Dr. Schätzler \"Der Hase und der Igel\" von Prof. Paul Hey (*1867)

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.07.2017.

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