Ich als Arzt: Was bisher geschah

29.06.2017
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Eine gefühlte Ära neigt sich dem Ende. Und das in doppelter Hinsicht! 10 Jahre Krankenpflege auf dem Weg zum Arzt. Und fast genauso viele Jobs wie Jahre.

Der Anfang

In diesem Moment drücke ich mich davor, mit Lerntag 11 von 100 des zweiten Staatsexamens zu beginnen und denke lieber an die wundervollen Momente, die mich in den letzten zehn Jahren bis hier begleitet haben.

Anno Domini 2007 leistete ich mein erstes Pflegepraktikum ab. Eine aufregende Zeit nach dem Ende meines Freiwilligen Sozialen Jahres bei den Johannitern, während dem ich beschlossen hatte, dass ich mich in Krankenhäusern wohl fühle – dummerweise lange nachdem ich in der Schule beschlossen hatte, eh nicht Medizin studieren zu wollen und mich deshalb auf die faule Haut gelegt hatte.

An das Pflegepraktikum schlossen sich zwei Jahre als Pflegehelfer und Nachtwache in einem Haus der Maximalversorgung an. Durch dauerkranke oder schwangere Hauptnachtwachen hatte ich den Posten quasi als Aushilfe (und immerhin schon Sanitätshelfer) für eine Weile gebucht und meistens viel Spaß, mir die Nächte um die Ohren zu schlagen.

Am schönsten in meiner Erinnerung war unter anderem dieser Moment: Ein ebenfalls als Aushilfe angestellter junger Kollege und ich standen um Mitternacht für eine Kellerfahrt vor dem Aufzug und unterhielten uns gut. Jäh unterbrochen wurde die Unterhaltung durch einen Schrei von ihm, als sich der leichenstarre Arm des Verstorbenen gegen das darunter eingeklemmte Laken durchsetzte und ihm auf die Hüfte klopfte.

Das Warten

Nun, da mit meinem desaströsen Einskomma‑Abi erstmal Warten angesagt war, folgte über die Jahre ein Ritt durch die Welt de Rettungsdienste, die Selbstständigkeit als Fotograf, viele kleine Jobs – und als dann immer noch drei Jahre Wartezeit abzusehen waren, schließlich die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger im schönen Frankfurt. Schön, wenn man ein paar Jahre hier wohnt und sich von den Gegenden fern hält, die nicht schön sind. Und im Gegenzug Frankfurts grüne Seite und die reiche Kultur genießt.

Das Ende?

Nach nur sechs Jahren des fröhlichen Zeitvertreibs – mein Dank gilt noch heute der ZVS/hochschulstart.de und meiner fehlkalkulierten Faulheit während der Oberstufe – die Zulassung zum Medizinstudium! Kaum fassbar. Was habe ich in der folgenden Zeit alles kennen gelernt! Spannende Themen, große Egos und kleine Geister sowie jede Menge nette Menschen und neue Perspektiven.

Mit Beginn des Studiums begann auch die Zeit in der Arbeitswelt als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger. Obwohl ich als Teilzeitkraft „nie da“ war, wie es meine Kollegen auszudrücken pflegten, hat mich die Zeit bereichert. Es hat überwiegend großen Spaß gemacht und mich in meiner Berufswahl bekräftigt.

Zu Beginn des Monats hatte ich meinen letzten Dienst als Krankenpfleger. Das ist immer noch ein seltsames Gefühl. Irgendwie ein Ende, geht es ja doch weiter. Vieles aus der Zeit werde ich mitnehmen. Ich wünsche meinen Kollegen, dass die Pflege in Zukunft mehr Beachtung findet und sich so gut positionieren kann, dass Ansehen und Einkommen dem gerecht werden, was mit viel Engagement geleistet wird.

Man lernt nie aus

Ich sitze hier und bringe, wenn ich nicht gerade schreibe, mein Wissen auf Vordermann. Dabei denke ich an die Mutter des Hausarztes während meines letzten Praktikums vor dem PJ, die ihn fast mitleidig fragte: „Musst du denn immer noch lernen?!“

Wir waren uns einig, dass wir beide noch gerne lernen dürfen. Ich hoffe, dass ich auch noch in seinem Alter der gleichen Meinung sein werde. Gut, dass so schnell kein Ende in Sicht ist. Ich freue mich darauf, dass es weiter geht. In greifbarer Zukunft dann als Arzt. Ein nächster Anfang mit einer Geschichte, die mir fachlich und persönlich viele Perspektiven eröffnet.

 

Bildquelle: victorio marasigan, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.07.2017.

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Gast
Toll! Ich bewundere jede/n, der oder die aus der Pflege in den Arztberuf wechselt - die Herangehensweise an die Medizin ist ja schon sehr verschieden. Im Studium habe ich (Glück gehabt, trotz desaströsen 2er-Abis dank Test gleich reingekommen) auch als Pflegehelferin gejobbt, das bringt den Vorteil, dass man buchstäblich keine Berührungsängste gegenüber Patienten hat. Weiter so, lieber Kollege!
#1 am 12.07.2017 von Gast
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