Der totgeschwiegene Patient

28.06.2017

Wenn es eine Sache gibt, die allem widerstrebt, was Mediziner im Studium lernen, ist es der Tod. Es gilt, ihn zu bekämpfen. Auch in Worten. Sei der Fall noch so hoffnungslos, der Patient und seine Angehörigen hören: Da geht noch was. Was ist so grausam an klaren Worten?

Warum scheuen sich Mediziner so sehr, auch mal klar zu sagen: Hier ist ein Leben gelebt worden und jetzt geht es zu Ende. Warum? 
Die Antwort ist relativ einfach und für den Patienten, noch mehr aber für die Angehörigen von schmerzhafter Konsequenz. Der Arzt wird darin ausgebildet zu helfen. Zu heilen. Zu retten. Den Tod als finale Niederlage zu akzeptieren wiederstrebt allem, was ein Mediziner im Studium und in der Ausbildung lernt und anderen lehrt. Und deshalb meidet der gemeine Arzt den Tod so konsequent es irgend möglich ist. Es wird nicht über das Ableben gesprochen (im Hospiz? Zuhause im Bett mit palliativer Pflege? Auf der Intensivstation? Beatmet?) sondern lieber nach weiteren lebensverlängernden Maßnahmen gesucht (Chemo? Bestrahlung? Heimbeatmung? Dialyse?).

Hoffnungsloser Fall: Wir müssen alles versuchen

Den Patienten wird oft in blumigen Worten (ich war oft genug dabei!) von all den Möglichkeiten erzählt. Damit verbundene Einschränkungen werden, wenn überhaupt, sehr selten und mehr als Fußnote, kleinlaut und im Flüsterton und auch nur auf explizites Nachfragen erwähnt. Und Nachfragen kommen glücklicherweise sehr selten. 
Nein, eine Chemotherapie ist kein Ponyhof. Und eine Dialysetherapie heißt mindestens dreimal die Woche für ca. 8 Stunden im Krankenhaus sitzen, dazu unzählige Katheterwechsel, tausend neue Medikamente, tausend mal tausend Nebenwirkungen und irgendwann das unter Medizinern berühmte „Dialysehirn“. 
Die Vermeidung des Todes hört aber nicht mit dem Tod auf. Manche Patienten erdreisten sich tatsächlich zu sterben, tun dies dann auch noch im Krankenhaus und werden dann mit Laken überm Gesicht (warum eigentlich?) über den Lastenaufzug schnell in den Keller gefahren und von dort aus in einem abgedunkelten Fahrzeug abtransportiert. Ist der Tod so etwas grausames? Oder ist es nicht viel grausamer, wenn man sich ständig darum bemüht ihn zu verdrängen?

Vor ein paar Jahren lernte ich (damals noch Student) einen Patienten, Herr Postel, 54 J.  kennen. Seineszeichens im Amateurbereich erfolgreicher Fahrrad-Rennfahrer, immer viel an der frischen Luft, nie geraucht, jetzt mit metastasiertem Bronchialkarzinom*. Traurig, tragisch, ohne Frage. Der Familie wurden die üblichen Gespräche angeboten (ja, Chemo, auf jeden Fall … gute Prognose … müssen alles versuchen … noch keine Lebermetastasen …).


Für Mediziner ein klarer – weil hoffnungsloser – Fall. Für den Patienten und die Familie – aufgrund mangelhafter Aufklärung – eine ernste, aber zu überstehende Erkrankung. Nach außen sah man ja wenig von dem Tumor.
 Herr Postel starb inmitten eines seiner unzähligen Chemotherapiezyklen – für einen Tumorpatienten typisch – sehr plötzlich, er hatte eine massive Lungenembolie (Verlegung der Hauptblutbahnen der Lunge).

Die Familie fällt aus allen Wolken

Nicht alle Tumorpatienten sterben einen langsamen Tod. Der Tumor macht tausend Veränderungen im Körper, eine mögliche Folge sind Gefäßgerinnsel mit plöztlichen Schlaganfällen oder eben Lungenembolien. 
Die Familie fiel aus allen Wolken. Der wäre doch noch so gesund gewesen, sie haben doch noch im Garten gesessen, von Tod wäre überhaupt nie die Rede gewesen.
 Die behandelnden Mediziner wiederum waren perplex. Für sie war es unausgesprochen (!) klar, dass diese Erkrankung zum Tode führen würde. Nur war eben nicht klar, wann.

Das Problem für die Familie war, dass es ein Unternehmen gab, welches von Herrn Postel als Geschäftsführer geleitet wurde. Ausstehende Großaufträge waren an seine Person gebunden, Verträge und prokuristische Rechte waren alleine für ihn festgeschrieben. Es gab keine Vorsorge, weil keiner damit rechnete, dass man an sowas auch mal sterben könne. Die Firma wurde letztlich unter den beiden Söhnen aufgeteilt, der eine wollte, der andere wollte nicht, das Erbe wurde ausgezahlt, die Firma verkauft, letztlich insolvent, die Mitarbeiter arbeitslos.
 Klar hätte man auch unabhängig von der Erkrankung viel eher vorsorgen müssen, aber hier trifft die behandelnden Mediziner nach meinem Erachten eine Teilschuld, weil wieder mal das Unvermeidliche gemieden wurde.

Für den Mediziner ist der Tod die ultimative Niederlage. Er ist der größte Feind und er gilt bekämpft zu werden, mit allen Mitteln. Bis zum Schluss. Und sei es auch die drölfzigste Chemotherapie, dem Patienten wird immer erzählt: Da geht! noch! was! 
Warum eigentlich? 
Schon wenn wir geboren werden ist klar, dass dieses kleine Herz auch irgendwann wieder aufhören wird zu schlagen. Warum muss man dann so krampfhaft alles tun, um das unvermeidliche zu vermeiden?

Gespräche ebnen den Weg

Und so bleibt am Ende als ewiger Gewinner immer der Tod. Ich für meinen Teil sehe den Tod als Teil des Berufs, Teil der Krankheit. Ich freue mich, wenn ich Menschen durch Gespräche oder auch Medikamente die Angst vor dem Tod nehmen kann. Statt Angst vor einer erneuten Niederlage gegen den ewigen Gewinner zu haben, konzentriere ich mich darauf, den Angehörigen Mut zu machen, ihre geliebten Menschen gehen zu lassen und dann den letzten Weg gemeinsam zu gehen. Oft erlebt man dabei wunderbar friedliche Momente.

Solche Gespräche dauern manchmal eine Stunde, manchmal auch länger, und sind in jedem Fall aufwendiger als eine Dialyseanlage ins Zimmer zu fahren und anzuschließen. Aber sie sind wichtig und gut und richtig. 
Es gibt ein Umdenken in der jungen Medizinergeneration, ich glaube wir sind da auf einem guten Weg.

 

Bildquelle: catherine, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 07.07.2017.

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Gast
1 A-top Artikel, sage ( schreibe) ich als alte Pflegekraft / etliche Jahre als Int.schw. und mittlerweile selbst mit 1 Onko. Diagnose; wobei dies beschriebene Verhalten auch auf Pflegekräfte usw. zutrifft; blos nicht die Wahrheit aufzeigen...oft habe ich den Eindruck:heute ist Sterben & Tod weit mehr Tabuthema als Sexualität ff.
#63 am 12.08.2017 von Gast
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Endlich wird es angesprochen - wir sind Teil der Natur mit Geburt - Leben und Sterben! Wie schön, sich neben den Allmachtsgedanken der Wissenschaft endlich daran zu erinnern...
#62 am 19.07.2017 von HP Ingeborg Schauer (Heilpraktikerin)
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Ich meine nur: sehr schön!!
#61 am 11.07.2017 von Dr. Christoph Neuwirth (Arzt)
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Der beste Artikel seit langem!! Vielen Dank!!!
#60 am 11.07.2017 von Ramona Kilburg (Studentin)
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Über den Umgang mit dem Tod wurde ich als Student nicht ausgebildet, habe selbst nach über 30 Jahren manchmal meine Probleme damit. Als Assi in der Chirurgie lernte ich einen Pat. kennen mit einem damals unheilbaren Magenca. Er lag für seine letzten Tage stationär und hatte keine Ahnung von seiner let. Prognose. Seine Frau besuchte ihn regelmäßig und brachte ihm selbstgebackene Lebkuchen mit - im Sept. - da er sie so gerne aß. Er schenkte sie mir und meinte, er bekomme im Nov. sowieso wieder welche. Ich nahm sie lächelnd an und rannte ins Arztzimmer. Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, aber das ging mir nach, denn ich wußte, dass er diese Lebkuchen nicht mehr erleben würde. – 2 h später stellte ich den Fall in der Abendrunde zur Diskussion. Alle drei ChA weigerten sich, den Pat. aufzuklären. Auf meine lächerliche Drohung, dass ich es dann selbst mache...als "kleinster Assistenzarzt", wurde es mir unter Hinweis auf Konsequenzen untersagt. Ich machte es trotzdem, bei einer Runde Lebkuchen. Meine intern. Karriere war vor Beginn beendet, mein chirurg. Chef zollte mir auf einmal Respekt. Der Pat. und seine Frau waren dankbar. Der Pat. konnte sich vorbereiten und Abschied nehmen.
#59 am 10.07.2017 von Alfred Geißler (Arzt)
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Gast
Zu 56: eine wunderbare Zusammenstellung zu allen palliativmedizinische Themen. Herzlichen Dank!
#58 am 09.07.2017 von Gast
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Gast
Danke lieber Kollege.
#57 am 09.07.2017 von Gast
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Gast
#56 am 09.07.2017 von Gast
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Gast 50
Ich sehe die Palliativmediziner keineswegs als Sterbeärzte. Ich stimme ihnen in allen Punkten zu. Ganz besonders dahingehend dass eine Palliativmedizinische Betreuung in sehr vielen Fällen schon wesentlich früher organisiert werden sollte, denn auch und ganz besonders jemand der noch in aggressiver Behandlung ist profitiert von der Beratung und Symptomkontrolle, dafür seid ihr nun einmal die besten Ansprechpartner. Ich halte in den meisten Fällen eine gemeinsame Begleitung für das Beste. Leider gibt es immer noch Leute die glauben es gilt entweder oder. Zusammenarbeit ist über interdisziplinäre Tumorkonferenzen möglich, sowohl bei klinikärzten als auch niedergelassenen die dazu eingeladen werden. Ich habe wohl ihren Satz: " 5% sind keine Option" wohl dahingehend missverstanden dass diesen Patienten generell von einem Therapieversuch abgeraten werden sollte und das stimmt natürlich nicht.
#55 am 09.07.2017 von Gast 50 (Gast)
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Gast
Nachtrag zu 53: Und auch der 45jährige Pat. sollte spätestens im Stadium einer Metastasierung mit infauster Prognose ( aber die muss man auch als Arzt erstmal anerkennen)wissen an welchen Palliativmediziner er sich wenden kann. Warum sehen Sie uns Palliativmediziner immer nur als " Sterbeärzte". Wir können in auswegloser Situation noch so viel Hoffnung und ja auch Strohhalme anbieten. Mir wird leider immer klarer, dass viele unserer onkologischen und internistischen Kollegen eben nicht wissen, was wir Palliativmediziner tun. Ja , wir stehen Patienten auch beim Sterben bei, aber dies ist nicht unsere Hauptintension.
#54 am 09.07.2017 von Gast
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Gast
Nachtrag zu 52: Natürlich würde ich keinem 45jährigen Familienvater von einer Chemotherapie abraten. Dem 85jährigem von einer dritten oder vierten Linie Chemo aber schon. Im Übrigen besteht doch die Kunst. Des ärztlichen Gespräches nun wirklich darin, herauszufinden, was der Patient möchte, ihn zu beraten und den Weg dann mit ihm zu gehen, für den er sich entschieden hat. Das ist für mich der Kern des palliativmedizinische Gespräches. Dies erlebe ich leider bei unseren onkologischen Kollegen in unserer Gegend nicht. Aber ich bin guter Hoffnung, das dies nur ein regionales Problem bei uns ist. Warum schaffen wir es nicht, GEMEINSAM das Beste für unsere Pat. zu tun. Das ist mir ein Rätsel! ( und das bei einer 5% Überlebensrate nach 5 Jahren , nach 2 Jahren noch mehr Pat. leben ist mir durchaus klar gewesen! :-) Nur eben zu welchem Preis! Gauben Sie mir, ich weiß vovon ich rede! Dürfte das Erlebnis Chemo schon selbst durchmachen!
#53 am 09.07.2017 von Gast
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Gast
Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu! Genau das erlebe ich auch und hätte ich gemeint. Nur leider erlebe ich immer wieder, dass eben die Achtzigjährigen auch noch die dritte und vierte Linie Chemotherapie bekommen. Und das halte ich für verantwortungslos! Wie sie schon sagten. Es gibt kein Schwarz oder Weiß. Nur würden viele Tumorpatienten davon profitieren, wenn man schon eher einen Palliativmediziner einschalten würde. Und wir scheuen uns dann auch nicht, mit Patienten über ihre Optionen oder über Tod und Sterben zu reden. Aber eben ganz behutsam und so wie es der Patient in eben diesem Moment braucht. Es gibt auch mittlerweile wunderbare Untersuchungen, das Tumorpatienten mit palliativmedizinische Betreuung wesentlich länger leben. Eigentlich wollen wir doch alle das Gleiche. Die Überlebenszeit des Pat. So lange und so gut wie möglich zu gestalten. Und ja, die Entscheidung liegt hier absolut beim Pat. Nur müssen wir ihn in die Lage versetzen auch selbst entscheiden zu können.
#52 am 09.07.2017 von Gast
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## 21 FRAU HPT ,- gehts noch ?
#51 am 09.07.2017 von Dr. med.vet. Öistein Gaarden (Tierarzt)
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Gast
5% sind keine Option? Gemeint sind 5% nach 5 Jahren, das bedeutet wesentlich mehr die noch ein oder 2 Jahre leben. Natürlich sollte die Lebensqualität im Vordergrund stehen aber es gibt Menschen die wollen diesen Strohhalm unbedingt, koste es was es wolle. Ich als Internist erlebe es immer wieder dass die Wahrheit irgendwo zwischen dem liegt was der Onkologe sagt und dem was der Palliativmediziner sagt. Hier geht es um Ehrlichkeit! Was eine akzeptable Option ist muss immer noch der Patient entscheiden und dafür muss er wissen womit er es zu tun hat. Dabei muss auch immer die individuelle Situation berücksichtigt werden. Ein 80 jähriger multimorbider will vielleicht für 6-12 Monate mehr Lebenszeit keine Chemo über sich ergehen lassen, ein 45jähriger Familienvater der bisher keinerlei Beschwerden hat womöglich schon. Der wird sich mit ihnen wohl kaum über Symptomkontrolle in der Finalphase unterhalten wollen sondern über den letzten Funken Hoffnung und wieviel Lebensqualität der kostet.
#50 am 08.07.2017 von Gast
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Gast
Leider erlebe ich als Palliativmedizinerin immer wieder, dass Patienten über die gravierenden Nebenwirkungen der sehr belastenden ontologischen Therapien nur sehr marginal oder gar nicht aufgeklärt werden. Auch werden diese Nebenwirkungen nur sehr wenig oder schlecht behandelt. Und über welche Patienten reden wir denn hier. Nicht über Patienten mit Heilungschancen sondern über Pat. In einer palliativen Situation am ENDE ihres Lebens. Und mit Verlaub an die onkologischen Kollegen in der Runde: In dieser Situation sind Überlebenschancen von 5% keine wirkliche Option. Wie Sie bereits richtig erwähnten, noch nicht einmal mit einer Garantie, dass das gewünschte Ergebnis auch eintritt. Hier sollte nicht nur die Quantität der Überlebenszeit im Vordergrund stehen, sondern es sollte sich ausschließlich um die Lebensqualität drehen.
#49 am 08.07.2017 von Gast
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Ich weiss nicht wie ich es anders ausdrücken soll: wir haben in unserer Gesellschaft verlernt, den Tod zu erfühlen, zu erahnen, zu erwarten und zu akzeptieren. Der normale Bürger erlebt das Sterben, Siechen, Hinscheiden nicht mehr. Alles Begriffe, die früher normal waren. Er erlebt den Tod der Geschwister, Eltern, Großeltern oder des eigenen Kindes, wie es noch vor den 60ziger Jahren üblich war, nicht mehr. Auch die nicht mehr in der Religion, jedes christliche Kreuz führt den Tod vor Augen, verhaftete säkulare Lebensweise ermöglicht das Verdrängen des Todes. Ich kann es keinem Arzt verhehlen, dass er/sie dieses Thema nicht anfassen will, denn die emotionale Bestürzung, die er mit dieser Äußerung auslöst, ist nicht zu überblicken. Panik und Angst können unberechenbare Folgen haben.
#48 am 08.07.2017 von Kornelia Tippmann-Berscheid (Apothekerin)
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Gast
Ergänzung: ich finde übrigens die sich hier zu Wort meldende Onkologin sehr gut. Die Zahlen bezüglich der Prognosen stimmen und auch die Einschätzung zur Chemo "ob es wirklich nützt weiß man halt leider erst hinterher..." nur ich frage mich, warum man immer wieder hört, dass gerade das dem Patienten nicht so gesagt wird... und es eben auch noch selbst in der Familie erlebt ( sonst würde man es vielleicht gar nicht glauben, hätte man nicht selbst daneben gesessen)
#47 am 08.07.2017 von Gast
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Gast
Ich finde diesen Artikel sehr gut. Die Patienten werden von den Ärzten (sicher nicht von allen, aber wohl dem überwiegenden Teil) gnadenlos angelogen, nur damit sie eine Chemo machen. Dies haben wir zumindest erlebt. " Machen Sie die Chemo, dann haben Sie ein für alle mal Ruhe vom Krebs!" .. und das bei einer 5 Jahres überlebensrate zwischen 30 und 60 %, je nach Studie. Ein alter Mensch glaubt natürlich den studierten Ärzten und hört das, was er gern hören will. So hat dieser arme Mensch leider keine Ahnung, wie es um ihn steht...
#46 am 08.07.2017 von Gast
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Gast
Danke für diesen Artikel! Als jemand, der beruflich selber aus dem Gesundheitswesen kommt, "darf" ich nun das System und seine Akteure von der Patientenseite betrachten und finde es erschreckend. Ich bin mir seit der Erstdiagnose über die Prognose meiner metastasierten Tumorerkrankung im Klaren. Aber nicht, weil es irgendeinen Arzt gegeben hätte, der mutig genug gewesen wäre, offen mit mir darüber zu sprechen, sondern weil ich weiß, wie ich mir welche med. Fachinformation im Netz suche. Ich habe mich selber aufgeklärt! Da ich keine Angst habe vor dem Tod, macht mich allein das zu frühe Sterben traurig, aber ich habe meinen Frieden damit gemacht. Das hat zur Folge, dass ich meine Ärzte an dem Punkt weit hinter mir gelassen habe. Die Angst vor dem Tod auf Seiten der Ärzte ist oft förmlich greifbar. Um sie nicht zu überfordern, lasse ich das Thema Tod u. Sterben aus. Da gibt es noch viel zu lernen für Onkologen. Aber es hapert nicht nur am Was im Gespräch, sondern noch häufiger am Wie.
#45 am 08.07.2017 von Gast
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Das Gespräch mit Patienten über potentiell tödliche Erkrankungen, nicht nur onkologischen, ist ein kontinuierlicher, mehrteiliger, auf Reaktion eingehender Prozess und wird meist nur in der Praxis durch Vorbilder erworben! Selbstverständlich ist dabei auch auf den Tod hinzuweisen, verbunden m dem Hinweis auf entsprechende Vorsorge! Die Überlebenskurven der auch metastasiert an Krebs Erkrankten haben sich in den letzten Jahren dramatisch verbessert - auch die Rate der Langzeitüberleber! Aber eben jede dieser Kurven weist schon ab Beginn Todesfälle auf - die Patienten am Kurvenende können uns Ärzte "Traumdeuter" o ä nennen -sie leben ja noch. Onkologen und andere mit potentiell tödlichen Krankheiten befassten Ärzte müssen die Realität aufzuzeigen, irgendwo entlang einer Zeitachse zu sterben, aber gleichzeitig die Hoffnung auf möglichst langen Therapie-Erfolg zu vermitteln! Der Erfolg ist das Ziel und dieses Ziel ist auch der Weg. NB: die genannten Langzeitüberleber sind Realität!
#44 am 08.07.2017 von Dr. Anton C. Mayr (Arzt)
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Ärztin
@Gast: von wegen realitätsfern, von wegen Nobelpreis... die 5jahres-Überlebensrate liegt insgesamt bei 5%. Bei initial nicht-metastasierten nach Op sogar bei 20%. Ich bin froh wenn sich hier auch erfahrene Onkologen zu Wort melden, die "Meinungen" von unqualifizierten Ärztehassern bringen uns hier nicht weiter. Ich verstehe warum Onkologen oft angefeindet werden. Die Therapie ist nebenwirkungsreich und kostet den Patienten sehr viel. Weil der Tumor oft weniger Krankheitsgefühl hervorruft bekommt man das subjektive Gefühl es schade mehr als es nützt... ob es wirklich nützt weiß man halt leider erst hinterher. Es gibt viele Patienten die diesen Preis bezahlen wollen um eine wenn auch nur kleine Chance auf Heilung oder zumindest mehr Lebenszeit zu bekommen. Wenn es nicht klappt ist die Enttäuschung groß dass es keine besseren Methoden gibt, dafür können die Ärzte nichts. Diejenigen welche ihre Patienten umfassend aufklären leisten gute und wichtige Arbeit aber sie können nicht hellsehen.
#43 am 08.07.2017 von Ärztin (Gast)
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Gast
Warum hätte ich keine andere Antwort erwartet aus dem Munde eines Onkologen. Herzlichen Glückwunsch wenn SIE jedem Pat übers Sterben reden! Allein nicht nur das Sie reden, sondern auch das Wie ist wichtig. Im Übrigen sollten Sie sich für den Nobelpreis anmelden, wenn viele Ihrer Pat. Mit Pankreas-Ca 5 Jahre überleben. Werfen Sie doch bitte anderen nicht Unwissen oder Unsachlichkeit vor, wenn Sie selbst realitätsferne Argumente bemühen!
#42 am 08.07.2017 von Gast
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Ich sehe, hier sind wenig Onkologen im Dialog. Ich rede mit jedem Patienten über das Sterben und es gibt nicht wenige Patienten, die mit metastasierter Krebserkrankung unerwartet mal 3 oder 5 Jahre leben- auch Pankreas- und Magen-Ca! Wer würde da auf eine therapeutische Option (Ja, böse Chemotherapie!!) verzichten wollten und lieber "friedlich", aber halt 3 Jahre früher sterben? Zuviele, die keine Ahnung haben reden mit.. realitätsferner Artikel, wer mit metastasiertem Bronchialkarzinom nicht weiß, dass er stirbt, leitet auch keine Firma. FÄ für Onkologie
#41 am 07.07.2017 von Dr Tanja Zilch (Ärztin)
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Gast
Wann werden wir mit unseren Patienten endlich so umgehen, wie jeder von uns Ärzten es gerne für sich und seine Angehörigen hätte. Dann wäre schön viel geholfen!
#40 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
Als ich - gerade 3 Wochen Medizinalassistent - ziemlich geknickt am Bett meines ersten sterbenden Patienten stand, die Wiederbelebungsversuche nicht hilfreich waren, legte mir mein großartiger türkischer OA einen Arm um die Schulter: "Doktorin, wenn sie in der Zukunft eine gute Ärztin sein wollen, müssen Sie bis dahin Ihren eigenen kleinen Friedhof haben." ich habe diesen Satz bis heute nicht vergessen, vorgestern wurde mir zum 50. Doktorjubiläum gratuliert.......
#39 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
Solange Chemotherapien besser bezahlt werden als jede palliativmedizinische Maßnahme brauchen wir uns über Würde am Lebensende nicht zu unterhalten. Warum kann man als Palliativmediziner in eigener Praxis nicht überleben, als Onkologe aber schon? Und dann wird seit Jahren über die Stärkung der Palliativmedizin geredet. Das ich nicht lache! Es gibt kaum etwas zynischeres!
#38 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
Bravo! Sie sprechen mir aus dem Herzen!
#37 am 07.07.2017 von Gast
  0
Es fehlen die Gespräche, auch über den Tod. Gespräche, in denen sich der Patient mit seiner Situation auseinandersetzen kann. Vielleicht auch einfach nur jemand, der zuhört. Nicht jeder möchte sprechen und Ärzte haben keine Zeit, denn für Gespräche mit diesen Menschen braucht es Zeit. Es ist schwierig das Unabänderliche anzunehmen, aber sich auf das wirklich Wichtige im Leben besinnen und dabei unterstützt werden, kann helfen, den Tod anzunehmen. Auch Sterben ist ein Prozess und braucht Begleitung und nach Möglichkeit Schmerzfreiheit. Das System ist nicht richtig. Der Körper wird behandelt. Die Seele kommt nicht nach.
#36 am 07.07.2017 von Christa Samluck (Heilpraktikerin)
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Gast
Finde es am schlimmsten, wenn ich im Dienst Erstdiagnose einer fortgeschrittenen Krebserkrankung dringend vermute (zB Multiple Metastasierung in der CT Diabnostik), aber aufgrund noch fehlenden weiteren Befunden dem Patienten ins Gesicht sehe und auf die weiteren Untersuchungen/ Op/ Histo hinweise. Kein gutes Gefühl, aber was konkret sagen darf man natürlich nicht
#35 am 07.07.2017 von Gast
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Eric
am Ende bleibt bei allen nur der Tod, aber als Gewinner sehe ich den Tod noch lange nicht denn die Geburtenrate liegt doch meines Wissens noch höher oder ??
#34 am 07.07.2017 von Eric (Gast)
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Als Palliativmediziner und Internist kann ich aus langer Berufserfahrung sagen: der Tod wird immer weniger akzeptiert. Ich spreche immer offen mit meinen Patienten/ Angehörigen, häufig in " Häppchen " versucht die Belastbarkeit des einzelnen zu erkennen und im Gespräch darauf Rücksicht zu nehmen... Und zunehmend ( in Betrachtung der zurück liegenden Jahre) :" wie? keine Therapie mehr möglich? Nein! da geht doch noch was" ( mal etwas pflapsig die Reaktionen zusammen gefasst). Der Tod kommt nur bei ANDEREN vor! In der modernen Gesellschaft kommt er nicht vor und wird immer weniger akzeptiert... Das macht die Arbeit zunehmend schwieriger. ( Und wenn der 90 jährige Pat dann doch stirbt ist garantiert irgendjemand daran Schuld, den man verklagen kann!!!) Kommt leider auch immer öfter vor. Fazit: ein Problem was sich bei weitem nicht nur auf die Ärzte bezieht!
#33 am 07.07.2017 von Dorothee Urbanke (Ärztin)
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Eric
meines Erachtens ist es eine Frage der Würde ob und wie ich gehe. Muss man sich wirklich noch über Jahre unter schmerzen und gebrechen dahin sichen lassen....... mit dieser oder dieser terapie in einem alter von dem Tutanchamun nicht einmal geträumt hätte. Oder darf man auch in Würde gehen: ich mag jatzt auch mal auf den Film in Arte anspielen "und morgen mittag bin ich Tod" der mich sehr berührt hat. Für die die bleiben ist es immer hart. Ich denke hier hätte der Patient die letzte Entscheidung und Warheit verdient.
#32 am 07.07.2017 von Eric (Gast)
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Gast
ad #27 Ja, hier gilt die Hoffnung stirbt zuletzt. Das hat nichts mehr mit logischen Denkvermögen zu tun. Die Patienten klammern sich an die Hoffnungen und Illusionen die von den Ärzten geschürt werden, das eben doch noch eine Heilung eintritt. Es gibt Ausnahmen. Das Patienten ganz kurz vor dem Tode zu wissen scheinen, dass das Leben am Ende ist ist eine andere Sache. Es geht um die Wochen und Monate oder manchmal sogar Jahre vorher. Ich habe das selbst beim Tod meiner Stiefmutter erlebt, wo trotz fataler Prognose möglichst noch eine weitere nutzlose Chemotherapie gemacht werden sollte. Es war von vornherein völlig klar, dass eine weitere Chemo am absehbaren Tod absolut gar nichts ändern wird. Es scheint manchen Ärzten völlig egal zu sein was die Therapie für die Lebensqualität des Patienten bedeutet. Hauptsache scheint zu sein, dass der Patient - zumindest statistisch - ein paar Tage oder sogar Wochen länger überlebt. Dann kann der Arzt sich ja sagen er hätte alles versucht.
#31 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
Als psychiater kann ich all dem nur hinzufügen - solche situationen hab ich selber als aip innere und später als assi psychiatrie erlebt: die ärzte haben angst. Das ist das entscheidende und der grund für diese unzumutbaren verhaltensweisen gegenüber patienten. Wir ärzte müssen uns trauen, erwachsen zu werden und der eigenen !!! endlichkeit ins auge zu sehen. Dann brauchen wir auf der arbeit kein theater mehr zu spielen. Die patienten fühlen, dass und wenn etwas nicht stimmt. Liebe kollegen, seid authentisch. Jeder patient fühlt sich warmherzig begleitet, wenn wir auch tränen in den augen haben. House of god: be with the patient.
#30 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
Entschuldigung, meinem Vater hat man gesagt, dass er nun sterben muss und es es hat ihm nicht geholfen, ganz im Gegenteil, es hat ihn einfach nur zur Tode geängstigt, wir waren bei ihm und haben ihn mit einer grünen Dame betreut . Er war jahrelang krebskrank, hat immer lebensverlängernde Maßnahmen abgelehnt und wollte sie dann (was sein gutes Recht war und ist) doch haben und wurde panisch. Kann man nicht einfach mal menschlich von Einzelfall zu Einzelfall entscheiden, wie viel Wahrheit ein Patient und die Angehörigen brauchen und ertragen können? Mal abgesehen von den Fällen, bei denen sich die Ärzte über den Sterbezeitraum auch durchaus kräftig verschätzen ( so etwas soll gar nicht so selten vorkommen.) Was nutzt nutzt einem jahrelang an Krebs erkrankten Patienten die Info überhaupt? Wenn er sich bis dahin nicht mit seiner Familie u. seinen Freunden ausgesöhnt hat, wird er es nicht mehr schaffen.
#29 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
@FRau Deinzer / HPA: holen Sie sich bitte Hilfe!
#28 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
Glaubt hier eigentlich irgendwer ernsthaft, dass ein Schwerkranker nicht weiß, dass er bald sterben wird? Uns sind heute die Sterbephasen, wie auch die Verlaugnungsphase, sehr wohl bekannt. Was wenn, der Schwerkranke UNS schützen will? Und die Maßnahmen den Tod vehindern / hinauszögern?
#27 am 07.07.2017 von Gast
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Gast
Ich war 12,als meine Oma schwer krank wurde. Darmverschluss wie es hieß. Ich war mit im Krankenhaus. Der Arzt kam im Gang auf uns zu und sagte "die Uhr ist abgelaufen". Sicher nicht ganz geschickt, damals im Jahre 1960. Heute würde sicher "alles versucht", 70 ist doch kein Alter. Aber durch diese Ehrlichkeit konnte meine Mutter ihre Mutter zu sich nehmen und sie ist 3 Wochen später friedlich gestorben. Das hat mich geprägt und mir geholfen, Abschiede als Pfarrer ganz anders zu begleiten.
#26 am 07.07.2017 von Gast
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HPA
Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang: Gian Domenico Borasio: "Über das Sterben"
#25 am 07.07.2017 von HPA (Gast)
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HPA
Wie wahr! Meine Schwiegermutter wurde auch über ihren aussichtslosen Zustand im Ungewissen gelassen. Sie hatte Lebermetastasen, deren Ursprung nicht gefunden wurde. Sie verstand immer nur, man könne generell nicht herausfinden, was ihr fehlt. Ihr war mal ein ganzes Wochenende übel gewesen, weshalb sie zum Hausarzt ging. Man schwatzte ihr eine Chemotherapie auf, mit der Zusicherung, sie würde davon nicht erbrechen müssen und es gingen keine Haare aus. Uns Angehörigen wurde gesagt, sie könne dadurch 6 Monate länger leben. Ihr selbst war bis zum Schluss nicht klar, dass es zu Ende geht. Sie bekam noch Stents in die Gallengänge, weil sie einen Ikterus entwickelte. Zwei Monate später fühlte sie sich so schlecht, dass sie darauf bestand, im Krankenhaus stationär aufgenommen zu werden. Ohne Notwendigkeit wurden die Stents noch einmal gewechselt. Zwei Tage später starb sie ohne noch letzte Gespräche geführt oder Abschied genommen zu haben.
#24 am 07.07.2017 von HPA (Gast)
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So einen Arzt wie Sie hätte ich mir für meine an Lungenkrebs verstorbene Mutter gewünscht.
#23 am 07.07.2017 von Sabine Baumgartner (Physiotherapeutin)
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Frau Dr. Ohlmann, (Beitrag 14) ich beneide ein wenig ihre tierischen Patienten. Als ich das letzte Mal mit meinem Tier beim Tierarzt war, war einem Ehepaar gerade gesagt worden, dass ihre Katze eingeschläfert werden müsse. Alles weinte, selbst die Helferinnen. Das Ehepaar blieb bis zum Schluss, dankte für die Freundschaft und Liebe ihres Haustieres. Es war ein zu tiefst würdiger, menschlicher Abschied . Ich dachte dann: "Wir könnens doch - weshalb scheitern wir so oft mit unseren Mitmenschen?"
#22 am 07.07.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Die Frage ist doch wirklich, für wen es schlimmer ist: für den Patienten oder die Angehörigen. Und ob man wirklich die Gelegenheit auch bekommt, rechtzeitig über den herannahenden Tod informiert zu werden. Ich bin erst eben wirklich eiskalt erwischt worden: "Der liebe Gott" hatte es doch nicht "gut" mit meinem Vater gemeint, es ist, obwohl ich die ganze Zeit wußte, dass mein Vater ganz nahe am Tod schwebt, eben doch nicht gut gegangen, eben weil meine Therapie ihm so sehr versagt wurde, von seinen Angehörigen, zuletzt wirklich "gewaltsam". Er "mußte" einfach sterben. Motive könnten darin liegen, mir nicht glauben zu wollen, ich mußte einfach Unrecht haben. Klingt nach Familienstreit, ist es auch, zuletzt auch ein medizinischer. Meine Geschwister: Halbgötter in Weiß. Wissen alles besser, halt gewöhnliche Schulmedizin. Weiß nicht, wieviel echte Mediziner es gäbe, die sich wirklich anmaßen würden, der Schulmedizin aller möglichen Erfolge zuzuschreiben.
#21 am 07.07.2017 von HPA Juliane Deinzer (Heilpraktikerin)
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Hätte auch nichts dagegen gehabt, sie hätten wirklich Medizin studiert, damit sie auch die Grenzen wissen. Zurück zum Thema: Kämpfte noch dafür, dass mein Vater keine negative Prognose bekommt, da alternativ theoretisch wirklich noch Aussicht bestanden hätte. Allerdings kann man eben nicht alles heilen, auch nicht alle seelischen Wunden, und mein Vater wußte selbst wohl gut, bzw. meine Mutter auch, dass es nicht gut ausgehen würde. Sie brauchten gar keine Aufklärung von außen, dennoch hat mein Vater mir geglaubt, ich nahm ihn wenigstens ernst, klärte ihn darüber auf, über das, was ich wußte. Natürlich auch über Sterbeaussichten. Letztendlich hätten wahrsch. nicht alle seelischen Probleme gelöst werden können, Tod als Ausweg vor dahinsiechendem Alter; aber hier war er nicht eindeutig, im Verhältnis zur angebotenen Hilfe zunächst wirklich fahrlässig gegen den Willen des Patienten von den eigenen Kindern herbeigeführt.
#20 am 07.07.2017 von HPA Juliane Deinzer (Heilpraktikerin)
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so
#19 am 07.07.2017 von Dr. med. Ulrich Stuber (Arzt)
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Apotheker
Klarheit ja, aber mit sozial- emotionalen Einfühlungsvermögen und nicht der Elefant im Porzellanladen. Bei meiner Schwiegermutter wurde im letzten Versuch gesagt:" Wir haben nochmal 2 Oberarztgehälter in sie reingepumpt. Jetzt können wir nichts mehr machen ..." ein absolutes No-Go einer onkologischen Station. Leider wurde auch nichts Palliativ angeboten, obwohl auch 2004 der Begriff der Palliativ-Medizin bekannt war.
#18 am 07.07.2017 von Apotheker (Gast)
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Gast
Sehr, sehr wahr!! Leider trotz behutsamster Aufklärung wird man von den Angehörigen oftmals angefeindet. Hier Patientin mit rüberlief Hirnsklerose und somit Schwerstbehinderte wird jedes Jahr erneut zum Hirn CCT angemeldet. Das bedeutet für mich als Anästhesisten höchstes Narkoserisiko ohne Sinn. Nur den Angehörigen ist die Aussichtslosigkeit nicht zu vermitteln. Fühle mich wie ein Henker!!
#17 am 07.07.2017 von Gast
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"Es gibt ein Umdenken in der jungen Medizinergeneration" Pseudophilosophische, selbstgefällige und oberflächliche Allgemeinplätze über Tod, Therapie und Sterben, garniert mit schmalzigen Beispielen und das dann auch noch das als den "letzten Schrei" deklariert. Anscheinend ist der Kollege noch jung und unerfahren, er scheint auch nicht im Bereich der kurativen oder palliativen Medizin ärztlich tätig zu sein. "Und deshalb meidet der gemeine Arzt den Tod so konsequent es irgend möglich ist" - plakativer Schwachsinn. In meinem Umfeld in der Neurologie, und bei weitem nicht nur dort, wird seit Jahrzehnten von Ärzten ein ganz anderer Umgang mit Patienten hinsichtlich Tod und Sterben als der hier beschriebene gepflegt.
#16 am 07.07.2017 von Dr. Dominik Hopmann (Arzt)
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Meine Ausbilder in der Sonne
#15 am 07.07.2017 von Dr. med. Ulrich Stuber (Arzt)
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Ich glaube, da haben wir Tierärzte es etwas leichter, vielleicht auch deswegen, weil wir das Leiden unseren Patienter am Ende "abkürzen" können. Ich versuche immer, offen mit den Besitzern zu sprechen, wenn eine Prognose infaust ist. Ich kläre auf, dass unser größtes Bestreben nicht LebensZEIT, sondern LebensQUALITÄT sein sollte. Mit Grausen erinnere ich mich an eine Situation in meiner Krankenpflege-Ausbildung: Die Patientin mit metastasiertem Blasenkarzinom sprach verzweifelt den Chefarzt an (der mit seinen Kollegen über die Patientin fachsimpelte), "Herr Doktor, ich sterbe!"... Reaktion: ein Tätscheln der Bettdecke am Fußende, und ein hingenuscheltes "müssenGeduldhaben", und weg waren sie. Wir zwei blieben fassungslos zurück, Hand in Hand :-(
#14 am 07.07.2017 von Nicola Ohlmann (Tierärztin)
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Ärztin
Denn besonders bei nebenwirkungsreichen Maßnahmen wie Palliative Chemo oder Palliative Bestrahlung muss der Patient gut abwägen bevor er sich damit einverstanden erklärt und gute Alternativen angeboten bekommen falls er sich dagegen entscheidet.
#13 am 07.07.2017 von Ärztin (Gast)
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Ärztin
Vielen Dank für Ihren Artikel, volle Zustimmung. Auch wenn es unangenehm ist versuche ich mir immer wieder an die eigene Nase zu fassen und mich zu fragen ob ich den Patienten auch bestmöglich darauf vorbereitet habe was auf ihn zukommt. Und bei diesem Gedanken möchte ich kurz einhaken: Es ist sehr wichtig im Patientengespräch zu differenzieren womit man es genau zu tun hat und das auch klar mitzuteilen. Denn auch bei infauster Prognose gibt es sinnvolle palliative Therapiemöglichkeiten! Zum Beispiel kann manchmal eine palliative Bestrahlung bei Knochenmetastasen ausserordentlich gut die höllischen Knochenschmerzen lindern. Gerade in solchen Situationen ist es besonders wichtig dem Patienten unmissverständlich klarzumachen dass das KEIN Heilversuch ist. Der Patient muss wissen dass der Kampf gegen den Tumor zwar verloren ist und er nie mehr tumorfrei sein kann, aber er darf nicht das Gefühl bekommen die Behandlung sei deshalb vorbei. Palliative Therapie erfordert auch Motivation.
#12 am 07.07.2017 von Ärztin (Gast)
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Alte Pflegerin
(Fortsetzung #10) nicht zumuten wollten und den Arzt gebeten haben, dieses auch tunlichst nicht vor dem Vater zu äußern. So wird dem Menschen die Gelegenheit genommen, seine Dinge auf Erden zu regeln, vielleicht nochmal mit dem Freund zu reden, den man ewig nicht gesehen hat, mir dem Bruder reden, mit dem man seit 20 im Streit liegt...
#11 am 07.07.2017 von Alte Pflegerin (Gast)
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Alte Pflegerin
Vielen Dank. Ja- Aufklären, was geht, wie es geht und zu was es führt/ führen kann. Wie oft habe ich mir genau DAS gewünscht! Wie oft habe ich gehört "hätte ich/ hätten wir das bloß vorher gewusst, das hat uns niemand gesagt!", wenn mal wieder eine Behandlung vorgeschlagen wurde, die dann doch stärkere Nebenwirkungen hatte, als der Doc es sagte, wenn doch nicht der gewünschte Erfolg eintrat, oder wenn das Leben trotz allem zum Schluss nur eine Qual war! Und der Tod ist leider noch lange nicht enttabuisiert. Ich wünschte, es wäre anders! Dann müsste ich nicht einem alten Menschen gegenüber treten, der voller Hoffnung auf seine bevorstehende "Heilung" aus dem KH kam, bei dessen Arztbrief ich gedacht habe, warum die SAPV noch nicht verständigt wurde- und ich feststellen musste, dass die Angehörigen sehr wohl über die finale Lebensphase informiert waren, ihrem Vater aber die "Last des Wissens um die letzten Tage" (weiter im nächsten Beitrag)
#10 am 07.07.2017 von Alte Pflegerin (Gast)
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Und ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen, dass ich vor Jahren als „kleine PJ’lerin“ von den behandelnden Ärzten zum Ehemann einer Patientin geschickt wurde, mit der Bitte, ihn doch endlich, endlich aufzuklären, dass nichts mehr zu machen sei…, seine Frau liege im Sterben. Ich habe es getan, so gut ich konnte, so einfühlsam ich konnte. Aber die Blicke des Ehemannes werde ich niemals vergessen. Und es bleibt auch ein wenig Wut, warum ausgerechnet ich, als letztes Glied in der Kette, diese Aufgabe erfüllen musste. Warum haben sich die Stationsärzte alle sozusagen „verdrückt“.
#9 am 07.07.2017 von Dr. phil. Kirsti Brachtel (Ärztin)
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Gast
...d e m ist in der Tat nichts hinzuzufügen. Aber, wir wissen auch, das Wahrheiten selten gern ausgesprochen werden, wenn sie unseren täglichen Vorstellungen und Wahrnehmungen diametal entgegen stehen. Die Verantwortung der Medizin liegt hier unzweideutig auf dem Schwerpunkt, das "Unvermeidliche" offen und bekennend einzugestehen und der Welt der "Gutgläubigkeit" zu entziehen. Auch wenn es schmerzlich für alle Beteiligten sein mag. Dr. sc. de Silva
#8 am 07.07.2017 von Gast
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Die Wahrheit Befreit. Zum Glück wurde mir gesagt das ich nur noch ein halbes Jahr hätte. Diese Wahrheit gab mir die Möglichkeit alles vorzubereiten wie ich es wollte. Neue Medizin gegen Lungenkrebs hat mir die Möglichkeit gegeben die letze 5 Jahre in Freiheit zu leben. Ein tolles Geschenk. Es kann jetzt kommen was will. Meine Immobilien sind verkauft, vieles wurde verschenkt, unnötiges wurde geräumt, Familie ist informiert und das Leben ist Leicht. Danke für den Artikel. Sorry für mein Deutsch, lebe schon ewig in USA.
#7 am 07.07.2017 von PhD Jutta Becker (Mitarbeiterin Industrie)
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Ps keine Studentin mehr sondern schon lange im Berufsleben ;-)
#6 am 07.07.2017 von Ioana Ionascu (Studentin)
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Finde ich nicht gut. Insbesondere die Frage warum krampfhaft alles tun um das unvermeidliche zu vermeiden. Wieviele Leute wurden denn gerettet durch ontologische Therapie! Wieviele Opas und Omas hatten noch Monate und Jahre um ihr nicht geborenes Enkelkind zu sehen! Um den Enkel bei der Abschlussfeier feiern zu können! Um in Ruhe ein Testament zu machen. Jeder Tag der gelebt werden will, das bedeutet, der nicht durch Freitod beendet muss durch uns gefeiert werden und den Menschen die Möglichkeit geben das wertvollste was sie haben nicht zu verlieren: Das Leben. Ich bin einverstanden die Wahrheit zu sagen und keine falschen Hoffnungen zu machen. Aber nicht, das letzte zu geben damit man das Leben konserviert.
#5 am 07.07.2017 von Ioana Ionascu (Studentin)
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Gast
Was ist mit unserer Kultur los, dass wir nicht mal sterben (dürfen)?
#4 am 07.07.2017 von Gast
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Ja, genau das wünsche ich mir auch. Und ich kann mich erinnern: während meiner Klinikzeit (MKG-Chirurgie) bekamen wir einmal eine Patientin im Endstadium mit der Bitte um Abklärung, ob die Aufhellungen im MKG-Bereich denn dentogene Zysten wären - Therapie? Nach Untersuchung und Diagnose war schnell klar: Metastasen. Ich habe der Patientin dann gesagt, dass wir sie nicht mehr operieren müssen (und können) - und wenn sie denn glauben könne, dass ein Gott existiere, sie sich jetzt ihm anvertrauen könne (falls sie möge). Die Reaktion der Patientin geht mir auch 30 Jahre später noch unter die Haut: "das habe ihr noch niemand gesagt, aber das sei auch richtig tröstlich" [unter Tränen gesagt].
#3 am 07.07.2017 von Dr. med. dent. Wolfgang Carl (Zahnarzt)
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Einfach nur danke für den Artikel und ihre Einstellung die ich zu hundert Prozent auch vertrete.
#2 am 07.07.2017 von karin schoenen-schragmann (Tierheilpraktikerin)
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Gast
solch einen Arzt wünsche ich mir, wenn ich ihn denn einmal brauchen sollte...
#1 am 07.07.2017 von Gast
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