Deine Mudda als Hebamme

23.06.2017
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Die Versorgung mit Hebammen ist knapp geworden in Deutschland. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum Eltern auf diese Hilfestellung verzichten. Manche unterschätzen die Wichtigkeit.

Neulich bei der U2.

Ich: „Haben Sie denn eine Hebamme für die Nachsorge?“

Vater: „Nöö, brauchen wir nicht. Meine Mutter ist im Haus.“

Ich: „Und die ist Hebamme?“

Vater: „Nein, aber die hatte auch drei Kinder.“


Ich: „Okay. Ich bin auch schon zehn Autos gefahren und würde trotzdem keines reparieren.“

Vater: „Ja, aber eins fahren.“

Mist, er hat die Lücken in meinem Vergleich durchschaut.

Ich: „Ich würde Ihnen trotzdem zu einer Hebamme raten, ist immerhin das erste Kind bei Ihnen.“

Mutter: „Siehst du, Schatz, habe ich doch gleich gesagt. Hebamme ist besser.“

Ich: „Das zahlt auch die Krankenkasse.“

Vater: „Wirklich? Na, dann auf jeden Fall. Wenn’s nichts kostet.“

Mutter: „Und nach einem Monat dürfen wir dann mal spazieren gehen, oder?“

Ich: „Ach, was. Gleich vom ersten Tag an. Immer raus an die frische Luft mit den Kleinen.“

Mutter: „Seine Mutter sagt, die ersten vierzig Tage nicht.“

Ich lächele mein bestes „Siehste“-Lächeln zum Vater und träume einen kurzen Tagtraum meines ersten Autos.

Nur nochmal zur Info: Jede Familie hat das Recht auf Nachsorge durch eine Hebamme nach der Entbindung. Kostenlos. Auch wenn es momentan überall schwieriger wird, diese Hebammen zu bekommen – leider gibt es nun einmal eine echte Hebammenknappheit – bringt das nur Vorteile: Beruhigung in den ersten Tagen, Beobachtung des Säuglings, Hilfe beim Stillen oder Füttern, bei der Pflege und während der Hormonkrisen. Und die Hebammen beraten zu allen wichtigen Fragen, seien sie auch sonst so klein und vermeintlich unwichtig. Frischluft zum Beispiel.

Ursprünglich hier.

Bildquelle: MissMessie, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.06.2017.

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Gast
@9: recht haben Sie, aber auch selbstständige können planen. Wenn nicht absehbar ist dass die Einkünfte des "Unternehmens" eine Babypause zu kompensieren vermögen und die PKV keine entsprechende Regelung in den Verträgen vorsieht kann man sich als Frau auch freiwillig gesetzlich versichern.
#10 am 29.06.2017 von Gast
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Gast
@5 “Geldverdienen müssten sie nicht, Mutterschutz ist Pflicht“ Das gilt nicht für alle Frauen, da vergessen Sie z.B. die Selbstständigen.
#9 am 29.06.2017 von Gast
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Gast
Es hat eine gewisse Tragikomik dass es den Hebammen wie uns PTAS geht: Irgendwann gibt es beide Berufe nicht mehr, dann muss die Mutter ihr Kind allein zur Welt bringen und hat keinen fachlichen Rat aus der Apotheke mehr.
#8 am 29.06.2017 von Gast
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Gast
Wieso ist der Kinderlose Mitbewerber im Hintertreffen? Der kann nachts weingstens schlafen!
#7 am 28.06.2017 von Gast
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Gast
Elternzeit wird auch gerne genutzt für die Doktor-/Habilitationsarbeit: Kind in die Kita, Vater/Mutter an den Schreibtisch/ins Labor ... Das Kind bleibt auf der Strecke und der/die kinderlose Mitbewerber im Hintertreffen.
#6 am 28.06.2017 von Gast
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Gast
@3: Da haben Sie recht: die wenigsten Frauen können sich während des Wochenbettes wirklich schonen, woran liegt das? Geldverdienen müssten sie nicht, Mutterschutz ist Pflicht. Was Haushalt usw. angeht > dafür gibt es auch Elternzeit des Partners! Beides wird finanziell unterstützt. Das Problem: viele Männer sehen ihre Elternzeit als wohlverdiente Auszeit in der viele "wichtige" Dinge erledigt werden müssen (Urlaub, Hobby, Hecke schneiden, Rasenmähen, Holz hacken, Freunde einladen und das Baby feiern, überfälliger Hausputz, Steuererklärung, Sport, Anträge für Elterngeld, Kindergeld usw). Auch in finanziell abgesicherten Familien entlastet Elternzeit des Vaters und der Mutterschutz die Wöchnerin oft nicht. Rückzug ist verpönt, wohlgemeinte Besuche sind oft eher eine zusätzliche Belastung. Viele Frauen gönnen sich diese Ruhe nicht, wie können sie denn auch raus aus ihrer Haut wenn "Vorbilder" wie Heidi Klum sofort nach der Entbindung mit perfektem Body haufenweise Geld verdienen.
#5 am 28.06.2017 von Gast
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Gast
Ist in der asiatischen Medizin immer noch so. Erst wenn sich die durch Einwirkung von Hormonen elastischer gewordenen Sehnen nach der Geburt wieder in den Normalzustand versetzt haben, darf die Gebärende aufstehen, bis dahin wird sie von ihrer Mutter versorgt.
#4 am 28.06.2017 von Gast
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Gast
#2 Die wenigsten Frauen befanden sich in einer finanziellen und häuslichen Situation, die Wochen im weitesten Sinne schonend zu verbringen. Wir kennen im übrigen den kuturellen Hintergrund des jungen Elternpaares nicht.
#3 am 28.06.2017 von Gast
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Das ist ja der "Hammer" mit den "40 Tage nicht raus", vor über 100 Jahren durften die Wöchnerinnen ganze 6 Wochen nicht mal im Bett aufsitzen. Immer kommt halt der neueste Stand der Medizin nicht unters Volk.
#2 am 27.06.2017 von HPA Juliane Deinzer (Heilpraktikerin)
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Recht hat er, der Kinderdoc. Und alle, die keine Hebamme finden, sollten sich in der "Landkarte der Unterversorgung" eintragen. Hlft nicht der einzelnen Familie in 2017, aber es braucht Zahlen, damit die PolitikerInnen und Kassen endlich aufwachen! Die Honorare sind einfach miserabel, grad ein der Wochenbettbetreuung...
#1 am 27.06.2017 von Frauke Lippens (Hebamme)
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