Erhitzte Gemüter: Vielleicht hilft ja ein Eis

21.06.2017
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Es ist heiß. Alle benehmen sich etwas seltsam. Die Zündschnuren sind mal wieder extrem kurz. Und bei den Temperaturen brennt die Lunte echt schnell. Der Fahrer des BMW heute morgen zum Beispiel. Mittelfinger, Hupkonzert, laute Schimpftirade. Obwohl ich von rechts komme und Vorfahrt habe. Hätte ihn wohl trotzdem vorbei fahren lassen sollen.

Oder Schwester Brigitte. Die ich am Haupteingang treffe, als sie einem erst kürzlich am Unterschenkel amputierten Patienten, die Kippe aus der Hand schlägt. Vergebliche Liebesmüh.

Meine Hände sind voll beladen, mir läuft der Schweiß den Rücken herunter, als ich auf dem Weg zu unserem Besprechungsraum auf Frau Ludwig treffe. Oh, nein. Frau Ludwig ist Dauergast. Wenn sie nicht auf unserer Station liegt, dann liegt sie auf der Station der Inneren Medizin oder in der Notaufnahme. Privatpatientin. Mit viel Rede- und Behandlungsbedarf. 1,50 m, 85 kg, Diabetes, Lymphödeme, offene Füße, schlecht heilende Wunden, schlechtes Herz, schlechte Nieren. Das ganze übliche Programm.

Eigentlich habe ich nicht mal Dienst ...

„Frau Doktor, gut, dass ich sie treffe. Ich warte schon so lange in der Notaufnahme auf jemanden. Heute geht es mir ganz besonders schlecht. Da ist wieder dieser Schwindel. Und das viele Wasser in den Beinen. Ich kann mich kaum bewegen. Und die Strümpfe. Diese Kompressionsstrümpfe. Das ist wirklich das Letzte. Das hält ja keiner aus bei diesem Wetter. Mein Rücken schmerzt, ich weiß gar nicht, wie ich mich bewegen soll. Mir läuft der Schweiß in Bächen den Rücken runter. Und schlafen, das kann ich schon gar nicht mehr. Ich weiß ja nicht einmal, wie ich mich am besten hinlegen soll. Auf der Seite halte ich es nur ganz kurz aus. Auf dem Rücken bekomme ich keine Luft und auf dem Bauch kann ich überhaupt nicht liegen. Und dann bin ich immer so unruhig. Komme gar nicht wirklich zur Ruhe. Dabei bin ich doch eigentlich sehr müde. Und dann muss ich auch so oft nachts aufstehen, um Wasser zu lassen. Wissen Sie? Das können Sie sich gar nicht vorstellen. Da muss man jetzt wirklich mal was machen.“

Hmm. Zündschnur. Ruhig Brauner.

Vielleicht hilft ja ein Eis

„Frau Ludwig. Nehmen Sie sich doch eines dieser köstlichen Eistüten aus meinen voll bepackten Armen. Vielleicht versüßt sie Ihnen das Warten auf den zuständigen Notaufnahmearzt. Wie Sie sehen können, bin ich in Zivil unterwegs. Heute bringe ich nur meinen Kollegen ein letztes Abschieds-Eis vorbei, bevor ich dann hoffentlich bald mein Baby bekomme. Leider kann ich Ihnen heute nicht weiter helfen.“

Sie schaut irritiert. „Ah. Ja. Natürlich. Vielen Dank. Das ist ja nett. Okay. Dann alles Gute Ihnen.“

„Danke“, ich lade nun etwas kurzatmig meine Kisten Eispackungen bei meinen hoch erfreuten Kollegen ab und verabschiede mich für eine Weile aus dem Krankenhausalltag. Bevor ich wieder in mein Auto steige, gehe ich noch auf die Toilette. Ich lasse mir kaltes Wasser über das Gesicht und die Arme laufen. Ich hoffe, das hebt meinen niedrigen Blutdruck. Ich richte meine Kompressionsstrümpfe unter dem weiten Rock und bewege mein Becken kreisförmig, damit sich für einige Sekunden die Schmerzen im Rücken bessern. Doch, ich kann mir aktuell sehr, sehr gut vorstellen, wie sich Frau Ludwig fühlt. 

 

Bildquelle: Abi Porter, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.06.2017.

44 Wertungen (4.48 ø)
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#18 ganz schön fleißig dieser Troll...^^ merci für die Empathie :) Allerdings find ich das nicht wirklich gemein, solange kein Name dabei steht. Ich empfinde das als ein möglicherweise noch größeres Problem für alle Communities... Das ist auf Serverkapazität, stelle man sie sich als etwas 'Organischeres' vor, so etwas wie Plaque. Verstopft und verschmutzt die Kanäle, reduziert den geistigen Gehalt. Ich beharre nun mal darauf, dass sowas einzudämmen sein sollte. Kaum zu glauben dass für solche Gehirnflatulenz Lebenszeit eines hochkomplexen Wesens wie des Menschen geopfert wird... Sachen gibt's.
#20 am 28.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  1
Gast
Hihihi, vielen Dank liebe Autorin! So ähnlich ging es mir auch während meiner Schwangerschaft immer mal wieder mit meinen Patienten. Alles Gute Ihnen!
#19 am 25.06.2017 von Gast
  0
Ärztin
Sehr geehrter Gast. Das Thema war doch beendet. Warum jetzt wieder provozieren? Ein typisch nutzloser, übergriffig bösartiger und natürlich fachlich vollkommen falscher Trollkommentar, der keinen anderen Zweck verfolgt als Unruhe zu stiften. Kein Wunder dass hier anonyme Gäste nicht gerne gesehen sind. Wollen wir mal an Ihrer Psyche ein wenig herumanalysieren und wild herumraten was bei Ihnen schiefgelaufen ist dass Sie es für angemessen halten so gemein nachzutreten? Oder fehlt es schlicht und ergreifend am Anstand?
#18 am 25.06.2017 von Ärztin (Gast)
  1
Gast
Sehr geehrter Herr Kunz, Sie sollten sich noch einmal in Ruhe Ihre Kommentare durchlesen, falls das noch gelingt. Das hört sich sehr nach paranoider Störung an. Hier helfen statt heissem Wasser besser ein guter Psychiater und Neuroleptika.
#17 am 24.06.2017 von Gast
  8
Sehr geehrte Frau Schumacher, Ihr Urteil nehme ich an. Es tut mir leid dass ich diesen Kommentarkasten heute so stark strapaziert habe, doch ging es mir dabei nicht um mich. Gegen konstruktive Kritik ist nichts einzuwenden, auch nicht gegen berechtigte Diskussion. Es gibt nur sehr lange schon immer häufiger Personen, die ohne Namen mindestens so überflüssig wie meine letzten beiden Kommentare dieses Forum zu irritieren versuchen, vom Thema wegführen oder andere Kommentatoren gezielt provozieren. Lesen Sie doch mal die ersten zwei # dieses Artikels in meinen dritten habe ich zugegebenermaßen forsch klingende, aber entlarvende Formeln verwendet. Ich hoffe, wenigstens einer meiner 'Fans' wurde dadurch zum nachdenken angeregt. Es tut mir ausdrücklich leid, dass dies auf dem Rücken des Artikels ausgetragen wurde. Aber manche... Mein Interesse besteht im Bereich Medizinforschung
#16 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  18
Barbara Schuhmacher
Den Blogbeitrag fand ich witzig, die letzten Ergüsse von Herrn Kunz dahingegen bestenfalls überflüssig.
#15 am 23.06.2017 von Barbara Schuhmacher (Gast)
  0
Jo, aber reale Bedrohung durch wirklich schlimme, hassgetriebene Körperverletzung anzukündigen, nutzen diese Plagen nachher noch juristisch gegen einen aus. Obwohl moralisch absolut gerechtfertigt. ;) Ups, schon wieder off topic kommentiert... Sorry ihr anonymen Shponks, hab jetzt Wochenende. Ihr könntet ja auch mal rausgehen oder so...
#14 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  20
@nr12: durch den Bildschirm steigen wird nicht klappen - schade ;-/ - Chance verpasst...
#13 am 23.06.2017 von Dr. med. dent. Wolfgang Carl (Zahnarzt)
  1
dumm von der Seite zu erwischen. Mit einem Namen, der dahinter steht und Verantwortung trägt. Dies ist an alle Gäste gerichtet die sich hoffentlich angesprochen fühlen. Seid froh dass ich nicht durch den Bildschirm steigen kann. Noch nicht. Ich arbeite daran...
#12 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  20
Nummer 10, höchstwahrscheinlich auch Nummer 6: Wer oder was sind Sie denn? Würde Sie gerne ernst nehmen, aus dem anonymen Loch heraus feuert es sich einfach. Ich bin durch Sie weder beunruhigt, noch fühle ich mich angegriffen. Aber ich denke im Sinne dieser Community wäre es angebracht, die Kommentare dem Thema zu widmen. Dies ist deshalb mein letztes Kommentar in diesem Artikel. Entweder Sie haben ein sehr trauriges Dasein, oder Sie sind ein wie auch immer bezahlter oder auf Prämien spitzgemachter Internet-Troll. Was noch erbärmlicher wäre. Dieses Forum ist im Dienste der Gesundheit, vielleicht wird Sie Ihnen auch einmal das Leben retten, die Wissenschaft. Schenken Sie doch deshalb etwas Respekt. Bevor dies persönlich wurde, habe ich nur das Thema kommentiert. Zeigen Sie Mut für ein Leben mit echter Meinung, und ohne Begierde jemanden irgendwie
#11 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  22
Gast
Mit ehrlichem Tag scheint mir das wenig zu tun zu haben. Wie ist es mit Ihrer Kleingeistigkeit? Und wenn Sie keinen Bock darauf haben, warum verkneifen Sie sich Ihre Kommentare dann nicht? Ich zB könnte gut darauf verzichten, fachliche Kommentare lese ich immer gerne. Auch fachliche Kritik. Gibt doch auch Journalistenschulen? Aber das ist sicher nur für Kleingeister, oder?
#10 am 23.06.2017 von Gast
  2
Übrigens fand ich den Artikel absolut lesenswert. An dieser Stelle auch noch beste Grüße an die Autorin und alles Gute für den kommenden Geburtstag!
#9 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  3
Hehe, sry hab zuviel Egersdörfer gschaut. Lieber anonymer Gastkommentator von #6: Es gibt Menschen, die sagen Sachen in gewisser Tonlage, einfach nur weil ihr Gemüt leicht verdorben ist. Auch bei Eiseskälte. Die ganzen Downvotes von Leuten, die diese Art von, ich nenns mal Sarkasmus, nicht verstehen, bestätigen mir nur dass ich halt was besonderes bin. Wer sich ernsthaft davon angegriffen gefühlt hat, dem empfehle sogar ich ein Eis. Bitte zutiefst um Entschuldigung für diese unwissenschaftliche und aggressive Performance. Weiß gar nicht was in mich gefahren ist. Achso, doch: Ich hab kein Bock auf kleingeistige Diskussionen mit Leuten, die keine Ahnung haben und deren Votes nur auf Sympathie und nicht auf Inhalt beruhen. Genau aus diesem Grunde gibt es auch Ärzte, bei denen ich aufstehe und gehe, weil sie mir zu inkompetent sind und nur ihre Existenz durch Fans von Weichspülern sichern können. Trotzdem Entschuldigung, hab wieder son zwanghaft expressiven ehrlichen Tag.
#8 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  24
Ich denke die Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Eis bei Wärme ist nicht wirklich der Kern der Geschichte gewesen. ..
#7 am 23.06.2017 von Dr. med. Stefanie Peggy Kühnel (Ärztin)
  1
Gast
Stimmt ja, Herr Kunz, aber warum so heftig reagieren? Vielleicht zu warm? Anders kann ich das nicht verstehen, tut mir leid
#6 am 23.06.2017 von Gast
  1
Alles was kühl in den Magen läuft, hilft kurzfristig. Aber nur kurz und gefühlt. Denn umgekehrt wie in meinem vorangehenden Kommentar #1 beschrieben mit warmem Wasser, reguliert sich der Körper bei kalter Flüssigkeit entsprechend durch Erhöhung der Körpertemperatur. Dies ist nachhaltig betrachtet eben nicht optimal. Wer mir das nicht glaubt probiert es bitte aus, ich akzeptiere nur Erfahrungsberichte aus Eigenversuchen mit warmem, stillem Wasser. Hab kein Bock auf unsinnige Haarspalterei. Dass das gleich mal klar ist.
#5 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  30
Gast
Leckeres kühles Kokoswasser
#4 am 23.06.2017 von Gast
  2
Gast
Ein Eis hilft immer!!
#3 am 23.06.2017 von Gast
  1
Und ätherische Öle in der Nahrung können helfen, Wärme schneller auszustoßen. Wie zum Beispiel Knoblauch, Ingwer oder Fenchel.
#2 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  14
Na hoffentlich nicht überzuckert... Das wichtigste ist stilles Wasser zu trinken, in China trinkt man traditionell 40°-50°C warmes Wasser - der Körper versucht anschließend, die allgemeine Erhöhung der Körpertemperatur durch Wärmeabgabe und weniger Verbrennung auszugleichen. Was mit Zeitverzögerung von ca 10-20min bei mir eine deutliche Verbesserung des Wohlbefindens erzeugt.
#1 am 23.06.2017 von Florian Kunz (Medizinjournalist)
  20
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