Huste und ich sag dir, ob du Hämorrhoiden hast

21.06.2017
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Laut einer großen retrospektiven Kohortenstudie aus Taiwan besteht ein überraschender Zusammenhang zwischen Lunge und Dickdarm: Menschen mit obstruktiven Lungenerkrankungen haben ein höheres Risiko für Hämorrhoiden.

Die Forscher nutzten die Daten von mehr als 150.000 Menschen älter als 20 Jahre aus der National Health Insurance Research Database in Taiwan. Sie griffen für ihre Studie auf zwei große Register zurück: 1) das COPD-Register mit 51.506 Patienten, sowie 2) das nicht-COPD-Register mit insgesamt 103.012 Patienten, deren medizinische Datensätze zwischen 2000 und 2011 erstellt worden waren.

Verglichen mit der nicht-COPD-Kohorte hatten Menschen, die unter einer obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) litten, ein deutlich höheres Risiko, parallel ebenso an Hämorrhoiden zu leiden (um Alter und Geschlecht bereinigte HR = 1,56; 95 % KI: 1,50–1,62). Die kumulierte Inzidenz der Hämorrhoiden ist bei COPD im Vergleich zur nicht-COPD-Kohorte deutlich erhöht, und dies gilt sowohl für Männer als auch für Frauen gleichermaßen.

Lunge und Dickdarm halten zusammen

Während Lunge und Dickdarm in der westlichen Betrachtungsweise zwei getrennte Systeme darstellen, besteht in der TCM zwischen beiden Organen eine energetische Verbindung über den sogenannten Qi-Fluss. Zusammen nehmen sie hier wichtige Funktionen im Wasserhaushalt sowie bei der Ausscheidung und in der Immunabwehr wahr. 

Die COPD ist eine Atemwegserkrankung, die insbesondere – jedoch nicht auschließlich – durch das Rauchen verursacht wird. Manifestationen der Erkrankung sind beispielsweise Dyspnoe, mangelnde körperliche Belastbarkeit sowie chronischer Husten mit oder ohne Auswurf.

Husten macht Druck

Dennoch ist COPD keine reine Lungenkrankheit. Neuere Studien zeigten, dass die COPD eine komplexe und generalisierte Erkrankung ist, welche sich außerdem auf Herz, Gefäße und Stoffwechsel auswirken kann. So könnte die COPD zu chronischen Entzündungen führen, die eine Reihe Komorbiditäten begünstigen, wie z. B. Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus, Adipositas, Nierenversagen sowie Veränderungen am Herzgewebe mit daraus folgender Herzschwäche.

Insbesondere Adipositas gilt als ein bedeutender Risikofaktor sowohl für die COPD als auch für Hämorrhoiden. Gleichzeitig führt der höhere Druck infolge des chronischen Hustens bei COPD sehr wahrscheinlich zu einem intra-abdominalen Druckanstieg, der die Entstehung von Krampfadern im Dickdarmbereich zusätzlich fördert.

Was hat nun der Patient von dieser Erkenntnis?

COPD scheint das Risiko für Hämorrhoidalleiden zu erhöhen, welche die Lebensqualität der Betroffenen schließlich noch weiter einschränken. Aus diesem Grund empfehlen die Autoren der retrospektiven Kohortenstudie aus Taiwan: „COPD-Patienten sollten regelmäßig anorektal auf Hämorrhoiden und/oder Blutungen im Darm kontrolliert werden.“

Doch eigentlich müssten die Präventionsmaßnahmen noch sehr viel früher ansetzen. Für einen COPD-Patienten sind Hämorrhoiden bei der Masse der Belastungen mit Komorbiditäten sicher das geringste Übel, zumal das Risiko für die lästigen Krampfadern am Gesäß auch bei gesunden „Dauersitzern“ kontinuierlich mit steigendem Lebensalter zunimmt.

Rauchverzicht, Normalgewicht und viel Bewegung sind die besten Garanten für ein Leben ohne COPD und ohne Hämorrhoiden.

Quelle:

Association of chronic obstructive pulmonary disease and hemorrhoids – A nationwide cohort study
Lih-Hwa L et al.; Medicine, doi: 10.1097; 2017

 

Bildquelle: -JvL-, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.06.2017.

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Gast
Bin ganz der Meinung des Gastes X(#4), wofür insb. auch die diesbzgl. zahlreichen Befunde bei Musikern (v.a.Blechbläser) sprechen.
#8 am 06.07.2017 von Gast
  0
MW
Ich wüßte gerne aus welchem Grund #5 zur Zeit vier "Daumen runter" bekommen hat. Die Frage ist ernst gemeint, ich bin wirklich neugierig!
#7 am 25.06.2017 von MW (Gast)
  0
Die Ärzte bis ins beginnende 19. Jahrhundert wußten durch ihre extrem genaue Beobachtung ebenfalls, dass man Hämorrhoiden nicht einfach so kriegt. Sie dachten an Stauung im venösen System, hauptverantwortlich die Leber, und behandelten mit Purgation nach oben und unten. Dieses System wurde zeitweise stark übertrieben ("Spei- und Klistierärzte") und kam dadurch in Verruf. Erst B. Aschner hat versucht, eine Synthese zwischen moderner Medizin und Konstutionstherapie der Alten herzustellen und war in seinem Arztleben damit äußerst erfolgreich.
#6 am 24.06.2017 von Dr. med. Michael Walter Groh (Arzt)
  0
Abgesehen mal vom physiologischen Effekt des Hustens: Embryologie vergessen? Lunge Dickdarn ein Rohr!! Das lernte man früher schon in der Untersekunda des Gymnasiums!
#5 am 23.06.2017 von Hubert Schweizer (Heilpraktiker)
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Gast X
Der Erklärungsansatz mit dem Valsava-Mechanismus erscheint mir sehr nachvollziehbar. COPD-Patienten husten unverhältnismäßig oft und heftig. Viel Bauchpresse und erhöhter intraabdominaler Druck begünstigt Hämorroiden. Sieht man ja auch bei chronischer Obstipation und Schwangerschaft. "Gleichzeitig führt der höhere Druck infolge des chronischen Hustens bei COPD sehr wahrscheinlich zu einem intra-abdominalen Druckanstieg, der die Entstehung von Krampfadern im Dickdarmbereich zusätzlich fördert."
#4 am 23.06.2017 von Gast X (Gast)
  2
Was soll jetzt dadrean überraschend sein??? Und dann noch eine TAIWAN Studie, also aus einer Gegend, die sich mit Akupunktur auskennt. Lunge/Dickdarm sind Yin/Yang Partner... wie erwähnt...wo also ist die Überraschung?
#3 am 23.06.2017 von Carmen Katharina Emmerich (Zahnärztin)
  2
Ich halte das weder für neu noch für überraschend. Trotzdem nett, daß dieser ausgesprochen naheliegend erscheinende Zusammenhang jetzt durch eine monströse neue Studie statistisch gestützt wird. @Lothar Stahn: Zu welchem Aspekt des Photos wünschen Sie eine tiermedizinische Expertise?
#2 am 23.06.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  0
Mich würde die Meinung eines Tiermediziners zum oeben stehenden Photo interessieren.... :-)
#1 am 23.06.2017 von Lothar Stahn (Psychologe)
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