Neuroleptika: Ich hab da mal was vorbereitet

16.06.2017

Die Auswahl eines geeigneten Neuroleptikums ist ja schon komplex genug. Aber wenn es um Kombinationsbehandlungen geht, wird es noch mal komplexer. Welche Neuroleptika kann man meiner Einschätzung nach gewinnbringend kombinieren, und welche Kombination bringt kaum pharmakologische Vorteile?

Im ersten Schritt einer antipsychotischen Therapie ist die Monotherapie mit einem Neuroleptikum anzustreben. Bleibt diese erfolglos oder wird sie nicht vertragen, soll man im nächsten Schritt auf ein anderes Neuroleptikum in Monotherapie wechseln. Bleibt auch dies erfolglos, kann man entweder ein drittes Neuroleptikum in Monotherapie geben, oder eine Kombination von zwei Neuroleptika versuchen.

Wissen, wie man anfängt

Die Auswahl des richtigen Neuroleptikums ist eine komplexe Angelegenheit. In die Wahl fließen verschiedene Aspekte ein, darunter Vorbehandlungen des Patienten und die Erfahrungen hiermit, individuelle Faktoren wie die Schwere und Akuität der Symptomatik, das zu erwartende Nebenwirkungsprofil des Medikamentes und auch persönliche Präferenzen des Behandlers.

Welches Neuroleptikum ich zu Beginn einer Behandlung nach welcher Überlegung einsetze, habe ich in meinem Buch Psychopharmakotherapie griffbereit und im Blog hier einmal beschrieben.

Welche Kombis bringen was?

Aber nach welcher Überlegung wähle ich aus, welche Neuroleptika man gut miteinander kombinieren kann und bei welchen die Kombination kaum zusätzlichen Nutzen verspricht?

Um ehrlich zu sein: Für die Frage nach sinnvollen Kombinationen zweier Neuroleptika habe ich im wesentlichen ein Modell im Kopf: Ich unterteile für mich die Neuroleptika in zwei Gruppen.

Nicht die einzige Wahrheit aber ein guter Helfer

Diese Gruppenzuordnung ist weder pharmakologisch ganz sauber, noch wissenschaftlich fundiert, noch Expertenkonsens. Egal. Wenn ich von einem Neuroleptikum wegen mangelnder Wirksamkeit oder zu großen Nebenwirkungen auf ein anderes wechsle, dann wechsle ich in der Regel auch zwischen diesen beiden Gruppen.

Und wenn ich zwei Neuroleptika miteinander kombiniere, dann kombiniere ich in aller Regel eines aus der einen und eines aus der anderen Gruppe.
Gute und bewährte Kombinationen sind zum Beispiel Amisulprid aus Gruppe 1 und Clozapin aus Gruppe 2. Ich habe da mal dieses hübsche Schaubild gemacht. Was haltet ihr von diesem Vorgehen?

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Bildquelle: Andrea Goh, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.06.2017.

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Gast
#5 am 23.06.2017 von Gast
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Ich selbst hatte die Kombi Haloperidol 6mg und Risperidon10 mg (was nach Ihrem Vorgängen dann keine gute Zusammenstellung wäre) und da ich dadurch ziemlich unruhig wurde und Panikattacken bekam, bekam ich als drittes NL Quetiapin retard 800mg, zusätzlich Promethazin, Chlorprothixen, Melperon und Pipamperon. Aus einem einzigen Medikament waren dann plötzlich sieben geworden. Ich hatte dermaßen viele Neben- und Wechsdelwirkungen,dass ich über Jahre hinweg alle wieder ausgeschlichen habe. Ich kannte eine Psychiaterin, die immer OLanzapin und Aripiprazol zusammenverordnet hat - letzteres nicht wegen seines antipsychotischen Effektes sondern um die Gewichtszunahme von Nr. 1 zu bremsen. Ist es in diesem Fall sinnvoll , zwei NL zu verordnen, anstatt ein NL, das eben weniger Gewichtszunahme macht? Meine Frage ist: An was genau machen Sie fest, dass eine Monotherapie/ WEchsel auf ein anderes NL , nicht ausreicht?
#4 am 23.06.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Ich finde das cool. So ähnlich bin ich in der Klinik auch vorgegangen, wenn auch die Auswahl noch nicht so groß war (ist schon ein paar Jahre her). Bei allen Neuentwicklungen: glücklich kann man nicht damit sein. Gilt auch für Antidepressiva. Da freut man sich, und dann kommen die Nebenwirkungen, v.a. Gewichtszunahme, Libidostörungen ...Aber man tut, was man kann.
#3 am 23.06.2017 von Gast
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Oh weh, Ihr kommt in Teufels Küche: Dirty Drugs auch noch kombinieren! Aber ich bin schon alt...
#2 am 22.06.2017 von Dr. med. Gerhard Lang (Arzt)
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Gast
So ganz nachvollziehen kann ich das Vorgehen nicht, da Risperidon auch stark 5ht und Olanzapin nicht unerheblich D2 blockiert.Gut gefällt mir die Kombi aus Clozapin und Amisulprid. Bewährt hat sich auch Olanzapin/Quetiapin mit Aripiprazol. In meiner Klinik wird gerne ein Atypikum mit Zuclopenthixol(Ciatyl) kombiniert. Im Prinzip dreht es sich um die Kombination von Atypikum mit Typikum, sei es nun hoch oder niederpotent.
#1 am 22.06.2017 von Gast
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