Hypnose in der Medizin

12.06.2017
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Auch in der Schulmedizin längst „angekommen“ – Hypnose-Anwendung zur Behandlung von Reizdarm und vielen anderen Beschwerden

In der Medizin hat die Hypnose längst ihren festen und anerkannten Platz. Die British Medical Society nahm die Hypnose bereits 1955 in den Katalog der Behandlungsmethoden in der somatischen Medizin auf, die Amerikanische Gesellschaft für Medizin folgte 1958.

Neue Untersuchungen dokumentieren, wie wirksam eine Hypnose-Anwendung die Heilung selbst so komplexer und hartnäckiger Erkrankungen wie Reizdarm fördern kann.

Aber auch bei der Schmerz- und Stresskontrolle während medizinischer Eingriffe hat sich begleitende Hypnose bewährt. Bereits die positive Suggestion im Arzt-Patienten-Gespräch macht sich hilfreich bemerkbar.

Im Folgenden sollen die Formen und Bedingungen einer Hypnoseanwendung erklärt und ihre Wirksamkeit deutlich gemacht werden.

Begriffserklärung Hypnose!

Der Begriff “Hypnose” steht sowohl für einen veränderten Bewusstseinszustand – ein Synonym dafür ist “Hypnotische Trance” – als auch für die Technik, die diesen Bewusstseinszustand herbeiführt.

Während einer hypnotischen Trance ist es möglich, physiologische, kognitive und affektive Prozesse, aber auch Verhaltensweisen zu beeinflussen. Ein Zustand der Hypnose kann von einer zweiten Person, aber auch selbständig hergestellt werden. Die subjektive Erfahrung der Hypnose wird von einem starken Realitätsgefühl gekennzeichnet. Dabei stellt sich die Trance außerhalb der Selbstkontrolle ein – „wie von selbst“.

Hypnose unterscheidet sich von anderen Stadien des Bewusstseins, wie Wachsein, Schlaf, tiefer Entspannung oder Meditation. Per Elektroenzephalogramm (EEG) und anderen bildgebenden Verfahren konnte dies dokumentiert werden. 
Eine hypnotische Trance lässt sich mit einer Anzahl physiologischer und mentaler Reaktionen beschreiben. Dazu zählt beispielsweise eine veränderte Zeit-Wahrnehmung, ein zeitweiser, selektiver Gedächtnisausfall, eine (mentale) Rückkehr in ein anderes Lebensalter. Vor allem aber zeigt sich eine sehr starke Aufnahmefähigkeit für Einflüsse von außen, für Suggestion. In Situationen, die den Patient emotional stark in Anspruch nehmen, wie bei medizinischen Notfällen, diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen oder auch bei der Mitteilung einer schwerwiegenden Diagnose, können sich spontan hypnotische Zustände einstellen und einer unterstützenden,  helfenden Suggestion Tür und Tor öffnen.

Die Suggestionen erfolgen auf verbalem und nonverbalem Wege. Ihr Effekt auf die mentalen und unwillkürlichen somatischen (körperlichen) Prozesse kann sehr deutlich ausfallen.

So sind beispielsweise verstärkter Speichelfluss oder heftiges Erröten keine bewusst und willkürlich herbeiführbare Reaktion. Beides kann aber durch Suggestion, beispielsweise durch Bilder, Geschichten, Erinnerungen spontan ausgelöst werden.

Im normalen Sprachgebrauch schließt das Wort “Suggestion” meist “Manipulation” mit ein. Im Gegensatz zu vielen herrschenden Vorurteilen bedeutet Hypnose jedoch keine Beherrschung oder Kontrolle einer Person oder gar deren „Fernsteuerung“! 
Der Therapeut steht dabei nicht im Mittelpunkt. Wichtig ist es, Lösungen und neue Wege für den Behandelten zu finden, ihn zu unterstützen, seine Möglichkeiten zu öffnen und zu erweitern. In Zusammenhang mit seriöser Hypnose sind eindeutig Vorschläge oder ein Angebot von Möglichkeiten gemeint.

Anwendungsbereiche der Hypnose

Abhängig von den Zielen sind mehrere Varianten einer Hypnoseanwendung möglich:

Auf dem Wege der medizinischen Hypnose lassen sich

 

Bei der Kommunikation durch Hypnose und positive Suggestion stehen weitere Wege offen:

Und noch längst sind nicht alle Auswirkungen und Einflussmöglichkeiten der Hypnose-Behandlung erforscht und ausgeschöpft.

Medizinische Hypnoseanwendungen dauern in der Regel zwischen 20 und 50 Minuten und werden in verschiedene Phase unterteilt: Ein Problem wird analysiert, die Erwartungen oder Ängste des Patienten und die Ziele der Behandlung besprochen. Erst dann wird der Patient in Trance versetzt. Nach den „therapeutischen Suggestionen“ holt der Behandler den Patienten „zurück“ und bespricht nochmals die Situation: Wie wurde die Erfahrung empfunden, wie fühlt sich der Patient, welche Konsequenzen zieht er für sich und sein Verhalten usw.

Audiomediale Hypnoseprogramme – kein Humbug

Die Nutzung von audiomedialen Hypnoseprogrammen ist ebenfalls bereits ein fester Bestandteil vieler medizinischer Behandlungen. Dazu werden den Patienten häufig noch Techniken zur Selbsthypnose vermittelt. Selbst anwendbare und jederzeit abrufbare Hypnose-Anwendungen sind also durchaus seriös und anerkannt: Untersuchungen zeigen, dass sie ebenso effektiv wirken wie eine Reihe individueller Sitzungen mit einem Experten für Hypnose-Behandlung.

Zumindest eine Meta-Analyse von Hypnose-Anwendungen in der Medizin zeigte keine nennenswerten Unterschiede zwischen individueller Behandlung in einer Praxis mit einem Therapeuten und der Anwendung von audiomedialem Material. Durch Hypnose vor und nach Operationen verringerten sich bei beiden Anwendungs-Arten postoperatives Unwohlsein, Schwindelgefühle und der Konsum von Schmerzmitteln.

Wissenschaftlich gesicherte Erfolge mit Hypnose

Neueste Studien beweisen: Hypnose übertrifft in ihrer Wirksamkeit viele andere gängige Verfahren bei der Behandlung von hohem emotionalem Stress, Schmerzzuständen, in der Heilungs- und Wiederherstellungsphase nach schweren Erkrankungen, nach Drogenmissbrauch und vor und nach medizinischen Eingriffen.

Bei der Stress-Bekämpfung erwiesen sich Hypnose-Anwendungen als hocheffektiv, bei der Schmerzkontrolle, bei Wehen und während eines Geburtsvorganges war der Effekt vergleichsweise geringer, aber immer noch messbar.

Richtete sich die Hypnoseanwendung auf Probleme der Verdauungsorgane wie beispielsweise das Reizdarm-Syndrom, war der Erfolg sogar überwältigend und die Symptome klangen deutlich ab.

Erkenntnisse aus der Hypnosepraxis verbessern die Kommunikation zwischen Arzt und Patient

Die Wirksamkeit von Suggestionen hat sich bei Hypnose-Anwendungen tausendfach bestätigt. Die hier gewonnenen Erfahrungen lassen sich teilweise auch auf die alltägliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient übertragen. Zumindest wecken sie bei den Medizinern ein erweitertes Bewusstsein für die Bedeutung dieser Kommunikation.

Immer wieder bestätigt sich die positive Wirkung einer vertrauensvollen, von Empathie geprägten Beziehung zwischen Arzt und Patient. Im Gespräch sind negative Aussagen zu vermeiden, positive dagegen bauen den Patienten auf, ermutigen ihn und stärken die Selbstheilungskräfte. Wer dies weiß, kann die Kraft der Suggestion im Gespräch nutzen. Selbst die laufende Information des Patienten, beispielsweise die Ankündigung einer Blutentnahme oder einer Injektion, senkt nachweislich das Stress- und Schmerzlevel. Dies kann jeder bestätigen, der Angst vor dem Zahnarzt hat, aber einen guten Vertreter dieses Berufes konsultieren kann: Eine Aufklärung über jeden Behandlungsschritt wirkt beruhigend und entspannend. Die Effizienz von Schmerzmitteln erhöht sich, wenn dem Patienten vermittelt wird, dass die Injektion oder Tabletten gut und schnell wirken werden. Diese Technik einer „positiven Ankündigung“ erleichtert die Behandlung und verbessert die Situation der Patienten deutlich.

Fazit: Wirkung von Hypnose

Hypnosetechniken sind seit langer Zeit bekannt und im Gebrauch, ihre Wirksamkeit ist nachgewiesen. Auch erlernbare Techniken zur Selbsthypnose sind in der Lage, Therapien zu ergänzen. Sie geben dem Patienten das Gefühl, aktiv an der Heilung mitzuwirken und nicht hilflos einer Situation ausgeliefert zu sein. Die Anwendung positiver Suggestion, eines wichtigen Elementes der Hypnose-Anwendung, stärkt nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, sie unterstützt die medizinischen Maßnahmen auf beeindruckende Weise.

Institut für Gesundheit und Entwicklung 

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.07.2017.

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Gast
Hallo, danke für den sehr guten Beitrag. Hypnose fand ich schon immer ganz "spannend", aber habe nicht wirklich verstanden, was es bedeutet. Was mich noch interessieren würde, ist ob und wie Hypnose für Medizin-Studenten beigebracht wird? Lieben Gruß, Sebastian
#1 vor 45 Tagen von Gast
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