Frau Schneider, linksseitige Brustschmerzen

12.06.2017
Teilen

Internistin Klara steht vor mir, mit einem perfektionierten Augenaufschlag von unten. „Könntest du mal kurz bei Frau Schneider vorbei sehen? Die linksseitigen Brustschmerzen sind definitiv kein Herzinfarkt. Die Lunge ist auskultatorisch okay. Aber irgendwie komme ich nicht weiter.“

Ich stutze. Klara macht ihren Job echt gut. Ich wette, ihr fallen viel mehr Differentialdiagnosen dazu ein als mir. „Ja, ich weiß, aber vielleicht ist es ja doch ein Bandscheibenvorfall. Die ziehen ja auch manchmal nach vorne in den Brustbereich, oder?“

„Klar, ich schaue nach ihr. Aber den Wimpernaufschlag brauchst du bei mir dafür nicht. Funktioniert das bei meinen Kollegen?“ Sie grinst: „Immer!“

Frau Schneider ist knapp über 80 Jahre alt und dement. Sie sitzt im Bett und ihr Sohn steht etwas verängstigt daneben. „Sie sagt, sie habe Brustschmerzen. Seit ein paar Tagen. Aber irgendwie können sie nichts finden. Ich mache mir etwas Sorgen.“

Frau Schneider sagt nicht viel. Sie starrt einfach ins Leere. Nach ein paar weiteren Fragen bitte ich sie, sich auszuziehen. Ja, auch den BH. Ich kann ihr gerne behilflich sein. Ihr Sohn verlässt den Raum. „Ah, ach so, äh. Ja, dann gehe ich lieber mal. Den BH musste sie eigentlich noch nie ausziehen.“

Die Diagnose dauert eine Sekunde. Das exulzerierende Mammakarzinom liegt direkt neben der Brustwarze, außen oben. Ja, Frau Schneider hat linksseitige Brustschmerzen.

 

Bildquelle: Jason Scragz, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.06.2017.

45 Wertungen (4.93 ø)
19599 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Ärztin
@Gast27: Dummerweise sind der NSTEMI und der STEMI nicht die einzigen Möglichkeiten für ein akutes Koronarsyndrom. natürlich ist das Troponin ausgesprochen wichtig um einen akuten Myokardinfarkt labordiagnostisch abzuklären... aber das EKG ist in dieser Situation absolut unverzichtbar. Das Troponin kann wenn ein Infarktereignis bereits längere Zeit zurückliegt auch wieder rückläufig sein. Die Patientin kann trotzdem eine KHK haben die sich im EKG bemerkbar macht, desweiteren liefert ein EKG weitere wichtige Hinweise auf mögliche Diffenzialdiagnosen der Thoraxschmerzen: Rhythmusstörungen, Lungenembolie, Herzinsuffizienz... In dieser Situation kein EKG zu schreiben ist Pfusch! Troponinwerte oder CK können das EKG nur ergänzen aber nicht ersetzen. So etwas lernt man an der Uni oder bei der Facharztausbildung, das Studium kann man ebenso mit Google ergänzen aber niemals ersetzen ;-) Also kann ich Ihnen nur empfehlen etwas mehr Fachliteratur zu konsultieren und etwas weniger Google...
#28 am 25.06.2017 von Ärztin (Gast)
  0
Gast
#1: Die Innere hat gelernt dass bei seit Tagen anhaltenden Beschwerden ein Troponin-Test sinnvoller als ein EKG ist. Sie möchten vielleicht nochmal NSTEMI googeln. Davon unbenommen stört ein nicht abgelegter BH schon bei der Auskultation.
#27 am 23.06.2017 von Gast
  3
Gast
Ja wenn der Focus wo anders liegt wird schon mal vergessen den ganzen Patienten anzuschauen. So wurde bei mir auf der Cardio-intensiv nach Herzstillstand und Reanimation übersehen, dass ich mir dabei den Fussknöchel aufgehauen hatte. Er wurde daher weder desinfiziert noch wundversorgt, so dass eine schöne dicke Entzündung draus wurde die ewig nicht abheilt. Und EKG würde auch um BH drumrum gemacht geht doch schneller
#26 am 23.06.2017 von Gast
  5
Manche Kommentatoren/-innen(?) haben offensichtlich verdrängt oder vergessen, dass es sich ursprünglich um eine Patientin mit einem exulzerierenden Mammakarzinom handelt. Das wurde bisher durch nachlässige Untersuchungen nicht detektiert und hat weiter unbehandelt eine extrem schlechte Prognose. In meinem Familienkreis gab es eine vergleichbare Situation, die konservative Bestrahlungs-/Chemotherapie ergab 10 weitere, durchaus lebenswerte Jahre in einer Remission.
#25 am 22.06.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  0
Gast
@Gast 23 , manchmal trifft man Ärzte, die den Patienten als Individuuum und nicht als Fallpauchale sehen, seien Sie dankbar für diesen EINZELFALL, doch die Regel kann es nicht sein, dazu fehlen finanzielle Resourcen.
#24 am 19.06.2017 von Gast
  1
Gast
#20 Gehören Sie zu den sadistischen Pflegekräften? Der Oberarzt der Chirurgie hat mir das Einzelzimmer gegeben mit der Aussage, wenn ich Spannungszustände abbauen will, dann könnte ich auch in dem Zimmer rumschreien und toben. Ich durfte nur nicht die Pflegekräfte beschimpfen. Die Chirugen in diesem Krankenhaus waren Alle Super nett besser als jeder Psycho-Doc
#23 am 18.06.2017 von Gast
  4
Gast
# 19 Ich brüste mich nicht damit, ich durchleide schon genug Qualen mit mir Selbst. Dummerweise habe ich noch eine andere schwerwiegende Erkrankung dazu bekommen, die meine Beweglichkeit einschränkt und das ist für mich die Hölle auf Erden. Ich bräuchte die Bewegung um wieder runterzukommen
#22 am 18.06.2017 von Gast
  6
Gast
# 20 BPS=Borderline Persönlichkeits Störung, ich werde einfach von vielen normalen Ärzten( außer Psychologen und Psychiatern) nett behandelt weil die wissen was wir für einen Leidensweg durchmachen müssen.
#21 am 17.06.2017 von Gast
  5
Gast
Gast 18: Bei uns im KH brauchen sie dazu keine BPS (was ist das? meinten Sie PBS?) , sondern nur sagen, dass Sie Durchfall haben. Dann bekommen Sie auch ein Einzelzimmer und werden zudem noch isoliert. Viel Spaß dabei!
#20 am 17.06.2017 von Gast
  18
Psychologe
#18: Dann arbeiten Sie daran, statt sich mit ihr zu brüsten.
#19 am 17.06.2017 von Psychologe (Gast)
  8
Gast
#15 Im Krankenhaus bekomme ich meisten ein Einzelzimmer weil ich für einige Patienten nicht zumutbar bin. Ich habe leider eine schwere BPS und das habe ich mir nicht Selbst ausgesucht. Wenn ich das wegoperieren könnte würde ich das sofort tun
#18 am 17.06.2017 von Gast
  11
Gast
#15 Ich bin leider schwer krank
#17 am 16.06.2017 von Gast
  1
Gast
Ich hatte auch schon Ärzte, die nicht auf meiner Wellenlänge waren, dann Wechsel ich eben Arzt oder auch Krankenhaus. Arzt und Patient müssen schon einen Draht zueinander haben ,ansonsten bringt die ganze Sache nichts
#16 am 16.06.2017 von Gast
  0
Ärztin
Na großartig... Drama, Drama, Drama und das alles noch im Schneckentempo und dass nur um Aufmerksamkeit zu bekommen? Ich hoffe sehr dass Sie das ironisch gemeint haben sonst würde das erklären warum für richtig schwer kranke Patienten mit weniger Talent zur Selbstdarstellung immer weniger Zeit bleibt....
#15 am 16.06.2017 von Ärztin (Gast)
  5
Gast
#10 Ich mache grundsätzlich nicht Schnell, Schnell, mit meiner Ruhe und stoischen Gelassenheit infiziere ich jeden Arzt , so dass sie sich Zeit für mich nehmen. Und noch Drama, Drama, Drama dazu, damit bekomme ich die Aufmerksamkeit die ich möchte.
#14 am 16.06.2017 von Gast
  14
Kritischer Beobachter; Einfach nur einen Satz einzuwerfen und dann wieder in der Anonymität zu verschwinden - ist auch nicht gerade konstruktiv und empathisch, ? Die Hausarztpraxis, in der ich bin, ist so organisiert, dass jeder Arzt dort sein festes Sprechzimmer hat und die Patienten von draußen reingerufen werden - die Patienten werden also NICHT auf verschiedene Sprechzimmer verteilt. Das heißt, die Ärztin müsste tatsächlich warten, bis ich mich wieder angezogen habe, was wegen einer Wirbelsäulengeschichte länger geht. In der Zeit kann sie keine anderen Patienten reinrufen. Da hätte ich mir von ihrer Seite her einen Lösungsvorschlag gewünscht, keine Aburteilung. . Ich rede mit sehr vielen Menschen,. und ältere Damen sagen mir genau das: "Es ist mir peinlich, den Herr Doctor/die Frau Doctor warten zu lassen, weil ich so lange brauche." Daher vermeiden sie das Entkleiden, wo es nur geht. Interessant finde ich, dass Sie so etwas als Besserwisserei bezeichnen .
#13 am 15.06.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  0
Ärztin
@ kritischer Beobachter: ich muss Ihnen insofern zustimmen dass Frau Cortes Einwand schon sehr pauschalisierend und aburteilend daherkommt, zumal eines Einzelbeispiels zugrundeliegend und aus Sicht eines Laien. Jedoch sollten wir auch selbstkritisch und offen für Anmerkungen von der Patientenseite bleiben. Inhaltlich ist die Anmerkung gar nicht so verkehrt. Verantwortlich dafür ob ein Patient sich entkleidet oder nicht ist nunmal der Untersucher und etwas mit eigenen Augen selbst zu sehen ist einfach der beste Weg zu einem klaren Urteil zu kommen. Natürlich reicht auch manchmal eine Beschreibung... z. B. wenn man einen Patienten und seine Erkrankung sehr lange kennt oder die anderen Befunde bereits die Diagnose erzwingen (bei eindeutigen ST-Hebungen nehme ich mir auch keine Zeit für einen Tastbefund der Mammae...)
#12 am 15.06.2017 von Ärztin (Gast)
  0
Kritischer Beobachter
Frau Cortez, fällt Ihnen eigentlich noch auf, dass Sie immer glauben, alles besser zu wissen?
#11 am 14.06.2017 von Kritischer Beobachter (Gast)
  12
Frau Dr. Wegener, es sind nicht immer Patienten, die sich weigern - sondern die Ärzte haben schlicht nicht die Zeit, zu warten, bis sich jemand - womöglich noch im Winter und dann mühselig - aus seiner Kleidung geschält hat. Manche Menschen schaffen es auch nicht , sich alleine wieder Schuhe und Strümpfe anzuziehen - und für solche Hilfestellungen ist in einer Praxis auch niemand zuständig. Ich wundere mich heute noch - ich war bei einer jungen neuen Ärztin, berichtete ihr von meiner Polyneuropathie und sagte ihr, ich hätteseit Tagen eine dicke Schwellung am linken Fußknöchel - sie forderte mich nicht auf, die Strümpfe auszuziehen und sah sich das an, sondern tippte brav alles in ihre Tastatur.
#10 am 14.06.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  2
"Bitte ziehen Sie sich aus. Die Unterhose können Sie anlassen." "Socken auch?" Die Alternativ-Frage "BH auch?" - bei fast jedem Check up das gleiche "Spiel". Oder bei Jugenduntersuchung/Berufseingangsuntersuchung etc. Und bei ca. jedem 2. die Bemerkung: "Ich mußte mich für sowas noch nie ausziehen." Klar, viele vergessen auch, was vor 2 Jahren gemacht wurde. Aber es war nicht nur e i n Mamma-Ca, das ich auf diese Weise entdeckt habe. Tipp: PSR geht nicht mit Winterschuhen an den Füßen ;-), und Reflexe klopfen bei schlaffen Lähmungen mit Orthese am Bein oder durch die Hose kann man "knicken". ;-)
#9 am 13.06.2017 von Dr. med. Angelica Wegener (Ärztin)
  0
Gast
Ähnliche Fälle kenne ich von Diabetikern. Da werden kaltschweißige Patienten , die lediglich Metformin erhalten, wegen einer Hypo behandelt. Der infizierte diabetische Fuß, der die zu den Symptomen führende Sepsis ausgelöst hat aber nicht gesehen, weil die Socken nicht ausgezogen werden...
#8 am 13.06.2017 von Gast
  1
Gast
Schauen, hören und die gleiche Sprache sprechen... und ich meine hier nicht das Problem der anderen Muttersprache! Da kann die Beschreibung "schmerzen unter der Brust", womit im Brustkorb gemeint war auch schnell mal als Oberbauchschmerz gedeutet werden ...Lunge oder Leber... ist ja egal fängt beides mit L an ;-)
#7 am 13.06.2017 von Gast
  0
Genau sowass habe ich während meiner Krkenhauslehrjahre auch erlebt . Liebe Kolleginnen und Kollegen, lässt die Patientinnen bei der Auskultation inmer immer den BH ausziehen!
#6 am 13.06.2017 von dr.med georg fronius (Arzt)
  0
Es kann durchaus hilfreich sein, alle fünf Sinne zu benutzen.
#5 am 13.06.2017 von Robert Wagner (Heilpraktiker)
  4
Gast
?? In der Tat tut mich das erstaunen, ein EKG schreiben zu wollen durch den BH. Oder wurden die Elektroden strategisch um den BH herumgeklebt? Unabhängig davon gehört ein Patient nicht nur gut befragt (oder hier halt seine Angehörigen), sondern eben auch entkleidet (!!) untersucht. Außerdem: Hätte so ein exulzerierter Tumor nicht auch ein wenig Geruch verbreitet? Mal abgesehen davon, daß u.U. die Frage präzisiert werden könnte, wo es denn genau wehe tut (im Brustkorb drin vs. in der Brust), man im vorliegenden Falle die Patienten bitten hätte können zu zeigen, wo es denn schmerzt. Das ganze zeigt auch mir persönlich wieder, genau auf solche Dinge mehr Wert zu legen, und nicht rasch aufs falsche Pferd zu setzen.
#4 am 13.06.2017 von Gast
  6
Mit Hose keine Diagnose ::))
#3 am 13.06.2017 von Heilpraktikerin Therese Lorbert (Heilpraktikerin)
  2
Gast
Leider passiert genau das viel zu oft- BHs, die zu lange "an der Frau" sind. Ich habe lange in der amb. Pflege gearbeitet und genau so einen Fall erlebt- als die Frau endlich die Pflege zuließ, war es schon fast zu spät! Wir können sie nicht zwingen, und die alte Generation handelt viel zu oft nach dem Motto: was ich nicht sehe, ist auch nicht da!
#2 am 13.06.2017 von Gast
  1
Ärztin
Die Innere hat einen Herzinfarkt ausgeschlossen ohne ein EKG zu schreiben?!?!? Unfassbar!
#1 am 13.06.2017 von Ärztin (Gast)
  1
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Das Reh springt von der Notaufnahme auf Station, in den OP, zurück in die Notaufnahme, zur Sekretärin und verweilt mehr...
Der junge Mann wankt und schwankt und lallt. Leider nicht so betrunken, dass er nur noch liegen kann. Ein ebenso mehr...
Kollege Mc Sexy ist übel gelaunt heute. Kein „Guten Morgen“, kein „Wie geht’s?“, schon gar kein „Was mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: