Herpes Zoster schlägt aufs Herz

08.06.2017
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Während der Lippenherpes meist harmlos verläuft, kann der Genitalherpes, vor allem aber auch der Herpes Zoster, sehr schwere Erkrankungen auslösen: So kommt es bei Letzterem wohl nicht nur zu neuralgischen Schmerzen, sondern auch zu Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Fast 90 % aller Menschen in Deutschland sind von Herpesviren befallen. Die Gruppe der Herpesviren umfasst viele verschiedene Viren. Allen gemeinsam ist, dass sie mehr oder minder stark abgewandelte rote Hautbereiche mit charakteristischen und schmerzhaften Bläschen bilden. Besonders häufig sind Herpes simplex Typ I (Lippenherpes), Herpes simplex Typ II (Genitalherpes) und das Varizella-Zoster-Virus (Herpes Zoster, „Gürtelrose“), die alle drei nach durchgemachter Erkrankung in Spinalganglien des Körpers persistieren und von dort aus immer wieder neu hervorbrechen können.

Unter den Herpesviren sind die Varizella-Zoster-Viren etwas besonderes, denn anders als der Lippen- und Genitalherpes führt der Herpes Zoster zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Nach dem Durchleben dieser als Windpocken meist im Kindesalter auftretenden Krankheitsphase, verbleibt das Varizella-Zoster-Virus dauerhaft im Körper. Eine Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus wird von der STIKO für Kleinkinder empfohlen und schützt zuverlässig vor einer Infektion, doch leider wird diese Impfmöglichkeit noch immer nicht flächendeckend angenommen.

Bei ungeimpften und im Kindesalter an Windpocken erkrankten Menschen kann das Virus im Alter durch eine Immunschwäche oder auch durch andauernden Stress aus den Spinalganglien heraus erneut aktiviert werden. Das Virus wandert dann entlang der Nervenbahnen bis in die innervierten Hautareale ein. Dort kommt es zu einer flächigen Rötung mit unzähligen Bläschen, dem sogenannten Zoster bzw. der Gürtelrose. Neben diesen Hautreaktionen treten häufig ebenfalls Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie leichtes Fieber auf.

Ein Zoster mit Folgen

Die akute Zostererkrankung heilt nach wenigen Wochen ab. Doch sehr viel schwerer wiegen die Monate bis Jahre nach dem durchlebten Zoster. Die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie verursacht selbst lange Zeit nach Ausheilung der Gürtelrose noch schlimmste Schmerzen im betroffenen Dermatom, worunter die Lebensqualität der Betroffenen sehr stark leidet.

Eine aktuelle Studie aus Südkorea zeigte zudem, dass über die Neuralgie hinaus ebenso lebensbedrohliche Folgen auf die Gürtelrose zurückgehen könnten. So stieg das gemeinsame Risiko für einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall nach einem erstmals erlebten Zoster um etwa 41 %, das Risiko für einen Schaganfall allein um 35 %. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, war um circa 59 % erhöht.

Interessant ist darüber hinaus, dass das Risiko eines kardialen Ereignisses im ersten Jahr nach einem Zoster deutlich erhöht war und in der Folge mit der Zeit kleiner wurde. Das höhere Risiko für einen Schlaganfall betraf überwiegend die Generation < 40 Jahre, welche ja gemeinhin noch wenig unter Arteriosklerose, einem altersbedingten Risikofaktor für einen Schlaganfall, leidet.

Ärzte müssen Patienten aufklären

Obgleich Herpesinfektionen in der Bevölkerung eher als harmlos oder lästig gelten, können daraus schwere Folgeerkrankungen resultieren. Insbesondere Infektionen mit dem Varizella-Zoster-Virus sind nicht zuletzt aufgrund ihrer Rezidivneigung in Gestalt einer Gürtelrose und den damit verbundenen neuralgischen Schmerzen problematisch.

Es gibt Hinweise darauf, dass ein Zoster das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, auch in jüngeren Patienten. Betroffene sollten daher seitens des behandelnden Arztes auf das Risiko hingewiesen und daraufhin untersucht werden.

Wie bei allen Herpesvirusinfektionen persistiert das Virus nach einmal durchlebter Erkrankung zeitlebens in den Spinalganglien des Körpers. Antivirale Medikamente können im Falle der Herpesviren lediglich Ausbrüche und Rezidive kontrollieren, die Infektion jedoch nicht dauerhaft tilgen. Aus diesem Grund sei an dieser Stelle auch nochmals auf die Möglichkeit der von der STIKO empfohlenen Impfung gegen das Varizella-Zoster-Virus bereits im Kleinkindalter hingewiesen.

Quelle:

Herpes Zoster Increases the Risk of Stroke and Myocardial Infarction.
Min-Chul Kim et al.; Journal of the American College of Cardiology, doi: 10.1016/j.jacc.2017.05.015; 2017

 

Bildquelle: bixentro, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.07.2017.

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Gast
"Das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, war um circa 59 % erhöht" (wobei es ja eigentlich nicht um HI sondern um Zostermyocarditis geht, wenn ich das richtig sehe). Da muss man eigentlich im Umkehrschluss postulieren, dass sämtliche bisherige Studien zum Thema Herzinfarkt, deren Kohorten nicht "zosterbereinigt" waren - vollkommen irrelevant geworden sind? Und war diese Studie z.B. EBV-bereinigt?
#10 am 20.07.2017 von Gast
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Gast (MTRA)
Gürtelrose: Neuer Impfstoff schützt Senioren effektiv Ein neuer Impfstoff soll den Ausbruch einer Gürtelrose (Herpes zoster) im Alter sicher verhindern. In einer multizentrischen Studie mit 15.411 Probanden ab 50 Jahren erwies sich der Impfstoffkandidat HZ/su von Glaxo-Smith-Kline als überaus wirksam – im Gegensatz zur bereits verfügbaren Impfung mit Zostavax® auch bei älteren Probanden, berichten Forscher des Unternehmens jetzt im «New England Journal of Medicine». Während demnach der Lebendimpfstoff Zostavax den Ausbruch eines Herpes zoster nur bei 51,3 Prozent der Geimpften älter 60 Jahre verhindern kann, erreichte die neue Vakzine nach zweimaliger Impfung einen Schutz von 96,6 bis 97,9 Prozent für alle getesteten Altersgruppen, auch bei den Über-70-Jährigen. So trat während der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 3,2 Jahren nur bei 6 Probanden der Impfgruppe eine Gürtelrose auf. Dem standen 210 Fällen in der Placebogruppe gegenüber. In der Verumgruppe kam es innerhalb von sieben Tagen nach der Impfung bei 84,4 Prozent der Probanden zu Nebenwirkungen. In der Placebogruppe war das nur bei 37,8 Prozent der Probanden der Fall. Meist waren die Symptome mild bis moderat und hielten ein bis drei Tage an. Bei 17,0 Prozent unter HZ/su und 3,2 Prozent unter Placebo fühlten sich die Teilnehmer jedoch in ihren täglichen Aktivitäten eingeschränkt, meistens aufgrund von Schmerzen an der Einstichstelle und Myalgien. Schwere unerwünschte Wirkungen wie Hypotonie, Herzinfarkt und Herzversagen traten in beiden Gruppen ungefähr gleich häufig auf. Wer sich einmal mit Windpocken infiziert hat, kann im Alter oder bei schwachem Immunsystem an Herpes zoster erkranken. Diesem folgt oft eine sehr schmerzhafte postherpetische Neuralgie. Ausgelöst werden Windpocken und Gürtelrose durch das Varizella-Zoster-Virus, das sich nach der Erstinfektion lebenslang im Nervensystem festsetzt. Etwa 90 Prozent der Über-50-Jährigen gelten als infiziert. Bei dem Impfstoffkandidaten HZ/su handelt es sich um eine rekombinante Spaltvakzine basierend auf dem viralen Glykoprotein E, verstärkt durch das noch nicht zugelassene Adjuvans AS01B. Da es sich im Gegensatz zu Zostavax um einen Totimpfstoff handelt, könnte er auch bei immungeschwächten Patienten zum Einsatz kommen, die das höchste Risiko für den Ausbruch eines Herpes zoster haben. Dies wird derzeit in weiteren Studien geprüft. Unklar ist auch noch, wie lang die Schutzwirkung anhält und wie gut der Impfstoffkandidat vor der Entwicklung einer postherpetischen Neuralgie schützt. (dh) Der neue Impfstoff kommt wohl so ca. 2018/2019 auf den Markt.
#9 am 19.07.2017 von Gast (MTRA) (Gast)
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Seit ein paar Jahren gibt es eine Impfung gegen Herpes-Zoster-Erkrankung im Erwachsenenalter: "Zostavac"; derzeit prüft die Stiko noch, ob diese Impfung für Erwachsene (ab 50?) empfohlen werden soll. Daher ist diese Impfung derzeit eine Selbstzahler-Leistung, alledings sind Privatversicherungen auf Anfrage evtl. zur Kostenübernahme bereit.
#8 am 18.07.2017 von Dr. med. Cornelius Rottacker (Arzt)
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Noch eine Korrektur: Die Postzosterneuralgie ist gekennzeichnet durch neuropathische Schmerzen nicht in Muskeln und Gelenken, sondern im betroffenen Dermatom.
#7 am 18.07.2017 von Dr. med. Ines H?nicke (Ärztin)
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Gast
# Systemimanente (Kaskadierung) bei reaktiver VZV. Tolles Statement wie immer von Dr. Schätzler. Doz
#6 am 18.07.2017 von Gast
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Hier ist einiges durcheinander geraten! Ich zitiere: "Das Varizella-Zoster-Virus ist das einzige Virus, für das eine klare Evidenz dafür vorliegt, dass virale DNA und Antigene in den Ischämie- und Infarktbereichen vorhanden sind" (Dr. Sung-Han Kim). Damit wird klar, dass es weder um Herpes simplex, "Herpes genitalis" noch um Humanes-Herpes-Virus-6 (HHV-6) geht, sondern nur und ausschließlich um das Varizella-Zoster-Virus (VZV). Der Begriff "Herpes" ist ein historischer, rein deskriptiver, der die gemeinsame Bläschen-Morphologie beschrieb, ohne spätere nosologische Zuordnung. Kim CM, et al: JACC 2017;70(2):295-296 klären folgende Fragen: "Worin liegen die Ursachen für das erhöhte Schlaganfall-und Infarkt-Risiko nach Herpes-zoster-Infektion? Kim und Kollegen nennen einige mögliche biologische Ursachen: 1. Varizella-zoster-Virus (VZV)-Replikation in unmittelbarer Nähe zu einer Arterie, was zur Entzündung der Arterie und infolge zu Thrombosen und Rupturen führen kann,
#5 am 17.07.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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2. eine sich wiederholende subklinische Re-Aktivierung von VZV und ein nachfolgender Effekt auf die Arterien, 3. eine transaxonale Migration von Varizella-zoster-Viren hin zur Körpermitte, 4. ein erhöhter Sympathikustonus (Blutdruckanstieg, erhöhte Herzfrequenz) und ungünstige emotionale Reaktionen, 5. ein veränderter immunologischer Status, verursacht durch die VZV-Re-Aktivierung und daraus folgend eine erhöhte Vulnerabilität für zerebrovaskuläre Ereignisse. In einer Mitteilung des American College of Cardiology resümiert Kim: „Unsere Ergebnisse erfordern weitere Studien, um die Mechanismen herauszufinden, die bei Gürtelrose-Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen.“ http://www.onlinejacc.org/content/70/2/295 Modifiziert nach: "Infektion mit kardiovaskulären Konsequenzen: Erhöht Herpes zoster das Schlaganfall- und Infarktrisiko? - Medscape - 17. Jul 2017." http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4906189
#4 am 17.07.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Und wie stellen sich Min-Chul Kim et al. die Pathogenese vor? - eine Vaskulitis? ... oder ist das mal wieder eine Arbeit bei der zwei pathophysiologisch unabhängige Faktoren einfach aufgrund eines anderen gemeinsamen Auslösefaktors (z.B. Stress) gehäuft auftreten?
#3 am 17.07.2017 von Gast
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Gast
KHK also auch viraler pathognese...(VZV) Insofern (gewisses) lebenslanges Risiko bei bestehender oder/und akuter Immunsupression angesichts etwa 90%iger Trägerschaft. Krasse Erkentniss. Doz
#2 am 17.07.2017 von Gast
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Sehr wichtigerArtikel, Myokarditiden mit und ohne Folgen sind ebenfalls bekannt
#1 am 17.07.2017 von Dr. med. Gitta Lysy (Ärztin)
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