Nasenhöhle (Cavum nasi)

07.06.2017
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Nachdem ein Verständnis über den Aufbau der äußeren Nase (Nasus externus) erlangt wurde, gelangt man nach dem Durchtritt der Nasenlöcher (Nares) in das Innere der Nase. Die dort anzutreffende Nasenhöhle (Cavum nasi) stellt ein komplexes Gebilde aus unterschiedlichen Knochenfragmenten dar, das einerseits der Luftleitung dient, andererseits als Riechorgan funktioniert.

1. Anatomie

1.1 Anfangsabschnitt

Die Nasenhöhle (Cavum nasi) findet ihren Anfang mit dem Nasenvorhof (Vestibulum nasi). Dieser wird von einem mehrschichtigen, unverhornten Plattenepithel ausgekleidet. Anschließend geht die äußere Haut im Nasenvorhof (Cavum nasi) mit einer scharf gezogenen Grenzlinie (Limen nasi) in das respiratorische Epithel über, das den größten Teil der Nasenhöhle (Cavum nasi) auskleidet. In unmittelbarer Nähe zur Grenzlinie (Limen nasi) befindet sich am Nasenboden die Mündung des Tränen-Nasenganges (Ostium nasolacrimale). Man kann diese Mündungsstelle besonders gut beim Pferd erkennen.

1.2 Nasenscheidewand (Septum nasi)

Die Nasenhöhle (Cavum nasi) wird durch eine mediane Scheidewand, das Nasenseptum (Septum nasi) in eine rechte und eine linke Abteilung getrennt. Die Nasenscheidewand (Septum nasi) ist zum Großteil knorpelig gebaut. Der Knorpel wird als Cartilago septi nasi bezeichnet, wobei sein rostraler Abschnitt als Pars mobilis septi nasi abgegrenzt wird. Nach kaudal schiebt sich das Septum nasi als Processus caudalis in den Winkel zwischen Vomer (Pflugscharbein) und Lamina perpendicularis des Os ethmoidale (Siebbein).

Zwischen dem rostralen Ende der Cartilago septi nasi und der Haut zwischen den Nasenlöchern befindet sich die Pars membranacea der Nasenscheidewand. Dieser häutige Teil liegt beim Hund weiter kaudal und teilt somit das knorpelige Septum in einen kaudalen und einen gut beweglichen rostralen Abschnitt.

Der knöcherne Anteil der Nasenscheidewand (Pars ossea des Septum nasi) wird durch die Lamina perpendicularis des Os ethmoidale (Siebbein) und den Vomer (Pflugscharbeine) dargestellt.

1.3 Nasenmuscheln (Conchae nasales)

In den Hauptteil der Nasenhöhle (Cavum nasi) ragen die Nasenmuscheln (Conchae nasales) hinein, wobei der kaudal gelegene Nasengrund von den Siebbeinmuscheln (Conchae ethmoidales, Ethmoturbinalia) ausgefüllt wird.

Die drei Nasenmuscheln sind unterschiedlich groß, wobei die Concha nasalis dorsalis (dorsale Nasenmuschel) und Concha nasalis ventralis (ventrale Nasenmuschel) die größeren der drei darstellen. Die deutlich kleinere Concha nasalis media (mittlere Nasenmuschel) schiebt sich im kaudalen Drittel der Nasenhöhle (Cavum nasi) zwischen die dorsale und ventrale Muschel, die im mittleren und rostralen Drittel der Nasenhöhle deutlich dominieren.

Die knöcherne Grundlage der Nasenmuscheln sind die Muschelbeine. Darunter versteht man zarte aufgerollte Knochenlamellen, die über eine Basallamelle innen an den Schädelknochen befestigt sind. Demzufolge rollen sich von der Basallamelle ein oder zwei Spirallamellen wulstförmig auf. Durch dieses Aufrollen werden Buchten (Recessus) gebildet, die in weit offener Verbindung mit der Nasenhöhle stehen. Gleichzeitig bilden sich an den freien Rändern der Spirallamellen in der dorsalen und ventralen Nasenmuschel Blasen (Bulla conchalis dorsalis und Bulla conchalis ventralis). Diese Blasen können zudem durch transversale Septen in Bereiche (Cellulae) unterteilt werden.

Die größten Ethmoturbinalia (Siebbeinmuscheln) bezeichnet man als Endoturbinalia, wobei man sie von dorsal nach ventral mit I bis IV durchnummeriert. Dabei stellt das Endoturbinale I die knöcherne Grundlage der oberen Nasenmuschel (Concha nasalis dorsalis), das Endoturbinale II die der mittleren Nasenmuschel (Concha nasalis media). Die ventrale Nasenmuschel (Concha nasalis ventralis) entstammt dem Os conchae ventralis, das ein eigenständiger Knochen darstellt.

1.4 Nasengänge (Meatus nasi)

Sind die freien Ränder der Spirallamellen mit ihrer Basallamelle oder mit benachbarten Schädelknochen verwachsen, entstehen Hohlräume, die den Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) zugerechnet werden. In der oberen Nasenmuschel beschreibt man daher einen im kaudalen Teil der Concha gelegenen Sinus conchae dorsalis. Folglich umschließt der kaudale Teil der ventralen Nasenmuschel den Sinus conchae ventralis. Die mittlere Nasenmuschel birgt ebenso einen Hohlraum. Dieser ist jedoch deutlich kleiner und wird als Sinus conchae mediae bezeichnet. Beim Pferd sind die dorsale und ventrale Nasenmuschel durch ein Septum conchae dorsalis bzw. Septum conchae ventralis je in einen rostralen und einen kaudalen Abschnitt getrennt.

Die Nasenmuscheln (Conchae nasales) reduzieren das Lumen der Nasenhöhle zu sogenannten Nasengängen (Meatus nasi). Der dorsale Nasengang (Meatus nasi dorsalis) verläuft zwischen dorsaler Nasenwand und Concha nasalis dorsalis. Er ist für das Weiterleiten der Luft an die Riechschleimhaut zuständig und wird deshalb auch als Riechgang bezeichnet.

Zwischen der dorsalen und ventralen Nasenmuschel (Concha nasalis dorsalis und Concha nasalis ventralis) erstreckt sich der mittlere Nasengang (Meatus nasi medius). Da dieser Nasengang einen Zugang zu den Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) besitzt, wird er auch als Sinusgang bezeichnet.

Der Gang zwischen der ventralen Nasenmuschel und dem Nasenhöhlenboden ist der ventrale Nasengang (Meatus nasi ventralis). Er ist der geräumigste von allen drei Nasengängen und führt über seine kaudale Fortsetzung (Meatus nasopharyngeus) in den Pharynx. Die hierfür notwendigen Durchtrittsstellen werden als Choanen (Choanae) bezeichnet. Er gilt als Hauptluftweg und wird deshalb auch Atmungsgang genannt.

Alle drei Nasengänge (Meatus nasi) kommunizieren über einen sagittalen Spaltraum zwischen Nasenseptum (Septum nasi) und Nasenmuscheln (Conchae nasales), den gemeinsamen Nasengang (Meatus nasi communis), miteinander.

2. Histologie

Alle drei Nasengänge (Meatus nasi) kommunizieren über einen sagittalen Spaltraum zwischen Nasenseptum (Septum nasi) und Nasenmuscheln (Conchae nasales), den gemeinsamen Nasengang (Meatus nasi communis), miteinander.

2.1 Regio respiratoria

Die Regio respiratoria kleidet den Hauptteil der Nasenhöhle (Cavum nasi) aus. Demzufolge werden die Nasengänge (Meatus nasi), das Nasenseptum (Septum nasi) und die Nasenmuscheln (Conchae nasales) von respiratorischem Epithel mit reichlich Becherzellen ausgekleidet. Die unter der Mukosa liegende Lamina propria beherbergt die tubuloalveolären Glandulae nasales. Ihre Endstücke weisen gemischte Eigenschaften auf, wobei die mukösen Anteile überwiegen.

Die laterale Nasendrüse (Glandula nasalis lateralis) ist serös. Sie ist bei den Fleischfressern in der Kieferbucht, beim Pferd und kleinen Wiederkäuer in der Apertura nasomaxillaris beherbergt. Das Rind besitzt keine seitliche Nasendrüse.

Sowohl die Nasendrüse als auch die Becherzellen bilden den auf der Epitheloberfläche befindlichen Schleimfilm zur Anfeuchtung der Atemluft und zur Bindung von Partikeln. Der Schleim wird durch die Bewegung der Kinozilien in Richtung Choanen transportiert. Da der Schleim reich an Lysozymen ist, kann ihm antibakterielle Wirkung zugesprochen werden.

Gleichzeitig findet man in der Propria reichlich Lymphozyten, Plasmazellen und Makrophagen als Ausdruck zellulärer Abwehrvorgänge.

In der Submukosa findet man ausgedehnte venöse Schwellkörper (Plexus cavernosi nasales). Außerdem kann der Blutabfluss aus den mit Sphinkteren ausgestatteten Venen temporär gedrosselt werden, was zum Anschwellen der Schleimhäute führt. Auf diese Weise kann die Strömungsgeschwindigkeit und somit die Erwärmung der Luft beeinflusst werden.

Im rostralen Nasenhöhlenabschnitt bildet die Schleimhaut enge Falten, die zu den Nasenmuscheln (Conchae nasales) ziehen. Dazu zählt man neben der Flügelfalte (Plica alaris) die gerade Falte (Plica recta), die zwischen Nasenloch und dorsaler Muschel (Concha nasalis dorsalis) verläuft und die Bodenfalte (Plica basalis). Letztere verläuft beim Pferd von der ventralen Muschel (Concha nasalis ventralis) zum Boden der Nasenhöhle und enthält den Ductus nasolacrimalis (Tränen-Nasengang). Bei den anderen Tierarten heftet sich dieser Gang der unteren Concha an. Fleischfresser zeigen übrigens in der dorsolateralen Wand des Nasenvorhofs (Vestibulum nasi) zusätzliche kleine Falten.

2.2 Regio olfactoria

Die Siebbeinmuscheln (Conchae ethmoidales) bilden ein Labyrinth im Nasengrund (Labyrinthus ethmoidales). Wie eingangs erwähnt verlaufen zwischen den ethmoidalen Muscheln enge Gänge (Meatus ethmoidales).

Der kaudale Abschnitt der Siebbeinmuscheln ist mit Riechschleimhaut bedeckt, sie sich auf den angrenzenden Abschnitt des Nasenseptums (Septum nasi) ausstreckt. Dabei stellt die Riechschleimhaut die Regio olfactoria der Nasenschleimhaut (Tunica mucosa) dar.

Das olfaktorische Epithel der Regio olfactoria setzt sich aus Stützzellen und bipolaren Riechzellen zusammen. Die Axone der Riechzellen ziehen dabei gemeinsam als Nervi olfactorii durch die Cellulae ethmoidales hindurch zum Bulbus olfactorius.

Die Lamina propria enthält tubulöse Drüsen (Glandula olfactoriae), die mit ihrem serösen Sekret einerseits Riechstoffe zur Lösung bringen und somit olfaktorisch wahrnehmbar werden, andererseits spülen sie die Bindungsorte für neue Riechstoffe frei (ähnlich den Glandulae gustatoriae der Zunge).

Im Boden der Nasenhöhle findet man beiderseits des Nasenseptums (Septum nasi) ein röhrenförmiges Gebilde, das als Nasenbodenorgan (Organum vomeronasale, Jacobson’sches Organ) bezeichnet wird. Dieses Organ erstreckt sich vom rostralen Ende der Fissura palatina tierartlich unterschiedlich weit nach kaudal. Es ist aus einem unvollständigen Knorpelzylinder (Cartilago vomeronasalis), der eine epitheliale Röhre (Ductus vomeronasalis) umschließt, aufgebaut. Die Röhre endet kaudal blind, wobei sie sich kranial in den Nasen-Gaumen-Kanal (Ductus incisivus) öffnet.

Die Medialwand des Ductus vomeronasalis besteht ebenfalls aus olfaktorischem Epithel. Die Axone seiner Sinneszellen bilden den Nervus vomeronasalis, der ebenfalls durch die Lamina cribrosa zum Bulbus olfactorius accessorius zieht. Seine Funktion war lange Zeit ungeklärt. Mittlerweile weiß man, dass er der Wahrnehmung von Pheromonen dient und somit eine wichtige Rolle im Sexualverhalten einnimmt.

(Literatur: Salomon, Franz-Viktor, Hans Geyer, and Uwe Gille, eds. Anatomie für die Tiermedizin. Enke, 2008.)

Artikel letztmalig aktualisiert am 07.06.2017.

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