Keine falsche Panik vs. keine falsche Ruhe

07.06.2017
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Eine Entscheidung zur Operation ist sorgfältig zu treffen. Im Rahmen einer Diagnostik ist sie oft hilfreich und kann positive oder negative Befunde hervorbringen.

Es ist eine Binsenweisheit, dass ein Malignom besser therapiert werden kann, wenn es früh erkannt wird. In der HNO kann man z.B. Larynxkarzinome auf den Stimmbändern schon im frühesten Stadium erkennen, weil sich Heiserkeit einstellt. Ein Ösophaguskarzinom ist meist schon groß gewachsen und auch schon metastasiert, wenn es zu nennenswerten Schluckstörungen kommt.

Unnötiger Eingriff?

Nach vier Jahren kommt Frau Sommer wieder zu uns in die Praxis, weil die Ohren dicht sind. Ich schaue in die Karte und sehe irgendwelche Briefe von 2013 aus einem Krankenhaus, schaffe es aber nicht, sie noch einmal zu lesen, bevor die Patientin eintritt.

Während ich die Ohren reinige, kommt sie selbst auf die Zeit vor vier Jahren zurück mit den Worten:

„Eigentlich wollte ich ja gar nicht mehr zu Ihnen kommen!“

Erstaunen bei mir. Sie erklärt:

„Damals haben Sie mich ins Krankenhaus geschickt, damit ich operiert werden soll. Die wussten dann gar nicht, warum und haben mich wieder weggeschickt!“

Da musste ich doch mal einen Blick in die Akte und Briefe werfen: Lymphknotenschwellung im Ultraschall über 2 cm Größe nach vier Wochen persistierend, Z.n. Antibiose und Blutentnahmen unauffällig. Moderate Raucherin über Jahre gewesen. Klinik empfiehlt sonographische Kontrollen, zu denen sie nicht erschienen war.

„Der Knoten ist auch von alleine weggegangen!“

Immer diese Ärzte, die schnell operieren wollen!

Operation als Lebensretter

Der übernächste Patient ist auch mal wegen einer Lymphknotenschwellung bei mir gewesen. Die anfänglichen Symptome waren durchaus vergleichbar. Wieder vollständige HNO-Untersuchung, Verlaufskontrolle und bei ausbleibender Besserung Einweisung ins Krankenhaus zur Diagnosesicherung.

„Erzwingen einer Diagnose“ haben wir die Histologiegewinnung bei persistierender unklarer Lymphknotenschwellung genannt. Damals war es eine Metastase eines Plattenepithelkarzinoms versteckt im Zungengrund. Es war noch nicht einmal zu Schluckbeschwerden gekommen.

Durch die rasche Diagnosesicherung konnte mit Operation und anschließender Radiochemotherapie eine Heilung erzielt werden, sofern man das nach 1,5 Jahren sagen kann. Hinterher ist man immer schlauer! Aus meiner Sicht: Lieber mal einen falsch auffälligen Lymphknoten entfernen als ein Malignom zu spät erkennen.

 

Bildquelle: Marc Dalmuld, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.06.2017.

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Dr. med. Wurst
@Forenmoderation: Hätte ganz gern gewusst, warum meine Erwiderung auf #2 gelöscht wurde. Mir stellt sich manchmal kopschüttelnd die Frage, ob mancher in einem MEDIZINERforum hier überhaupt noch auf der richtigen Seite steht. Da darf ein Teilnehmer hier unbeanstandet behaupten, dass unsere onkologische Disziplin quasi vorsätzlich Menschen ermordet. Und richtigstellende Beiträge werden gelöscht. Bei allem Respekt, hier tickt irgendwas falsch.
#13 am 12.06.2017 von Dr. med. Wurst (Gast)
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Dr. med. Wurst
#11: Es ist allerdings eine unzulässige Vereinfachung, dass ein "lockererer" Umgang mit Karzinomverdachten irgendetwas an den realen Mamma-Ca-Häufigkeit ändert. Er ändert lediglich die Häufigkeit unnötiger invasiver Diagnostik zugunsten übersehener Malignome, aber eben auch zuungusten der Psyche vieler Betroffenen. Ein Screening-Programm, dass den Großteil der Teilnehmer von vornherein unter Malignomverdacht stellt, mag zwar gebotene ärztliche Vorsicht manifestieren, allerdings kaum noch Teilnehmer haben.
#12 am 12.06.2017 von Dr. med. Wurst (Gast)
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Gast
Bei der Manmographie-Rezertifizierung fiel ich vor einigen Jahren durch, weil ich anstatt 5 falsch positiver Befunde 6 mal den Verdacht auf ein Karzinom geäussert hatte. Dafür fand ich damals als einziger der damaligen Prüfungsgruppe 100% der in den Fällen versteckten Malignome... Nun stellt sich die Frage: Was ist Ihnen lieber ? Alle Karzinome entdecken und im Zweifelsfall einmal zu oft den Finger heben, oder es eher edarauf ankommen lassen und ein Ca damit ggflls. "in Ruhe" metastasieren lassen ? Ich würde jetzt gerne sagen: "Entscheiden Sie selbst", aber der Staat hat Ihnen allen diese Entscheidung abgenommen - im Grunde genommen gibt es inzwischen nur noch Fabrik-Bus-Screening ... Alles wird besser, nur die Mamma-Ca "Zahlen" nicht... keine Ahnung warum...
#11 am 10.06.2017 von Gast
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Gast X
Fr. Link: ich kenne ihre Befunde nicht aber ein "heißer" Knoten der Schilddrüse ist fast immer gutartig (meist autonomes Adenom). Bei einer Mastopathie können sich dutzende knotige Veränderungen des Gewebes entwickeln, die zum Teil zyklusabhängig kommen und gehen. Da bringt in der Regel eine Sonographie Klarheit, gegebenenfalls auch eine Biopsie. Mir und vielen anderen Patienten hat eine angemessene Beobachtungszeit (in der Regel einige Wochen) schon unnötige invasive Maßnahmen erspart. Man muss natürlich dahinter sein und sollte auch gewissenhaft die Kontrolltermine wahrnehmen. Der Sinn dieses Artikels ist es sicher nicht unnötig Panik zu verbreiten und den falschen Eindruck zu erwecken es handle sich bei jeder knotigen Veränderung des Körpers um eine tickende Zeitbombe. Da müssten wir alle viel Zeit unseres Lebens im OP verbringen. Invasive Untersuchungen und OPs bergen ihrerseits beachtliche Risiken.
#10 am 10.06.2017 von Gast X (Gast)
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Ich habe schon 3 Knoten gehabt, 2 in der Brust und ein heißer Knoten in der Schilddrüse. Es war jedes mal ein harter Kampf mit den Ärzten mich gegen das " wir beobachten das mal " zu wehren und die Op durch zu setzen. Vielleicht macht das Masochisten Spaß sich mit so einer potentiellen Gefahr durchs Leben zu gehen, ich sehe den Sinn nicht darin zu warten bis es sicher Krebs ist. Chirurgen und Anästhesisten müßen ja auch von etwas leben.
#9 am 09.06.2017 von ellen link (Heilpraktikerin)
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Gast
Wie heißt es doch so schön: "When in doubt, take ist out!" Dem ist nix hinzuzufügen.
#8 am 09.06.2017 von Gast
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Bei einem anverwandten sehr lieben Menschen, hatte seinerzeit allerdings die 2. Variante leider zu anderen Ergebnis geführt, es wurden viele Zeichen ignoriert, das käme schon mal vor... es ging um Blutungen, aus nicht physiologischer Quelle. ich habe seinerzeit von einem sehr guten OA der Chirurgie im Anatomie-/Physiolgie-/Pathologie-Unterricht gelernt, dass es solange Krebs ist, bis das Gegenteil bewiesen ist. Leider hatte der ärzliche Behandler das anders gesehen....
#7 am 09.06.2017 von Heidrun Fieber (Heilpraktikerin)
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Sehr empfehlenswerter Umgang mit diesem ernsten, sensiblen Thema, manche wollen nicht zur Abklärung, sie müssen regelrecht unter Druck gesetzt werden. Hinterher nützt das bedauern, ach wäre ich doch eher hingegangen und hätte auf den Arzt gehört, auch nichts mehr.
#6 am 09.06.2017 von Heidrun Fieber (Heilpraktikerin)
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Gast
@Ela: ein klassischer provozierender Post eines Trolls, auf den es sich zu antworten nicht lohnt und es trotzdem macht.
#5 am 09.06.2017 von Gast
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Gast
Ich mag keine zögerlichen Chirurgen
#4 am 09.06.2017 von Gast
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Gast
@Ela: Was würden Sie denn tun bei einer Lymphknotenvergrößerung sowohl bei Verdacht als auch bei Beleg einer Metastase eines Karzinoms?
#3 am 09.06.2017 von Gast
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Ela
Es gibt viele Wege- ich würde ALLES tun AUSSER klassisch-onkologischer Schulmedizin, sie killt wohl die meisten Patienten. Krebs ist ein multikausales Problem defizienter Natur sowie Schwäche des Immunsystems, denn schließlich produziert jeder von uns jeden Tag Krebszellen.
#2 am 09.06.2017 von Ela (Gast)
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Gast
Das Fazit kann ich nur bestätigen - nachdem ein Verwandter an einem viel zu spät erkannten Plattenepithelkarzinom am Kiefer und entsprechender OP verstarb. Das "Bläschen" war jahrelang nicht weggegangen...
#1 am 09.06.2017 von Gast
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