Umgang mit Krebspatienten

01.06.2010
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Krebstherapie ist mehr als Chemo

Es ist heutzutage eine weithin bekannte Tatsache, dass eine wirkungsvolle Therapie gegen Krebs mehr beinhalten sollte, als die Geschwulst herauszuschneiden, sie zu vergiften und/oder zu bestrahlen. Immer wieder belegen statistischen Ergebnisse, dass in der Bewegung viel Heilkraft gegen den Krebs liegt. Sport mobilisiert in nicht zu überschätzender Weise die Selbstheilungskräfte des Körpers. Nur – wer sagt es den Betroffenen? Wer redet mit Krebspatienten über die Dinge neben der reinen Schulmedizin, als da wären Bewegungstherapie, Ernährungsumstellung und Förderung der autosuggestiven Kräfte?Die Krebsspezialisten (Onkologen)? Sie haben anderes zu tun, und das ist nur wenig vorwurfsvoll gemeint. Therapiestandards müssen im Einzelfall festgelegt und durchgeführt werden. Abstimmungen in Tumorkonferenzen (viele Fachleute sitzen zusammen und beraten über den richtigen medizinischen Weg) sind wichtig und zeitaufwändig. Onkologische Praxen sind oft überfüllt. Für den einzelnen Patienten bleibt wenig Zeit. Die Zahl der Erkrankten passt nicht zu der Zahl der vorhandenen Spezialisten. Ganz zu schweigen von der noch immer seltenen Spezies der Psycho-Onkologen. Ärzte werden gehetzt und Patienten zeitlich kurz gehalten. Wie soll da ein Gespräch in Ruhe über die Heilkraft der Bewegung geführt werden?

Die Hausärzte oder Fachärzte? Dasselbe Problem – keine Zeit und (das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung) – kein Wissen. Woher soll die Zeit kommen, in einer Epoche, in der mit Geld gewuchert und mit Zeit geknausert wird. Und woher soll das Wissen kommen, wenn es wichtiger ist, bei Krebserkrankungen die richtigen Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen durchzuführen, als den Patienten selbst zu begleiten und zu stärken, ihn anzuleiten, was Sport, Ernährung, autosuggestive Kräfte und seelische Stabilisation betrifft.

Also ran an die Medizinstudenten? Das wird wohl ein Wunschtraum bleiben. Medizinstudenten sind von derlei Themen in Deutschland (und anderswo?) weiter entfernt als die Erde von fernen Hypergalaxien. Nicht einmal die normale Arzt-Patienten-Gesprächsführung ist ein erwähnenswerter Teil der Medizinerausbildung, geschweige denn die spezielle Art der Gesprächsführung mit einem Schwerkranken und erst recht nicht die Gesprächsführung über Themen jenseits der Schulmedizin.

Also ran an die Universitätslehrer? Da wären wir wieder beim Problem der Krebsspezialisten. Keine Zeit, keine Meriten zu gewinnen, keine richtige Wissenschaft. Das Problem dreht sich im Kreis.

Wer bleibt?

Der Patient selbst. Mit ein wenig Glück – der Hausarzt.

Der Patient und insbesondere der Krebspatient ist heutzutage quasi in der Pflicht, sich selbst über Wege neben der wissenschaftlichen Medizin zu informieren und sich, wenn möglich mit dem Hausarzt zusammenzusetzen.

Wir Hausärzte sind in der Pflicht, den Patienten wieder rundherum zu betreuen, mit ihm zu sprechen, ihn zu führen, wenn nötig zu stärken und zu begleiten auf Wegen, die nicht immer streng wissenschaftlich sind. Niemand sonst tut es. Die Spezialisten entfallen, die kirchlichen Seelsorger spielen eine immer geringere Rolle, bliebe nur die unerschöpfliche Zahl an Pseudo- und Paramedizinern und deren Motivation ist manchmal allzu offensichtlich. Da wären wir beim Thema: 

Wer bezahlt den Hausarzt?Selbst langjähriger Hausarzt, plädiere ich dafür, auf ein spezielle Bezahlung zu verzichten und rate zu einer profanen Mischkalkulation. In den Topf dieser Mischung gehören die Aussagen: 

1. Wir Ärzte sind alle nicht arm 

2. Die Zahl der Patienten mit Bagatellerkrankungen und nebensächlichen Sorgen ist riesig, hier kann Zeit gekürzt werden und 3. gibt es einen Lohn neben der baren Münze. Je länger ich mich selbst mit dem Thema „Gespräch mit Schwerkranken“ beschäftige, umso mehr wird mir klar, warum ich selbst so zufrieden damit bin. Es bringt keinen Cent, aber jede Menge Dankbarkeit und Tiefe. 

Außerdem ist die Ansicht der fehlenden Bezahlung nicht ganz richtig. Wir Ärzte bekommen jedes Quartal eine Hausarztpauschale pro Patient, für chronisch Kranke einen Aufschlag. Dieses Honorar gibt es für die hausärztliche Versorgung und die schließt die Führung von Krebspatienten ein.

Wer sich dem Thema Krebs und Heilkraft der Bewegung unterhaltsam nähern möchte, dem sei die Liebesgeschichte Aus der Wand empfohlen.

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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