Sonnenbrand: Morgen isses braun

05.06.2017
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Kennen Sie viele Menschen, die aufgrund wirklich guter Argumente ihre Meinung bezüglich Toleranz, Impf- und Sonnenschutz geändert haben?

Wenn es um Sonnenschutz geht, gehe ich gerne mit der typischen moralischen Überlegenheit eines Missionars ans Werk, der versucht, die gesamte Menschheit vor der schädlichen UV-Strahlung zu bewahren. Immerhin ist es eine Gefahr, die man weder sehen, hören, noch schmecken kann und daher immer wieder gerne unterschätzt wird.

Niemand bestreitet, dass es Vitamin-D-Mangel gibt und dass dieser für vielfältige Beschwerden verantwortlich ist. Aber wäre nicht von höherer Stelle ein grundlegender Fehler gemacht worden, wenn wir ohne die ganzjährige und täglich hochdosierte Vitamin-D-Gabe und unter Zuhilfenahme von Magnesium-Fußbädern keine Überlebenschancen hätten? Auf jeden Fall darf die Diskussion über Vitamin D kein Grund sein, den Sonnenschutz zu vernachlässigen.

Aus rot wird schon braun

Wer morgens aus dem Bett gekrochen, ins dunkle Bad geschlichen und unter die Dusche gehüpft ist, um anschließend den gesamten Körper mit wohltuenden Essenzen und hochwertigen Anti-Aging-Produkten (LSF 40 inbegriffen, schauen Sie ruhig mal aufs Produkt) eingecremt hat, um vor der natürlichen Hautalterung zu schützen, dann zum Auto gehastet ist, im Büro am Computerbildschirm seinen Arbeitstag verbracht hat, erneut und nunmehr müde ins Auto gestolpert ist und den Stepper am besten Platz in Fensternähe erklommen hat ...

Ja der ...

... der braucht in seiner Freizeit eine Extraportion Sonne. Aus rot wird schon braun. Aber auch rot sieht irgendwie frischer aus als weiß und mit Joghurt und ein paar Scheiben Gurke lässt sich das lodernde Brennen auch gleich besser ertragen. Jedes Mal aufs Neue ist man völlig überrascht, dass das bisschen Sonne, in dieser kurzen Zeit, bei dem selbstgefühlten nordafrikanischen Hauttypen ...

Jedes Mal, wenn man das „well done“ bis zum äußersten auszureizen versucht hat, die in der Luft liegenden Röstaromen aber bereits eine andere Sprache sprachen, ja dann – dann sollte man sich vor Augen führen, dass bereits lange vorher der Zustand von trocken erreicht war.

Das wichtigste zum Thema Sonnenschutz und Hautkrebsprävention

Individuelle Risiken für Hautkrebs und Kinderhaut

Helle Haut und/oder Haare. Blaue oder grüne Augen. Sonnenbrände in der Kindheit. Hautkrebs in der Familie. Viele Muttermale. Sommersprossen. Solariumgänge. Wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden, verdoppelt sich das Risiko, am malignen Melanom zu erkranken.

Kinderhaut ist nicht die junge Haut eines Erwachsenen. Sie ist gänzlich anders aufgebaut. Sie reagiert besonders empfindlich auf UV-Strahlung. Sonnenbrände, aber auch Aufenthalte im Süden in der Kindheit erhöhen das Risiko einer Hautkrebserkrankung. Weil Kinder viel Zeit im Freien verbringen, sind sie der Sonne stärker ausgesetzt.

Sonnenschutz ist besonders bei Kindern wichtig. Die Hautkrebsfälle in den letzten 40 Jahren haben sich vervierfacht.

Einige wenige Worte über die richtige Sonnencreme

Bevor aus der richtigen Sonnencreme eine Religion gemacht wird, ist es wichtiger, dass überhaupt eingecremt wird.

Ansonsten lauten die Empfehlungen:

Und wie lange kann ich nun mit welcher Sonnencreme in der Sonne bleiben?

Die einfache Formel lautet: Eigenschutzzeit (Hauttypbedingt) x Lichtschutzfaktor = maximale Zeit in der Sonne pro Tag.

Als Beispiel: Hauttyp I cremt sich mit LSF 20 an. Er hat drei Minuten Eigenschutzzeit x LSF 20 = 60 min. Hinweis: Die 60 Minuten gelten pro Tag. Ist die Zeit um, hilft Nachcremen nichts mehr, der Schutz kann nicht verlängert werden, nur weil immer wieder LSF 20 aufgetragen wird.Die Deutsche Krebshilfe teilt bei Erwachsenen in diese 6 Hauttypen ein.

Die Wahl der Qual: Mineralisch oder Chemisch

Chemische Filter wandeln die UV-Strahlen auf der Haut um und werden so „verbraucht“, während mineralische Filter das Sonnenlicht auf der Haut reflektieren wie ein Spiegel.

Chemische Filter wirken nicht sofort, sondern sollten ca. 30 Minuten vor Sonnenkontakt aufgetragen werden und regelmäßig alle zwei Stunden erneuert werden. Nachcremen verlängert die Schutzwirkung nicht (siehe oben). Sie erhält sie nur. Mineralische Filter wirken sofort, müssen aber auch wie die chemischen erneut aufgetragen werden – nach starkem Schwitzen, Abrieb, Baden.

Sonnencremes mit mineralischen Filtern sind häufig schwer aufzutragen, werden von trockener Haut häufig nicht gut vertragen und die Eingecremten sehen aus wie kleine Gespenster. Die weißen Handabdrücke lassen sich von Autolack, Möbeln und Kleidung schlecht entfernen. Aber auch da gibt es je nach Hersteller riesige Unterschiede und mittlerweile haben wir ein Produkt gefunden, das keine dieser negativen Eigenschaften hat.

Mehr von meinem Blog gibt’s hier: kindundkittel.de

 

Bildquelle: Kieran Lamb, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 08.06.2017.

75 Wertungen (4.49 ø)
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Gast
Was ist inzwischen eigentlich mit dem Ozonloch? Das war doch mal das Problem mit dem schnellen Sonnenbrand. Ich achte auch nicht sonderlich auf Sonnenschutz, bei den Kindern versuche ich aber drauf zu achten. Ich bin aber ein dunkler Typ, Freibäder mag ich nicht sonderlich, nach 2 Minuten in der prallen Sonne, habe ich das Gefühl, dass mein Hirn austrocknet und flüchte in den Schatten. Wie man allerdings durch ein T-Shirt einen Sonnenbrand bekommen kann, ist mir rätselhaft. Ist mir noch nie passiert. Was sind das für T-Shirts?
#11 am 10.06.2017 von Gast
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Gast
Prima Artikel! Danke. Ich bin selbst viel im Freien und achte dabei in unseren Breiten nicht viel auf Sonnenschutz. Leichtsinnig! Bei meinem Sohn habe ich allerdings etwas Eigenartiges entdeckt. Im Urlaub bekommt er selbst durch ein T-Shirt durch beim Spazieren oder Wandern einen Sonnenbrand. Seitdem verläßt er sich nicht nur auf Schutzkleidung, sondern cremt sich vorher mit Sonnencreme (hoher Lichtschutzfaktor) ein, schluckt vor und während des Urlaubs italienisches Ca (Brause), das deutsche helfe nicht...Aber jetzt funktioniert es. Er wird braun, selbst durch das T-Shirt durch.
#10 am 09.06.2017 von Gast
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Birgit
@ 3, Gast X, Super Beitrag. Ich könnte .... weil jeder alles besser weiß, weil es im Internet so steht. Auch diagnostizieren und therapieren können die Patienten ja immer besser als die Ärzte... Echt nervig...
#9 am 08.06.2017 von Birgit (Gast)
  3
Gast
"mittlerweile haben wir ein Produkt gefunden, das keine dieser negativen Eigenschaften hat" - das würde mich sehr interessieren da ich noch auf der Suche bin!
#8 am 08.06.2017 von Gast
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Ärztin
@5: Sie beziehen ihre Fragen auf die Kinder von heute, das ist falsch. Die Kinder von vor 40 Jahren sind es die HEUTE Hautkrebs bekommen. Die zu denen Muttern in den 70er und 80 er Jahren sagte: geh raus in die Sonne, du bist so blass. Die jenigen lagen dann in den 90ern auch im Solarium...
#7 am 08.06.2017 von Ärztin (Gast)
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Gast
Ist ein Teil der Erhöhung der Hautkrebs-Raten nicht auch auf statistische / definitorische Effekte zurückzuführen ? Aus Präkanzerosen wurden / werden Kanzerosen ? „...... Auch da ist Kleidung der beste Schutz......“ Gilt auch nur bedingt. Habe mir selbst gerade unter einem Polo-Shirt ( Pique ) einen nennenswerten Sonnenbrand eingefangen.
#6 am 08.06.2017 von Gast
  3
Gast
Woran liegt es denn, dass sich die Hautkrebsfälle in den letzten 40 Jahren vervierfacht haben? Spielen Kinder immer häufiger draußen in der Sonne? Werden Sonnenschutzmittel weniger genutzt, oder sind diese irgendwie schlechter geworden? Oder ist die UV-Intensität höher geworden? Bevor man sich darüber beschwert, dass Patienten nicht auf gute Argumente hören, sollte man sich schon sicher sein, dass die Argumente überzeugend sind.
#5 am 08.06.2017 von Gast
  9
Gast
welche anteil hat den Sonnenschutzcreme bei der Entstehung von Hautkrebs?
#4 am 08.06.2017 von Gast
  6
Gast X
Ein weiterer Trend ist es sowieso sich von Fachpersonal zu emanzipieren. Der Heimwerker kanns besser als der ausgebildete Handwerker, die Eltern besser als die Pädagogen, von Ärzten und Pflegepersonal will ich gar nicht erst anfangen...am besten alles selber machen, egal ob Steuererklärung oder Haarefärben. Und wenn der Laie doch einmal nicht alles weiß... kein Problem: Google schlägt zuverlässig und unabhängig immer die vertrauenswürdigsten Seiten vor. Know it yourself! Do it yourself!
#3 am 08.06.2017 von Gast X (Gast)
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Gast X
Ich teile Ihre Einschätzung geneigter Leser. Leider scheint es ein Trend zu sein. Man will seine eigene Meinung haben, ein Individuum sein. Was früher als halsstarrig verrufen war und als äußerst unschicklich galt nennt man heute "sich treu bleiben" und ist Stolz darauf "gegen den Strom zu schwimmen". Wenn die eigene "Meinung" den Tatsachen, fachlichen Empfehlungen oder gar dem gesunden Menschenverstand zuwider läuft redet man es sich trotzdem schön und brüstet sich gar noch damit "auf seinen Bauch zu hören". Intuition gilt mehr als Fachwissen. Komischerweise hört im Internet keiner auf seinen Bauch: eine Kundenrezension bei Amazon genießt höheres Ansehen als Studienergebnisse. Vermutlich weil es da keine 5-Sterne-Bewertung gibt. Und bei Äußerlichkeiten sind sowieso alle gleich: egal ob es um Bräunung, Untergewicht, aufgepumpte Muskeln oder Silikonbrüste geht. Gesund ist das was mir gefällt ... und wenn es mich umbringt.
#2 am 08.06.2017 von Gast X (Gast)
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geneigter Leser
Vielen Dank für den schönen Artikel. "Kennen Sie viele Menschen, die aufgrund wirklich guter Argumente ihre Meinung bezüglich Toleranz, Impf- und Sonnenschutz geändert haben?" war Ihre Eingangsfrage. Ich muss leider mit "nein" antworten. Es werden immer weniger. Aber das liegt aus meiner Sicht nicht an den beschriebenen Themen, sondern an einer sich immer weiter verschlechternden Gesprächs- und Diskussionskultur. Sich überzeugen lassen und Meinung ändern, bedeutet offensichtlich für viele, eine Schwäche oder Niederlage einzugestehen. Das finden Sie auch in der Politik etc. Schade.
#1 am 08.06.2017 von geneigter Leser (Gast)
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