Goldtropfen auf dem heißen Stein

01.06.2017
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Neue Medikamente geben Tumorpatienten Hoffnung. Sie verlängern das Leben – und kosten eine Menge Geld. Helfen sie dem Patienten wirklich oder nur der Pharmaindustrie? Und kann sich unsere Gesellschaft diese Medikamente auf Dauer überhaupt leisten?

„Gute Besserung, Opa!‟, strahlt der kleine Junge.
 Herr Langenthaler zwingt sich ein Lächeln ab.


„Schau mal, ich hab dir ein Bild gemalt!‟

Herr Langenthaler richtet sich mühsam auf, kramt im Nachttisch nach seiner Brille, schaut erst seinen Enkel und dann dessen Gemälde an, um es gebührend zu bewundern. Er will etwas sagen, bringt aber nur ein heiseres Husten hervor.

„Wirst Du denn wieder gesund werden, Opa?‟, fragt der Kleine.

Nein, das wird Herr Langenthaler nicht. Herr Langenthaler ist krank. Schwer krank. Die Art von krank, bei der man nicht mehr gesund wird. Der Tumor hat sich längst über alle Organsysteme ausgebreitet und kann letztendlich nicht mehr besiegt werden. Aber noch halten wir ihn in Schach: Aus einem Infusionsbeutel tropft eine glasklare Flüssigkeit in die Venen von Herrn Langenthaler.

Die Familie überredete Herrn Langenthaler zur Behandlung

„Zwanzigmal teurer als Gold!‟, sagt Kalle.

„Hilft es ihm denn?‟, fragt Sarah.

Kalle zuckt mit den Schultern.

Herr Langenthaler wollte die teure Behandlung eigentlich gar nicht. Er hatte längst mit seinem Leben abgeschlossen. Die Angehörigen haben ihn in langen Gesprächen schließlich überzeugen können, der Sache zuzustimmen. Dem Chef war es Recht, immerhin ist Herr Langenthaler Privatpatient. „Es ist doch schön, wenn er seine Enkel noch ein paar Monate lang aufwachsen sieht!‟, hat er gesagt. „Vielleicht schafft er es ja noch bis Weihnachten!‟

Aber bis dahin dauert es noch. Will Herr Langenthaler das wirklich aushalten? Er hat Schmerzen, leidet an Übelkeit und Atemnot. Dagegen gibt es Medikamente. Und alle paar Tage gibt es die geheimnisvolle Infusion, die das Leben verlängert. Wirklich das Leben, oder nur das Leiden?

Wenn alle Leute diese Therapie bekämen ...

Herr Langenthaler hat sich mit der Situation abgefunden. Er lächelt seinen Enkel an und streicht ihm unbeholfen übers Haar.

„Was kostet so eine Behandlung eigentlich?‟, fragt Sarah.

Kalle zieht die Augenbrauen hoch. „Wenn er wirklich noch bis Weihnachten überlebt, dann können da locker mehrere 100.000 Euro zusammenkommen!‟, sagt er.

„Und das bezahlt die Krankenkasse?‟

„Natürlich bezahlt sie das!‟, gibt Kalle zurück.

„ ... und wenn alle Leute diese Behandlung bekommen würden, wären die Kassen ziemlich bald pleite!‟, wirft Martin ein.

„Willst du damit sagen, dass die Krankenkassen solche teuren Tumortherapien nicht mehr bezahlen sollen?‟, fragt Kalle.

Martin zieht die Schultern hoch und verlässt ohne zu antworten den Raum.

 

Bildquelle: Vincent Lock, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.06.2017.

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Gast
#16: Das ist richtig, hat aber nichts mit teuren Therapien am Lebensende zu tun. Die finden sie in kommunalen Häusern, Unikliniken etc. genauso. Der einzige, der darüber zu entscheiden hat, sollte der Patient selbst sein.
#17 am 05.06.2017 von Gast
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Gast
Ich verstehe nicht, dass die Politik es ermöglicht und zulässt das sich private Krankenhausbetreiber, also Unternehmen (Rhön AG, Helios usw...), die nur auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind, am sogenannten Gesundheitsmarkt beteiligen dürfen. Wenn Gesundheit, oder die Wiederherstellung dieser ein Markt darstellt, dann stellt sich die Frage "was kann man denn alles noch zu Geld machen, oder wie kommt man an das Geld anderer Menschen. Alle Arbeitnehmer zahlen in das Gesundheitssystem in Form von Krankenkassenbeiträgen ein. Ich nenne dies mal eine sinnvolle Zwangsabgabe. Wenn sich nun die privaten Betreiber aus diesem Topf, der ja für die Kranken Menschen sein sollte, bedienen und hier mega Gewinne abschöpfen um die Aktionäre zu befriedigen und die Vorstände sowie die Geschäftsführer solcher Firmen Gehälter beziehen, die durchaus schon mal 2 und mehr Mio per anno betragen, dann sind entweder die Krankenkassenbeiträge der zu hoch, oder die Ärzte und das Pflegerpersonal erhalten zu wenig.
#16 am 04.06.2017 von Gast
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Gast 6
Lieber Gast 10-14: Vielen Dank für Ihren ausführlichen und differenzierten Beitrag. Es ist oft erschreckend dass viele Menschen alle Tumorerkrankungen in einen Topf werfen und keine Ahnung haben dass es da Unterschiede gibt, genauso wie viele das Grundprinzip der Therapie nicht verstanden haben aber das dem Motto "die Behandlung ist schlimmer als die Krankheit" auf die Patienten einreden. Wenn dann das ärztliche Aufklärungsgespräch nicht vermag Licht ins Dunkel zu bringen stimmen viele einer Therapie zu die sie vielleicht nicht gewollt hätten oder lehnen umgekehrt eine Therapie ab die ihnen geholfen hätte.
#15 am 03.06.2017 von Gast 6 (Gast)
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Gast
Aber sie sollte immer Hand in Hand Gehen mit dem Erhalt der Lebensqualität. Und im Zweifelsfalle sollte (immer nach Rücksprache mit dem Patienten und seinen Angehörigen) die Lebensqualität vorgehen. Man verzeihe mir meinen sehr lang gewordenen Kommentar, aber das Thema ist eines, das mich nicht nur beruflich täglich betrifft, sondern auch sehr beschäftigt.
#14 am 03.06.2017 von Gast
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Gast
Ich kenne genügend palliative Patienten, die dank OP, Strahlen- und Chemotherapie schon lange mit hoher Lebensqualität leben, aber ich habe auch schon mehr als einem Patienten von einer Therapie abgeraten, da hier mehr Schaden als Nutzen zu erwarten gewesen wäre. Insofern halte ich die Aussage von Gast Anja für nicht bis zu Ende gedacht (obwohl ich ihre Entscheidung natürlich akzeptieren würde): Krebs ist nicht gleich Krebs, eine Dame mit Mammakarzinom wird wahrscheinlich viel länger leben, als eine Dame mit SCLC usw. Und zwischen den Polen "kurativer Ansatz" und "rein palliativ" besteht keine Trennwand, sondern ein großer Graubereich. Hier die Möglichkeiten der modernen Medizin geschickt einzusetzen, ohne über das gesetzte Ziel hinauszuschießen, das ist kluges ärztliches Handeln. Was meine ich mit "Ziel": Lebenszeitverlängerung, das harte Kriterium der meisten Studien, ist nach meiner Beobachtung sehr wichtig für viele Patienten.
#13 am 03.06.2017 von Gast
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Gast
Viele Patienten sind mit ihrer Erkrankung schlicht überfordert und geben ohne Druck freiwillig viel von ihrer Autonomie an die behandelnden Ärzte ab. Manche Patienten sind überdies auch intellektuell überfordert. Ich gebe mir mit der Aufklärung meiner Patienten sehr viel Mühe und versuche auch alle Fragen so gut, wie es geht, zu beantworten, trotzdem habe ich schon oft Leute erlebt, bei denen das Konstrukt des "informed consent" schlicht nie funktionieren wird (obwohl sie im juristischen Sinne einwilligungsfähig sind). Der nächste Punkt ist natürlich die Frage, wie eine mögliche Lebenszeitverlängerung gegen die Risiken einer Therapie abzuwägen sind. Gerade hier sind wir Ärzte verpflichtet, den Patienten in seiner Entscheidung vorurteilsfrei zu unterstützen und eine differenzierte Entscheidung zu erzielen. Im Zweifelsfalle kann best supportive care auch die bessere Alternative sein. Letztlich ist ist die Entscheidung individuell (trivial, ich weiß):
#12 am 03.06.2017 von Gast
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Gast
Das Thema greift ja aber nicht das ethische Problem auf, wie man menschenwürdiges Sterben ermöglicht, sondern das bestimmte Maßnahmen immens teuer sind, und ob sie sich denn "lohnen". Und solange wir derart wohlhabend sind wie im Moment, sollte das m.E. tatsächlich keine Rolle spielen. Zumal die Kosten solcher Einzelfälle mit entsprechend teuren Therapien dann eben doch in der Masse (z.B. dem Heer der Altersdiabetiker etc.) untergehen. Aber ja, irgendwelche dritte-Reich-Vergleiche sollten in (fast) keiner Diskussion eine Rolle spielen, das stimmt.
#11 am 03.06.2017 von Gast
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Gast
Mal 'n Bericht von der "Front", genauer aus der Radioonkologie: Zunächst - das schöne an meinem Fach ist, daß die als Radiosensitizer eingesetzten Zytostatika nicht nur Asbach uralt sind, sondern auch in Wirkungen und Nebenwirkungen gut kalkulierbar und ziemlich preiswert. Das aber nur mal nebenbei. Im Beitrag und den Kommentaren werden mehrere relevante Punkte angesprochen: Gesundheitspolitisch geht es um die Frage der Preisgestaltung und des Nutzens neuer Therapien (und dabei ist nicht nur die Onkologie im Fokus, wie die Behandlung der Hepatitis C beweist), sondern auch um die Rationierung/Priorisierung im Gesundheitswesen. Hierzu kann ich schlecht etwas sagen, außer dem Hinweis, daß der Arzneimittelmarkt mehr ist, als nur ein einfacher "Markt". Es sind hier sicherlich die berühmten "Akteure im Gesundheitswesen" nebst der Politik gefragt, eine auskömmliche Lösung zu finden. Was ich persönlich viel interessanter finde, ist die Frage der Patientenautonomie:
#10 am 03.06.2017 von Gast
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geneigter Leser
Das Thema Ethik in der Medizin ist immer kontrovers diskutiert worden. Und der Autor wollte dieses Thema anhand eines Beispiels ansprechen. Dass man nach dieser neutralen Darstellung gleich mit der Euthanasie- Nazi- Keule kommen muss, ist erbärmlich. Ich finde, dieser Artikel ist ein interessanter Beitrag zu einem wichtigen Thema. Die Diskussionskultur leider von wenigen unterste Schublade!
#9 am 03.06.2017 von geneigter Leser (Gast)
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A.Rensch
Furchtbarer Schmarrn. 1.) früher in den 1950ern bis 1970er Jahren war alles teurer - Zytostatica, Dialyse, Antikonvulsiva, Antibiotika usw. 2.)Auch die heute mit Gold aufgewogenen Mittel werden durch höhere Produktionszahlen und bessere Herstellungstechnologien in der Zukunft viel billiger werden, müssen sich natürlich bis dahin bewähren können zu höheren Preisen. 3.)Die Lebensqualität vieler Schwerkranker einschl Tumorpatienten hat dank moderner Schulmedizin sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich gebessert . 4.)Ich kann allmählich die Handaufleger und Gesundbeter, die aus Budgetgründen moderne Therapie verweigern ( für die geht entweder eine Krankheit von selbst weg oder muss als unabwendbares Verhängnis genommen werden - beides sozialverträglich sparsam), kaum noch ertragen, vor allem weil es etliche gibt, die Wasser predigen und selbst Wein trinken. Mit freundlichen Grüßen Dr André Rensch, Neuropsychiater.
#8 am 03.06.2017 von A.Rensch (Gast)
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Herr Lauterbach würde applaudieren. Der Autor scheint den Patienten ein sozialversicherungsverträgliches Frühableben nahelegen zu wollen. Eine solche Form der "Ethik" hatten wir ja schonmal, damals ging es um angeblich auch um das Interesse des "Volkes". Clicks generieren um jeden Preis, wenn mans nicht durch Fachkompetenz schafft dann halt mit Provokation.
#7 am 03.06.2017 von Klaus Samer (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Gast
Das betrifft doch nicht nur die Onkologie. Wenn man sich zB die Dialyse ansieht wird manchmal genauso gehandelt. Da werden Patienten die multimorbid und pflegebedürftig sind künstlich am Leben erhalten um das Gewissen der Ärzte und der Betreuer zu beruhigen. Dialyse ist eine der teuersten Behandlungen die es gibt, manchmal wird sie auch bei Leuten durchgeführt die keinerlei Compliance mehr mitbringen. Es gibt auch viele andere Erkrankungen die Therapie erfordern welche ein Vermögen kostet und eigentlich nur das Leiden verlängert die teilweise sogar noch bei fortgeschrittener Demenz stattfindet und das über Jahre. Manche Menschen suchen regelmäßig den Arzt auf obwohl es nicht nötig ist oder gehen in die Notaufnahme obwohl sie in die Praxis gehen könnten. Wenn ein Onkologiepatient sich nach ausführlicher Aufklärung für eine palliative Chemotherapie entscheidet sollte man es ihm nicht aus Kostengründen verwehren, während woanders nicht gespart wird. Das ist scheinheilig.
#6 am 03.06.2017 von Gast
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Das gesamte Medizin ist zu einem riesigen "Markt" und Geschäft verkommen... Warum sollen wir es den "armen Onkologen" auch nicht "gönnen ... Aber Sarkasmus beiseite: nach etlichen Jahrzehnten Milliardenschwerer Forschung ist das Ergebnis ernüchternd.(was aber nicht bedeuten soll, dass man sie komplett sein lässt!) Einige wenige Tumorarten können "geheilt" werden. Glück hat weiterhin die/der Patientin/Patient, bei der/dem "das Ende der endlosen Krankheit" mit dem Messer (auch Strahlen) tatsächlich restlos elidiert werden kann. Ansonsten stimme ich unserer Gast Anja voll und ganz zu. Es war und ist m.M. nach unärztlich und unethisch jemanden leiden zu lassen, indifferent aus welchen Beweggründen. Es ist ethisch und medizinwürdig jemanden human in den Tod zu begleiten. Leider sehen diese Aufgabe immer mehr Kollegen als "Niederlage" an, bei denen - ebenfalls leider - sämtliche humane Ressourcen fehlen, um gute ÄRZTE ihrer Patienten zu sein.
#5 am 02.06.2017 von Dr. (H) János KALOTAI (Arzt)
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Anja
Ich habe mir vorgenommen, falls eines Tages diese grauselige Krankheit über mich hineinbrechen sollte, werde ich mit erhobenem Haupt und Schmerzmedikamenten diese Sache angehen: entweder ich werde aus eigener, innerer Kraft wieder vollends gesund oder ich sterbe in kurzer Zeit. Alles andere kommt für mich nicht infrage. "Sterben, warum nicht? Nehme das Schicksal seinen Lauf!" sagte einmal ein Klingone mit voller Überzeugung und unendlichem Mut in einem Star Trek Film. Ich habe keine Angst vor dem Tod und für meine Nachfahren wird gut gesorgt.
#4 am 02.06.2017 von Anja (Gast)
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Gast
Was für ein einseitiger, populistischer Schmarrn in einem Forum, das vielleicht seine Namensgebung überdenken sollte, wenn es derartige Beiträge veröffentlicht. Denn ich bezweifle, dass der Beitrag als Satire eingereicht wurde. Hier stimmen weder die "Fakten", noch ist der Beitrag in irgendeinerweise auf Problemlösung aus. Sowas erwarte ich vielleicht in der "Neue Post", aber nicht in einem derartigen Forum.
#3 am 02.06.2017 von Gast
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Gast
Leider kann ich das aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen. Besonders der Privatpatient DARF leiden bis zum Schluss. Und leider ist noch lange nicht jeder Patient gut aufgeklärt, es wäre schön, wenn es so wäre; hier gibt es einen hohen (Auf) Klärungs und Handlungsbedarf
#2 am 02.06.2017 von Gast
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Gast
Der gut aufgeklärte Patient allein entscheidet, ob er das aushalten will. Weder behandelnder Arzt, noch gar ein Pfleger darf sich anmaßen, für den Patienten zu entscheiden. Erst danach, quasi in einer 2. Stufe, ist zu fragen, wer das bezahlt.
#1 am 02.06.2017 von Gast
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