Der Richter hat entschieden

17.05.2017
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Ich stehe vor der wuchtigen zwei-flügeligen Tür des Gerichtssaals. Portal würde es besser treffen. Warum sind Gerichte immer so imposant? So still und ehrwürdig.

Ich schwitze in meiner Robe. So eine Robe hat aber auch Vorteile; man wird ernst genommen. Rede ich mir zumindest ein. Nachteil: Man wird gleich erkannt. Als Rechtsanwalt im besten Fall. Als Rechtsverdreher im schlechtesten Fall.

Wir sehen aus wie vor 100 Jahren

Da stehe ich nun. Warte auf den Aufruf der Sache, halte meine Akte und meinen Aktenkoffer in der Hand. Gott, wie spießig, denke ich. Aber was solls, es ist eben praktisch. Und bis wir im Rechtswesen umgestellt haben auf die elektronische Akte, sehen wir Paragraphenreiter eben aus, wie wir vor hundert Jahren schon ausgesehen haben, mit Akte und Robe.

Ich warte auf den Chefarzt. Ich habe ihn vorher gegoogelt. Macht sich besser, wenn man nicht jeden im Gericht fragen muss, ob er denn der Herr Prof. Dr. CA erschieß-mich-nicht ist.

XY gegen YX

Der CA kommt auf mich zu. Er wirkt auch ein bisschen aufgeregt. Wie das ganze hier ablaufe, fragt er mich. Wann er denn was sagen soll und wer denn alles komme. Ich erkläre ihm alles, soweit das im Flüsterton geht (in den großen Hallen der Gerichte ist es hellhörig und man weiß ja nie, wo der „Gegner“ sitzt).

Nun werden wir aufgerufen. XY gegen YX, bitte eintreten. Es wird sich höflich begrüßt (auch die gegnerische Seite), es herrscht angespanntes Schweigen.

Der Richter eröffnet die Verhandlung und führt in den Sachstand ein. Die Schöffen sitzen da und manchmal, wenn man Glück hat, vermutet man sogar, dass sie etwas mehr vom dem medizinischen Sachverhalten verstehen, als der Durchschnitss-Nicht-Mediziner. Im Übrigen sind alle Anwesenden Nicht-Mediziner. Bis auf mein CA.

Dann geht die Diskutiererei los. Erstaunlich eindeutig positioniert sich der Richter. Ich bekräftige nochmal unsere Position, bitte den CA, die medizinische Sicht für uns zu erklären. Eindrucksvoll schildert er, was man heute alles so tolles in der Medizin machen kann, warum gerade in diesem Fall so entschieden und behandelt und warum das auch noch richtig abgerechnet wurde. Das Urteil ergeht schnell, nachdem wir das Vergleichsangebot abgelehnt haben.

Ein Urteil mit positiven Folgen

Gewonnen. Vier Jahre nach der eigentlichen Behandlung bekommt der Leistungserbringer nun endlich sein Geld. Ist nicht so spektakulär und dramatisch wie im Fernsehen.

Aber wir arbeiten dafür, dass diese Fälle, die nicht eindeutig sind, auch entlohnt werden. Dass diese tausenden Fälle nicht unter den Tisch fallen, sondern vergütet werden. Und das machen wir ganz genügsam und still im Hintergrund.

 

Bildquelle: Daniel X. O\'Neil, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.05.2017.

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Gast
Wenigstens werden in Schland im Gericht nicht so alberne Perücken getragen wie in England.
#30 am 21.06.2017 von Gast
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Gast
Ihnen auch. Die Sonne scheint für alle.
#29 am 27.05.2017 von Gast
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Gast 20
Außer Ihnen :-). Dann noch ein schönes Wochenende.
#28 am 26.05.2017 von Gast 20 (Gast)
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Gast
Lieber Gast 20. Es dürfte Ihnen niemand mehr zuhören. Der Artikel ist vom 19.05..
#27 am 26.05.2017 von Gast
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Gast 20
Ich gebe mir immer die größte Mühe... aber abrechnen darf ich dennoch nicht mehr als jeder x-beliebige Faulpelz der einfach nur Dienst nach Vorschrift macht. Ich kann ja verstehen dass niemand etwas gegen die Auswirkungen der Sparzwänge unseres Systems hat solange sie Ärzte und Kliniken betreffen denn wir sind ja sowieso alle viel zu reich... aber spätestens dann wenn man seine Medikamente nicht mehr bekommt und mit gefälschten Reimporten abgespeist wird oder die Kur auf Sylt plötzlich nicht mehr genehmigt wird hört dann der Spaß auf, nicht wahr?
#26 am 25.05.2017 von Gast 20 (Gast)
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Gast
Ich bewundere die Mühe, die Sie sich machen, zu überzeugen. Wäre ich in Ihrer Behandlung, würde ich jetzt Ziff. 3 der GOÄ mit Faktor 3,5 springen lassen.
#25 am 25.05.2017 von Gast
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Gast 20
Sie wollen ein reales Beispiel: die Komplexbehandlung eines Schlaganfallpatienten. Hoch vergütet weil aufwendig. Wenn man allerdings als Ursache eine symptomatische ACI-Stenose feststellt ist eine unverzügliche OP erforderlich, damit fällt der Patient aber aus der Abrechnung raus und muss neu codiert werden. Dafür gibt es dann gleich einmal ein paar hundert oder tausend Euro weniger. Also die Klinik macht nicht nur die Carotis-TEA gratis, sondern wird zusätzlich gezwungen auf die komplette Abrechnung der durchgeführten Komplexbehandlung zu verzichten... ganz legaler Betrug. Und das ist nur eines von vielen Beispielen die wir unserem System zu verdanken haben. Es gibt auch noch Geschichten von wochenlang beatmeten Intensivpatienten für die mal eben ein fünfstelliger Betrag gestrichen wurde weil sie eine Stunde zu früh extubiert wurden..
#24 am 25.05.2017 von Gast 20 (Gast)
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Gast
Bitte richtig lesen!
#23 am 24.05.2017 von Gast
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Gast 20
natürlich werden Ärzte und Kliniken systematisch geprellt: siehe http://news.doccheck.com/de/blog/post/6290-richtig-behandelt-trotzdem-kein-geld/. Ist halt legal... mal mehr mal weniger
#22 am 24.05.2017 von Gast 20 (Gast)
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Wendelin Frommhuber
An Nummer 20: Also nach Strich und faden betrogen werden die Ärzte von den Krankenkassen sicher nicht. Dann müsste es massenhaft Verfahren vor Gericht geben. Ich gehe davon aus, dass ein bestimmter Anteil der Ärzte (Apotheker) das im Zweifel auch tun. Als Privatpatient, der immer in Vorlage gehen muss, habe ich erfahren müssen, dass ca. 10% der Rechnungen überhöht sind. Ich selbst gehe dagegen nicht vor, weil mein Kostenträger eigentlich immer zu 100% zahlt. Aber ich sage auch, es ist so nicht in Ordnung. Was ist schlimm daran, den eigenen Beitrag positiv zu bewerten?Wie sie sehen habe ich das bei mir auch gemacht.
#21 am 22.05.2017 von Wendelin Frommhuber (Gast)
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Gast
@Herr Frommhuber: Derjenige schrieb "meiner Erfahrung nach" und er SCHÄTZTE die Zahl der korrekten Abrechnungen auf 90%! Nur weil hier ein anonymer Gast etwas schätzt ist das noch lange keine belegte Tatsache. Derjenige schätzt auch dass 5% ihren Ermessensspielraum ausreizen würden was zwar nicht illegal aber seiner Ansicht nach nicht korrekt oder gar unmoralisch ist. Und außerdem behauptet er auch dass man 5% der Ärzte vor Gericht zerren sollte (was er selbst offenbar als sinnvolle Freizeitbeschäftigung betrachtet). Dass die geschätzten 90% Ärzte und Kliniken die "korrekt" abrechnen ihrerseits vom MDK und den Kassen nach Strich und Faden um ihr Geld betrogen werden stört ihn offenbar wenig. Aber manche Leute haben auch etwas mehr Freizeit als andere und können sich ausführlich mit so etwas befassen... oder ihre eigenen Kommentare positiv bewerten.
#20 am 21.05.2017 von Gast
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Wendelin Frommhuber
An Nummer 18: Es hat doch jemand hier schon geschrieben, dass 95% der Ärzte im Rahmen abrechnen. Das ist doch eine tolle Zahl. Finde ich.
#19 am 21.05.2017 von Wendelin Frommhuber (Gast)
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geneigter Leser
Gilt denn hier ein Gerichtsurteil gar nichts mehr? Offensichtlich hat der CA keine überhöhte Rechnung geschrieben, sondern Recht bekommen. Also warum wird er nun ihm Rahmen eines ständigen Ärzte- Bashings verunglimpft? Vielleicht geht es hier auch gar nicht um eine GOÄ- Rechnung sondern das Einfordern einer DRG- Krankenhausrechnung, die die Krankenkasse nicht bezahlen will. Das kommt gar nicht so selten vor. Dann bleiben die Krankenhäuser auf den Kosten sitzen. Also Danke für den Artikel. So nichtssagend ist er gar nicht, nicht so oberflächlich denken, liebe Leute!
#18 am 21.05.2017 von geneigter Leser (Gast)
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Gast
Mache ich gerne. Einfach ne Mail senden an 5ProzentderÄrztesinddoof@freenett.de
#17 am 20.05.2017 von Gast
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Gast
Dann sollten Sie sich als nächstes meinen Automechaniker vornehmen. Natürlich im Interesse des Berufsstandes und der KFZ-Versicherung.
#16 am 20.05.2017 von Gast
  0
Gast
#13 Die Kosten hat der Arzt getragen und das völlig zu Recht. Meine Erfahrung: 90% der Rechnungen sind angemessen. 5% nutzen die Spielräume der GOÄ geschickt aus. Und weniger als 5% sollte man vor den Kadi zerren. Macht man aber wegen des Aufwandes nur selten.
#15 am 20.05.2017 von Gast
  3
Gast
Überhöhte Rechnung gehören geahndet. Das muss im Interesse des Berufstandes sein. Ganz klar.
#14 am 20.05.2017 von Gast
  1
Gast
Schön, dass Sie Ihren Spaß dabei hatten diesem Arzt "Grenzen" beizubringen und das Ganze auch noch kostenlos! Da haben Sie die Welt ein Stückchen besser gemacht und sich sicher ganz toll dabei gefühlt. Der Arzt verzichtet auf die Hälfte seiner Bezahlung um sich Scherereien zu ersparen und Sie haben Ihrer KV (die ja gänzlich uneigennützig ist, keinerlei Gewinne macht, nie einen Versichterten im Regen stehen lässt und auch den Vorständen keine Millionengehälter bezahlt) einen riesigen Gefallen getan. Irgendjemand wird natürlich die Kosten für diese spaßige Verhandlung getragen haben aber das braucht Sie ja nicht zu interessieren. Toll!
#13 am 20.05.2017 von Gast
  23
Gast
Ich habe mich als Patient schon mal gegen eine überhöhte Rechnung gewehrt. Der Arzt hat daraufhin geklagt. Es gab einen Vergleich, gibt es ja oft. Kosten hatte ich gar keine. Ich war allerdings ohne Anwalt unterwegs. Habe mich selbst vertreten. Die im Vergleich vereinbarte Nachzahlung vonn 50% der stritttigen Arzthonorare hat meine KV bezahlt. Mir hat es Spaß gemacht. Und der Arzt weiß jetzt hoffentlich,wo die Grenzen der GOÄ sind.
#12 am 20.05.2017 von Gast
  7
Es erscheint schon seltsam, wie wir allgemein vom "Gewinnen" sprechen. Selbst im sportlichen Wettkampf gehört dann auch noch "ein Glück" dazu - zum Gewinnen. Es ist immer ein Wettkampf ums Recht. Nicht ums "Rechthaben". Da ist die Jurisprudenz in etwa genauso exakt wie die Medizin. "Es menschelt", hat einmal jemand dazu bemerkt. Und das waren nebtsbei noch ganz andere Umstände. Gesetze erscheinen als Leitlinien. Und nichts ist mathematisch exakt. Es scheint, als könnten wir dem Sprachgebrauch nach auch Wetten darauf abschließen, ob eine Behandlung "gewinnt". Das aber verbieten unsere ethischen Grundsätze - zumindest in der Medizin. Nicht aber, dass wir bisweilen mit dem Ergebnis hadern. Trotzallem: Gott sei Dank ! Kein Mensch gleicht dem anderen. Darum ist es manchmal so schwierig, "richtig" zu handeln, weil wir das individuell "zugeschnitten" tun müssen und auf das Glück hoffen, dass der Casus in die Mitte der Gaußschen Verteilung fällt, dorthin, wo die Leitlinien noch zutreffen.
#11 am 20.05.2017 von Dr. med.univ. Helmut Benda (Arzt)
  1
Gast
zu #3: Möglicherweise war's ja eine Wirtschaftskammer/Kammer für Handelssachen beim LG, auch wenn da die Laien nicht Schöffen heißen. Aber ich gebe Ihnen Recht, krude Darstellung.
#10 am 19.05.2017 von Gast
  1
Theaterliebhaber
Dieses gewaltige Spannungsfeld gefällt mir: Dort dieses gewaltige, wuchtig-imposante, dazu noch zweiflügelige Portal des Gerichts ... und hier der stille, genügsame Advokat in verschwitzter Robe...Chapeau!
#9 am 19.05.2017 von Theaterliebhaber (Gast)
  0
Ärztin
@7: wieso Mist machen? Wieso rausfliegen? Wieso einsitzen? Ihnen ist aber schon klar dass es hier nicht um einen Kunstfehlerprozess geht, oder? Der Chefarzt hat die Entlohnung für seine Behandlung einklagen müssen weil mal wieder jemand der Meinung war dass anständige medizinische Behandlung keine angemessene Bezahlung wert ist. Also bleiben Sie geschmeidig und lesen Sie lieber alles noch einmal in Ruhe durch bevor Sie den Scheiterhaufen anstecken.
#8 am 19.05.2017 von Ärztin (Gast)
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Gast
Andere fliegen raus wenn sie mist machen, oder müssen dafür Einsitzen. Andere bekommen kein Geld... Seien sie stolz auf ihren job....
#7 am 19.05.2017 von Gast
  7
RA und Notar a.D.
An den Kollegen Verfasser: Waren Sie wirklich schon mal bei Gericht?
#6 am 19.05.2017 von RA und Notar a.D. (Gast)
  1
Gast
Undwerden dafür ganz still und gar nicht genügsam vergütet....
#5 am 19.05.2017 von Gast
  2
Gast
Selten einen so nichtssagenden Artikel gelesen
#4 am 19.05.2017 von Gast
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Schöffen im Zivilprozess?
#3 am 19.05.2017 von Hans-Georg Joepgen (Medizinjournalist)
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Gast
Sie haben ihn im Gericht das erste Mal getroffen? Bespricht man wichtige Verfahren nicht vorher mit seinen Mandanten? Ich lese und staune!
#2 am 19.05.2017 von Gast
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KH-Arzt
Ist es nicht wunderbar, dass es noch so genügsame Rechtsanwälte gibt die bescheiden und still im Hintergrund dafür Sorge tragen, dass unsere Chefärzte vor staunendem Laienpublikum ihr Recht bekommen?
#1 am 19.05.2017 von KH-Arzt (Gast)
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