Meine Erwartungen, deine Erwartungen

15.05.2017
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Herr Bär poltert zur Tür herein, seinen Händedruck spüre ich noch eine halbe Stunde später und seine Stimme beschallt bei geschlossener Türe den ganzen Flur. Prämedikationssprechstunde. Er braucht einen Termin für eine Kniegelenksarthroskopie.

Der Innenmeniskus muss raus. Der Termin darf nur am Tag x zur Uhrzeit y sein. Denn spätestens um 16 Uhr müsse er bei abc sein. Außerdem müsse er am Folgetag dann schon wieder nach Hamburg fliegen. Es sei doch kein Problem am Wochenende dann wieder in die Berge zum Wandern zu gehen, oder? Achso, das Knie solle natürlich auch ansehnlich sein, wenn er so in kurzen Hosen in den Bergen unterwegs sei. Aha.

Seine Fragen bezüglich der Operation betreffen eigentlich nicht die Operation selbst, sonder die Operateure. Hier steht jeder auf dem Prüfstand. Ich, mein Oberarzt, die Krankenschwester und der Physiotherapeut. Ah, ja. Zur Anästhesie könne er heute auch nicht, sondern nur morgen und eine Blutabnahme und ein EKG möchte er nicht. Ähm. Ja.

„So, Herr Bär, Sie erwarten von uns eine gute Operation, eine gute postoperative Behandlung und eine Genesun. Dafür gibt es ein paar Bedingungen. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich an unsere Regeln halten. Eine Blutabnahme, ein EKG und der Besuch beim Anästhesist heute ist Pflicht. Sie kommen zur OP nüchtern, auch ohne Ihre sonst notwendige Morgenzigarette. Am OP-Tag dürfen Sie sich von jemandem abholen lassen und abends ihr Bein hochlegen. Die darauf folgenden zehn Tage sind Genesungstage. Ruhe, Kühlung, Schonung ist angesagt. Keine Zeit für lange Flüge oder Wanderungen. Können Sie das einhalten? Ansonsten lassen sich Ihre Erwartungen und unsere Erwartungen nicht überein bringen.“

Ja, tatsächlich, Ärzte haben auch Erwartungen an ihre Patienten. Vor allem, wenn das Ziel darin besteht, gesund zu werden. Das geht nun mal nicht ohne Mithilfe des Patienten.
 

Bildquelle: freestocks.org, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.05.2017.

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Gast
Schade eigentlich, wäre doch toll wenn als machbar ist. Der voll durchoperierte Mensch, nichts schmerzt mehr und man kann wieder rumspringen wie ein "Jungspund" . Aber ,Alles was lebt ist vergänglich auch der Mensch und das ist auch gut so.
#6 vor 7 Tagen von Gast
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Als Operateur muß ich auch Vertrauen haben zu den Patienten. Habe ich Zweifel, am Willen oder auch der Fähigkeit zur compliance, lehne ich die Behandlung ab.
#5 vor 8 Tagen von Dr. med. Bodo Mees (Zahnarzt)
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Gast X
Kommentar abgeschnitten: Manchmal muss man den Patienten auch knallhart begreiflich machen was alles passieren kann. Gerade bei Aufklärungsgesprächen für elektive Maßnahmen habe ich manchmal das Gefühl die von mir angeführten Risiken werden nicht genug ernst genommen. Insofern muss ich hier Frau Link recht geben. In diesem Sinne: auf weiterhin gute Zusammenarbeit.
#4 vor 8 Tagen von Gast X (Gast)
  0
Gast X
@Gast2: woher ein Heilpraktiker weiß wie manche von uns mit ihren Patienten sprechen? Ganz einfach: auch HPs können mal krank werden und sich in die Hände eines Schulmediziners begeben. Außerdem gibt es tatsächlich Patienten die sowohl einen HP als auch einen Arzt aufsuchen und (man stelle sich vor!) dies auch beiden mitteilen. So wie Ärzte nicht alle gleich sind sind auch HPs sehr unterschiedlich. Und ich stimme zu dass in manchen Fällen (gerade wenn es um gut vergütete elektive Eingriffe geht) die Empfehlungen die ja immerhin der Sicherheit der Patienten dienen nicht energisch genug ausgeführt werden.
#3 vor 8 Tagen von Gast X (Gast)
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Gast
Auf welcher Basis weiß ein Heilpraktiker denn, wie "Ärzte mit ihren Patienten sprechen"? Ein Patient, der sich weigert entsprechende Untersuchungen vorab zu machen bzw. nüchtern zu kommen wird wohl z.B. bei jedem Anästhesisten abblitzen...
#2 vor 8 Tagen von Gast
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Wenn nur mehr Ärzte so mit ihren Patienten sprechen würden! Auch mit den passiven "mach mich mal gesund, ich tue nichts dafür-Patienten"!
#1 vor 8 Tagen von ellen link (Heilpraktikerin)
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