Allgemeiner klinischer Untersuchungsgang: Nationale (Rind)

13.05.2017
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Der erste Punkt des allgemeinen klinischen Untersuchungsganges ist das Festellen des Nationale des Rindes. Darunter versteht man grobsinnig die Kennzeichen bzw. Signalelemente eines Rindes, die wie ein Fingerabdruck für jedes Tier einzigartig sind. Damit das Nationale richtig festgehalten werden kann, müssen einige Kenntnisse über Rinder vorhanden sein.

Der allgemeine klinische Untersuchungsgang ist ein systematisch-strukturierter Ablauf von Einzeluntersuchungen, um einen groben Überblick über den Allgemeinzustand eines Patienten zu bekommen. Er dient dazu, Pathologien von physiologischen Zuständen zu unterscheiden, um eventuell weitere Maßnahmen zur Diagnosefindung veranlassen zu können.

In der folgenden Blogreihe sollen Einblicke in die einzelnen Schritte des allgemeinen klinischen Untersuchungsganges für Klarheit schaffen, welche Wichtigkeit eine vollständig durchgeführte Untersuchung hat.

Im zweiten Beitrag wird das Nationale der Rinder in den Fokus genommen.


Einführung

Der allgemeine klinische Untersuchungsgang stellt sich aus verschiedenen Unterpunkten zusammen, die wiederum Unterteilungen beinhalten. Zu Beginn einer jeden Untersuchung ist das Nationale des Patienten zu erfassen. Dazu müssen folgende Punkte festgehalten werden:

Damit die einzelnen Punkte sorgfältig dokumentiert werden können, empfiehlt es sich, eine kurze Zeichnung des Patienten oder eine Fotographie mit in die Akte abzulegen.

Rasse

Der Tierarzt soll sein Wissen über die unterschiedlichen Rinderrassen zumindest auf die in seiner Umgebung gehaltenen Rassen beschränken:

Geschlecht

Am Rind lassen sich folgende Geschlechter unterscheiden:

Hier ist anzumerken, dass Zwitter und Kryptorchiden von der Zucht ausgeschlossen werden sollten, wobei sie oftmals schon an ihrem mehr männlichen Verhalten erkennbar sind.

Altersbestimmung

Die Altersbestimmung kann mittels verschiedener Methoden festgestellt werden:

1. Nabelstrang: Der Nabelstrang ist in den ersten vier Tagen post partum feucht, wobei er dann eintrocknet und maximal 2 bis 3 Wochen hängen bleibt. Wurde der Nabel zum Schutz gegen Infektionen mit Medikamenten behandelt, trocknet er früher ein.

2. Hörner: Hörner bieten sich zur Altersbestimmung beim Kalb und auch später bei der Kuh an, wobei folgende Zeitangaben gelten:

Das Horn wächst dann bis zu einem Alter von 6 Monaten auf eine Länge von ca. 5 cm an, wobei es bei einem einjährigen Tier schon ca. 10 cm lang ist. Um das 18. Monat herum beträgt die Länge des Horns in etwa 15 cm, wobei alle Zahlenangaben deutlichen Schwankungen unterliegen (Rassenunterschiede, Spät- und Frühreife, usw.).

An Kühen kann anhand den regelmäßig vorkommenden Ringen an den Hörnern auf die Anzahl der Trächtigkeiten geschlossen werden. Dabei tritt der erste Hornring, in Abhängigkeit von der Rasse, im Alter von 2 - 3 Jahren auf. Jede weitere Abkalbung führt zur Ausbildung eines weiteren Hornringes. Bei einer Nichtträchtigkeit fehlt folglich ein Ring. Bei einem Abortus (Fehlgeburt) liegen zwei Ringe dicht beieinander, sodass nur ein halbes Jahr dazugezählt werden darf.

Zähne

Rinder weisen eine Eigenheit an ihren Zähnen auf: sowohl die Milch-, als auch die bleibenden Zähne sitzen stets locker in den Alveolen. Hierbei muss strikt von einer Rachitis oder Knochenweiche abgegrenzt werden. So sind die Milchschneidezähne des Rindes meißelartig und schaufelförmig. In ihrer Größe sind sie verhältnismäßig klein ausgebildet und weisen eine weiße Farbe auf, wobei eine Krone, die Wurzel und ein runder, langer Hals deutlich erkennbar sind. In den meisten Fällen besitzen die Kälber schon zum Zeitpunkt ihrer Geburt alle Milchschneidezähne. Sind die Eckzähne (I4) zum Geburtszeitpunkt noch nicht durch das Zahnfleisch hindurchgetreten, so brechen sie in der Regel innerhalb von 1-2 Wochen durch.

Das Kalb zeigt in den ersten Lebenswochen eine dachziegelartige Aufreihung der Milchschneidezähne, wobei sie neben- und übereinander angeordnet sind. Erst mit ca. einem Lebensmonat breitet sich der Zahnbogen aus, sodass die Zähne mit den Kronen nebeneinander zum stehen kommen.

Jenes Zahnfleisch, das die Vorder- und Hinterfläche der Zähne bedeckt, zieht sich Schritt für Schritt von den Zähnen zurück. Am I1 geschieht dies innerhalb von 3 Wochen, am I2 binnen 14 Tagen, am I3 innerhalb von 3 Wochen und am I4 in ca. 4 Wochen. Das vorher flach anliegende Zahnfleisch erscheint nun wallförmig.

Die Zähne geben für eine Altersstimmung zwischen dem 1. und 18. Lebensmonat wenig Anhaltspunkte. Es kann jedoch grob behauptet werden, dass mit ca. 6 Monaten die halbe Reibefläche an den Milchschneidezähnen, mit 1 Jahr die gesamte Reibefläche in Reibung steht.

In der Veterinärmedizin spricht man von einem Wechselgebiss erst ab 1,5 bis 2,5 Jahren.

Ähnlich den Milchschneidezähnen, stehen auch alle bleibenden Schneidezähne am Anfang dachziegelartig nebeneinander, wobei eine weitere Altersbestimmung an der Reibefläche von I1, I2 und I3 erfolgt.

Das Rind weist ein Zahnalter von:

Nach dem 15. Lebensjahr sind die Zähne in den meisten Fällen so stark abgerieben, dass sowieso nur noch Zahnstummel vorhanden sind (Stummelperiode).

Abzeichen

Bei der Feststellung der Abzeichen muss strikt zwischen den angeborenen und erworbenen Abzeichen unterschieden werden.

Zu den angeborenen Abzeichen zählen:

Zu den erworbenen Abzeichen zählen:

Körpermasse

Die Körpermasse kann entweder durch Abwiegen oder durch eine Schätzung ermittelt werden. Eine Schätzung kann auch im Vergleich zu gesunden Milchkühen des gleichen Laktationsstadiums oder zu Mastrindern derselben Altersgruppe erfolgen. Folgende groben Richtwerte können heran gezogen werden:

Körperhöhe

Die Körperhöhe wird mit einem Band oder Stock ermittelt, wobei auch Schätzungen möglich sind.

Nutzungsart

Rinder weisen eine breitgefächerte Nutzung auf:

(Literatur: Baumgartner, Walter, ed. Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere. Georg Thieme Verlag, 2009.)

Bildquelle: Leszek Leszczynski / flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.05.2017.

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Tiere benötigen eine sichere, orientierte, bestimmende und v.a. der Tierart entsprechende Behandlung. Darunter mehr...
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