Wie schafft man das Medizinstudium?

10.05.2017

Egal, in welcher Stadt oder an welcher Uni ihr Medizin studiert. Hier kommt mein persönlicher Universalratgeber für das Studium, das von Zeit zu Zeit zermürbend, aber machbar ist.

Hat man noch Freizeit oder lernt man Tag und Nacht?


Man hat Freizeit. Vor Prüfungen lernt man viel, von morgens bis abends, sieben Tage die Woche und das wochenlang. In der Zeit kann man halt nicht Party machen oder ausschlafen. Aber an Freizeit hat es mir nicht gemangelt, obwohl ich neben der Uni immer gearbeitet habe.

Hat man Zeit für einen Nebenjob?

Siehe oben und: Ja! Ich hatte teilweise zwei Nebenjobs gleichzeitig. Das ist stressig, aber machbar. Babysitten, Nachhilfe geben, Regale im Supermarkt einräumen ... Und im Sommer vielleicht ein bis zwei Monate mal Vollzeit arbeiten.

Ist das Studium schwer?

Jein. Es ist nicht der leichteste Studiengang, aber es ist auch nicht schwer, wenn man sich dafür interessiert. Manche Prüfungen sind kniffliger als andere, aber im Großen und Ganzen ist es kein unschaffbares Studium. Jedes Jahr schließen das Studium hunderte Menschen ab, die nicht alle superintelligent sind oder Genies oder Supermenschen. Sondern Menschen mit Sitzfleisch, meistens einem Normalo-Hirn und Durchhaltevermögen. Ich komme zum Beispiel weder aus einer Akademiker- oder Arztfamilie und schon gar nicht aus einer reichen Familie und war in der Schule meiner Meinung nach durchschnittlich schlau.

Muss man ein Physik/Chemie-Ass sein um Medizin studieren zu können?

Nein. Hausverstand reicht. Ich hab im ersten Jahr vieles nachholen müssen. Man kann sich vieles beibringen und manche haben mehr oder weniger naturwissenschaftliches Grundwissen als andere. Es gibt viele Bücher à la Biochemie/Chemie/Physik/Statistik für Mediziner, die teilweise von Student geschrieben und sehr verständlich sind.

Kann man sich das alles merken?

Ja. Besonders im ersten Jahr verzweifelt man und ist der Meinung, dass man sich doch so viel gar nicht merken kann und wenn man am Ende des Buches ist, hat man die ersten Kapitel wieder vergessen ... Das sind normale Gedanken und Zweifel! Aber das Gehirn ist aufnahmefähiger als man denkt. Man merkt sich vielleicht/wahrscheinlich nicht alle Details, aber es bleibt mehr hängen als man glaubt. No worries!

Wie hast du gelernt? Gibt es eine unfehlbare Methode mit der man die Prüfung 100-prozentig schafft?

Nein, eine Zauberformel gibt es nicht. Ich hab ziemlich schnell gemerkt, dass mir Vorlesungen genau nichts bringen. Da sitz ich drinnen, tratsch mit Kollegen und irgendwann schweift man komplett ab und weiß nicht mehr, was die Professorin da schwafelt. Meine Methode war: Buch nehmen, in die Bibliothek gehen und lesen. Und dabei das Wichtigste rausschreiben. Das habe ich vom Anfang bis zum Ende so durchgezogen. Zuerst hab ich die Lernziele durchgebüffelt und anschließend bin ich die Testfragen durchgegangen. Karteikärtchen hab ich auch gerne erstellt. Braucht Zeit und man muss rechtzeitig beginnen, die zu schreiben, hat mir aber enorm geholfen.

Welches Buch braucht man UNBEDINGT?

Im ersten Studienjahr hab ich hunderte von Euros für Bücher, die man uuuuuunbedingt kaufen sollte, ausgegeben. Natürlich immer die neueste Ausgabe! Letztendlich ist es egal, welches Physiologie-/Anatomie-/... buch man sich kauft und die 13. Ausgabe tut es statt der 14. auch. Denn diese Fächer sind Grundlagen und nein, man muss sich auch nicht das komplizierteste Buch kaufen, sondern jenes Buch, welches einem liegt und welches man versteht. Wie die Natrium-Kalium-ATPase funktioniert steht überall gleich drin, nur halt anders formuliert. Und der Femur heißt in jedem Anatomiebuch Femur!

Abschlussbemerkung?

Leute, verzweifelt nicht. Es ist ein langes Studium, aber es ist zu bewältigen! Hinsetzen, lernen, immer, immer, immer, immer, immer wieder wiederholen. Das ist die Zauberformel.

 

Bildquelle: Viva Vivanista, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.05.2017.

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In Deutschland studieren 80387 Menschen der Medizin, in vorigen Jahren war diese Anzahl 2% weniger. 63% der Studierende sind inzwischen Frauen (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/LangeReihen/Bildung/lrbil05.html). Man muss auch beachten, dass Fachhochschulen und Fernunis kein Medizinstudium bieten (http://www.bachelor-studium.net/medizin-studium). Die wichtigste Rolle des Studiums ist, gut strukturierte Kenntnisse und die Richtung für die Entwicklung zu geben. Sowieso bedeutet der Bologna-Prozess, dass man den größten Anteil für das Selbststudium ausgeben soll. Deswegen liegt das Problem in der Motivation und in einem Zeitplan. In jedem Studium muss man hoher Gehirnaktivität halten. Damit braucht man ein System: einige kombinieren Studium und Sport. Manche Quelle behaupten, dass „…wichtig ist auch, es sich nicht zu gemütlich zu machen und sich zu sehr zu entspannen, dies macht müde und damit träge…“ (https://essayhilfe.de/lernen/).
#7 am 01.12.2017 von Patrick Kaufmann (Medizinjournalist)
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Gast
Meiner Meinung nach wird das Medizinstudium überbewertet. Die Vorklinik ist hart, alles danach ist kein Hexenwerk. "Lernen zu können" macht vieles leichter und wenn man konsequent früh mit der Vorbereitung anfängt, lassen sich auch Tag-Nacht-Lernmarathons vermeiden. Mit Intelligenz hat das nicht viel zu tun, die meisten naturwissenschaftlichen Studiengänge sind deutlich anspruchsvoller - gerade im Hinblick auf die Multiple-Choice-Klausuren mit beachtlicher Altfragenfrequenz, die in der Regel keinerlei Transferleistungen fordern und das völlige Fehlen selbstständigen Arbeitens zB in Form von Hausarbeiten...
#6 am 15.05.2017 von Gast
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Gast
Cool bleiben ist auch sehr wichtig. Dann braucht man halt ein Semester länger. Und?
#5 am 13.05.2017 von Gast
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In der Bibliothek schnappe ich mir gern mal ein Buch, um zu sehen, ob es mir gefällt. Das Problem ist meistens, dass man sich damit eher schlecht auf Prüfungen vorbereiten kann, alles viel zu ausführlich. Dafür sollte man die Vorlesungen und Lieblingsthemen des Dozenten kennen (hauptsächlich gilt das für den klinischen Abschnitt) um die multiple choice Fragen gut zu bestehen. Eine super Ergänzung und praktisch zum Nachlesen ist das online Portal Amboss. Ist wohl auch kein Geheimnis mehr, dass sich damit die meisten auf ihre Prüfungen bzw. das stex vorbereiten.
#4 am 12.05.2017 von Eva Henrich (Studentin der Humanmedizin)
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Gast
...und der femur sollte in jedem anatomie buch DAS femur heißen
#3 am 10.05.2017 von Gast
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Gast
Meine Erfahrung: Es ist Sitzfleisch (oder vornemher ausgedrückt: Beharrungsvermögen), das man braucht. Der Witz mit dem Mediziner, dem Physiker, dem Mathematiker und dem Telefonbuch ist wahrscheinlich auch noch für die diversen Modellstudiengänge heutzutage gültig. Mit intellektueller Brillianz hat das leider nicht sooo viel zu tun...
#2 am 10.05.2017 von Gast
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DAS WICHTIGSTE VERGESSEN - KULTURELLE REFLEXION! Die Trilogie von Samuel Shem (Pseudonym von Stephen Joseph Bergman; * 1944 in Hudson (New York), amerikanischer Schriftsteller und Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School, mit den Titeln 1. "House Of God" mit seinem legendären "GOMER - get off my emergency room". 2. "Mount Misery". 3. "Doctor Fine" sind m. E. absolute Pflichtlektüre, um die Dimensionen des bio-psycho-sozial begründeten ärztlich-professionellen Handelns vor, während und nach dem Studium zu erfassen. Medial leichter verständlich und zugänglich sind auch "Emergency Room" und "Scrubs" sehr empfehlenswert.
#1 am 10.05.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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