Rückenmarksnerven (Spinalnerven, Nervi spinales)

05.05.2017
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Die Rückenmarksnerven, auch Spinalnerven bzw. Nervi spinales genannt, sind die paarig austretenden Nerven aus dem Rückenmark. Sie sind segmental angeordnet und bilden einen Teil des peripheren Nervensystems. Sie führen sowohl afferente als auch efferente Fasern und zeigen einen über ihre Dorsal- und Ventralwurzeln definierten Verlauf auf.

Einleitung

Das Rückenmark entlässt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen paarig angelegte Rückenmarksnerven (Spinalnerven), die Nervi spinales. Diese verlassen den Wirbelkanal durch die Zwischenwirbellöcher und werden, je nach Wirbelsäulenabschnitt, unterschiedlich betitelt.

Abschnitte

Sieht man von der Zahl der Hals- und Schwanznerven ab, stimmt ihre Zahl mit der arttypischen Anzahl der Wirbel der betreffenden Wirbelsäulenabschnitte, überein. Aufgrund der Tatsache, dass der 1. Halsnerv durch das Foramen vertebrale laterale des Atlas seinen Austritt findet und der letzte Halsnerv den Wirbelkanal zwischen dem 7. Hals- und 1. Brustwirbel verlässt, besitzen alle Haussäugetiere 8 Zervikalnerven. Demnzufolge treten alle Spinalnerven, mit Ausnahme des 1. Halsnerven, durch die Incisura intervertebralis caudalis desjenigen Wirbels aus, nach dem sie benannt und durch entsprechende Symbole bezeichnet werden.

Rückenmarksnerven

Unsere Haussäugetiere weisen folgende Anzahlen an Rückenmarksnerven auf:

Die Anzahl der Rückenmarksnerven variiert entsprechend der schwankenden Anzahl der Wirbel innerhalb der einzelnen Tiere.

Detailaufbau

Vergleicht man die Rückenmarksnerven mit den Gehirnnerven, so fällt auf, dass sie im Gegensatz zu diesen nicht als einheitliche Nervenstränge mit dem Rückenmark in Verbindung stehen, sondern sie entspringen immer mit zwei morphologisch selbstständigen und funktionell verschiedenartigen Wurzeln:

Dabei besteht jede Wurzel aus einer wechselnden Anzahl zarter Wurzelfäden, die als Fila radicularia bezeichnet werden (Hund: 3 - 13, Pferd: 8 - 16). Diese entspringen in den sogenannten Wurzelzonen und sind mehr oder weniger dicht aufgereiht. Die dichtesten Stellen findet man im Bereich der Hals- und Lendenschwellung (Intumescentia cervicalis et lumbalis) sowie des Conus medullaris. Sie verlassen dabei das Rückenmark entweder, wie die stärkeren und spärlicheren Fäden der Dorsalwurzeln, im Sulcus lateralis dorsalis in einer fortlaufenden Reihe, oder fächerförmig angeordnet (in 2 - 3 Längsreihen), wie die meist zarteren und zahlreicheren Fila der Ventralwurzeln.

Sie ziehen als intraduraler Anteil der Nervenwurzel konvergierend zur Durapforte, wo sie die Arachnoidea und den Duraschlauch durchbohren, die Durascheide schließlich mit sich mitnehmen und als extraduraler Teil der Wurzel zum entsprechenden Zwischenwirbel- bzw. Wirbelseitenloch (Rind: im Bereich der Brust- und vorderen Lendenwirbel; Schwein: im Gebiet des 1. - 10. Brustwirbels) verlaufen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Austrittsstelle aus dem Wirbelkanal, die Durapforte und die Wurzelzone topographisch betrachtet meist nicht auf gleicher Höhe liegen, zeigen teilweise schon die intraduralen, v.a. aber die extraduralen Anteile der Nervenwurzeln gewöhnlich keinen rein transversalen Verlauf auf.

Spinalnerven

Sind die Fasern erstmals aus dem Duraschlauch ausgetreten, vereinigen sich die Faserbündel der Ventral- und der Dorsalwurzel gewöhnlich unmittelbar vor oder bei ihrem Austritt aus dem Wirbelkanal zum gemischtfaserigen Stamm des Spinalnerven, Truncus nervi spinalis.

Unmittelbar vor der Vereinigung findet sich in der Dorsalwurzel das plump-spindelförmige, grau-rötlich gefärbte Spinalganglion, Ganglion spinale. Diese Spinalganglien liegen für gewöhnlich im Zwischenwirbel- oder Wirbelseitenloch oder unmittelbar außerhalb davon. Hierbei befinden sich nur die sehr kleinen Ganglien der Kreuz- und Schwanznerven noch innerhalb des Wirbelkanals und sind dabei in die Nervenstränge der Cauda equina eingelagert oder können gar makroskopisch ganz fehlen, wenn die Ganglienzellen, wie oftmals auch beim 1. Halsnerven, nur in Form größerer oder kleinerer Zellnester (Ganglia aberrantia) zwischen die Wurzelfäden eingestreut sind.

Gleichzeitig variieren die Dimensionen der Nervenstämme und der Spinalganglien je nach Tierart und dem Innervationsgebiet beträchtlich. Am deutlich mächtigsten ausgebildet sind sie im Bereich der Halsschwellung, wo sie plattenartige Konglomerate bilden.

Im Halsmark findet man, bis zur Wurzelzone des 6. und 7. Halsnerven, neben einer dorsalen und ventralen Spinalwurzel noch eine laterale Wurzel, in der die Radix spinalis des XI. Gehirnnerven (Nervus accessorius), ihren Ursprung nimmt. Dabei entspringen die zarten Wurzelfäden dorsal vom Ligamentum denticulatum seitlich aus dem Ventrolateralstrang und vereinigen sich zu enem kranial immer stärker werdenden Nervenstrang. Dieser tritt schließlich durch das Foramen magnum in die Schädelhöle ein, wo er sich mit der Radix cranialis des Nervus accessorius verbindet.

(Literatur: Nickel, Richard, August Schummer, and Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004)

Bildquelle: Max Barners / Flikr

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.05.2017.

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