Was hilft bei Neurodermitis bei Kindern?

26.04.2017

Die Krankheit hat viele wissenschaftliche Namen, am meisten bekannt ist sie aber einfach als „Neurodermitis“. Eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und starken Juckreiz mit sich bringt. Bei Kleinkindern ist sie die häufigste chronische Hauterkrankung. Das gesamte Umfeld leidet mit, allen voran die Eltern.

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Bild: Lstige Krankheit: Kinder mit Neurodermitis leiden besonders unter dem Juckreiz. Bildquelle: äKaspars Grinvalds - 203589763 / Shutterstock.com

 

Leidet ein Kind unter Neurodermitis, beginnt die fieberhafte Suche nach den Gründen. Möglichst schnell soll der Auslöser behoben werden, denn der Juckreiz beschert Kindern und Eltern oft schlaflose Nächte. Und auch die Tage verlaufen ähnlich: trocken, gerötet und schuppig ist die Haut. Gelegentlich bildet sie Bläschen und nässt. Warum Neurodermitis auftritt, kann viele Gründe haben:

Dabei ist es von Kind zu Kind unterschiedlich, warum das Leiden auftritt. Ein Allheilmittel gibt es nicht. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Weil Neurodermitis in Schüben verläuft, kann sich die Therapie immer wieder ändern, schreiben die Experten auf doktor-haut.de.

Welche Therapie bei Neurodermitis?

Das Wichtigste: Der Juckreiz sollte gelindert werden. Vor allem dieser ist es, der Kindern den größten Teil ihrer Lebensqualität nimmt. Im Anschluss müssen eventuelle Allergene ausgeschlossen werden. Vermieden werden sollten daher Stoffe, auf die das Kind reagiert. Das können viele Dinge sein: Pollen, gewisse Nahrungsmittel und auch Zigarettenrauch. Kurz: Stoffe, die nachgewiesenermaßen beim Kind Neurodermitis-Schübe auslösen, müssen vermieden werden.

Ist Neurodermitis vererbbar?

Kinder mit Neurodermitis stammen oft aus Familien, in denen Allergien verbreitet sind. Es gibt aber nicht DAS Neurodermitis-Gen. Vererbt wird also nicht die Neurodermitis selbst, sondern die Veranlagung dafür. Jedoch können auch Kinder an Neurodermitis erkranken, wenn beide Eltern nicht an einer Allergie leiden. Und umgekehrt. Daran sieht man, dass die Gründe dieses Leidens noch nicht hinreichend geklärt sind. Was bleibt, ist also die Behandlung der Symptome.

Die verschiedenen Stufen bei Neurodermitis

Neurodermitis wird in unterschiedliche Stufen aufgeteilt. Bei der ersten handelt es sich meist nur um trockene Haut, die einer Basispflege bedarf. Stufe 4 muss dagegen schon mit Medikamenten behandelt werden, die das Immunsystem beeinflussen.

Die verschiedenen Stufen bei Neurodermitis

Stufe 1 – Trockene Haut

Hier genügt zunächst eine Basispflege der Haut. Fettend und pflegend sollte sie sein. Außerdem sollten Auslöser, wie etwa Allergene, vermieden werden.

Stufe 2 – Leichte Ekzeme

Es gilt dasselbe wie bei Stufe 1, jedoch werden hier noch Wirkstoffe gegen Juckreiz und Infektion gegeben. Örtlich können leichte kortisonhaltige Präparate angewendet werden.

Stufe 3 – Mäßige Ekzeme

Es gilt dasselbe wie in Stufe 2, jedoch werden hier oft stärker wirkende Kortison-Präparate angewendet.

Stufe 4 – Anhaltende, schwere Ekzeme

Es gilt dasselbe wie in Stufe 3, jedoch werden hier auch Medikamente gegeben, die auf das Immunsystem wirken. Zum Beispiel Ciclosporin.

Tabelle: Die verschiedenen Stufen erfordern verschiedene Behandlungsmethoden.

Vor allem das Ciclosporin hat gute Behandlungserfolge gezeigt. Die Symptome werden innerhalb kurzer Zeit reduziert, der Juckreiz lässt nach und die Ekzeme können abheilen. Allerdings müssen alle anderen Behandlungsmethoden (Cortison, Bestrahlung, etc.) erfolglos gewesen sein, bevor Ciclosporin gegeben wird. Zudem weist das Medikament eine lange Liste an Nebenwirkungen auf.

Um das dritte Lebensjahr bessert sich Neurodermitis meistens

Säuglinge und Kleinkinder sind häufiger von Neurodermitis betroffen. Bis zu 10 Prozent sind es, die unter dieser, auch „atopisches Ekzem“, „atopische Dermatitis“ oder „endogenes Ekzem“ genannten Krankheit leiden. So leidet um den dritten Geburtstag nur noch ein Drittel der betroffenen Kinder an dauerhaften Beschwerden.

Die Zeit ist es also, die auch hier sprichwörtlich alle Wunden heilt. Dieser natürliche Verlauf wird jedoch oft alternativmedizinischen Verfahren zugeschrieben, denen sich verzweifelte Eltern bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes zugewandt haben, sagen Kritiker.

Wie wird Neurodermitis diagnostiziert?

Es gibt keinen klassischen Labortest, der einwandfrei Neurodermitis feststellt. Erfahrene Kinder- und Hautärzte erkennen aber sehr schnell anhand der Symptome, um welche Krankheit es sich handelt. Sehr hilfreich hat sich das so genannte „Allergie-Tagebuch“ erwiesen, das von den Eltern geführt wird. Damit lässt sich schnell ein Muster erkennen, das bei der Diagnose hilfreich sein kann.

Bei Säuglingen und Kleinkindern wird oft ein Bluttest gemacht. Damit können Antikörper auf bestimmte Nahrungsmittel, Tierhaare, Hausstaubmilben etc. nachgewiesen werden.

Beim Provokationstest werden zum Beispiel Speisen, die im Verdacht stehen Neurodermitis auszulösen, gezielt weggelassen. Bessert sich die Situation, werden diese Speisen wieder angeboten. Wenn sich dann die Situation verschlimmert, ist so gut wie klar, welcher Stoff der Übeltäter ist.

Wie ist die Haut zu behandeln?

Gerade Kinderhaut sollte schonend gepflegt werden. Fett und Feuchtigkeit ist wichtig. Zudem sollten die Pflegemittel keine Duftstoffe enthalten. Auch sie können Allergien auslösen. Für die tägliche Wäsche genügt meist Wasser. Für ältere Kinder empfehlen sich kürzere Duschen mit kühlerem Wasser.

Cremes sollten gekühlt sein und mehrmals täglich aufgetragen werden. Vorsicht ist jedoch bei Kortison geboten. Hier sollte der Arzt entscheiden, wann und wie oft dieser Wirkstoff angewandt wird. Leider gibt es kaum Alternativen. Kortison ist bei der Neurodermitis-Behandlung so gut wie unverzichtbar, weil schnell Linderung eintritt. Heutzutage verursachen die Kortison-Präparate jedoch kaum mehr gesundheitliche Schäden. So wird die Haut nicht mehr dünner, was bei älteren, stark kortisonhaltigen Präparaten der Fall war.

Vermeiden Sie Kratzen

So schwer es ist: Versuchen Sie es zu vermeiden, dass Ihr Kind sich kratzt. Durch das Kratzen wird die Haut noch mehr beeinträchtigt, der Juckreiz nimmt zu. Daher sollten Sie die Fingernägel des Kindes kurz halten und ihm nachts Baumwollhandschuhe anziehen.

Tagsüber ist es oft genauso schwer, nicht zu kratzen. Alternativen sind:

Kleidung aus Baumwolle oder Leinen hat sich bei Neurodermitis-Patienten bewährt. Darin schwitzt man weniger.

Salz aus dem Toten Meer

Oft wird in Reformhäusern Salz aus dem Toten Meer angeboten, das entzündungshemmend wirken soll und ins Badewasser gegeben wird. Das ist grundsätzlich keine schlechte Sache bei Neurodermitis, aber: Um die gleiche Konzentration wie im Toten Meer zu erhalten, müsste man in die heimische Wanne rund 40 Kilo dieses Salzes schütten. Das hält erstens Ihr Rohrsystem nicht aus und zweitens bräuchten Sie dann schon eine ausreichend große Badewanne.

Diät machen? Vorsicht ist geboten!

Viele Ratgeber schlagen eine strenge Diät vor, um die auslösenden Stoffe zu identifizieren. Hier ist aber Vorsicht geboten: Gerade bei Kindern kann eine Diät, die nicht vom Arzt oder einem Ernährungsberater empfohlen wurde, zu Mangelernährung führen. Vergewissern Sie sich daher beim Fachmann, ob eine solche Behandlung nützt oder eventuell sogar schadet.

 

Bildquelle: Kaspars Grinvalds - 203589763 / Shutterstock.com

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.04.2017.

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