Handhabung und Zwangsmaßnahmen - kleine Wiederkäuer

20.04.2017
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Kleine Wiederkäuer, wobei hier in der Regel Schafe und Ziegen gemeint sind, stellen eine Untergruppe der Wiederkäuer dar. Obwohl sie systematisch zu den Ruminantia zählen, benötigen sie eine gesonderte Betrachtung. Ihre speziellen Anforderungen sowie Erkrankungen setzen voraus, dass Tierärzte ein grundlegendes Wissen über das Verhalten der Tiere besitzen.

Tiere benötigen eine sichere, orientierte, bestimmende und v.a. der Tierart entsprechende Behandlung. Darunter versteht man einerseits das Handling (Handhabung) des einzelnen Tieres, andererseits auch die notwendigen Zwangsmaßnahmen, um sowohl Mensch als  auch Tier vor Verletzungen zu schützen.

Im dritten Beitrag dieser Blogreihe "Handhabung und Zwangsmaßnahmen bei Haustieren" werden die kleinen Wiederkäuer in den Fokus genommen.


Abfangen

Werden Schafe abgefangen, dürfen diese nicht an der Wolle angefasst werden. Damit Schafe sicher abgefangen werden können, sollte dies stets von hinten erfolgen. Durch einen Griff eines Hinterbeines dorsal des Sprunggelenks kann das Tier gefasst werden, wobei die Gliedmaße nur nach kaudal gezogen werden darf. Bewegungen der Extremität in andere Richtungen können zu Luxationen oder Frakturen führen.

Befindet man sich als Untersucher in einer Schäferei, lässt man das Abfangen grundsätzlich durch den Schäfer mit der Schäferschippe durchführen.

Schafe können nicht nur von hinten, sondern auch von vorne abgefangen werden. Dabei wird die Extremität umfasst und nach vorne gezogen. Hierbei muss man jedoch darauf achten, dass am Kopf des Tieres gegengehalten wird, damit sie sich nicht wegdrehen.

Fixieren

Um ein Tier im Stehen zu fixieren, stellt sich ein Helfer neben dieses und drückt seine aufgestellten Finger in den Kehlgang zwischen die Unterkieferäste des Tieres. Dadurch wird eine Fixierung des Kopfes und letztendlich des gesamten Körpers erzielt.

Umsetzen

Damit ein Schaf umgesetzt werden kann, steht das Tier, mit dem Kopf auf der linken Seite, vor dem Helfer oder Untersucher. Dann wird die linke Hand vor die Brustapertur gelegt, wobei die rechte Hand über den Körper des Tiers hinweg in die rechte Kniefalte geführt wird. Anschließend wird das Tier über das linke Knie aufehoben und umgesetzt, wobei die Hinterbeine genügend weit vom Boden abgehoben werden müssen, da die Tiere sonst starke Abwehrzeichen zeigen. Zuletzt wird das umgesetzte Tier mit beiden Knien des Umsetzenden beiderseits der Schultern gestützt, wobei die Fixierung der Vorderextremitäten dorsal der Fesselgelenke erfolgt.

An einem umgesetzten Schaf können Brust, ventrales Abdomen, Penis, Processus urethralis, Hodensack, Euter und Klauen untersucht und behandelt werden.

(Literatur: Baumgartner, Walter, ed. Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere. Georg Thieme Verlag, 2009.)

Bildquelle: stanze / Flikr

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.04.2017.

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