Hypophyse - klein aber oho!

13.04.2017

Die Hypophyse (Glandula pituitaria) ist kleines aber zentrales Organ am Boden des Zwischenhirns. Ihre enge morphologische und funktionelle Beziehung zum übergeordnete Hypothalamus bedingt eine gemeinsame Betrachtung dieser lebensnotwendigen Regulationszentren. Zusammen sind sie für eine Vielzahl an hormonellen Vorgängen verantwortlich.

Definition

Die Hypophyse, auch bekannt als Glandula pituitaria, ist ein klein-ausgebildetes, oval bis rundliches hormonproduzierendes Organ, das am Boden des Zwischenhirns aller Haussäugetiere anzutreffen ist.

Wer die Hypophyse genauer betrachten möchte, ist quasi "gezwungen", den Hypothalamus mit in seine Recherche zu nehmen. Eine Hypophyse ohne ihren Hypothalamus kann sowohl morphologisch als auch funktionell nicht behandelt werden (Stichwort: Hypothalamus-Hypophysen-System).

Nomenklatur

In der Veterinärmedizin wird, im Gegensatz zur Humanmedizin, die Hypophyse in zwei Teile gegliedert:

Humanmediziner verwenden hierzu oftmals als Synonyme den Hypophysenvorderlappen (HVL) und den Hypophysenhinterlappen (HHL). Derartige Bezeichnungen treffen in der Veterinärmedizin nur teilweise zu, weshalb sie gänzlich weggelassen werden.

Topographie

Die Hypophyse weist tierartlich verschiedene Gestalt auf, ist aber bei allen Haussäugetieren in das Diaphramga sellae der Dura mater encephali eingespannt. Sie ist durch diese gleichzeitig auch am Boden der Sella turcica bzw. Fossa hypophysialis (beim Pferd) befestigt.

Beim Pferd ist die Hypophyse in die sehr seichte, bei den übrigen Haussäugern jedoch tief und kaudal durch die Sattellehne begrenzte Fossa hypophysialis des Türkensattels (Sella turcica), eingebettet. Um an Festigkeit zu gelangen, ist sie dort mit dem Boden bindegewebig verwachsen. Hinzu kommt, dass vom Rand der Hypophysengrube und vom Dorsum sellae die Dura mater encephali als Diaphragma sellae turcica direkt auf die Hypophyse überspringt. Beim Pferd findet sie in etwa auf halber Höhe des Drüsenkörpers, bei den restlichen Tieren (und beim Menschen) am Infundibulum Anschluss und begrenzt so gleichzeitig das Foramen diaphragmatis. Hier ist anzumerken, dass Schweine kein Diaphragma sellae turcica besitzen.

Morphologie

Sowohl Größe als auch Gewicht der Hypophyse variieren zwischen Tierart beträchtlich. Hinzu kommt, dass beide Größen auch stark von der Rasse, dem Alter und dem Geschlecht abhängen. Demzufolge weist das Rind die größte Hypophyse auf, gefolgt vom Pferd, kleinem Wiederkäuer, Schwein, Hund und Katze.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Hypophyse bei weiblichen Tieren größer und schwerer ist als jene von männlichen Tieren. Außerdem fand man heraus, dass nullipare, nichtträchtige Hündinnen größere Adenohypophysen aufweisen, als Rüden und trächtig gewesene Hündinnen. Gleichzeitig zeigen laktierende Tiere ein deutlich höheres Hypophysengewicht auf, als trocken stehende Haussäuger.

Neurohypophyse

Die Neurohypophyse weist einen tierartlich unterschiedlich langen, proximal hohen Stiel auf, der als Infundibulum bezeichnet wird. Durch dieses Gebilde ist sie am Tuber cinereum des Hypothalamus befestigt und entweder durch den Sulcus tuberoinfundibularis oder durch den adenohypophysären Trichterbelag hirnwärts begrenzt. Da sich in den meisten Fällen der unterschiedlich tiefe Recessus infundibuli des 3. Ventrikels in das Infundibulum (auch Pars proximalis neurohypophysis bezeichnet) schiebt, unterteilt dieser Einschnitt das Infundibulum in eine proximale Pars cava infundibuli und eine distale Pars compacta infundibuli.

Zum Infundibulum wird außerdem noch die Eminentia mediana, eine mediane Erhebung am Boden des 3. Ventrikels, gezählt.

Adenohypophyse

Die Adenohypophyse stellt den deutlich umfangreicheren Drüsenteil der Hypophyse dar. Sie liegt beim Schwein (und Mensch) rostral, bei den Wiederkäuern und beim Pferd rostroventral von der Neurohypophyse. Einzig beim Fleischfresser, v.a. beim Hund, umfasst die Adenohypophyse die Neurohypophyse ringsum.

An der Adenohypophyse werden in der Regel 3 unterschiedliche Teile abgegrenzt:

Gefäßversorgung

Da die Hypophyse eine endokrine Drüse darstellt, ist sie reich vaskularisiert. Der arterielle Zufluss wird über die Arteria carotis interna und über das Rete mirabile epidurale sowie den Circulus arteriosus cerebri gewährleistet.

Der venöse Abfluss mündet in den Sinus cavernosus bzw. intercavernosus des ventralen Blutleitersystems.

Innervation

Bei der Innervation muss man zwischen der Adeno- und Neurohypophyse unterscheiden:

Hormone

Betrachtet man die Hormone der Hypophyse, so sollte strikt zwischen der Neurosekretion der Neurohypophyse und der Hormone der Adenohypophyse unterschieden werden.

Embryologie

Embryologisch betrachtet stammt die Hypophyse aus zwei getrennten Teilen, dem Hirnteil (Pars neuralis) und dem Drüsenteil (Pars glandularis). Beide lagern sich im weiteren Entwicklungsverlauf zu einem einheitlichen Organ zusammen. Der Hirnteil stammt dabei aus dem Boden des Hypothalamus, wohingegen der Drüsenteil aus der embryonalen Mundbucht hervorgeht.

Histologie

Im Medianschnitt erscheint die Neurohypophyse in weißlicher-grauer Farbe. Beim Pferd ist sie oftmals hell bräunlich gefärbt. Sie besteht grundsätzlich aus einem dichten Faserfilz, der von Ausläufern der Pintuizyten (modifizierte Astrozyten), zarten Bindegewebsfasern und marklosen Nervenfasern gebildet wird. Hierbei stellen die marklosen Nervenfasern großteils Axone von Zellen bestimmter Hypothalamuskerne dar, die für die Übermittlung der im Hypothalamus gebildeten Neurosekrete zuständig sind.

(Literatur: Nickel, Richard, August Schummer, and Eugen Seiferle. Band IV: Nervensystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004)

Bildquelle: Kai Schreiber / Flikr

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.04.2017.

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