Das neue Antitraumatikum

12.04.2017
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In Zeiten sich ausbreitender Antibiotikaresistenzen mahnen Experten weltweit, auf den unbedarften Gebrauch von Antibiotika, wo immer möglich, zu verzichten. Zweifelsohne ist die Idee, Antibiotika bei Rückenschmerzen oder in der Psychotherapie anzuwenden, wissenschaftlich interessant. Doch überwiegt ein möglicher Nutzen tatsächlich die bekannten Risiken? Wohl kaum.

Eine posttraumatische Belastungsstörung geht auf Erfahrungen mit extremer körperlicher Gewalt, Krieg oder schweren Naturkatastrophen einher. Gemäß ihrer Ursachen wird sie in der Regel mithilfe von Psychotherapie behandelt. Nicht immer jedoch lassen sich die wiederkehrenden Albträume und plötzlich einschießenden Erinnerungen auf diese Art erfolgreich behandeln.

Eine aktuelle Studie zeigte kürzlich, dass ein Antibiotikum als sinnvolle Ergänzung dienen könnte. In einem Versuch wurde Doxycyclin an 80 Personen getestet und soll deren negative Erinnerungen erfolgreich abgeschwächt haben.

Seit langem suchen Forscher weltweit nach einem möglichst einfachen Weg, das Traumagedächtnis medikamentös zu beeinflussen, bestenfalls zu löschen. Im Tiermodell erprobte Möglichkeiten waren beim Menschen allerdings bisher nicht anwendbar oder wirkten nicht.

Doxycyclin – der Alleskönner?

Das Antibiotikum Doxycyclin gehört zu den Breitbandantibiotika aus der Gruppe der Tetracycline. Es wird in Deutschland neben den Penicillinen am häufigsten verordnet, da es gegen eine Vielzahl von Erregern wirksam ist. Jedoch werden gerade auch bei den Enterokokken und bei Escherichia coli zunehmend Resistenzbildungen und Unempfindlichkeiten gegen dieses Medikament beobachtet.

Die Studie zeigte nun zusätzlich, dass Doxycyclin die Gedächtnisbildung hemmen kann, weil der Wirkstoff ein dafür wichtiges Enzyms blockiert. Die Behandlung mit Doxycyclin wirke sich in der Folge auf traumatische Erinnerungen aus, so die Forscher.

Das Antibiotikum Doxycyclin hemmt in erster Linie die Aktivität der Metalloproteinasen, die neben vielen anderen Prozessen im Körper ebenso an der Gedächtnisbildung beteiligt zu sein scheinen.

Präventive Gedächtniskontrolle

Insgesamt 80 Probanden wurden für dieses Experiment in eine Behandlungs- und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Sie erhielten leicht schmerzhafte elektrische Reize und lernten, diese mit einer spezifischen Farbe zu verknüpfen. Die Teilnehme in der Behandlungsgruppe bekamen zuvor 200 mg Doxycyclin, während die Kontrollgruppe ein Placebo erhielt.

Sieben Tage später zeigten die Probanden der Kontrollgruppe eine verstärkte Schreckreaktion, wenn sie die entsprechende Farbe sahen. In der Behandlungsgruppe waren solche Schreckreaktionen im Vergleich zur Kontrollgruppe hingegen um rund zwei Drittel schwächer. Die Studienautoren interpretieren dieses Ergebnis als ersten Beweis dafür, dass Doxycyclin das emotionale Gedächtnis abschwächt, wenn es vor einem potenziell negativen Ereignis eingenommen wird.

Jetzt wird es richtig bunt

Die Ergebnisse belegen zudem, dass Metalloproteinasen nicht nur als Werkzeuge im Labor verwendet werden können, sondern beim Menschen auch für die Gedächtnisbildung relevant sind. Diese Enzyme liefern laut Studienautor Dominik Bach wichtige Anknüpfungspunkte, um therapeutisch wirksame Substanzen zu entwickeln.

„Doch bereits mit dem heutigen Wissensstand könnte Doxycyclin wahrscheinlich angewendet werden, um vorhandene emotionale Erinnerungen zu dämpfen – wenn Patienten dies wünschten“, ergänzte Bach. Für eine derartige Behandlung würden existierende Traumaerinnerungen in einer Psychotherapie gezielt aktiviert und dann durch die Gabe von Doxycyclin abgeschwächt. „Derzeit planen wir, dieses kombinierte Therapiemodell bei gesunden Menschen anzuwenden, um es dann in der Klinik weiter zu erproben“, so Bach.

Sehr nachdenklich sollte aber die folgende Aussage der Forscher stimmen, nämlich, dass alle Tetracycline aufgrund ihrer Substanzklasse an Metalloproteinasen wirken und deshalb prinzipiell geeignete Therapieansätze bei posttraumatischen Belastungsstörungen bieten.

Das kann die Studie jedoch gar nicht in dieser Deutlichkeit postulieren, da das angewandte Modell einer pawlowschen Konditionierung nicht unbedingt gleichbedeutend mit einem postraumatischen Ereignis ist, das eben nicht auf eine allmähliche Gewöhnung zurückgeht.

Darüber hinaus erklären die Studienautoren selbst, dass bisher unklar ist, ob die Mechanismen, die zu einer Traumaerinnerung führen, dieselben sind, die in der Reaktivierung und Therapie eine Rolle spielen. In Anbetracht der gegenwärtigen doch ernsten Resistenzsituation wären zumindest weitere klärende Studien sowie ein sehr bedachter Umgang mit Antibiotika in der Psychotherapie anzuraten.

Antibiotika bei chronischen Rückenschmerzen

Beinahe zeitgleich machte eine weitere ungewöhnliche Anwendung von Antibiotika erneut von sich reden: Die dänische Forscherin Hanne Albert bekam für ihre Studie zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika kürzlich den Deutschen Schmerzpreis. Zumindest scheint mir hier der Zusammenhang von möglicher Ursache und der Therapie doch deutlich eingängiger als beim zuvor genannten Beispiel.

Zu den Hintergründen: In der Studie, die bereits 2013 veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass etwa die Hälfte aller untersuchten Menschen mit chronischen Rückenbeschwerden im MRT Ödeme im Bereich des Markes aufwiesen. Überdurchschnittlich viele der entnommenen Gewebeproben wurden anschließend positiv auf Bakterien getestet – überwiegend handelte es sich dabei um Propionibacterium acnes, einen kommensalen Haut- und Mundkeim.

Über Verletzungen beim Zähneputzen gelangt das Bakterium wahrscheinlich ins Blut und weiter bis ins Innere der Bandscheiben. Selbst nach Ausheilen eines Bandscheibenvorfalles verbleiben die Erreger dann an Ort und Stelle und verursachen wiederkehrende Entzündungen und Schmerzen.

Amoxicillin für alle Patienten mit Rückenschmerzen?

In ihrer Studie behandelten die Forscher die 162 Studienteilnehmer über 100 Tage hinweg dreimal täglich mit 1000 mg Amoxicillin. Nach acht Wochen zeigten sich erste Effekte, die sogar über einen Nachbeobachtungszeitraum von über einem Jahr hinaus anhielten.

Sollten nun zukünftig alle Patienten mit Rückenbeschwerden Antibiotika erhalten? Natürlich nicht, so die Studienautoren. Allerdings profitieren solche mit ödematösen Veränderungen im Mark und einer nachgewiesenen Bakterienbeteiligung durchaus von dieser neuen Therapieoption.

Die Experten sind sich einig, dass diese vorgelegte Arbeit einen revolutionären Ansatz in der Schmerzbehandlung bei Rückenpatienten darstellt. Damit ließen sich zukünftig nicht nur die Leiden von Millionen von Menschen lindern, sondern auch Kosten einsparen, weil die Zahl der Krankschreibungen wegen chronischer Rückenschmerzen und die Frühverrentungen zurückgehen könnten.

Einschätzung und Fazit

Infektiologen wie Prof. Dr. med. Florian Wagenlehner aus Gießen sehen solche Ansätze aber durchaus differenzierter: „Die beiden hier zitierten Arbeiten zum Antibiotikaeinsatz bei Rückenbeschwerden und posttraumatischen Belastungsstörungen sind sicherlich sehr interessant. Durch die neuen diagnostischen Möglichkeiten des Mikrobioms finden sich ja auch immer mehr Bakterien bei den unterschiedlichsten Erkrankungen. Ob dabei jedoch immer eine Kausalität vorliegt, lässt sich daraus nicht ohne Weiteres ableiten. Zusammenfassend sollte man bei der Anwendung von Antibiotika hier sehr zurückhaltend sein.“

Unterstützt wird diese Empfehlung durch den Umstand, dass 70 Jahre Antibiotikaeinsatz auf Seiten vieler Ärzte und ihrer Patienten nicht dazu geführt haben, Antibiotika als starke Waffe exklusiv gegen wirklich gefährliche Krankheitserreger einzusetzen. Noch immer werden diese Medikamente zum Beispiel bei Erkältungserkrankungen verschrieben, ohne zuvor abgeklärt zu haben, ob eine bakterielle oder eine virale Infektion vorliegt – gegen letztere wirken Antibiotika natürlich überhaupt nicht.

Ebenso verschärfen Therapieabbrüche, eine unregelmäßige Einnahmekultur, Antibiotikarückstände in Abwässern und Antibiotika in der Tierproduktion die Resistenzsituation weiter. Die Lernkurve in Hinblick auf ein effektives Antibiotic Stewardship hat sowohl bei Medizinern als auch bei Patienten leider noch lange nicht das beruhigende Plateau erreicht. Ob solche zwar gutgemeinten, aber dennoch recht unkritisch geäußerten neuen Therapieansätze daran wirklich etwas ändern können, bleibt daher bestenfalls fraglich.

Quellen:

Blocking human fear memory with the matrix metalloproteinase inhibitor doxycycline
Dominik R. Bach et al.; Nature Molecular Psychiatry, doi: 10.1038/ MP.2017.65; 2017

Antibiotic treatment in patients with chronic low back pain and vertebral bone edema (Modic type 1 changes): a double-blind randomized clinical controlled trial of efficacy
Albert HB et al., European Spine J, doi: 22:697–707; 2013

 

Bildquelle: Michael Day, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.04.2017.

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Studien für das namhafte Journal of Irreproducable Results. Bemerkenswerte Zitationen.
#17 am 12.05.2017 von Dr. med. Martin P. Wedig (Arzt)
  0
Rettungssanitäter
Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde dass Antibiotikum Doxycyclin den Probanden VOR den Versuch gegeben. Ist die Studie dann überhaupt noch valide? Die Traumatherapie ist in der Regel doch präventiv...
#16 am 27.04.2017 von Rettungssanitäter (Gast)
  0
Ich finde es überhaupt hilfreich , dass eine körperliche Ursache für Rückenbeschwerden gefunden wird. Langandauernde Rückenschmerzen ohne OP- Indikation werden auf die Psyche geschoben oder als chronische Schmerzerkrankung mit NSAR , Opioiden, Pregabalin und AD behandelt. Zumindest für den einzelnen Patienten ist das bestimmt nicht gesünder als ein Antibiotikum über einen festgelegten Zeitraum. Wichtig wäre evtl. ein Behandlungsvertrag, damit es nicht zu Therapieabbrüchen ohne Rücksprache kommt.
#15 am 19.04.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  2
Die Feststellung, dass Bakterien Ursache für Rückenschmerzen sein können, muss doch dazu führen, dass man jeweils den Nachweis führt und ggf. das spezifische Antibiotikum verabreicht statt wie zuvor bei Erkältungen einfach mal probeweise mit der Keule auszuholen ... Und ist schon geklärt welcher Keim es ist, der möglicherweise Nutzen davon hat, wenn der Keimträger negative Emotionen hat, oder sich in dem entstandenen Milieu besonders wohl fühlt?
#14 am 19.04.2017 von Heilpraktikerin Anja Pfeiffer (Heilpraktikerin)
  2
Prof.Dr.Dr. R.Reichardt
Lieber Gast #12 Sie sind sicher Mutter und haben in vielem was sie schreiben recht. Nur so einfach ist Medizin eben nicht. Richtig ist und da stimme ich ihnen 100% zu Antibiotika nur in den dringendsten Fällen zu verordnen. Viele Kollegen haben vergessen, auch manch Naturheilmittel zum Einsatz zu bringen und die Mütter dahingehend zu ermuntern mit dem Kind und der Erkrankung auch etwas Geduld aufzubringen und auch bewerte Hausmittel einzusetzen..
#13 am 19.04.2017 von Prof.Dr.Dr. R.Reichardt (Gast)
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Gast
Dieser Artikel zeigt einmal mehr, dass unsere chemischen Medikamente ein viel breiteres, aber auch völlig unerforschtes und m. E. auch oft ignoriertes Wirkungsspektrum haben. Dass Antibiotika auf die Psyche wirkt, kann man bei kleinen Kindern schon merken. Fragen sie mal die Mütter ! Aber es steht nicht im Beipackzettel. Warum wohl nicht? Wenn es zunehmend Antibiotikaresistenzen gibt, muss sich die Industrie doch " "neue Märkte" für ihr Produkte suchen. Warum nicht psychische Indikationen? Da bleibt zumindest die Zahl der Betroffenen hoch. Da lobe ich mir doch Behandlungsmethoden, die darauf abzielen, die Selbstheilungskräfte des Körpers/des Lebewesens anzuregen. Die sind zwar unter der Medizinerschaft weitgehendst verschriehen, aber zuverlässig!
#12 am 19.04.2017 von Gast
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Gast
EMDR ist überhaupt nicht nebenwirkungsfrei! Gerade bei Komplextraumatisierten sollte man da sehr sorgfältig damit umgehen und auch andere Methoden sicher anwenden können, um sie kombinieren oder EMDR ersetzen zu können, wenn es bei EMDR zu Nebenwirkungen kommt (und dadurch im schlimmsten Falle zu einer Retraumatisierung). EMDR bei Monotraumatisierten eingesetzt, ist sicher vergleichbarer, da dort mit ganz anderen Voraussetzung gearbeitet werden kann. Da kann man dem Satzteil "im Normfall keinerlei Nebenwirkungen" eher zustimmen. Das ist aber nur eine Gruppe von Traumatisierten. Die andere der Komplextraumatisierten wird da komplett aus der Sichtweise rausgenommen. Diese könnte von jedem neuen zusätzlichen Ansatz profitieren, der Linderung verschaffen könnte (vorausgesetzt solch ein Studienergebnis sei wirklich auf PTBS übertragbar, was mir noch sehr abenteuerlich erscheint).
#11 am 19.04.2017 von Gast
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Gast
Die kommentierte Studie zur Antibiotikumwirkung bei chronischen Rückenschmerzen bestätigt eindrucks voll Erfahrungen aus der Naturheilkunde. Als Neuraltherapeuten kennen wir seit langem die Zusammenhänge zwischen Zahnherden und chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat. Eine bis dato empirisch genutzte Methode ist die Anwendung von Blutegeln bei Schmerzpatienten. Weshalb muß daher eine antibiotische Systemtherapie sein, wenn es die Möglichkeit einer örtlichen Behandlung gibt, die nahezu nebenwirkungsfrei ist? Hp. Gernot Mehlhorn
#10 am 19.04.2017 von Gast
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"Blocking human fear memory with the matrix metalloproteinase inhibitor doxycycline" von Dominik R. Bach et al.; Nature Molecular Psychiatry, doi: 10.1038/ MP.2017.65; 2017 war doch nichts anderes, als die Auslösung eines Pawlow'schen Reflexes bzw. die Untersuchung einer menschlichen Pawlow'schen Angst-Konditionierung ["Here we investigate human Pavlovian fear conditioning"]. Doch wenn 200 mg Doxycyclin oral gegeben werden, verteilt es sich von Kopf bis Fuß, vom Hirn bis zu den Hämorrhoiden sozusagen. Wie diese antibiotisch wirksame Substanz dann wissen soll, dass sie gezielt "leicht schmerzhafte elektrische Reize", das menschliche Angstgedächtnis ["Blocking human fear memory"] und obendrein noch komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) blockieren und therapeutisch lindern soll, bleibt vollkommen schleierhaft. Und potenziell multiresistente Keime würde sie zusätzlich als Beigabe heranzüchten? Vgl. dazu http://news.doccheck.com/de/blog/post/5981-posttraumatische-belastungsstoerung-experimentelle-laborfantasien/
#9 am 19.04.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  4
Vergleichbar mit "Antibiotic treatment in patients with chronic low back pain and vertebral bone edema (Modic type 1 changes): a double-blind randomized clinical controlled trial of efficacy" von Albert HB et al., European Spine J, doi: 22:697–707; 2013 - Wollen uns die Autoren weis machen, alle Patienten mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich bräuchten Rö und radiologisches MRT wg. vertebraler Knochen-Ödeme? Weit über 50% der Patienten heilen unter intensivierter Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Bewegung bzw. REHA Antibiotika-frei aus! Angesichts weltweit zunehmender Bedrohung durch multiresistent-bakterielle Keimbesiedlung, Antibiotika-Missbrauch besonders in der Massentierhaltung, in der Veterinär-, Human- und Zahnmedizin stellt sich mir die Frage, ob undifferenzierte und ungezielte Antibiotika-Therapien bei ebenso fragwürdig-spekulativer wie unkritischer Indikationsstellung von einfachen chron. Rückenschmerzen bis zur PTBS überhaupt eine Existenzberechtigung haben?
#8 am 19.04.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  1
Es wäre hilfreich gewesen, wenn der Autor anstelle von "Mark" konkreter von "Knochenmark", nämlich dem der Wirbelkörper, geschrieben hätte. Denn dieses wird ja durch die Modic-Klassifikation beschrieben. Endgültig verwirrend wird es dann, wenn der Autor schreibt, dass "das Bakterium wahrscheinlich ins Blut und weiter bis ins Innere der Bandscheiben" gelangt. Bandscheiben sind ja nun etwas anderes als Wirbelkörper und, zumindest soweit man dies dem Abstract des zitierten Artikels entnehmen kann, gar nicht untersucht worden.
#7 am 18.04.2017 von Dr. med. Philipp Stachwitz (Arzt)
  2
Die Koinzidenz zwischen Depressionen und viral-bakteriellen Erkrankungen verdient zunehmend mehr an Bedeutung. Gerade schleichende und chronische Entzündungen über längere Zeitperioden führen oft zu einem insuffizienten Immunsystem. Psychoneuroimmunologen fanden in etlichen Fällen Spuren im Gehirn nach scheinbar ausgeheilten oder auch subklinisch-latent verlaufenden chronischen Infekten, z. B. bei Chronic Fatigue-Syndrome (CFS). Diese infektogene These ist in der Ätiopathogenese von chronisch depressiven Erkrankungen also gar nicht so abwegig. Es spielt dabei kaum eine Rolle ob mit psychotischen Symptomen oder ohne. Auch in der Naturheilkunde beobachtet man häufig, dass eine Therapie mit sog. "Pflanzlichen ATB" wie z.B. Notakehl (Penicillium chrysogenum) bei bakteriellen Infekten gleichzeitig auch die depressive Symptomatik rasch verbessern kann.
#6 am 18.04.2017 von Dr. med. Josef Bubla (Arzt)
  2
Prof.Dr.Dr. R.Reichardt
Antibiotika haben in der Psychotherapie überhaupt nichts verloren. Wenn schon, sollte man an Placebo Verordnungen denken. Antibiotika in der Rheumatherapie sind manches mal notwendig, aber mit großer Sorgfalt und Abwägung zu verordnen. Bei den Antibiotika Präparaten ist auch nochmal zu unterscheiden nach. „Bakterizid“ wirkende und „Bakteriostatisch“ wirkende Substanzen. Cautus esto vor zu allzu vielen leichtfertigen Einsätzen , dieser uns so wertvollen Substanzen.
#5 am 18.04.2017 von Prof.Dr.Dr. R.Reichardt (Gast)
  3
@Frau Steinfartz EMDR und andere, neue Verfahren zur Re-Konsilidierung des emotionalen Gedächtnisses (--> Havening) sind sicherlich ein Segen und hilfreich in zahlreichen Fällen - setzen aber zum einen voraus, dass ausreichend Therapeuten mit diesem speziellen Know-How zur Verfügung stehen, zum anderen können sich ja verschiedene Ansätze durchaus ergänzen und im besten Fall Synergien bilden. Zu guter letzt ist es auch nicht von der Hand zu weisen, dass für eine Großzahl der niedergelassenen Ärzte Verschreibungen mit Doxycyclin eher dem gewohnten therapeutischen Weg entsprechen und in vielen Fällen ein rascherer Ansatz für die beiden genannten Problemfelder ermöglicht werden kann. Die PTBS bedürfen vor allem eines: Möglichst schnelle und umfassende Hilfe. Hier liegt leider hierzulande noch vieles im Argen, während in den angelsächsischen Ländern die oben genannten Techniken sich relativ schnell verbreiten sind diese bei weitem nicht so verbreitet – die Chance für neue Ansätze.
#4 am 18.04.2017 von Dipl.-Inf.Wirt Michael Haaker (Psychologe)
  3
Schön Prima Fr Dr Schmidt, jetzt wissen wir, dass vermutlich eine Hemmung der Matrix-Metalloproteasen das (Schmerz-)Gedächnis hemmt, aber was hilft das Personen mit einem PTBS. Maßgeblich eine Rolle zum Entstehen des PTBS sind die Vorbelastungen der Person (Gedächnis), sowie natürlich das Trauma an sich !!
#3 am 18.04.2017 von Horst Rieth (Biologe)
  1
Die vorgestellte Arbeit leistet eine wichtigen Beitrag zur dringend erforderlichen Entwicklung von Psychopharmaka für Traumafolgestörungen. Die Arbeit zielt sicherlich nicht darauf ab Doxycyclin weiräumig zur PTBS-Prophylaxe einusetzen, sondern zeigt einen sehr wichtigen, anzunehmenderweise maßgeblich zur Pathogenese beitragenden molekularen Pathomechanismus der PTBS, in dem die Matrix-Metalloproteinsase eine zentrale Rolle zu spielen schient. Glückwunsch an die Autoren aus dem MPI für Psychiatrie!
#2 am 18.04.2017 von Dr Ulrike Schmidt (Ärztin)
  23
Es ist so traurig, dass da jetzt auch noch Medikamente eingesetzt werden, weil es überhaupt nicht nötig ist. Es gibt das EMDR-Verfahren, das genau das Gleiche bewirkt, nämlich eine Abschwächung der Stress-Reaktion, und dabei im Normalfall keinerlei Nebenwirkungen hat.
#1 am 18.04.2017 von Irene Steinfartz (Heilpraktikerin)
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