Wie gefährlich ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

27.03.2017
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Die Bauchspeicheldrüse ist zwar nur ein kleines Organ, das quer im oberen Bauchbereich direkt hinter dem Magen seinen Platz hat, aber die Drüse ist ungemein wichtig. So produziert der sogenannte endokrine Teil der Bauchspeicheldrüse wichtige Hormone, die den Blutzuckerspiegel regulieren und die dann direkt ins Blut abgegeben werden. Für die ebenso wichtigen Enzyme, die dem Dünndarm dabei behilflich sind, den Verdauungsbrei chemisch aufzuarbeiten, ist hingegen der exokrine Teil der kleinen Drüse verantwortlich. Umso schlimmer ist es, wenn es zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommt, denn die Erkrankung kann unter Umständen sehr gefährlich werden.

Wie kommt es zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Wenn alles nach Plan verläuft, dann werden die Enzyme für die Verdauung aus der Bauchspeicheldrüse erst dann aktiviert, wenn sie den Darm erreicht haben. Kommt es aber zu einer Entzündung, dann werden die Enzyme bereits im Pankreasgang aktiv, bevor sie in den Dünndarm kommen. Die Enzyme greifen in der Folge die Pankreas an, das Organ beginnt praktisch damit, sich selbst zu verdauen, und schließlich entzündet es sich. Ob es sich um eine akute oder um eine chronische Pankreatitis handelt, das hängt immer vom jeweiligen Verlauf der Erkrankung ab.

Die akute Form

Handelt es sich um eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, dann ist immer eine Erkrankung der Gallenwege vorausgegangen. Eine akute Pankreatitis ist extrem schmerzhaft und sehr gefährlich. Zehn bis 20 Menschen von 100.000 sind in Deutschland jedes Jahr von dieser Form betroffen und da Frauen öfter unter Gallensteinen leiden als Männer, sind sie auch die größere Gruppe, die an einer akuten Pankreatitis erkrankt. Die meisten Patienten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt.

Die chronische Form

Wird eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostiziert, dann ist der Auslöser in rund 80 % aller Fälle der Missbrauch von Alkohol. Die chronische Form der Entzündung tritt weniger häufig auf als die akute Form, nur acht von 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer chronischen Pankreatitis. In diesem Fall sind Männer die größere Gruppe, denn sie trinken in der Regel mehr Alkohol als Frauen. Die Patienten, die unter einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse leiden, sind meist zwischen 45 und 54 Jahre alt.

Wie wird eine Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt?

Welche Therapie infrage kommt, das hängt von der Form der Erkrankung ab. Grundsätzlich gilt aber, eine akute Entzündung ist lebensgefährlich und die Patienten müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Oberste Priorität bei der Behandlung hat zum einen eine ausreichende Zufuhr an Flüssigkeit und zum anderen eine Therapie gegen die Schmerzen. Da bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sehr viel Flüssigkeit aus den Blutgefäßen ins Gewebe eindringt, kommt es in den Blutgefäßen zu einem Mangel an Flüssigkeit. In der Folge sinkt der Blutdruck dramatisch ab, es kommt zum Kreislaufversagen und schließlich zu einem lebensbedrohlichen Schock. Über Infusionen bekommt der Patient Flüssigkeit und das muss nach Möglichkeit sehr schnell geschehen.

Welche Medikamente werden verabreicht?

Da eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung sehr schmerzhaft ist, bekommen die Betroffenen in den meisten Fällen sogenannte Opioide mit den Wirkstoffen Buprenorphin oder Pethidin, die in der Regel sehr gut verträglich sind. Oftmals wird zusätzlich noch ein Antibiotikum verabreicht, das bei der Bekämpfung der Entzündung helfen soll. Um die Gefahr einer Thrombose zu minimieren, wird Heparin gespritzt, das die Blutgerinnung hemmt. Noch vor wenigen Jahren war es der Standard, dass Patienten mit einer Pankreatitis komplett auf Nahrung verzichten mussten. Damals ist man davon ausgegangen, dass eine Nahrungsaufnahme in den ersten 48 Stunden die Bildung von Verdauungsenzymen in der Pankreas stimulieren würde, was die Schmerzen und die Entzündung verstärkt hätte. Heute werden die Patienten mittels einer Dünndarmsonde mit Nahrung versorgt und bekommen so ständig eine sehr fettarme Kost. Da die Sonde in der Einmündung der Pankreas liegt, bleibt der Magen leer und die Drüse wird nicht dazu animiert, Verdauungsenzyme zu produzieren.

Bildquelle: depositphotos.com / starast

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.03.2017.

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Medizin, Innere Medizin
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