Kryptopyrrolurie: Wer hat hier den Schaden?

24.03.2017
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„Von der Schulmedizin ignoriert“ ist wohl eines der „Siegel“, das eine unglaubliche Anziehungskraft hat. Immer wieder begegnen mir Patienten, die eine dieser nur den Orthomolekularmedizinern zugänglichen „Stoffwechselstörungen“ haben sollen.

Besonders dramatisch ist es aber gegenwärtig für mich bei einer Patientin mit einer nicht näher bezeichneten Essstörung (EDNOS), die ursprünglich mit der Diagnose Anorexia nervosa in unsere Klinik kam. Wobei sie selber nur indirekt betroffen ist. Sie weigert sich nämlich aus Sicht ihrer Familie, sich „richtig“ diagnostizieren zu lassen. Aber dazu später.

Nun wirkte das Mädchen eigentlich gar nicht typisch anorektisch. Wenn es denn sowas wie „typisch“ in diesem Zusammenhang überhaupt gibt. Mit „untypisch“ meine ich, dass sie angab, nichts mehr essen zu können, weil sie das nicht dürfte. Sie wolle aber durchaus. Sie könne aber nicht.

Eine eingebildete Stoffwechselstörung?

Sie müsse soviel Rücksicht auf eine unheimliche Stoffwechselstörung nehmen, unter der ihr 22-jähriger Bruder und wohl auch die Mutter leide. Es sei einfach kein Raum mehr für normales Essen, denn die Familie müsse die meisten Lebensmittel wegen Unverträglichkeiten weglassen.

Offenbar schüchterte uns diese traurige Mitteilung irgendwie ein, als wir die Patientin aufnahmen, sodass gar nicht weiter nachgefragt wurde, welches Schicksal denn diese Familie getroffen haben könnte. Immerhin hat ihr Bruder deshalb (?) seine Ausbildung zum zweiten Mal abgebrochen und vegetiere seither zu Haus vor sich hin. Ledliglich Fernsehen und Computerspielen würde noch möglich sein. Die Mutter kümmere sich nun schwerpunktmäßig um ihn. Sie sei jetzt aber auch schon so schwach, dass die Tochter in die Rolle der Versorgerin einsteigen müsse.

Rücksicht auf ein Phantom

Meiner Patientin vermittelte man nun, sie solle ein wenig Rücksicht auf die Erkrankung der Familienangehörigen nehmen, nicht so eigensinnig nur ihre eigenen Interessen oder die weitere Schulausbildung in der 11. Klasse des Gymnasiums in den Vordergrund stellen.

Und so wurde die Patientin körperlich immer „weniger“ und kam dann über eine Kinderklinik zur stationären Behandlung zu uns – was laut Mutter total überflüssig sei. Schließlich belege die Gewichtsabnahme, dass die Stoffwechselstörung bestehe und der Körper die falschen Nährstoffe nicht verarbeiten bzw. entgiften könne.

Die Tochter „weigere“ sich, sich hinsichtlich dieser Stoffwechselstörung diagnostizieren und behandeln zu lassen und beharre darauf, an einer Depression und Essstörung zu leiden. Das kann ihre Familie nun überhaupt nicht nachvollziehen. Der Tochter fehle es doch nicht an Liebe oder Essen und schließlich sei in der Familie doch eine unheimliche Stoffwechselstörung bekannt, die doch hinreichend alle Probleme erklären könnte.

Die Mutter konnte wegen ihrer eigenen Schwäche und der Versorgung des 22-jährigen Bruders die Tochter nicht zur Aufnahme begleiten, weshalb wir von dieser „Vorgeschichte“ zunächst gar nichts wussten.

Geheimnisvoller Stoffwechselfluch

In einer der letzten Visiten traute ich mich endlich, einmal genauer nachzufragen, welche unheimliche Stoffwechselstörung denn da die Familie im Griff habe. Die Patientin selber konnte dazu zunächst gar nichts sagen. Dann fielen ihr drei Buchstaben ein, mit denen Sie aber auch keinen Inhalt verbinden konnte, sie wusste nur, dass es wohl eine Stoffwechselstörung ist. 

Was für ein Wort, oder? Auch Kryptopyrrolurie (KPU) genannt, der Begriff ist eigentlich noch schöner, wenn man an Verschwörungstheorien jenseits der Schulmedizin glauben will. Die HPU/KPU-Problematik ist angeblich DIE Ursache für eine Reihe von chronischen Erkrankungen. Oder eben eine Pseudokrankheit. Je nachdem, wie sehr man an Verschwörungstheorien glaubt.

Es gibt sogar einen „Erfinder“ dieser Krankheit, der auch gleich ein eigenes Geschäftsmodell zu seiner Krankheit verbreitet. Ich möchte ihn hier aber nicht weiter „huldigen“.

Die Alles-Erklärung

Die Symptome der mysteriösen Stoffwechselerkrankungen reichen von A-Z und umfassen so ziemlich jede Befindlichkeitsstörung, die ein Mensch haben kann. Einschließlich Zucker- und Nahrungsunverträglichkeiten oder Probeme mit dem Menstrukationszyklus. Aber natürlich auch Antriebsschwäche, Schlafstörungen, Müdigkeit, Depression und natürlich Hyperaktivität bei Kindern; Kopfschmerzen oder Schilddrüsenerkrankungen werden neu erklärt. Und Übergewicht natürlich auch. 

Eigentlich gibt es seitens der ungläubigen Schulmedizin auch schon längst eine umfassende Stellungnahme in Form einer Empfehlung des Robert-Koch-Instituts , die sich bereits 2007 mit dem Thema Kryptopyrrolurie auseinandersetze. Aber diese Publikation wird einfach nicht zur Kenntnis genommen oder in den Weiten des Internets schlicht nicht gefunden, da andere Webseiten der Anbieter die Suchmaschinenplätze 1–10 einnehmen.

Diagnostik beim Heilpraktiker und/oder Orthomolekularmediziner

Dafür findet man spezielle Online-Fragebögen (kostenlos) oder einen Urin-Test für schlappe 53 Euro, der diese Störung nun zweifelsfrei feststellen kann. Ein HPU-Screening kostet lausige 150 Euro. Aber selbstredend sollte man es dabei nicht belassen und lieber weiter orthomoleklarmedizinisch nach Unverträglichkeiten/ Allergien suchen lassen, was dann mit 327 Euro zu Buche schlägt, so jedenfalls die Preisliste einer der Anbieter.

Dazu kommen die Kosten für den Orthomolekularmediziner, den die Mutter und der Bruder regelmäßig aufsuchten. Mir sind aber auch Patienten bekannt, die locker 2500–3000 Euro beim Heilkpraktiker für eine solche ganzheitliche Diagnostik ließen.

Leider konnte sich die Familie eine Behandlung dann nicht mehr leisten. Die Schulmedizin hat nicht geholfen und das Medikament Kryptosan hat zufällig nicht angeschlagen. Dafür war es aber laktose- und glutenfrei. Und natürlich vegan. Und natürlich nebenwirkungsfrei. Aber jetzt sei man machtlos.

Das Medikament ist im Prinzip ein Vitaminpräparat mit B-Vitaminen und Zink. Kann man ja nehmen, muss man aber nicht. Für etwas weniger als 40 Euro (120 Kapseln) zumindest kein Schnäppchen. Oder Wucher, wenn man sich die Vergleichspreise in der Drogerie um die Ecke anschaut.

Der Orthomolekularmediziner hatte also angeboten, weitere Diagnostik über Kinesiologie und weitere Laboruntersuchungen zu machen. Aber dafür war kein Geld mehr da.

Dilemma der Therapie 

Wie so häufig ergibt sich hier eine Zwickmühle in der Therapie – sowohl für die Patientin selbst als auch für uns. Wenn ich mich gegen die Familie (Mutter, Bruder) stellen und von einer „Peudokrankheit“ sprechen würde, verspiele ich mir die Chance auf Kooperation. Immerhin gibt es ja einen realen Leidensdruck, auch wenn ich die Ursachen dafür auf ganz anderen Ebenen vermute.

Zudem „können“ die Betroffenen ja scheinbar gar nicht zum Familiengespräch kommen, da dieses immer wieder mit Hinweis auf die „Erkrankung“ abgesagt werden. Selbst wenn ich hier eine Funktionalität der Störungen annehme, ist dem Mädchen als Index-Klient in diesem System doch noch lange nicht geholfen.

Mit ihr selber zu arbeiten ist auch schwierig. Dann müsste sie sich ja GEGEN ihre Mutter und ihren Bruder stellen, was sie noch stärker zum Außenseiter machen würde. Durch die Erkrankung der Familie bzw. die Rücksichtnahme hatte sie sich sowieso schon immer weiter aus sozialen Bezügen zurückgezogen. Ihre eigene Essstörung bzw. depressive Entwicklung erschwert die Übernahme von Selbstständigkeit in der Autonomie-Entwicklung zusätzlich.

Die Idee eines Betreuten Wohnens oder von Hilfsangeboten für die Familie lehnt sie noch ab. Gibt es Ideen, wie man ihr helfen könnte, aus diesem Konstrukt auszusteigen?

 

Bildquelle: phototoast, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.03.2017.

61 Wertungen (4.18 ø)
11668 Aufrufe
#30 war übrigens auch ich. Falsch geklickt..
#31 am 27.03.2017 von Nikolai Menzel (Heilpraktiker)
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@Fr. Diederichs: es gibt vielfältige biografische Gründe, wieso man zum HP kommen kann. Natürlich ist das HP-Gesetz fragwürdig aber die Zulassung ist, das sollten wir nicht vergessen, staatlich und legal!
#30 am 27.03.2017 von Nikolai Menzel (Heilpraktiker)
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Gast
Es ist ja nicht so, dass es keine Ärzte gibt, die Blödsinn anbieten oder KPU therapieren. Zugegeben, mangels gewichtiger Alternativen sind es in erster Linie die HP. Am Ende ist es aber eine Entscheidung und eine Frage der Haltung (Redlichkeit). Es ist keine rechtliche Frage der Berufszulassung.
#29 am 27.03.2017 (editiert) von Gast
  1
Gast
#28: Stimmt genau, auf beiden Seiten gibt es Leute die sich überschätzen, aber auf der einen Seite sind die Leute wenigstens gut ausgebildet und versuchen nicht, Mittel gegen imaginäre Krankheiten zu verkaufen.
#28 am 26.03.2017 von Gast
  3
Gast
Ich kann es nicht glauben- man dachte die Lanze zwischen HP und Arzt wäre gebrochen. Auf beiden Seiten gibt es Menschen die sich Überschätzen- aber auch welche die sich ständig weiterbilden im Dienste für die Menschen. Schäden fügen sich die Menschen zu wenn Sie selbst ohne Plan therapieren und meinen auch nicht darüber zu reden. Ich HP und mein Mann Arzt kennen genau unsere Zeit und Grenzen .
#27 am 26.03.2017 von Gast
  0
#25+26 Es ist ganz einafch, einen seriösen Heilkundigen zu erkennen, nämlich an seiner ärztichen Approbation. Wer sich nicht einmal die Mühe macht, ein ordentliches Medizinstudium zu absolvieren, nimmt die Heilkunde nicht ernst genug.
#26 am 26.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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@ #25: Sie haben recht. Wobei es teilweise sehr schwierig ist (auch für Profis) zwischen Scharlatanerie und vernunftsbasierter Naturheilkunde zu unterscheiden. Am Ende bleibt es oft Auslegungssache. Warum trauen Sie sich nicht unter Ihrem Namen zu schreiben? Welche Methoden wenden Sie an?
#25 am 26.03.2017 von Nikolai Menzel (Heilpraktiker)
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Gast
In Namen aller gut ausgebildeten Heilpraktiker, die eben gerade nicht esoterisch behandeln, weise ich auf die Sorgfaltspflicht des HP hin, die in obigem Falle die Überweisung zum Facharzt hätte einschließen müssen und nicht die Behandlung mit obskuren Wundermitteln. Eigentlich könnte man streng genommen hier auch von einer Gefährdung für die Volksgesundheit ausgehen, was den Entzug der Erlaubnis rechtfertigen würde. Hier müsste man meiner Meinung nach deutlich intensiver angreifen. Um die überwiegende Mehrheit der HPs zu schützen, die jeden Tag ihr Bestes am Patienten geben und sich um Zusammenarbeit mit den anderen Heilberufen bemühen, muss gegen Scharlatane und Quacksalber mit aller Härte des Gesetzes durchgegriffen werden. Pendeln, Pyramidenheilung, Bachblüten, Homöopathie...das alles ist Esoterik und hat in der seriösen Naturheilkunde nix verloren.
#24 am 26.03.2017 von Gast
  5
Gast
Es wäre wirklich schön, wenn hier nur sachdienliche, fachgeleitete und evidenzbasierte Statements veröffentlicht würden, statt ein Forum für esoterische Spinner bieten. Schließlich heisst es doch auch "DocNews".
#23 am 26.03.2017 von Gast
  2
Hi, erkennen Sie die Krankheit an, machen Sie aber klar, dass eine Elftklässlerin nicht die Verantwortung für die Betreuung übernehmen kann. Das ist so ähnlich wie mit den psychischen Erkrankungen, da kann man den Grund " Nachbar beeinflusst mich per Fernbedienung" für Unsinn halten, was aber auf jeden Fall ernst zu nehmen ist, ist die Angst des Patienten. Die Angst ist real. So sind auch die Angst und der schlechte Gesundheitszustand der Familie real - das ist aber abzutrennen, wie weit die Tochter Unterstützung leisten muss. Sagen Sie der Familie auch ruhig, dass es ihr Ihrer Meinung so schlecvht geht, dass sie professionelle Hilfe braucht. Die junge Frau, die sich auf ihr Abitur konzentrieren muss, ist überfordert. Eventuell kann sie zu anderren Familienangehörigen, Freunden oder in eine Wohngruppe ziehen, um Absstand zu gewinnen.
#22 am 25.03.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Das ist jetzt so ein Artikel, da könnte ich die DocNews grad abbestellen. Der eine so arrogant und überheblich wie der andere. Übrigens: die Erde ist eine Scheibe...
#21 am 25.03.2017 von Gast
  23
Gast
Ihre Grünzeugempfehlung hat jetzt mit der verfahrenen familiären Situation der jugendlichen Patientin was genau zu tun? Oder ging es nur darum, hier einen Link plazieren zu können...
#20 am 25.03.2017 von Gast
  3
Ein faszinierender und zugleich schauerlicher Fall. Aus meiner Sich hilft hier nur einfühlsam und vorsichtig, aber dennoch bestimmt Klartext zu reden und die dysfunktionalen Familienstrukturen aufzubrechen. Hier stehen sie vor einer großen Herausforderung.
#19 am 24.03.2017 von Dr. med. Jan Schiefer (Arzt)
  1
Gast
Na endlich nimmt die Diskussion Fahrt auf: Psychiater doof, alle Heilpraktiker werden über einen Kamm geschoren und es wird mit Dr. Kuklinski ein "Vorbild" präsentiert, welches zumindest, nun, kontrovers diskutierte Thesen vorbringt (bislang glaubte ICH zumindest, daß ein instabiles Genick keinen Mitochondrienschaden, sondern akute Lebensgefahr verursacht). Nachdem Dr. Rocke also bewiesen hat, daß er nicht nur schlauer als der Blogautor und die Diskutanten ist, sondern auch besser Bescheid weiß (toll!), meine Frge: FALLS an den Thesen um Hämopyrrollaktamurie (HPU) oder Kryptopyrrolurie (KPU) etwas dran sein sollte, warum wird es nicht seriös erforscht? In Pubmed als für mich wichtigster Datenbak habe ich rein gar nichts gefunden! Soll ich jetzt etwa an eine bösartige Verschwörung denken? Der Nachweis eines Nährstoffmangels wäre doch so einfach! Oder könnte es halt doch sein, daß in den letzten Jahren schlicht und ergreifend nichts erforscht wurde, weil es nichts zu erforschen gab?
#18 am 24.03.2017 von Gast
  3
Gast
Leute, Leute! Was geht denn hier ab? Von manchen (!) HP bin ich ja schon einiges gewohnt, aber die Art und Weise, wie sich hier Ärzte im Umgang miteinander gerieren, ist erbarmungswürdig. Was für ein Bild über unseren Berufsstand entsteht daraus in der Öffentlichkeit!
#17 am 24.03.2017 von Gast
  0
Für Psychiater in der Runde hätte ich einen Buchtipp: https://www.amazon.de/Tödliche-Psychopharmaka-organisiertes-Leugnen-Pharmaindustrie/dp/3868837566 Dann wird es ganz schnell still im Psychopharmaka-Dschungel und die ewig gleiche Leier "ich habe in meinen x Jahren Kliniktätigkeit sehr gute Erfolge mit SSRU/SNRI" verliert bei n=1 an statistischer Gültigkeit. Und eine Familie mit irgendwelchen Psychodiagnosen aus der Hüfte zu diffamieren ist mehr als umethisch, werte Kollegen. Wir wissen so wenig vom Menschen, also immer schön bescheiden bleiben. Die Regeln der Chemie und Biochemie, die wir studiert haben (im Gegenteil zu den meisten Unheilpraktikern, die hier in DocCheck (doc=Arzt!) herumpalavern, sollten wir auch anwenden, um Unbekanntes aufzuklären - aber Psychiater waren vermutlich in eben diesen Fächern nicht besonders erfolgreich und wehren sich gegen neurobiologische Ansätze. Update: auch die Darmflora spielt eine Riesenrolle bei Depressionen, Ängsten, Essstörungen!
#16 am 24.03.2017 von Dr. med. Anatol Rocke (Arzt)
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Der Artikel hat mich bestürzt, allerdings ob seiner grenzenlosen Arroganz und Unkenntnis. Das Thema HPU (was nicht synonym mit KPU verwendet werden sollte) ist sicherlich noch nicht ausreichend erforscht aber der uralte RKI-Artikel von 2007 kann doch nicht ernsthaft ihr Hauptargument gegen die Möglichkeit einer derartigen Erkrankung sein? Ich habe mich in den letzten Jahren auf die Mikronährstofftherapie spezialisiert und führe täglich ergänzend zu Anamnese und Untersuchung Vollblutanalysen u.a auf Zink, B6 und Mangan durch und finde sehr wohl wiederkehrende Muster. Ich habe die HPU-Diagnostik nicht vertieft, da die Therapie letztlich im Ausgleich der o.a. Defizite bzw. in der Stressmedizinischen und mit.Medizinischen Therapie liegt. Nach Dr.Kuklinski ist der Komplex HPU ein Symptom einer mitochrondrialen Dysfunktion und kann auch erworben werden. Typisch: Die Kollegen, die am wenigsten biochemische Ahnung haben (Psychiater) reissen Ihre Klappe mal wieder am weitesten auf...
#15 am 24.03.2017 von Dr. med. Anatol Rocke (Arzt)
  20
Gast
Nicht von allen Heilpraktikern, aber Herr Dr. Reinwald hat es mit http://www.psiram.com/ge/index.php/Mikro-Energie-Therapie_nach_Reinwald immerhin zu einem Psiram-Eintrag geschafft. Ach ja, Herr Dr. Reinwald: Selbst wenn der RKI-Artikel nicht verlinkt gewesen wäre, nach Eingabe von "robert koch institut kryptopyrrolurie" wird er bei Google als erstes Suchergebnis angezeigt. Dazu muß man allerdings die hochkomplexe Bedienung der Webseite Google erst einmal durchschaut haben. Das hat bei mir etwa 0,5 Sekunden gedauert, im Falle der KPU kann es sich wahrscheinlich aber auf Jahre ausdehnen. Gute Genesung bis dahin, und: Auch Sie werden es bestimmt schaffen!
#14 am 24.03.2017 von Gast
  7
Wir schütteln hier den Kopf über das Ausmaß der Scharlatanerie. Aber im Grunde beginnt der ganze Wahnsinn doch viel früher bei den ganzen, von ihren Protagonisten apodiktisch verbreiteten Ernährungsmoden [ (roh)vegan, paläo, frutarisch, low/no irgendwas...), Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminpillchen, "Superfoods" etc. Das einzig "Gesunde" daran ist die Geschäftsidee.
#13 am 24.03.2017 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
  8
Gast
Man fragt sich, ab welchem Punkt die Tätigkeit eines Heilpraktikers als Körperverletzung zu betrachten ist!
#12 am 24.03.2017 von Gast
  17
Gast
Das *Kind* ist fast erwachsen, bedient sich ( vermutlich fast unbewusst ) der, für sie gut zu instumentalisierenden Diagnosen und drückt damit ihre Hilflosigkeit aus. Hier würde ich ansetzen. Die eigene Hilflosigkeit in einer Art thematisieren, die ehrlich ist und aufzeigt, dass die Grenzen genau da liegen wo die Patientin aus nachvollziehbaren Gründen keinen Weg sieht oder zulassen kann. Sie wertschätzend in die Verantwortung für ihr Leben zu nehmen ist möglich und sei es auch über den Umweg über das Verantwortungsgefühl für die Angehörigen. Es gibt an dieser Stelle ja wenig zu verlieren. Die Patientencompliance die über den Weg der Direktheit und Ehrlichkeit der Ärzte und Therapeuten geweckt wird ist die beste Basis.
#11 am 24.03.2017 von Gast
  2
Hi Martin, das klingt verdächtig nach Münchhausen-Stellvertretersyndrom. Ich würde in diesem Themenfeld nach Therapieempfehlungen suchen. Um das Risiko, die Mutter vor den Kopf zu stoßen, wirst Du vermutlich nicht ganz drum herum kommen. Abgesehen davon würde ich versuchen, das ganze insoweit aufzugreifen, als daß ihr selber ein Laborprofil erstellt, das als neue Grundlage für eine speziell an die Patientin angepaßte Diät verwendet wird ...;) Wenn es dem Mädchen dann hoffentlich besser geht, könntet Ihr im nächsten Schritt versuchen, diese neue, verbesserte Therapie auch den anderen Familienmitgliedern zukommen zu lassen.
#10 am 24.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  2
Was dieser Patientin möglicherweise helfen könnte das Phantom (KPU) als solches zu durchschauen ist vielleicht nur das: Wissen. Vielleicht kann man die junge Frau ermutigen sich differenziertes Wissen zu dem Thema anzueignen. Z. B. in Form von Recherchehausaufgaben: Bitte lesen Sie sich mal den Wikpedia-Artikel zur KPU durch. Und beim nächsten Mal: Recherchieren Sie mal das Thema Heilpraktiker/Alternativmedizin. Möglicherweise kann sich das Mädchen selbst eine Meinung bilden bzw. diese entwickeln.
#9 am 24.03.2017 von Nikolai Menzel (Heilpraktiker)
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Die Patientin ist in der 11.Klasse, also (fast) erwachsen. Sinnvoll wäre eine gute Psychotherapie (@7: Systemische Therapie fällt nicht unter die Richtlinienpsychotherapien und wird daher von den Kassen nicht übernommen). Da die Patientin selbst schon der Überzeugung ist, dass sie unter keiner Stoffwechselerkrankung, sondern unter einer psychischen Symptomatik leidet, möchte ich aus der Ferne von einer guten Prognose ausgehen. Ohne Psychotherapie wird es sicherlich schwierig, da die Patientin ja permanent (implizit oder explizit) Schuldgefühle eingeredet bekommt, ihre schulische/ berufliche Zukunft gerade stark beeinträchtigt wird und sicherlich auch ihr Sozialleben unter der familiären Konstellation leidet.
#8 am 24.03.2017 von Jennifer Casper (Psychotherapeutin)
  2
Gast
Das ist hier ein typischer Fall von systemischen Verstrickungen. (Siehe Kommentar Nr. 2) Die Kinder sind loyal der bedürftigen Mutter gegenüber und können / dürfen daher nicht selbstständig und erwachsen werden, da die Mutter sonst auf sich allein gestellt wäre. Der Tochter könnte man mit einer Systemischen Familientherapie weiterhelfen. Ihre Krankenkasse könnte Auskunft über eine Kostenübernahme und geeignete Therapeuten geben.
#7 am 24.03.2017 von Gast
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Gast
@ Dr. Reinwald: einfach dem link im Artikel folgen statt sich gleich diffamiert zu fühlen!
#6 am 24.03.2017 von Gast
  0
Die Empfehlung des Robert-Koch-Insituts ist im Text verlinkt, hier aber auch noch mal der Link dazu: http://www.apug.de/archiv/pdf/krypto-pyrrolurie.pdf
#5 am 24.03.2017 von DocCheck News Redaktion (Mitarbeiter von DocCheck)
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Matthias N.
Guten Tag. Nach der Falldarstellung würde ich eine Differentialdiagnose vorschlagen: Folie à deux bzw. Folie à famille. Die Mutter erscheint psychisch krank, durchaus härter interpretierbar i.S. einer wahnhaften Störung, bzw. überwertigen Idee. Die abhängigen Familienmitglieder, hier die Patientin, scheinen mit einbezogen und anteilig wahnhaft zu sein. Diese Differentialdiagnose würde ich abklären, insbesondere ob o.g. tatsächlich eine wahnhafte Störung bei der Mutter vorliegt. Sollte sich das herausstellen, könnte der Patientin Psychoedukation gut helfen, die psychische Erkrankung der Mutter zu verstehen und sich von dem Wahn zu distanzieren. Mit freundlichen Grüßen.
#4 am 24.03.2017 von Matthias N. (Gast)
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warum stellen Sie denn die RKI Studie nicht als Anhang ins Netz, ansonsten nur diffamierendes Geschwafel
#3 am 24.03.2017 von Dr. Heinz Reinwald (Heilpraktiker)
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Gast
Zuaammen mit aystemischem familientherapeuten den Loyalitätskonflikt thematisieren und die Bindungen verstrickungen hinterfragen. Ressourcen stärken, eigenständigkeit fördern, schuldgefühle abbauen...naja, ein langer, aber gangbarer Weg. Sie wird ja im Grunde ausgeblendet und versucht die Bindung nicht zu verlieren. Was ist da systemisch los? Auch in vorgenerationen? Kleine Inspirationen...
#2 am 24.03.2017 von Gast
  1
Gast
Oh wacke! Keine Ideen, nur die demütige Erkenntnis, daß dies einer der Fälle ist, die einen kopfschüttelnd und betroffen zurücklassen, ohne daß wir helfen können. Allenfalls das Angebot eines niederschwelligen Zuganges zum Therapeuten, wenn die Situation zwischen der Patientin und ihrer Familie gar nicht mehr "auszuhalten" ist.
#1 am 24.03.2017 von Gast
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