Genitale Schönheit

08.09.2009
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Wer wie Urologen oder Gynäkologen berufsbedingt viele Patient(in)en tagtäglich genital untersucht, der weiß aus eigener Anschauung, dass die Variationsbreite des Normalen bezüglich Größe, Form, Schambehaarung usw. des äußeren Genitale sehr groß ist: Es gibt große und kleine, dicke und dünne sowie gerade und gekrümmte Penisse oder größere und kleinere Hoden oder lange und kurze Skrota oder auch große und kleine, lange und kurze Schamlippen oder große und kleine Vaginae.

In letzter Zeit gibt es jedoch, zuminstest wenn man diversen Berichten der Boulevard-Journalisten in der Yellow Press oder im Fernsehen glauben darf, einen Trend zur genitalen Schönheitschirurgie, vor allem bei Frauen. Man könnte meinen, der Markt für Brust-, Bauch- und Gesichtsoperationen sei weitgehend abgegrast und es werden daher neue Betätigungsfelder für "ästhetische" Chirurgie gesucht. Wie der Wunsch nach genitaler "Schönheit" zustande kommt, bleibt aus meiner Sicht offen. Vielleicht spielt der Trend der Intimrasur hier eine Rolle, der Dinge offen sichtbar macht, die sonst unter der Schambehaarung verborgen bleiben.

Über den Sinn oder vielmehr Unsinn von Penisvergrößerungsmaßnahmen habe ich an dieser Stelle bereitsaus meiner urologischen Sicht berichtet.

Aber auch die Korrektur der Schamlippen erscheint mir mindestens genauso unsinnig. Zum einen verändern sich die Labien im Laufe des Lebens: Sie werden mit zunehmendem Alter größer. Auch Geburten verändern das Aussehen des Genitale. All dies hat keinen Krankheitswert. Auch die Sexualität wird dadurch in der Regel nicht beeinträchtigt. Und der Mehrheit der Männern dürfte das Aussehen der Vulva meistens egal sein, auch wenn man -- je nach persönlichem Geschmack -- das eine odere andere vielleicht attraktiver findet.

Mir scheint, hier wird zum Teil einem irreführenden Ideal nachgeeifert, das uns zum Beispiel von der Pornoindustrie vogegeben wird. Vielleicht spielt auch der gesellschaftliche Trend, möglichst in jedem Alter jugendlich zu erscheinen eine nicht unerhebliche Rolle. Provozierend gesagt, ist eine unbehaarte Vulva mit kleinen Schamlippen ja eigentlich ein Merkmal körperlicher sexueller Unreife, sozusagen präpubertär und damit jugendlich. Auch wissen, glaube ich, die wenigsten Patient(in)en, was eigentlich alles normal ist. Und die mögliche Komplikationen und Spätfolgen solcher Intimoperationen werden meist ausgeblendet. Darüber können wahrscheinlich Gynäkologen ein Lied singen.

O tempora o mores

 

Titelbild: © Thomas Weiss & Alexander Hauk / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.12.2013.

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