Zeit ist Augenlicht

20.03.2017
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Madame P. ist den Tränen nahe. Dr. Aube gibt sich alle Mühe, aber ihre Patientin lässt sich nur schwer trösten. Wie auch. Sie hat gerade erfahren, dass wir sie nicht heilen können und trauert um den Verlust ihres Augenlichtes. Und das im jungen Alter von 48 Jahren.

Trüber Status Quo

Gerade hat Madame P. verstanden, dass sie durch die Behandlung nicht ihre volle Sehkraft wiedererlangen wird. Die Ärztin kann mit der medikamentösen Therapie nur dafür sorgen, dass zumindest der Status Quo aufrecht erhalten bleibt.

Bei frühzeitiger Diagnose kann der Augeninnendruck mittels regelmäßiger Gabe von Augentropfen oder auch einer chirurgischen Intervention in Schach gehalten werden. Madame P. ist leider erst viel zu spät beim Augenarzt vorstellig geworden. Wie viele Patienten in meinem Uni-Krankenhaus hat sie afrikanische Wurzeln und lebt noch nicht lange in Frankreich. Nicht immer hatte sie problemlos Zugang zu medizinischer Versorgung.


Hilfe zur Selbsthilfe

Beim Sehtest hat Madame P. selbst Buchstaben von einer Größe von etwa 10 cm aus einer Entfernung von 3 m nur erahnen können. Und statt die zum Abschied ausgestreckte Hand der Ärztin zu schütteln, ist sie fast dagegen gelaufen, weil ihr Sichtfeld so stark verkleinert ist. Gut, dass Dr. Aube sie für ein Programm angemeldet hat, in dem sie lernt, sich im Alltag weiterhin gut zurechtzufinden und so lange wie möglich autonom zu bleiben.

Eine Früherkennungsuntersuchung für das Glaukom wird in Deutschland ab dem 40. Lebensjahr empfohlen, ist aber eine Leistung, die der Patient nicht von seiner Krankenkasse erstattet bekommt. Auch in Frankreich gibt es kein nationales Früherkennungsprogramm. In unserer Klinik findet immerhin ein Aktionstag im Jahr statt, an dem Patienten kostenfrei ihre Augen untersuchen lassen können. Bestimmt gibt es so etwas in Deutschland ebenfalls.

Prävention: Es ginge deutlich mehr

Auf der Internetseite der TK ist zu lesen, dass nicht erforscht sei, ob ein bundesweites Programm zur Prävention sinnvoll wäre. Dabei gehe es zum Beispiel darum, ob möglicherweise falsch positive Befunde entstehen könnten.

Aus meiner Sicht ist dieses Argument in diesem Fall allerdings nicht besonders schlagkräftig. Denn für die Messung des Augeninnendrucks gibt es zwei Möglichkeiten, die eine (per Luftstrahl) ist etwas ungenauer, könnte aber vermutlich gut als Screening eingesetzt werden und somit alle „verdächtigen“ Patienten herausfischen. Die andere (per Druckstempel) ist genauer, bedarf aber ein klein wenig mehr Training desjenigen, der die Maschine bedient und könnte bei all denen angewendet werden, die in der ersten Untersuchung auffällig geworden waren.

Ob es dann wirklich noch Leute gäbe, bei denen nur fälschlicherweise ein Glaukom diagnostiziert wird? Das kann ich mir nicht vorstellen. Vermutlich spielen wirtschaftliche Überlegungen die größere Rolle.

 

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Bildquelle: s pants, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.04.2017.

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Obwohl ich Medikamente nehme, die dafür bekannt sind, den Augeninnendruck zu erhöhen, ist es dennoch keine Kassenleistung. Ich bezahle also IGEL, aber wie viele psychisch Kranke haben schlicht die 18 - 20 Euro nicht.
#10 am 07.04.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Nachtrag zu #8: Man findet Ihre Beiträge insbesondere häufig bei themenfremden Artikeln.
#9 am 07.04.2017 von Gast
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Gast
Herr Laudenbach, befinden sie sich auf einer persönlichen Vendetta gegen sämtliche Antihypertensiva u.Ä.? Denn es finden sich regelmäßige Beiträge zu ebendiesen, die vor Unwahrheiten und Rechtschreib- und Grammatikfehlern nur so strotzen. Vielleicht widmen Sie sich anderer Lektüre oder nutzen Ihre Zeit sinnvoll.
#8 am 07.04.2017 von Gast
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Wie schön wäre es doch, wenn wir auch hier eine klare Evidenz hätten wie etwa für die Koloskopie/Darmkrebsvorsorge. "Otto Normalbürger" steht da, wie der "Ochs vor dem Tor" und kann überhaupt nicht beurteilen, ob und wann er in die Glaukom-Vorsorgeuntersuchung investieren soll.
#7 am 07.04.2017 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
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Wieder ein Betrug; Glaukom wird, so Ärzte der bekannte UKT Augenklinik ab 35 mbar Augeninnendruck behandelt. Ab 27 mbar Augeninnendruck wird der Patient zur 1/4 jährlichen Augeninnendruck Kontrolle eingeladen. Leider: Viele Ärzte behandeln Glaukom ab Augeninnendruck um 22-24. Folge: 3 x täglich Augentropfen gegen Glaukom die Wirkstoffe der Betablocker beinhalten. Sie begrenzen die Herzfrequenz (Puls) auf 89. Mehrfach mittels Kardiogen-Rad Leistungstest nachgewiesen! Tja; auf Grund Schlafapnoe (Ersticken im Schlaf, was man selbst nicht feststellen kann), nach ca. 9 monatiger Anwendung der Tropfen; Schlaganfall. flc@live.de;
#6 am 06.04.2017 von franz laudenbach (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Lese immer gerne die Kommentare von Herrn Dr. Schätzler, aber hier stelle ich mir die Frage, ob ich etwas übersehen habe ? Zitat:"Danke für die Darstellungen der Glaukom-Vorsorge als Ausschluss-Diagnostik, der Glaukom-Früherkennung als Anfangsdiagnose zur besseren Behandelbarkeit und das klinische Glaukom-Beispiel eines fortgeschrittenen Stadiums mit drohender Erblindung." Ich sehe diese Darstellungen nicht bzw. nur im Ansatz. Dies hat für mich keinen positiven Informationswert (vorsichtig ausgedrückt). Das Beispiel bringt auch kein Licht ins Dunkel (verharmlosendes Wortspiel in Bezug auf den Sachverhalt, also bitte nicht zu ernst nehmen). Ich werfe noch eine überspitzte Frage in den Blog: Wieso habe ich ein Glaukom, wenn der Wert meiner Augendruckmessung über einem Schwellenwert liegt ? P.S. Die Fragen sind natürlich nicht an Herrn Dr. Schätzler gerichtet, ich habe nur seine Einleitung für meine Kritik übernommen, alles andere was er schreibt ist, wie immer, super herausgearbeitet !
#5 am 06.04.2017 von Gast
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Danke, Herr Dr. Schätzler für die gute Darstellung , wie schizophren unser Gesundheitssystem sein kann.
#4 am 06.04.2017 von Robert Wagner (Heilpraktiker)
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Flüchtiger Leser
An meinem letzten Wohnort war nicht die Untersuchung das Problem, sondern der Termin. Termine wurden nur im aktuellen Quartal vergeben, waren aber schon am 3 Tag alle voll. Telefonisch kam man nie durch, man musste also die Zeit haben persönlich hinzugehen oder jemanden schicken können.
#3 am 06.04.2017 von Flüchtiger Leser (Gast)
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Forts. von # 1 Wegen des "Wirtschaftlichkeitsgebotes" sind im SGB V viele Leistungen/Inanspruchnahmen bei erhöhter Erwartungs- und Anspruchshaltung der Patientinnen und Patienten wie z.B. Glaukom-Vorsorge und -Früherkennung eben nicht einlösbar. Gleichzeitig haben GKV-Krankenkassen selbst eine begehrliche Begrifflichkeit: "AOK-Die Gesundheitskasse", "BIG-gesund", "DAK Gesundheit ,"E-HEALTH-Card" etc. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-MDS) formuliert zum Thema Vorsorge, Prävention und Früherkennung des Glaukoms (grüner Star) Unlogik: Er bestätigt einerseits, dass zur Prävention des Glaukoms eine IGel-Leistung erforderlich, angemessen und sinnvoll ist und keine GKV-Leistung sein darf. Andererseits laut MDS spitzfindig: Bei Verdacht sei eine Glaukom-Untersuchung Krankheits-Diagnose und deshalb GKV-Leistung? Die als ineffektiv verteufelte IGeL-Glaukom-Vorsorge wird manipulativ zu einem eminent wichtigen GKV-Leistungskriterium hochstilisiert.
#2 am 20.03.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Danke für die Darstellungen der Glaukom-Vorsorge als Ausschluss-Diagnostik, der Glaukom-Früherkennung als Anfangsdiagnose zur besseren Behandelbarkeit und das klinische  Glaukom-Beispiel eines fortgeschrittenen Stadiums mit drohender Erblindung. In Deutschland ist im 5. Sozialgesetzbuch definiert: “Wirtschaftlichkeitsgebot” in § 12 SGB V (1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen... (3) Hat die Krankenkasse Leistungen ohne Rechtsgrundlage oder entgegen geltendem Recht erbracht ... hat die zuständige Aufsichtsbehörde nach Anhörung des Vorstandsmitglieds den Verwaltungsrat zu veranlassen, das Vorstandsmitglied auf Ersatz des aus der Pflichtverletzung entstandenen Schadens in Anspruch zu nehmen...
#1 am 20.03.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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