Wenn die Nase juckt ...

08.03.2017
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Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Kinder in der Praxis aufschlagen, um sich ihre bitter nötigen Medikamente zur Linderung der Beschwerden abzuholen. Wir sprechen von Heuschnupfen, professioneller von „Pollinosis“.

Betroffene Patienten haben ab Beginn des Frühlings jährlich wiederkehrende Beschwerden, dabei reagieren Nasen- und Augenschleimhäute allergisch auf die feinen Pollen in der Luft. Zu allem Übel kann es ganzjährig zu so genannten Kreuzallergien kommen, Pollenallergiker reagieren oft auch auf Nahrungsmittel. Was tun?

Den Auslöser definieren

Das Allergen meiden

Leichter gesagt als getan, fliegen doch die Pflanzenpollen mitunter kilometerweit. Dennoch kann man bestimmte Dinge tun, um die Pollenbelastung zu minimieren:

Medikamente geben

Hyposensibilisierung

Ähnlich wie bei einer Impfung werden die auslösenden Substanzen (Pollen) in hoher Verdünnung über Spritzen oder Tabletten über einen längeren Zeitraum verabreicht, sodass sich der Körper an die Allergene gewöhnen kann. In der tatsächlichen Pollensaison ist dann die Reaktion deutlich geringer oder bleibt komplett aus. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist eine Hyposensibilisierung sehr erfolgsversprechend, diese kann, rechtzeitig begonnen, den so genannten Allergiemarsch in die Bronchien (Asthma) verhindern. (Dabei ist der "Allergiemarsch" kein "Weiterwandern", sondern eine Verschlimmerung der Allergie.)

Spontanheilung hat nichts mit Homöopathie zu tun

Rund um Allergien gibt es viele Gerüchte und Anekdoten. So können viele Allergien über die Jahre spontan besser, aber auch schlechter werden. Viele Allergiker berichten von Spontanheilungen in der Pubertät oder sonst im Laufe ihres Lebens. Gerade bei Pollenallergikern ist das Ausmaß der Allergie vom Klima abhängig. Jedes Jahr kann man spätestens im Mai beurteilen, ob ein starkes Allergiejahr ist.

Daher zur Ergänzung: Spontane Besserungen und Jahresschwankungen machen Pollenallergien zu dankbaren Aufgaben für die Alternativmedizin und Heilpraktiker: Zuckerkügelchen lassen die Beschwerden verschwinden oder sie verstärken sich (Erstverschlimmerung!), am Ende des Sommers sei alles wieder gut. Und wenn’s nicht geholfen hat, nimmt der HP ein anderes Mittelchen in anderer Verdünnung und erklärt, über die Jahre werde es dann schon besser. Bei Kindern und Jugendlichen keine gute Idee: Jedes Jahr, indem die Pollinose nicht „gescheit“ behandelt wird, lässt die Chance auf ein allergisches Asthma steigen, ganz zu schweigen von den alljährlichen Akutbeschwerden, die die Kinder in der Konzentration und im Sport in Schule, Verein und der Freizeit leiden lassen.

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Copyright: Susannchen beim Informationsnetzwerk Homöopathie

 

Weiterführende Links:

 

Bildquelle (Außenseite): petur r, flickr

Bildquelle: Kinderdok

Artikel letztmalig aktualisiert am 29.03.2017.

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Medizin, Pädiatrie
Schöner Beitrag, vielen Dank. Als allgemeine Basismaßnahme kann ich auch die Nasendusche empfehlen, abends die Pollen aus der Nase (Filter der Atemwege) spülen. Geht auch schon bei Kindern. Grüße!
#1 am 08.03.2017 von Tobias Müller (Arzt)
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