Hans Dampf in allen Gassen

07.03.2017
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Der Markt für E-Zigaretten und Liquids boomt, während vor allem in Deutschland das Für und Wider kontrovers diskutiert wird. Das britische Department of Health kommt hingegen in einer Studie zu dem Schluss, dass die Methode deutlich weniger gesundheitsschädlich ist als Tabakrauchen und zur Rauchentwöhnung geeignet ist.

Immer häufiger sieht man überall Menschen, die mithilfe von E-Zigaretten teils gewaltige und mitunter wohlriechende Dampfwolken ausstoßen. Doch es gibt viele, darunter auch Mediziner und Politiker, die vehement gegen das sogenannte Dampfen sind, sei es aus einer Null-Drogen-Haltung heraus, aus wirtschaftlichen Interessen oder aus Konservativismus. Unter anderem wird es immer wieder als Einstiegsdroge, die letztlich doch zum Rauchen führt, diskutiert. Entsprechend kritisch ist das Medienecho zu diesem Thema.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) betonen gerne die Schädlichkeit des E-Zigaretten-Konsums, welche selbst die Konsumenten nicht abstreiten, und vernachlässigen dabei, dass E-Zigaretten immer noch deutlich weniger schädlich sind als Rauchen. Die vermutete Risikoreduktion liegt bei 95%.

Das sagt das britische Department of Health

Eine bereits 2015 veröffentlichte Stellungnahme des britischen Department of Health kommt anhand der bis dahin vorliegenden Studiendaten hingegen zu folgenden Empfehlungen und Schlüssen:

TPD2

Die auf der EU-Richtlinie 2014/40/EU (EU-Tabakrichtlinie) fußende, seit dem 20.05.2016 geltende und spätestens ab dem 20.05.2017 in vollem Umfang umzusetzende neue Tabakprodukteregelung (TPD2), welche unter anderem eine Werbeverbot für E-Zigaretten und Liquids, Warnhinweise auf Umverpackungen und einen „Beipackzettel“, das Verbot bestimmter Aromen (voraussichtlich zunächst einmal Menthol) sowie einer Obergrenze von 20 mg/ml für den Nikotingehalt und eine Registrierung von neuen Produkten sechs Monate vor Markteinführung vorschreibt, zielt in eine andere Richtung.

Sind E-Zigaretten ungefährlich?

Die Gegner des Dampfens betonen, E-Zigaretten seien nicht ungefährlich, was auch niemand ernsthaft abstreitet. Nikotin ist eine suchterzeugende Substanz. Die langfristigen gesundheitlichen Risiken sind derzeit noch nicht sicher abschätzbar. Klar ist jedoch, dass Rauchen in jeder Hinsicht deutlich schädlicher ist. Trotzdem sollte, da es sich bei nikotinhaltigen Liquids um eine legale Droge handelt, der Jugendschutz greifen und der Handel natürlich entsprechend reglementiert sein, was bereits gängige Praxis ist. So kann man Liquids online in Deutschland genau wie Tabakprodukte nur nach einer entsprechenden Alterskontrolle bestellen.

Der Nikotingehalt in der Raumluft ist verschwindend klein, so dass „Passivdampfen“ – ganz im Gegensatz zum gesundheitsschädlichen Passivrauchen – kein Problem darstellt. Nikotin selbst gilt nicht als karzinogen, wird vom Körper rasch abgebaut und ist – in den durch Rauchen oder Dampfen üblicherweise aufgenommenen Dosen – wenig toxisch. Allerdings kann es in sehr hohen Dosen oder bei „Ungeübten“ durchaus zu Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, verstärktem Speichelfluss und erhöhtem Puls kommen. Die letale Dosis von Nikotin dürfte allerdings deutlich höher liegen, nämlich bei 0,5 g oral zu sich genommen, als im Allgemeinen angenommen.

Zwischen 2010 bis 2012 wurden in den USA 35 Fälle von Intoxikationen bei Personen im Alter zwischen 8 Monaten und 60 Jahren bekannt, die Liquids (mit einer Nikotinkonzentration 4 und 30 mg/ml) zu sich genommen hatten: Die Symptome waren insgesamt wenig ausgeprägt und in allen Fällen vorübergehend. Davon wurden fünf Personen in einer Notaufnahmen untersucht, aber keine stationär aufgenommen. 2016 wurde jedoch ein Fall publiziert, in dem ein sechsjähriges Mädchen unbeabsichtigt geschätzte 703 mg Nikotin durch ein Liquid mit zu hoher Konzentration unbeabsichtigt getrunken hatte und in Folge intubationspflichtig wurde. Die Mutter des Kindes hatte das Liquid in eine leere Medikamentenflasche umgefüllt, und der Vater hatte dann seiner Tochter das vermeintliche Analgetikum verabreicht.

Eine bereits 2014 publizierte Studie zeigt ferner, dass Dampfen – entgegen anderslautender Warnungen – sogar bei Ex-Rauchern mit Asthma einen positiven Einfluss auf die Lungenfunktion hat und die Anzahl von akuten Anfällen und Atemwegsbeschwerden gegenüber Rauchern reduziert. Dieser Benefit konnte auch nach einer längeren Beobachtung weiter nachgewiesen werden, wie eine Follow-up-Studie aus dem Jahr 2016 belegte.

Die britische Royal Society of Public Health ging 2015 sogar so weit, die Schädlichkeit von Nikotin auf eine Stufe mit Koffein zu stellen, und rief dazu auf, den öffentlichen schlechten Ruf der Substanz richtig zu stellen, da die mit dem Rauchen verbundenen gesundheitlichen Risiken in erster Linie durch die Kombination mit den anderen im Tabakrauch enthaltenen toxischen und karzinogenen Substanzen hervorgerufen würden.

Ansonsten tragen sicherlich auch die sogenannten „Cloud Chaser“, die mit ihren E-Zigaretten möglichst große Dampfmengen produzieren wollen und damit ihre Umwelt womöglich belästigen, nicht zur allgemeinen Akzeptanz bei.

Wichtiges für Umsteiger

Wer vom Rauchen auf das Dampfen umsteigen will, sollte einige Tipps beachten:

Es ist in jedem Fall empfehlenswert, sich bei der Anschaffung in einem Fachgeschäft beraten zu lassen.

 

Originalpublikationen:

E-cigarettes: an evidence uptate – A Report commissioned by Public Health England

E-cigarettes: a new foundation for evidence based policy and practice

Meyer B. How much nicotine kills a human? Tracing back the generally accepted lethal dose to dubious self-experiments in the nineteenth century. Arch Toxicol (2014): 5-7

Polosa R, Morjaria J, Caponnetto P et al. Effect of smoking abstinence and reduction in asthmatic smokers switching to electronic cigarettes: evidence for harm reversal. Int J Environ Res Public Health (2014): 4965-4977

Polosa R, Morjaria JB, Caponnetto P et al. Persisting long term benefits of smoking abstinence and reduction in asthmatic smokers who have switched to electronic cigarettes. Discov Med (2016): 99-108

Nobel MJ, Longstreet B, Hendrickson RG, Gerona R. Unintentional Pediatric Ingestion of electronic cigarette nicotine refill liquid necessitating intubation. Ann Emerg Med (2016): 94-97

RSPH: Nicotine “no more harmful to health than caffeine”

 

Bildquelle: micadew, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.03.2017.

69 Wertungen (4.93 ø)
7702 Aufrufe
Gast
Einige der hier aufgeführten Aussagen zum Dampfen dürften dem einen oder anderen sauer aufstoßen, doch die zitierten Quellen sprechen eine eindeutige Sprache. Die deutsche Politik und einige Medizinee sollten in Anbetracht der Evidenzlage umdenken. Evidenzbasierten Medizin ist schließlich en vogue.
#19 vor 7 Tagen von Gast
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Gast
Schöner, gut recherchierter, umfassender und dabei nicht unkritischer Beitrag.
#18 vor 8 Tagen von Gast
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Allgemeinmediziner
Super Beitrag! Wobei es bereits (unabhängige) Studien gibt, die dem (reinen) Nikotin in Abwesenheit des Tabaks einen Großteil seines Suchtpotentials aberkennen und es auf eine Stufe mit Koffein stellen.
#17 vor 9 Tagen von Allgemeinmediziner (Gast)
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Gast
#10 Ich bin Gelegenheitsraucher und ja ,ich brauche auch etwas im Mund vielleicht demnächst einen Babynuckel. Könnte mir auch noch bei weitem etwas besseres Vorstellen, dass Schreibe ich hier aber nicht ,sonst wird das wieder gelöscht .
#16 vor 14 Tagen von Gast
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Gast
Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis auch der Fiskus das „Potential“ der E-Zigaretten entdeckt und der Stast dann nicht nur regulierend eingreift, sondern auch eine Liquidsteuer erhebt, die Geld ins Staatssäckel spült. Für die Tabaksteuer ist man sich schließlich auch nicht zu schade ;-)
#15 vor 14 Tagen von Gast
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Gast
Bravo, hier wurde offensichtlich ausnahmsweise richtig recherchiert, bevor die E-Zigarette zum Thema gemacht wurde. Das ist leider häufig nicht so. Niemals würde ich einem Nie- oder Ex-Raucher empfehlen, die E-Zigarette zu konsumieren. Die Zielgruppe ist auch eine gänzlich andere. Ich empfehle die E-Zigarette Rauchern, die auf Nikotin nicht verzichten können – oder wollen. Meine Frau und ich hatten 29 Jahre lang beide stark geraucht, ich sehr stark. Vor über fünf Jahren sind wir von einem Tag auf den anderen komplett auf die E-Zigarette umgestiegen. Seitdem fühlen wir uns beide deutlich besser. Wir haben uns damit abgefunden, dass wir nikotinabhängig sind. Vermutlich hatte der Umstieg bei uns deshalb so gut geklappt, weil wir uns vorher ausgiebig in einschlägigen Internetforen informiert hatten. Deshalb begannen wir mit vernünftiger Hardware und ausreichender Nokotinstärke.
#14 vor 14 Tagen von Gast
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Allgemeinmediziner
Ich rate meinen Patienten, die mit dem Rauchen aufhören wollen und schon andere Methoden erfolglos ausprobiert haben, schon seit längerem, es mit einer E-Zigarette zu versuchen – mit durchwachsenem Erfolg. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass es besser klappt als mit anderen Nikotinersatztzerapien. Wichtig ist, falls jemand ganz aufhören und nicht nur umsteigen möchte, es z.B. mit einer Verhaltenstherapie zu kombinieren. Doch auch die Umsteiger profitieren meiner Erfahrung nach gesundheitlich bezüglich kardiopulmonaler Probleme, vom Bronchialkarzinomrisiko ganz zu schweigen. Vielleicht können diese Tipps helfen, die Erfolgsquote zu erhöhen. Werde sie beim nächsten Beratungsgespräch testen. Danke dafür!
#13 vor 14 Tagen von Allgemeinmediziner (Gast)
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Gast
@#7: Auch Dampfer sollten natürlich auf ihre Mitmenschen Rücksicht nehmen, wenn sich diese belästigt fühlen. Ob der Dampf stinkt, wir Sie schreiben, ist natürlich ein subjektiver Eindruck. Ich bin Nichtraucher und finde den Geruch einiger Liquide sehr angenehm, fast wie Duftkerzen (deren Aromen man in gewisser Weise auch „inhaliert“). Aber auch deren Geruch mag schließlich nicht jeder.
#12 vor 14 Tagen von Gast
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Gast
Gerade weil das „Ritual“ des Rauchens (hier: Dampfens) erhalten bleibt, dürfte die Akzeptanz größer sein als beim Nikotinersatz durch Pflaster oder Kaugummi.
#11 vor 14 Tagen von Gast
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Gast
Wie war das doch gleich mit der "oralen Phase".... also ich finde es sehr irritierend, wenn erwachsene Menschen ständig etwas im Mund haben müssen...
#10 vor 14 Tagen von Gast
  17
Gast
Wurden die Aromen aus der Lebensmittelindustrie, meiner Meinung nach schon da bedenklich, auf Verträglichkeit geprüft wenn man die "sich durch die Lunge zieht"??
#9 vor 14 Tagen von Gast
  3
Gast
Rauchentwöhnung im Selbstversuch zeitigt Erfolgsquoten von 3-5 %. Warum sollte das mit e-Zigarette anders sein, zumal das zentrale Element "Rauchstopp" nicht zum tragen kommt?
#8 vor 14 Tagen von Gast
  10
Gast
Zumindest wäre es bedenklich, wenn gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwar der Zigarettenkonsum sinken, aber dafür der E-Zigarettenkonsum überproportional steigen würde. Selbst wenn dieses Klientel später nicht mehr auf echte Zigaretten umsteigen würde, das Abhängigkeitspotential dürfte gleich hoch sein aufgrund des Nikotins. Vor allem aber: Langzeitfolgen beim Tabakkonsum sieht man eben erst nach langer Zeit. Wissen wir denn um die Langzeitfolgen des E-Zigarettenkonsums wirklich schon gut genug bescheid?
#7 vor 14 Tagen von Gast
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Gast
Leider ist das dampfen trotzdem eine stinkende Belästigung der unbeteiligten Mitmenschen, selbst bei den wenig dampfenden Geräten.
#6 vor 14 Tagen von Gast
  17
Gast
Das Gesundheitspotential liegt in der möglichen Reduktion von Raucherkrankheiten und den sich daraus ergebenden Einsparungen im Gesundheitswesen.
#5 vor 14 Tagen von Gast
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Gast
Bei den E-Zigaretten von einem "Gesundheitspotential" zu sprechen, halte ich für völlig daneben. Was ist daran gesund? Bloß weil es evtl. weniger gesundheitsschädlich ist als Tabakrauchen, hat es ein Gesundheitspotential? Wie krank ist das denn?
#4 vor 15 Tagen von Gast
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Gast
Durch das Rauche/Paffen der E-Zigarette hatte sich meine Rauchgewohnheit sehr geändert. Man brauchte ja nicht aufrauchen, konnte jederzeit weiterrauchen, es störte niemanden bis die verteufelung anfing! Schlussendlich brauchte ich auch die E-Zigarette nicht mehr und nach über 40 Jahren war ich auf einmal Nichtraucher. All das ohne Zwang, Stress und ohne ein militanter Nichtraucher zu werden. Jemand der keine Ahnung von sowas hat, sollte in dem Fall mal lieber den Mund halten denn die Feinstaubbelastung und MRSA sind deutlich schlimmere Übel gegen die sich viel einfacher etwas machen lassen würde....!
#3 vor 15 Tagen von Gast
  1
Gast
Ich wollte nicht mal aufhören zu rauchen. Ich brauchte aber ab sofort keine Zigaretten mehr. Hab sie schlicht egal vergessen. Ich dampfe gern und bin tatsächlich jetzt nach 3 Monaten viel fitter.
#2 vor 15 Tagen von Gast
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Gast
Kein Teer, keine Tabakkondensate, kein Kohlenmonoxid, kein Gestank von kaltem Rauch... Klingt doch sehr gut, oder?
#1 vor 18 Tagen von Gast
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