Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

07.01.2009
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Fragt man Gesundheitspolitiker, so hat in Deutschland jeder Patient, egal ob gesetzlich oder privat krankenversichert, Anspruch auf die bestmögliche medizinische Versorgung, ohne dass deren Kosten eine Rolle spielen.

Ist dem so?

Nun, anders als im Britischen National Health Service gibt es für GKV-Mitglieder (bisher noch?) keine Altersgrenzen für bestimmte Therapien wie eine Hüftendoprothese oder eine Dialyse. Aber es gibt eine ganze Reihe moderner und/oder etablierten diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen, welche im Leistungskatalog der GKVen nicht enthalten sind und daher nicht übernommen werden. Man denke nur an diverse IGeL, die vom Patienten selbst getragen werden müssen, selbst wenn sie der Früherkennung oder Prävention dienen. Die Zuzahlungen bei Medikamenten und Zahnersatz sind für manche eine erhebliche finanzielle Belastung, zu wenige sind davon befreit.

Die Aufregung über die Ungerechtigkeit ist groß, wenn ein Kassenpatient länger auf einen Arzttermin warten muss als ein Privatpatient. Es wird diesem Zusammenhang jedoch kaum darüber geredet, dass der Arzt am Ende des Quartals für die Behandlung eines zusätzlichen Kassenpatienten kein Geld mehr erhält und für zusätzlich verordnete Medikamente in Regress genommen wird, wenn sein Praxisbudget bereits erfüllt ist. Bei Privatpatienten spielt dies alles keine Rolle, für die besteht immer ein Anspruch auf ein entsprechendes Honorar. Es ist also verständlich, dass der Kassenpatient vielleicht erst zu Beginn des nächsten Quartals seinen Termin bekommt, wenn der Arzt seine Leistungen auch wieder bezahlt bekommt, aber der Privatpatient sofort. Ganz davon abgesehen, dass die Gebüren der Kassenärztlichen Vereinigung im besten Fall kostendeckend sind. Alle niedergelassenen Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, sagen übereinstimmend, dass sie mit den Einnahmen ihrer Kassenzulassung in der Regel allenfalls ihre Praxisunkosten decken, aber keinen Gewinn erwirtschaften können, von dem sie ihr Einkommen beziehen. Diesen wirtschaftlichen Gewinn erarbeiten sie durch Privatpatienten. Kein Wunder also, dass man diese ein wenig hofiert. Eine Arztpraxis ist nun einmal auch ein mittelständiges Unternehmen, welches jedoch längst nicht über die unternehmerischen  Möglichkeiten eines Handwerksbetriebes (Preisgestaltung, Werbung etc.) verfügt.

Fazit aus meiner Sicht: Die Zwei-Klassen-Medizin droht nicht, sondern sie ist bereits da.

Und die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen werden die Situation verschärfen, da an allen Ecken und Enden im Gesundheitssystem das Geld fehlt und der Kostendruck weiter steigt. Der Weg zu einer von der GKV abgedeckten medizinischen Grundversorgung ist geebnet. Jedes Plus wird wahrscheinlich früher oder später nur noch der Patient erhalten, der sich eine entsprechende private Zusatzversicherung leisten kann. High-tech-Medizin ist nun einmal teuer.

Andererseits geben die Deutschen viel Geld für Freizeit, Konsumgüter und Urlaub aus. Wenn es jedoch um die eigene Gesundheit geht, sind die wenigsten bereit, zu investieren. Schließlich sind die GKV-Beiträge bereits aus Sicht der Versicherten mehr als hoch genug, und für sein sauer verdientes Geld kann man schließlich auch eine entsprechende Leistung erwarten.

Die Wirklichkeit sieht leider anders aus.

 

Titelbild: Matthias Preisinger / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.12.2013.

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