Damals im Krieg

26.02.2017
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Die alte Dame hat Schmerzen. Ursache ist ein Harnverhalt – und deshalb braucht sie unbedingt einen Blasenkatheter. Aber sie will nicht. Sie wehrt sich. Gutes Zureden hilft nicht. Die Patientin ist dement. Sie schreit und sie kämpft – so wie sie damals, vor mehr als siebzig Jahren, gekämpft hat ...

Frau Bedomeit schreit. Das ist über den ganzen Stationsflur zu hören, obwohl die Zimmertür natürlich geschlossen ist.

„Was ist denn los?‟, fragt Kalle.

„Hörst du doch,‟ sagt Kollege Martin, „Die Olle brüllt wie am Spieß!‟

Kalle runzelt die Stirn. „Gibt's ’nen Grund?‟

Martin grinst sein fiesestes Grinsen. „Na, die will halt nicht!‟

Kalle bewegt sich langsam in die Richtung der Schallquelle. „Was will die nicht?‟, insistiert er.

„Frau Bedomeit hat einen Harnverhalt‟, berichtet Sarah. „Die Schwestern sind gerade dabei, ihr einen Katheter zu legen!‟

Die Patientin hat starke Schmerzen

Das erklärt Einiges. Wenn die volle Blase nicht mehr entleert werden kann, dann kann das sehr schmerzhaft sein. Die gute Nachricht ist: die Schmerzen lassen meist unverzüglich nach, sobald man einen Blasenkatheter gelegt hat und der Urin abfließen kann. Allerdings muss man diesen Katheter erst einmal legen – und das ist nicht immer einfach. Das kann entweder anatomische Ursachen haben oder aber direkt mit den Gründen, die zum Harnverhalt geführt haben, verknüpft sein: zum Beispiel Verletzungen, Tumoren oder Entzündungen der unteren Harnwege. Unter solchen Umständen kann es für den Patienten sehr schmerzhaft sein, einen Katheter gelegt zu bekommen.

Schmerzmittel helfen da leider auch nicht immer weiter. Hinzu kommt, dass Frau Bedomeit sowieso keine einfache Patientin ist. Sie ist fast neunzig Jahre alt und leidet schwer an Alzheimer-Demenz mit häufigen Verwirrtheitszuständen und ständiger Unruhe.

Mit vereinten Kräften geht es dann

Kalle betritt das Zimmer. Sarah und ich folgen ihm. Vier Pflegekräfte haben sich um Frau Bedomeits Bett versammelt, drei davon sind ausschließlich damit beschäftigt, sie festzuhalten: der muskulöse Pfleger Marvin hat beide Arme fest im Schraubstock-Griff, lehnt sich gegen ihren Oberkörper und versucht, beruhigend auf sie einzureden. Zwei Schwestern haben je ein strampelndes Patientenbein unter Kontrolle und Schwester Paula fuhrwerkt handschuhbewehrt im Genitalbereich der Patientin herum.

Sarah schüttelt den Kopf. „Himmel, das sieht ja aus wie ...‟

Kalle wirft ihr einen strengen Blick zu. „Sag’s nicht!‟

Sarah ist still. Ein weiterer Blick von Kalle – wir haben verstanden und gehen zurück ins Stationszimmer. Kurz darauf folgen uns drei der vier Pflegekräfte. Fünf Minuten später kommen Kalle und Schwester Paula.

Damals auf der Flucht ...

„Habt ihr’s der Ollen endlich besorgt?‟, feixt Martin.

„Das ist gar nicht lustig!‟, zischt Kalle, während er sich einen Becher Krankenhauskaffeeplörre eingießt. Martin senkt den Blick und verlässt verdächtig schnell den Raum.

„Traurige Geschichte!‟, sagt Kalle und schaut in die Runde. „Wollt ihr’s hören?‟ Sarah nickt.

„Frau Bedomeit stammt aus Ostpreußen!‟, beginnt Kalle und setzt sich, bevor er fortfährt: „Damals, gegen Ende des Krieges, mussten sie fliehen. Die Geschichten kennt man ja, im Planenwagen durch zerbombte Landschaften. Immer wieder wurde man von Tieffliegern beschossen und alle Nase lang von irgendwelchen Soldatentrupps überfallen. Was man noch hatte, wurde einem abgenommen. Frau Bedomeit war damals gerade mal sechzehn Jahre alt und muss wohl recht hübsch gewesen sein ...‟

Kalle schaut in die Runde, ohne den Satz zu beenden.

Gesprochen hat sie darüber nie

„Frau Bedomeit hat niemals und mit niemandem darüber gesprochen, was da passiert ist. Im Sommer 1945 wurde ihre Tochter geboren. Frau Bedomeit hat sie allein großgezogen, hat niemals geheiratet und – wie die Tochter sagt – auch nie mehr irgendwas mit einem Mann angefangen. Jetzt wird sie bald neunzig. Und heute  wurde sie wieder einmal festgehalten, damit jemand schmerzhaft in ihren Körper eindringen konnte!‟

Kalle gießt seine Tasse aus, stellt sie in die Spülmaschine und verlässt ohne ein weiteres Wort den Raum.

 

Bildquelle: Quinn Dombrowski, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.03.2017.

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Gynäkologin
Man merkt meist sehr schnell, wer praktische Erfahrungen mitbringt und wer hier nur mit mehr oder weniger theoretischem Wissen moralisiert. Leider kommt es immer wieder zu Situationen, in denen man Schutzbefohlenen ein Leid antuen muss, um ein größeres Übel abzuwenden. Dieser Post soll dazu anregen, das eigene Handeln zu hinterfragen. So was belastet alle Beteiligten. Statt nach Kündigung zu schreien - Supervision verpflichtend einführen! Warum eskaliert die Situation, gibt es eine andere Lösung? Wenn man sich nicht um das Personal kümmert, zerbrechen die sensiblen und der Rest stumpft ab. Kurznarkose ohne Venenzugang und Einwilligung? Gerade bei Vorerkrankungen nicht ohne Risiko... kein vernünftiger Vorschlag. Spannungsschmerzen mit NSAR Schmelztabletten behandeln??? Ist ein REKTALES Zäpfchen bei Trauma besser??? Erfahrung aus der Praxis: In solchen Fällen hat sich schon mehrmals ein suprapubischer Katheter bewährt. Kurzer Anruf bei den Kollegen von der Gynäkologie (oder Urologie)...
#69 am 29.03.2017 von Gynäkologin (Gast)
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Gast
Leider Realität in Heimen und in Krankenhäusern. Bedingt durch die kulturelle und strukturelle Gewalt und verbale und psychische Gewalt vor allem in Heimen, welche von jahrelang dort tätigem Personal nicht als solche erkannt werden und einen normalen Umgang und Kommunikationsstil darstellen und so weiter reproduziert werden und auch an nachfolgende Generationen an Pflegekräften, Pflegehelfern und und ja, auch Ärzte weiter gegeben werden. Es ist eben normal, Menschen mit Demenz oder Menschen, die sich nicht mehr äussern können wie Möbelstücke hin und her zu schieben, mit Schlaf-Overall zum Abendessen zu bringen, sie zu zwingen, auf die Toilette zu gehen oder zu Duschen und Kartons beim Ausräumen von Zimmern von Verstorbenen auf deren Gesicht abzustellen. Egal, ob nun ein Trauma vorliegt oder nicht, solche Handlungweisen verstossen gegen die Würde des Menschen und werden auch oft durch nicht-präsente Führungskräfte geduldet.
#68 am 19.03.2017 von Gast
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#65: Was ist Realität, was ist Fiktion? Fiktion hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, deshalb ist Frau Bedomeit in meinen Augen keine Fiktion, sondern sie hat Modellfunktion. Denn es dürfte doch klar sein, dass die zahlreichen Kommentare, die bestätigen, dass "so etwas vorkommt", nicht böswilligen Phantasien bzw. einer Realitätsnegierung entspringen. Eine harsch gezeichnete Realität als Fiktion zu bezeichnen, hilft bei der Bewältigung von Missständen nicht weiter. Nur der Blick darauf, wenn auch schmerzhaft und die Erörterung möglicher Alternativen sind zielführend. Leider ist der Medizinbetrieb nun mal kein Rosengarten...
#67 am 14.03.2017 von Dipl.Psych. Gertrud Rust (Psychologin)
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#64 Gut beobachtet, so läuft es meistens. Zu ergänzen wäre noch der Einsatz institutioneller Gewalt, sprich die Drohung mit harten Sanktionen.
#66 am 08.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Fastarzt
Das ist es eigentlich nicht, worüber ich mit Ihnen diskutieren möchte. Mein Thema ist der Teil der Kommentarschreiber, die Realität nicht von Fiktion trennen können. Im aktuellen Blogartikel ( http://news.doccheck.com/de/blog/post/5727-des-einen-leid-des-anderen-wohnung/ ) ist das wieder zu besichtigen. Bei den Kommentaren 1 bis 4 kommt mir angesichts der harschen Reaktion jedenfalls der Verdacht. Oder sieht das für Sie nach sachlichen "was wäre, wenn" Planspielen aus?
#65 am 07.03.2017 von Fastarzt (Gast)
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#62 ...ernst zu nehmen ist die Weigerung, Handlungen an sich vornehmen zu lassen, die für eine Erleichterung des vorliegenden Zustands erforderlich wären. Ernst zu nehmen ist auch die Frage nach dem Grund für diese Weigerung. Und dann wäre zu bedenken, ob diese Weigerung einen akut lebensbedrohlichen Zustand nach sich zieht. Wenn ja, hielte ich eine Sedierung für vertretbar. Aber nur in Fällen, bei denen eine direkte Kommunikation mit den Betroffenen nicht möglich ist, so wie hier "im Modell" bei einer dementen und durch ein zurück liegendes Trauma schwer beeinträchtigten Patientin. Ansonsten sind Weigerungen zu respektieren, meine ich. Die Kernfrage dieses Medizynicus-Beitrags lautet doch, wie man mit "ungehorsamen Patienten" umgehen sollte. Sind diese kommunikationsfähig, wird häufig mit moralischem Druck und Angst "gearbeitet" ("Sie spielen mit ihrem Leben"), ist kein Gespräch möglich, wird "durchgegriffen", leider. Vielleicht nicht immer und von Allen, aber immer noch zu oft.
#64 am 07.03.2017 von Dipl.Psych. Gertrud Rust (Psychologin)
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Fastarzt
ad #60 (2): Im Übrigen spreche ich von einem allgemeinen Phänomen. Mit humorlos meine ich die Tendenz, alles ernst zu nehmen. Sie haben Recht mit Ihrer als rhetorische Frage verbrämten Feststellung, dass dieser Blogartikel nicht witzig ist (keine Angst, ich weiß, was Zynismus ist. Eine Umbenennung des Blogs ist nicht nötig.). Aber sehen Sie sich doch mal in den Kommentarspalten eindeutig augenzwinkernder Blogbeiträge um, da kommen Sie dem Ernst schnell auf die Spur.
#63 am 07.03.2017 von Fastarzt (Gast)
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Fastarzt
ad #60: es sollte sogar ernsthaft bedacht oder erörtert werden. Nüchtern betrachtet wirft der Blogartikel das Problem auf, wie mit dementen, traumatisierten Patienten zu verfahren ist, wobei die Form der Darstellung übertrieben bis erschreckend ist. Von diesem Punkt kann der Denkprozess beginnen. Ist das Legen des Katheters gegen den Widerstand der Patientin ethisch vertretbar? Darf der Widerstand durch Gewalt oder Sedierung überwunden werden? Welche der Optionen ist ethisch vorzuziehen, und ist eine Sedierung ohne Gewaltanwendung möglich? Wenn ich mir aber nur die Kommentare 1 bis 15 noch mal ansehe, habe ich Zweifel, dass die Mehrheit der Kommentarschreiber die Ausgangssituation richtig einschätzt, sondern eher von einem realen Tatsachenbericht ausgeht, auf den sie entsprechend harsch reagiert.
#62 am 07.03.2017 von Fastarzt (Gast)
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#49 Ausnahmen gibt es in jedem Berufsstand, leider. Im Regelfall tut man gut daran, sensibel mit den Patienten umzugehen. Zum einen, weil die Tiere sich wehren, zum anderen, weil die Besitzer sich wehren. Wobei letztere in manchen Fällen jede Form der Manipulation ablehnen und dann zum selbsternannten Tierheilpraktiker flüchten, der Ihnen verspricht, den Gesäugetumot mit Bachblüten zu heilen. Aber auch die sieht man wieder; zum Einschläfern; das geht mit Kügelchen nicht.
#61 am 07.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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...was wäre, wenn..., bzw. was sollte sein, wenn..., darf das nicht ernsthaft bedacht oder erörtert werden? Man kann auch am Modell lernen.... auch am akzentuiert überzogenen. Vielleicht sollte der Schreiber nicht Medizynicus heißen, sondern Medispectator, damit es keine Verwechslungen mit Comedy, Satire, Ironie gibt. Und an welcher Stelle hier der Humor fehlt, will sich mir nicht erschließen. Gibt`s denn etwas zu belächeln, das man leicht übersieht?
#60 am 07.03.2017 von Dipl.Psych. Gertrud Rust (Psychologin)
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Fastarzt
Was mir das Lesen von Blogartikeln hier zunehmend erschwert, sind die völlig humorlosen Kommentarschreiber. Das Blog heißt "Medizynicus" und erzählt erfundene Geschichten aus dem Kreiskrankenhaus Bad Dingenskirchen. Die handelnden Personen haben offensichtlich stereotype Rollen (zum Beispiel Martin) und in Anbetracht des Blognamens sind keine angenehm dudelnden, empathisch ummantelnden Heile-Welt-Storys zu erwarten. Wie muss man als Kommentator gestrickt sein, um in dieser Grundkonstellation die Kündigung der handelnden Personen zu fordern, auf die Strafbarkeit der Handlungen hinzuweisen und dem Autor noch Hinweise zur korrekten Sedierung zu geben? Kopfschüttelnd.
#59 am 06.03.2017 von Fastarzt (Gast)
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...die Tierärzte haben den Menschenärzten eines voraus, Erfahrung im Umgang mit Lebewesen, die sich sprachlich nicht artikulieren können. Hier ist Empathie vonnöten, und diese scheint in der Humanmedizin weniger verbreitet...
#58 am 06.03.2017 von Dipl.Psych. Gertrud Rust (Psychologin)
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Gast
Fortsetzung: Wenn man in einem Haus arbeitet, in dem man dann von Vorgesetzten unter Druck gesetzt wird (offen arbeitsrechtlich können sie einem wohl kaum etwas anhaben, wenn man Gewalt gegen Patienten ablehnt), dann erlaubt der Pflegermangel in Deutschland es ja auch ohne weiteres, sich nach einer anderen Stelle umzusehen. Verantwortung auf den anordnenden Arzt abzuschieben finde ich ein schwaches Argument.
#57 am 05.03.2017 von Gast
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Gast
??? Die indirekte Unterschwellung, man würde Patienten "misshandeln" oder hätte sonst irgendwas zu verbergen wenn man bei Pflegemaßnahmen die Angehörigen rausschickt ist ja wohl absurd. Ich mache das auch grundsätzlich und hoffe sehr stark, dass wenn ich mal als Pflegefall den Hintern abgeputzt kriege außer der Pflegekraft niemand im Raum ist. Ist ja auch ohne Zuschauer schon erniedrigend genug. Auch wenn es in manchen Abteilungen Alltag sein mag, kommt mir das ehrlich gesagt wie eine billige Ausrede vor, "tägliche Folter" halt zu akzeptieren, weil es der Weg des geringsten Widerstandes ist. Wir alle haben die Möglichkeit nein zu sagen, wenn da Grenzen überschritten werden, und wir alle können auch sagen "Ich lege den Katheter nicht, die Patienten wehrt sich zu sehr.".
#56 am 05.03.2017 von Gast
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Krankenpfleger
... Alltag ... wo kein Kläger, da kein Richter die meisten "ergeben" sich in ihrer "Pflicherfüllung" als ausführende Handlanger Nicht ohne Grund werden Angehörige bei kleinsten Pflegemaßnahmen aus dem Zimmer geschickt. Zudem haben leider sehr viele Angehörige kein Interesse an pflegerischen Vorgängen. ("Ich könnte das nicht"). Eine öffentliche Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben, Tod, alltäglichen Pflegemaßnahmen, die natürlich auch Exkremente, Übelkeiterregende Gerüche etc. scheint unerwünscht. (Dafür zahle ich ja schliesslich Beiträge, damit ich mal versorgt bin). Das "WIE" ist unter Umständen tägliche Folter im wörtlichen Sinne, sofern es keine Fürsprecher der betroffenen gibt. Nicht umsonst gab/gibt? es immer wieder Pflegekräfte, die Betroffene von ihren Leiden (vermeintlich oder tatsächlich ...?) zu erlösen müssen glauben.
#55 am 05.03.2017 von Krankenpfleger (Gast)
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Mir ging es nicht darum, etwas besser wissen zu wollen, noch dazu wo ich fachfremd bin. Ich habe auch lange überlegt, ob ich hier was dazu schreiben soll. Ich glaube nicht, dass wir Tiermediziner eine humanere Einstellung haben (obwohl - vielleicht doch?) Wir lernen eine andere Herangehensweise, zum einen, weil wir nie einen Personalschlüssel von 4 Hilfspersonen pro Patient zur Verfügung haben, und zum Andern, weil von unseren Patienten grundsätzlich eine Gefahr ausgeht. Wir tragen Verantwortung über Leben und Gesundheit von Patient, Hilfspersonal und uns selber, da kommen wir gleich gar nicht auf die Idee, unsere Patienten mit roher Gewalt niederzuringen. Umso mehr bin ich erschüttert zu lesen, dass menschlichen Patienten so ein Leid angetan wird, wo es die Möglichkeiten gäbe, das zu lindern. Ich lese aus dem Beitrag und auch aus einigen Kommentaren, dass durch solche "Szenen" nicht nur die Patienten sondern auch das Personal traumatisiert werden.
#54 am 05.03.2017 von Dr. Irmgard Roßnagel (Tierärztin)
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MFA
Meine Ausbildung absolvierte ich bei einem Urologen. Dieser bestellte eine demente Patientin aus dem Pflegeheim zur Blasenspiegelung ein. Der Termin war kurz vor der Mittagspause. Da die Patientin außerdem Bettlägerig war, fand die Untersuchung auf der Liege statt, auf der die Dame zu uns gebracht wurde. Meine Kollegin und ich mussten ihr die Beine hochhalten während unser Chef die Spiegelung durchführte. Wir wurden von der mittlerweile weinenden Patientin mit sehr heftigen Schimpfworten bedacht. Mir tat die Dame unendlich Leid. Die Frau meines Chefs kam irgendwann dazu & sagte uns, dass die Patienten im Krieg von russischen Soldaten vergewaltigt wurde. Ich musste mich während der Untersuchung sehr beherrschen, brach aber danach in Tränen aus. Diese Frau durchlebte vermutlich nochmal die Vergewaltigung & ich war Mittäter. Dazu sollte angemerkt sein, dass ich gerade 1/2 Jahr dabei war. Mein Chef, seine Frau und auch meine berufserfahrene Kollegin ließen mich damit völlig allein.
#53 am 04.03.2017 von MFA (Gast)
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...interessant, die Diskussion befasst sich nun streckenweise damit, "wer besser Bescheid weiß", wobei mir die Rückmeldungen aus der Tiermedizin humaner erscheinen, als diejenigen aus der Humanmedizin...
#52 am 04.03.2017 von Dipl.Psych. Gertrud Rust (Psychologin)
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Ein erschütternder Bericht! Ich frage mich, warum man der armen Frau nicht vorher einen Zugang legen und ihr eine kurze Injektionsnarkose geben konnte. Oder Lachgas. Ohne Schmerzen und sediert kann die Frau ruhig und am Köper zugedeckt mit angewinkelten Beinen in Seitenlage liegen, und man kann den Katheter legen. Dass 4 Leute eine 90jährige Frau mit körperlicher Gewalt derart niederringen, darf meiner Ansicht nach nicht sein.
#51 am 04.03.2017 von Dr. Irmgard Roßnagel (Tierärztin)
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#49 Ausnahmen gibt es in jedem Berufsstand, leider. Im Regelfall tut man gut daran, sensibel mit den Patienten umzugehen. Zum einen, weil die Tiere sich wehren, zum anderen, weil die Besitzer sich wehren. Wobei letztere in manchen Fällen jede Form der Manipulation ablehnen und dann zum selbsternannten Tierheilpraktiker flüchten, der Ihnen verspricht, den Gesäugetumot mit Bachblüten zu heilen. Aber auch die sieht man wieder; zum Einschläfern; das geht mit Kügelchen nicht.
#50 am 04.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Gast
"Wir als Tierärzte sind da erheblich rücksichtsvoller im Umgang mit unseren Patienten" -- von dem was ich z.B. von den OP-Gepflogenheiten aus einer nahen Unitierklinik oder von einer mir bekannten Hundebesitzerin über Tierärzte so höre, kommt mir diese Aussage unplausibel vor ;)
#49 am 03.03.2017 von Gast
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#40 Es geht aber auch andersherum, wie ich selber mit Schrecken erleben mußte im Klinikum Offenbach auf der Säuglingsstation. Mein Sohn hat dort Hypospadie-OP bekommen und zumindest die Mitlesenden Männer können sich vermutlich vorstellen wie schmerzhaft sowas ist. Entsprechend hatten die Anästhesisten ein potentes Opioid nach Bedarf verordnet. Zu meiner beunruhigung erzählten mir allerdings die anderen Mütter, sie hätten das bei gleicher OP nichtbekommen und alle Kindr haben nach ihrer OP die ganze Nacht durch gebrüllt. Als ich nach der OP für meinen Sohn bei beginnendem ABfuten der perioperativen Analgesie für die erste Nacht das Opiod angefordert hatte, wurde das von den Schwestern verweigert, ich solle mein KInd nur trösten. Die Sationsärztin erklärte mir, sie wolle sich nicht gegen die Schwestern stellen, mit der faulen Ausrede, diese hätten mehr Erfahrung. Letzten Endes konnte ich mit viel Ausdauer den ärztlichen Nachtdienst weichklopfen.
#48 am 03.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Ich empfinde übrigens jede Maßnahme am Patienten, die ohne vorherige Absprache erfolgt, als Übergriff. Leider sehen viele Pflegekräfte das anders und wenn ich als Patient dagegen opponiere, gibt es Zoff, "weil man das immer so mache, das ginge nicht ander zu organisieren etc." (Anm.; Bullshit!) Was um alles in der Welt ist denn so schlimm daran, vorher anzukündigen, was man tun möchte und das Einverständnis des Patienten abzuwarten, bevor(!) man an ihm, oder seiner Kabellage oder seinen Sachen herumfummelt? Stattdessen wird einfach angepackt und auf Durchzug gestellt. Wir als Tierärzte sind da erheblich rücksichtsvoller im Umgang mit unseren Patienten, was vermutlich nicht zuletzt daran liegt, daß diese beißen und Austreten, wenn wir sie überrumpeln oder grob anfassen. Wenn ich das nächste mal in KH muß, werde ich es wohl auch so machen ...
#47 am 03.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Gast
Es ist vollkommen gleichgültig, ob die Patientin sich aufgrund eines erlittenen Traumas wehrt oder ob sie es " einfach so" und ohne für Außenstehende ohne nachvollziehbare Gründe macht. Vielleicht hat die nächste Patientin einfach diffuse Ängste, vielleicht schämt sie sich, vielleicht IST sie einfach so. Und wer sind WIR, dass wir über ihre Beweggründe urteilen dürfen?! Sie ist dement und rationalen Argumenten nicht zugänglich, aber es liegt an UNS, einen möglichst schonenden Weg zu finden, ihr, die sie sich selbst nicht mehr helfen kann, diese notwendige Hilfe zuteil werden zu lassen. Dieses Verhalten ist unwürdig und es wird dem Vertrauen nicht gerecht, das wir genießen und das die Menschen, die ihre oder die Gesundheit ihrer Verwandten in unsere Hände legen, uns schenken.Niemand von uns würde so behandelt werden wollen und sich das auch nicht für nahestehende Menschen wünschen- egal, ob mit oder ohne Trauma.
#46 am 03.03.2017 von Gast
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Bravo Herr Boeddinghaus, ich finde ihre Argumentation den Treffer ins Schwarze, besser hätte ich auch nicht argumentieren können. Vielen Dank!!
#45 am 03.03.2017 von Peter von Stedman (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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#39 Entweder ist das tatsächlich Zufall oder Sie haben ein ungewöhnliches Talent, sich gerade solche besonders tierlieben bzw. pelzliebenden Menschen als Freunde auszuwählen;) Falls jemand nicht weiß, was Furries sind, Erklärung hier: http://de.wikifur.com/wiki/Furry
#44 am 03.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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#41 Lesen Sie mal meine gesamten Beiträge, dann können Sie es traurig finden, daß es so häufig vorkommt, daß ich näher an der Wahrheit liege mit meinen Einschätzungen, als so mancher Humanmediziner. #42 Vielen Dank für den Zuspruch!
#43 am 03.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Ärztin
@Gast Nr 41: gewöhnen Sie sich daran, das ist hier bei DocCheck so üblich! Wobei ich zur Verteidigung einiger der hier kommentierenden Veterinärmediziner sagen muss, dass Ihre Statements durchaus öfter ins Schwarze treffen als die anderer Berufsgruppen... und da es heutzutage ja sowieso üblich ist dass jeder Laie dem Profi vorschreibt wie er seine Arbeit zu machen hat muss man einfach bestimmte Sachen über sich ergehen lassen. Man muss das Positive sehen und versuchen aus dem Austausch etwas für sich mitzunehmen.
#42 am 03.03.2017 von Ärztin (Gast)
  1
Gast
Ich finde es immer toll wenn ein Veterinärmediziner den Humanmedizinern ihre Arbeit erklären will! Köstlich! Ich erkläre im nächsten Post auch wie man einen Hund kastriert.
#41 am 03.03.2017 von Gast
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Tausche Harnverhalt gegen COPD und Katheter gegen NIV. Wir sind so weit weg vom Schrecken des Krieges, dass wir uns es kaum vorstellen können was wir denjenigen die in unserer Obhut stehen unter anderen antun. Viel erschreckender ist aber, das wir als Pflegekräfte zu willfährigen Assistenten von anordnenden Ärzten werden, die die Behandlung verordnen, aber nicht bei der Umsetzung anwesend sind. Diesen Kollegen das vor Augen zu führen und den anordnenden Arzt teilhaben zu lassen hilft mir solche Gewalttätigen Situationen zu meiden, den sehr schnell wächst die Erkenntnis, sobald darauf aufmerksam gemacht, dass bei aller medizinischen Notwendigkeit, dies ethisch mehr als fragwürdig ist.
#40 am 03.03.2017 von Dominik Boeddinghaus (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Gast
Frau Diederichs ich kenne zehn Tierpfleger. Fünf davon sind Furries und zwei zoophil. Zufall?
#39 am 03.03.2017 von Gast
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BTW möchte ich darauf hinweisen, daß laut einer Studie von vor einigen Jahren demente Patienten sehr häufig an behandlungsbedürftigen Schmerzen leiden, die in den meisten Fällen zu wenig oder gar nicht behandelt werden. Verbessert man die Schmerztherapie, verschwinden häufig die Symptome, die zuvor fälschlicherweise als Demenzsymptome gedeutet und mit Neuroleptika maskiert worden sind. Die Wichtigkeit einer regelmäßigen grundliche Untersuchung auf Anzeichen von Schmerzen bei dementen Patienten inkl. deren großzügiger Behandlung durch Analgetike kann daher gar nicht hoch genug angesetzt werden. Da besteht immenser Verbesserungsbedarf.
#38 am 03.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Zur Geschichte: So wie das dort beschrieben wird, erfüllt das vermutlich gleich mehrere Sraftatbestände und währe sicherlich justiziabel. Man hätte sicherlich dorch angepaßte Medikation sowohl die Gewatanwendung als auch die Schmerzen und Leiden für die Patientin vermeiden können. Buscopan und NSAID können sowa peroral als auch transrektal verabreicht werden, dazu Benzos peroral. Sobald diese Mischung angeflutet ist, hätte man sicherlich einen venösen Zugang legen können und mit wahlweise Popofol oder einem kurzwirksamen Barbiturat eine Ultrakurznarkose einleiten können, um den Katheder zu legen. ZU beachten ist in solchen Fälen unbedingt auch die Tatsache, daß sich der Verlauf einer Demenz durch gewaltsame Übergriffe auf den Patienten drastisch verschlimmern kann.
#37 am 03.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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#34 Wie kommen Sie bitte auf die krude Behauptung, die meisten Tierpfleger wären " Furries und/oder zoophil"? Den Tatsachen entspricht das nämlich nicht, darum kann der Ursprung dieser Vorstellung nur bei Ihnen selbst zun finden sein.
#36 am 03.03.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Traurig die dargestellte Situation und genauso traurig viele Kommentare. Wenn die Welt so einfach wäre, dann würde es keine Gewalt geben, keinen Mißbrauch, dann hätte es keine Nazipartei und keine Einheitspartei gegeben, weil alle das objektiv richtige, vermittelnde Maß finden und bei Grenzüberschreitungen sich verweigern. Geht das immer in der Realität? Artikel ist gut geschrieben und zeigt für die Kommentare - s.o.- willkommen in der Realität. Wir alle wünschen uns eine bessere Welt.
#35 am 03.03.2017 von Zahnarzt Burkhard Wittje (Zahnarzt)
  1
Gast
Den Vergleich mit Tierpflegern finde ich unangebracht, denn diese sind sehr oft Furries und/oder zoophil, oft dieselben die für Tiermisshandlung die Todesstrafe fordern. Zum Thema: Ich kann es bestätigen dass Fälle und Aussagen wie oben speziell in der Altenpflege an der Tagesordnung sind. Was ich erlebt habe, sowohl von den ärztlichen Kollegen als auch von Pflegern ist einfach nur furchtbar.
#34 am 03.03.2017 von Gast
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Gast
Teril 2:zu der Personalzahl, Stationsgröße bekannt, nein, Uhrzeit Bekannt, nein. Daher könnte es zu Übergabezeit sein so das zum Beispiel Früh- und Spätschicht schon da sind, und Martin, Kalle und Sarah Stufe ich als Schüler und Praktikanten ein aufgrund des Sprachmusters so das die nur bedingt mit zählen beim Personalschlüssel. 2 Pflegekräfte pro Schicht sind dann nicht viel. Ich Denke der Artikel sollt uns nur darauf aufmerksam machen das viele Traumata aus dem 2 Weltkrieg noch bestehen,bzw. aus Kriegen im allgemeinen Bestehen da dies oft vergessen wird. Sowie zum Nachdenken anregen um mgl. Lösungen vorzuschlagen und nicht irgend wenn verurteilen. Aber das passiert leider gerade in der Pflege häufig, man bekommt ein teil mit und schon Urteil man ohne alle Informationen zu haben. Oder genauer nachzufragen.
#33 am 03.03.2017 von Gast
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Gast
Teil1: Es ist immer gut andere zu verurteilen ohne alle Informationen zu haben, egal ob Krankenhaus oder Pflegeheim. Schmerzmittelgabe und Sedierung könnten erfolgt sein denn eventuelle Medikamentengaben werden nicht erwähnt, daher sollt hier kein Urteil erfolgen sondern nachgefragt werden, Ich habe es schon oft erlebt in meinen Beruflichen Alltag das diese Medikamente wie gerade Sedierungen bei Dementen erst stark verzögert wirken, zumal durch die Schmerzen und das Trauma die Dame mit Sicherheit viel Adrenalin produziert und daher die Wirkung der Medikamente auch verzögert sein könnte. hinzu kommt das mehrfach erwähnt wurde das die Frau schwer Dement ist, so das eine Einschätzung von außen stehenden ohne ihren Charakter zu kennen schon schwieriger ist. Was beim mir ein Frage Zeichen hervor ruft ist das bei Bekanntheit des Traumas männliches Pflegekräfte bei und mit ihr arbeiten, hat sie das vorher akzeptiert oder wird hier auf das Trauma nicht eingegangen.
#32 am 03.03.2017 von Gast
  1
Gast
Die Urgroßmutter meiner Tochter war als 24-jährige junge Frau in Königsberg ... das Haus, in dem sie wohnten steht noch, ich habe es besucht und für sie fotografiert: malaja pesotshnaja ... damals Kleine Sandgasse. Sie wurde 1949 ausgebürgert, hatte also 4 Jahre Sowjetbesatzung in Ostpreussen und anschließend 40 Jahre Sowjetbesatzung in der Magdeburger Börde hinter sich - sie war die Einzige mit zwei vor der Einahme durch die Rote Amree geborenen Kindern aus der Familie, die überlebte, 2 Schwestern wurden zu Tode vergewaltigt, der kleine Bruder erschossen, weil er dazwischen gehen wollte, die Eltern verhungerten ... der Mann im Krieg vermisst. Auch sie kam mit einem durch Vergewaltigung gezeugten Kleinkind in die Börde. Der historische Hintergrund passt also.
#31 am 03.03.2017 von Gast
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Ich möchte in meinem Artikel etwas verbesser, nach 32 jahren Altenpflege habe ich solche Geschichten und und noch schlimmere geschichten gehör und zwar von den Bewohnerinnen selber wenn sie dazu noch in der Lage waren oder von ihren Angehörigen. Was mir in dem Artikel fehlt, ist die tatsache, dass auch Männer aus dieser Generation eine Traumabiographie haben. Bei den Männern kommt noch dazu, wenn sie Opfer sexueller Gewalt geworden sind, dann reden sie noch weniger darüber wie Frauen.
#30 am 03.03.2017 von Peter von Stedman (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Dieser Artikel ist garnicht so weit weg vom Alltag der Altenpflege. Bei den hier abgegebenen Komentaren kristallisiert sich deutlich der Unterschied zwischen der Krankenhauspflege und der Altenpflege in einem Pflegeheim heraus. Wenn Frau Kuhlbusch schreibt, dass sie den Artikel zynisch findet und das es ihr Übelkeit bereitet, kann ich nur dazu sagen, dass ich nach 32 Jahren Altenpflege solche und auch noch schlimmere Geschichten erlebt habe. Deshalb ist es auch meine Theorie, wenn ich die Diagnose Demenz lese, sollte man auch traumatische Erlebnisse nicht verdrängen, denn wenn ein Mensch jahrelang ein Vergessensmechanismus hatte, dann kann im Alter Realität und Biographie ein solches inneres Chaos hervorrufen, dass ein Leben ohne Betreuung in allen Lebenslagen unmöglich wird.
#29 am 03.03.2017 von Peter von Stedman (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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So, wie die Scene dargestellt ist, haben sich einige der handelnden Personen strafbar gemacht. Zumindest hätte im Nachhinein eine richterliche Genehmigung eingeholt werden müssen. Dass diese Rechtssituation von keinem Kommentar formuliert wird, ist bemerkenswert und weist auf täglich tausendfache Verstöße gegen das Selbstbestimmungsrecht insbesondere in der somatischen Medizin hin.
#28 am 03.03.2017 von Friedrich Maué (Arzt)
  5
Der Artikel ist so zynisch geschrieben,dass mir beim Lesen übel wird,ebenso wie einige Kommentare mir Übelkeit bereiten. Ich habe ähnliche Vorkommnisse in 36 Jahren Pflege nie erlebt und hoffe,dass ich auch niemals von so einem Verhalten real erfahren muss.
#27 am 03.03.2017 von Martina Kuhlbusch (Anästhesieschwester)
  9
Gast
Und so leid es einem tut, manchmal geht es bei deliranten Patienten einfach auch nicht ohne Gewalt. Z.b. der delirante aggressive Patient in der Sepsis, der auf der Intensivstation fixiert wird damit er sich lebenswichtige Zugänge (Katecholamine, Dialyse, etc.) nicht zieht. Langfristige Sedierung wäre dann auch eher nachteilig. Tut einem manchmal in der Seele weh das zu machen, weil der Patient es in dem Moment natürlich nicht versteht und entsprechend traumatisiert wird, aber man weiß auch ganz genau dass es schwere Schäden bzw. sogar den Tod des Patienten bedeuten kann wenn man ihn lässt. Ich denke das wichtige ist, dass man in jedem Fall neu abwägen muss, was der Schaden für den Patient schlimmstenfalls ist, wenn man ihn lässt, und ob es nicht doch Alternativen gibt. (Anstatt z.B. dann irgendwann aus "Reflex" jeden Patienten in der Sepsis zu fixieren, als blödes Beispiel)
#26 am 02.03.2017 von Gast
  0
Gast
#24: Da gibts doch auch oral gute Mittel, z.B. auch als Schmelztabletten etc. Ein Zugang an einem Arm ist ja selbst bei Gegenwehr auch deutlich einfacher gelegt als wenn vier Leute mit Gewalt die Beine auseinander drücken wollen. Denke schon, dass das ginge. Und wenn man entweder mit Zustimmung des Betreuers etc. oder aufgrund der Notfallindikation katheterisiert sollte es denke ich auch kein Problem sein, dafür kurz zu sedieren...
#25 am 02.03.2017 von Gast
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Liebe Leute, danke für die vielen Kommentare. Natürlich ist die Geschichte konstruiert und ein bisschen zugespitzt. Aber so etwas kommt vor. Und zwar leider gar nicht mal so selten. Eigentlich ging es mir zunächst einmal um die Traumatisierung - danke "Gast" #6 für den Hinweis auf diese Bachelor-Thesis. Ja, wir erleben derzeit die letzten Zeitzeugen der "Kriegsgeneration", viele von denen haben schreckliche Dinge erlebt, einige haben auch spannende Geschichten zu erzählen - wenn man denn bereit ist, ihnen zuzuhören. Wenn ich so die Kommentare lese, stelle ich fest, dass da ein anderes Thema offenbar viel wichtiger ist: nämlich der professionelle (oder nicht so professionelle) Umgang mit Demenzkranken und deliranten Patienten. Ja, man hätte Frau B. ein Schmerzmittel und am besten auch ein Sedativum geben sollen. (darf man das so ohne Weiteres? Aufklärung? Stichwort: "medikamentöse Fixierung"?). Aber dazu braucht man erst einmal einen venösen Zugang... und das ist genauso schwierig
#24 am 02.03.2017 von Medizynicus Medizynicus (Arzt)
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Ärztin
@ Gast 17: bei Harnverhalt muss gemacht werden was gemacht werden muss?? Ja, schon, aber nicht mit Gewalt! Das erhöht nur die Verletzungsgefahr, verstärkt die Schmerzen und macht dem Patienten unnötig Angst. Wohingegen eine adäquate Schmerztherapie in Verbindung mit einem Sedativum eine unkomplizierte und menschenwürdige Behandlung ermöglicht. Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht warum jetzt alle auf der Traumatisierung herumreiten. Es hat für die Akuttherapie zunächst keine Konsequenz. Dass ältere Patienten mit Harnverhalt Probleme bei einer BDK-Anlage haben kommt häufig vor. Häufig liegt es an einer Demenz, manchmal sind es auch Verwirrtheitszustände durch einen fieberhaften Harnwegsinfekt oder Exsikkose, manchmal sind es auch ganz klare Menschen denen einfach (durch den Harnverhalt) das Einführen des DK sosehr wehtut dass sie es nicht ertragen können, denen kann man es dann erklären aber durch die Erklärung tut es nicht weniger weh, eine Schmerztherapie ist trotzdem erforderlich.
#23 am 02.03.2017 von Ärztin (Gast)
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Was soll man dazu sagen: Pflege am Abgrund, sprachlich, fachlich, ethisch. Eigentlich auch juristisch relevant. Vielleicht kann jemand sachdienliche Hinweise zu Sarah, Kalle, Marvin, Martin und Paula machen.
#22 am 02.03.2017 von Prof. Dr. Bernd Reuschenbach (Pflegewissenschaftler)
  21
Gast
Jetzt hacken sie alle auf den Martin rum...es betrifft aber ein ganzes Team (4 Menschen in diesem Fall), die unreflektiert mitgemacht haben. Hier liegt doch das Drama!
#21 am 02.03.2017 von Gast
  2
Gast
Was wir hier in der Diskussion übersehen: es betrifft nicht nur alte Frauen! Wir haben zugewanderte Frauen mit ähnlichen Begegnungen und auch junge Frauen, die mittels K.-o. Tropfen ausgeschaltet wurden und keine Erinnerungen haben. um nur zwei Beispiele zu nennen.
#20 am 02.03.2017 von Gast
  2
Gast
Wenn man die Menschen kennt dann liebt man die Tiere. Wobei, es gibt auch Nette Ausnahme-Menschen
#19 am 02.03.2017 von Gast
  4
Gast
Katastrophale unprofessionelle Pflege! Die Pflegenden sind nach dem ICN-Kodex zu ethischem und empathischen Handeln verpflichtet - schon mal was davon gehört? Wie wäre es mit einschlägigen Evidenz-basierten Konzepten zur Pflege udn Betreuung Demenz-Kranker? Auch noch nichts von gehört? Tja, leider gibts wohl dafür keine Fortbildungspunkte in der Medizin! Dieses Problem ist jedenfalls alltäglich und durchaus häufig. Fragt mal in einem Altenpflegeheim nach!
#18 am 02.03.2017 von Gast
  6
Gast
Der Martinspruch is doch völlig alltäglich und nicht weiter schlimm. Das kommt nur wegen der Erzählung so rüber, der Autor kennt ja das Ende der Geschichte. Jede Berufsgruppe reißt solche Sprüche über ihr Klientel. Und warum sollte man die Pfleger entlassen? Bei nem Harnverhalt muss halt gemacht werden was gemacht werden muss. Was können die dafür, dass die Frau ein Trauma hat (von dem wahrscheinlich niemand außer Kalle weiß) und sich wehrt?
#17 am 02.03.2017 von Gast
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Gertrud Rust Dipl.Psych.
....die meisten Kommentare haben den Pflegerüpel zum Inhalt, kein Vorschlag ist dabei, in solchen Situationen zu überlegen, warum sich eine Patientin/ein Patient gegenüber einer Maßnahme wehrt. Ausrede Demenz funktioniert nicht, denn trotz derselben war die Assoziation zu einer lange zurück liegenden Vergewaltigung präsent. Das ist doch gerade das Typische bei Dementen, im Langzeitgedächtnis ist noch Einiges abrufbar. Kalle hat`s kapiert, aber er war wohl der Einzige...
#16 am 02.03.2017 von Gertrud Rust Dipl.Psych. (Gast)
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Gast
Ich sehe den Artikel nicht als Verallgemeinerung. Weiss aber, daß es solche Mitarbeiter gibt. Trotzdem ist hier kein Sarkasmus und "die OLLE" angesagt. Sedierung wäre hilfreicher gewesen. Was wäre denn ohne die Betroffenheit der Pflegekräfte gewesen ?? Wäre dann dier Geschichte nicht geschrieben worden ?? Wäre sie dann dadurch richtiger abgelaufen ? Wohl nicht.
#15 am 02.03.2017 von Gast
  0
Gast
@ Gast #8: Das ist kein Sarkasmus, das ist menschenmiß- und -verachtend. Als Tierpfleger wären diese Martins längst gebissen worden, wenn nicht schlimmer. Es ist doch leider traurige Sitte, daß die Pfleger nicht mit sondern über die Köpfe der zu Pflegenden miteinander reden. Eine freundliche Ansprache mit Blickkontakt ist immer hilfreich, ist vielen aber nicht geläufig.
#14 am 02.03.2017 von Gast
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@ Kommentar 5 Frau Geissler, ich finde es sehr bedauerlich auf diesem Portal derartige Verallgemeinerungen lesen zu müssen. In jedem Beruf gibt es Menschen, die dort nie arbeiten sollten - und das war früher nicht anders! Sätze wie "Das ist das Niveau der heutigen Pflegekräfte" sind fast genau so schlimm wie die unsägliche Aussage des "Martin" .
#13 am 02.03.2017 von Hans-Martin Gurland (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Gast
Ich empfehle dringend die Bücher von Frau Sabine Bode zu lesen. "Kriegsenkel", "die vergessene Generation", "Nachkriegskinder". Mir hat es (*1971) die Augen geöffnet und ich habe heute viel mehr Verständnis und erkenne erstaunliche Zusammenhänge im Alltag, die direkt auf den 2. WK zurückzuführen sind. Pflichtlektüre!
#12 am 02.03.2017 von Gast
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Als ehemaliger Geschäftsführer von vier Altenheimen und mit jahrzehntelanger Erfahrung als Heimleiter kann ich Ihnen versichern, dass wir jede an dem geschilderten Drama beteiligte Pflegekraft fristlos entlassen hätten - und die folgenden Arbeitsgerichtsprozesse gewonnen hätten. Alle mir bekannten Mitbewerber hätten ähnlich gehandelt.
#11 am 02.03.2017 von Thomas Hoischen
  31
Gast
@Gast 8 nicht jeder Mensch ist von "Natur aus" sarkastisch. Es gibt aber tatsächlich eine Art von Schwarzhumorigkeit, die hilft, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten bei medizinischen Berufen. aber solche Sprüche haben mit Sarkasmus nichts zu tun, das ist nur sackgrob. Unsere damalige Schulschwester sagte im Zusammenhang mit Dementen : "denken Sie immer daran, es könnte Ihre Grossmutter oder Grossvater sein.." Das hat geholfen.
#10 am 02.03.2017 (editiert) von Gast
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Angehöriger von Patientin
Die Pflegekräfte, die meine im Wachkoma befindliche Mutter betreuen haben auch schon aus ihren Pflegeheimzeiten berichtet wie alte Frauen Nachts schreiend aufwachen, weil sie wieder von ihren Vergewaltigungen durch russische Soldaten träumen. Anscheinend wird im Alter bei nachlassendem Kurzzeitgedächtnis das Langzeitgedächtnis aktiver und alte Erinnerungen/Traumas kommen wieder hoch. Das sollte man bei der Altersgruppe am besten immer berücksichtigen.
#9 am 02.03.2017 von Angehöriger von Patientin (Gast)
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Gast
Der Mensch ist von Natur aus sarkastisch - das gibt es bei Ärzten in der BANK u. auch Pflegekräften
#8 am 02.03.2017 von Gast
  13
Gast
Und noch eine Ergänzung: Ob Krankenhaus oder Pflegeheim Ort des Geschehens sein soll, ist ziemlich egal. Wer derart respektlos mit Patienten, Bewohnern, Klienten oder wie immer man sie nennen möchte, umgeht, hat im Gesundheitswesen nichts verloren.
#7 am 02.03.2017 von Gast
  5
Gast
Fast genauso erschreckend wie die Geschichte ist der Kommentar Nummer 3. Was nicht sein darf, kann nicht sein? Wenn Sie es nicht glauben, empfehle ich folgenden Link: http://www.dg-pflegewissenschaft.de/2011DGP/wp-content/uploads/2014/01/Traumata-aus-dem-Zweiten-Weltkrieg-Romeike.pdf Sollte Pflichtthema für jede Pflege- und Medizinerausbildung werden. Die Generation, die den zweiten Weltkrieg noch erlebt hat, stirbt jetzt langsam aus, aber der "Nachschub" an traumatisierten Menschen bleibt ja leider nicht aus.
#6 am 02.03.2017 von Gast
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DAs ist das Niveau der heutigen Pflegekräfte, weil man jeden Trottel nimmt. Das ist wirklich eine Katastrophe. Für mich als ehemalige Pflegekraft unfaßbar. Die Patienten können einem wirklich leid tun.
#5 am 02.03.2017 von Monika Geissler (Weitere medizinische Berufe)
  42
Gast
Im Pflegeheim wäre eine solche Situation aufgrund strenger Qualitätsstandards nicht möglich? Tut mir leid, aber auf welchem Planet leben Sie denn?
#4 am 02.03.2017 von Gast
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Aus dem Artikel geht nicht hervor, ob die Station in einem Pflegeheim oder in einem Krankenhaus sich befinden soll. Gehen wir einmal davon aus, es spielte sich in einer Klinik ab, würde ich davon ausgehen, dass sich ungewöhnlich viele Pflegekräfte auf dieser Station befinden.. Heutzutage ist das Pflegepersonal so ausgedünnt, dass eine solche Situation mangels Verknappung gar nicht auftreten kann. Im Pflegeheim dagegen herrschen inzwischen strengste Qualitätsstandards. Wegen der Dokumentationspflich wäre eine derartige Situation ebenfalls nicht möglich, da keine Zeit besteht, eine Frau niederzuringen. Mithin ist diese Geschichte entweder erfunden oder stammt aus einem anderen Staat.
#3 am 02.03.2017 von Robert Enderle (Arzt)
  39
Gast
Wer "Habt ihr's der Ollen besorgt?" sagt, ist charakterlich nicht in der Lage, in einem Krankenhaus zu arbeiten. PS. Wahrscheinlich ist er auch nicht in der Lage, mit Kundenkontakt Regale aufzufüllen.
#2 am 02.03.2017 von Gast
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Ärztin
Muss das denn so ablaufen? Das ist nicht in Ordnung! Wieso konnte man die Dame für die BK-Anlage nicht ein wenig sedieren? Soviel Zeit muss man sich auch bei einem Harnverhalt nehmen. Zumal man so in Ruhe die Blase entleeren kann, denn sobald die Patientin wieder wach ist muss der DK ohnehin entfernt werden damit sie ihn nicht selbst herausreisst.
#1 am 02.03.2017 von Ärztin (Gast)
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