Lotse ohne Peilung?

20.11.2008
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Der Begriff Lotse stammt aus der Seefahrt: Hier bezeichnet er in der Regel einen erfahrenen Kapitän, der sich in bestimmten gefährlichen Gewässern so gut auskennt, dass er beratend andere Schiffsführer sicher durch Untiefen und vorbei an Hindernissen führen kann.

Der Hausarzt soll nach dem Willen des Gesetzgebers der Lotse im Gesundheitswesen sein: ein klinisch erfahrener Mediziner, der alle Krankheitsbilder so gut kennt, dass er seine Patienten sicher vorbei an allen Klippen und Sandbänken des Gesundheitssystems dem richtigen Facharzt zuführt, um so überflüssige Doppeluntersuchungen einzusparen sowie die Patientenversorgung zu koordinieren und zu straffen.

Eine beruhigende Vorstellung.

Leider habe ich immer wieder den Eindruck, dass der ein oder andere Lotse wohl seine nautischen Karten verlohren hat. Statt den Patienten rasch zum nächsten Facharzt zu überweisen, werden die Patienten länger als nötig durch die seichten Gewässer der eigenen Praxis geschippert, geIGeLt und, falls es unvermeidbar wird, ins Krankenhaus überwiesen oder eingewiesen. Auf dem entsprechenden Formular steht dann zum Beispiel: V. a. chronische Lumbalgie (DD: Nierenkolik), unklares Abdomen, hypertensive Entgleisung, Descensus uteri. Da ist für jeden etwas dabei, und man kann sich aussuchen, in welcher Fachabteilung man den Patienten zuerst untersucht. Sachdienliche Hinweise über vorangegangene Diagnostik und/oder Therapien fehlen in der Regel. Vielleicht kommt man indes auf diesem Weg zu einer ausreichenden Abklärung und Behandlungsempfehlung, um die medizinische Seereise unter Umgehung des Facharztes allein mit dem Patienten fortzusetzen.

Von einer Lotsenfunktion im Sinne der Gesundheitspolitiker kann ich hier jedenfalls nichts erkennen.

Tatsächlich nimmt wohl nur ein geringer Prozentsatz der gesetztlich krankenversicherten Patienten an einem Hausarztmodell teil, sondern die meisten gehen lieber direkt zum Facharzt, selbst wenn sie dafür zusätzliche €10,- Praxisgebühr löhnen müssen, und fühlen sich dabei nicht schlechter versorgt, als jene, die zuerst den Hausarzt aufsuchen. So eine Umfrage der Bertelsmannstiftung. Die Rate der Facharztbesuche ist meines Wissens jedenfalls nicht gesunken.

Schiff ahoi!

;-) 


 

Titelbild: © Klaas Hartz / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.12.2013.

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