Hurra, wir sind zertifiziert!

14.11.2008
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Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung sind in allen Bereichen des öffentlichen Lebens en vogue. Kaum ein Unternehmen, welches nicht durch den TÜV oder eine vergleichbare Institution zertifiziert ist. Selbst meine Autowerkstatt. Und natürlich viele Krankenhäuser: KTQ, ProCumCert, ISO...

Mein Eindruck ist jedoch, dass sich durch QM und Zertifizierung in der Qualtät der praktischen Arbeit wenig ändert, außer dass jede Menge Papierkram hinzu kommt. Zum einen müssen sämtliche Arbeitsprozesse verschriftlicht und standardisiert, dann die Einhaltung dokumentiert und überprüft und aus den Ergebnissen irgendwelche Konsequenzen gezogen werden, welche es dann wieder zu dokumentieren und überprüfen gilt.

So wird dann das Anzünden einer Duftkerze auf der Palliativstation in einer mehrseitigen Ablaufbeschreibung nachvollziehbar festgehalten: [... ] Man nehme die Streichholzpackung in die linke Hand, das Streichholz in die rechte und entzünde  [...]

Keine Frage, das eigene (z. B. ärztliche und pflegerische) Handeln regelmäßig zu hinterfragen und an aktuellen Richlinien, wie Evidence based medicine, zu orientieren, macht sehr viel Sinn und ist erforderlich. Aber das Endprodukt von QM ist häufig ein Papiertiger: Hauptsache, die Dokumentation der Qualität ist vorhanden, ob's stimmt, ist sekundär. Ein Zuviel an Regularien und Standarts kann auch dazu führen, dass die Mitarbeiter den eigenen Verstand ausschalten. Ein  Beispiel: Ein Patient hat bei der Aufnahme angegeben, dass er eine Allergie auf Ciprofloxacin hat. Was erhält er als perioperative Antibiotika-Prophylaxe? Natürlich Ciprofloxacin, denn so sieht es der Behandlungsstandart vor. Ergebnis: ein Arztneimittelexanthem.

Qualität ist in diesem Zusammenhang, was das QM misst. Hauptsache, wir sind zertifiziert.

Ich glaube jedoch nicht, dass Patienten das Krankenhaus, in dem sie sich behandeln lassen, danach auswählen, ob ein teures KTQ-, TÜV- oder ISO-Zertifikat vorliegen. Da spielen unter anderem der Ruf der jeweiligen Abteilung, Mundpropaganda, die Nähe zum Wohnort, die Verkehrsanbindung (man will ja schließlich besucht werden) und die Hotelqualitäten des Hauses (Einrichtung der Zimmer, Essen etc.) eine viel entscheidendere Rolle.

QM und Zertifikate kosten daher vor allem eine Menge Geld sowie wertvolle Arbeitszeit und nutzen wenig.

 

Titelbild: © S. Hofschlaeger / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.12.2013.

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