Kindergeschichten - nächster Teil

11.02.2017
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Es war ziemlich nachts. Klein-Lottie, elf Monate alt, hatte grässlich Bauchschmerzen. Die entsetzten Eltern waren vor lauter Aufregung aus Versehen nicht in die Kinderklinik sondern zu uns gefahren.

Nachdem die Aussage der Nachtschwester „Nö, da sind sie hier falsch, wir behandeln gar keine Kinder“ für Panik gesorgt hatte, wurde den Eltern feierlich versprochen: „Ok, gut, unser kompetenter Arzt vom Dienst wird sich natürlich darum kümmern. Kein Problem. Hier gehen Sie gleich in diesen Raum rein. Super.“


„Frau Zorgcooperations?! Kannst du gleich kommen? Wir haben gesagt, du würdest das Kind anschauen.“ Na super. Ich betrat den Raum, in dem die Eltern hoffnungsfroh warteten. Klein-Lottie grinste mich auch erfreut an und ich dachte mir ebenso erfreut, dass es zumindest nicht nach akutem Notfallgau aussah. Die Elterngeschichte handelte von Erbrechen, Bauchschmerzen, mehr Erbrechen.

Ich entschloss mich zu einer professionellen pädiatrischen Untersuchung. Klein-Lottie, entzückt über diese Arztnähe, zog alle datenschutzrechtlich sensiblen Notizzettel mit geheimen Patientendaten aus meiner Kitteltasche und versuchte, einen davon zu essen. Nach Rettung von Zetteln mit wichtigen Informationen wie „Station 10, Zimmer 1 Herr Nussbaum, Kanüle legen!“, drapierten wir das Kind auf die Ultraschallliege, umso mehr Bauchinformationen zu ergattern.

Der Ultraschall war schwer, da einerseits der Schallkopf so groß wie der halbe Bauch des Kindes war und Klein-Lottie außerdem in Ermangelung neuer Notizzettel die meiste Zeit geschäftig am Kabel des Schallkopfes rüttelte.

„Naja“, sagte ich zu den Eltern, „der Ultraschall sieht ganz gut aus und im Augenblick scheint es Lottie ja sehr gut zu gehen.“ – „Oh, aber sie schluckt gar nichts mehr!“, sagte der besorgte Vater. „Hm ach so, das ist natürlich noch was Anderes. Wir können das ja mal ausprobieren. Haben sie denn etwas zu trinken dabei?“

„Ja, natürlich.“ Die Mutter durchsuchte ihre Tasche. Erleichtert Klein-Lottie nicht mit einem unserer läpprigen Plastikbecher konfrontieren zu müssen, stellte ich dann erstaunt fest, wie die Mutter ein Cola-Getränk hervorgeholt hatte, pragmatisch einen Strohhalm hineinsteckte und die Konstruktion ihrer Tochter darbot.

Klein-Lottie war gegen das Vorhaben, ich wusste auch nicht so recht, ob das wirklich die richtige Methode sein sollte und bevor mich das Glück mit ihr verließ, riefen wir lieber in der Kinderklinik an und schickten die Familie dort vorbei.

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Zum Blog.

 

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.02.2017.

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Gast
ad #14: Warum ärgern Sie sich noch nach 30 Jahren? Wenn Sie einen Fehler gemacht haben sollten, sollten Sie daraus lernen, zukünftig anders (re)agieren, aber sich doch nicht 3 Jahrzehnte lang ärgern. Wollen Sie das bis zum Rest Ihres Lebens tun, dann haben Sie aber viel Zeit zu verschwenden.
#17 vor 5 Tagen von Gast
  0
Gast X
Bei Kindern oder sehr schlanken Patienten kann man im Zweifelsfall auch zum Linearscanner oder zum Sektorscanner greifen....
#16 vor 7 Tagen von Gast X (Gast)
  0
Immer her mit den Kindern ;-) - bei uns sind die Ultraschallköpfe kleiner. Und sitzen nicht so locker. No offence!
#15 vor 7 Tagen von Dr. med. Kinder Dok (Arzt)
  0
Gast
Hab ich genau so schon vor 30 Jahren erlebt und ärgere mich noch heute, dass ich mich drauf eingelassen habe, statt gleich an die kompetente Kinderklinik zu verweisen. Auch im Sinne des Kindes. Vor allem bei komplizierten Fragestellungen. Anfänger glauben zu oft, sie müssten jedem helfen können.
#14 vor 8 Tagen von Gast
  1
Liebe Frau Zorgcooperations, Sie sind köstlich!!Ich liebe Ihre knochentrockenen Schilderungen eines Diensthabenden im Klinikalltag! Danke dafür und bitte mehr dieser quasi unlösbaren Fälle. Ein treuer Fan
#13 vor 8 Tagen von Barbara Koenig (Ärztin)
  1
Gast
@#11 weil sie eine nette Ärztin ist und ein guter Mensch.
#12 vor 8 Tagen von Gast
  0
Gast
Zwar nicht spannend, aber realitätsnah. Nur verstehe ich nicht, wenn schon in dieser Nothilfe keine Kinder b handelt werden und wenn es sich auch klarerweise um keinen Blaulicht-Notfall handelt, wieso verschwendet die Kollegin weiter Zeit mit diesem Kind?
#11 vor 9 Tagen von Gast
  11
Bernd Kühl
Der kollegiale Ton ist anscheinend etwas rauer geworden. Die Kollegin war wohl etwas ängstlich auf diesem unbekannten Terrain Fehler zu machen und wollte durch das Schreiben Spannung lösen !?
#10 vor 9 Tagen von Bernd Kühl (Gast)
  9
Gast
Ich empfehle Dr. Zorgcooperations den Besuch einer Balintgruppe, wenn das zu keiner Auflösung führt auch einer Selbsterfahrungsgruppe.
#9 vor 9 Tagen von Gast
  36
Was soll das gemecker?? Blog heißt, daß wer aus seinem Leben im Netz erzählt. Wenn da nicht immer gkeich ne 5-Sterne Reanimation stattfindet, ist es gleich zu langweilig für das verehrte Publikum?
#8 vor 9 Tagen von Dr. med. Christine Aresin (Ärztin)
  3
Und gerade deshalb will ich auf gar keinen Fall Kinderärztin werden...
#7 vor 9 Tagen von Dr. rer. nat. Joanna Majczak (Studentin der Humanmedizin)
  7
Gast
So, gelesen.... und jetzt???? Bitte nicht noch einmal so etwas
#6 vor 9 Tagen von Gast
  26
@#1: Ablenkung hilft; außerdem hilft auch Aufklärung über die Art der Getränke..
#5 vor 9 Tagen von Dipl.-Mus. Anke Niggenaber (Weitere medizinische Berufe)
  0
Gast
Hmm... tja.... Aber auch mich lässt der kleine, nette Beitrag fragend nach dem Sinn und Zweck zurück!
#4 vor 9 Tagen von Gast
  12
Gast
"Bauch" war wohl zu schwer.
#3 vor 9 Tagen von Gast
  8
Gast
Vielleicht kommt ja noch was! Irgendeine Aussage?
#2 vor 9 Tagen von Gast
  24
Was soll uns dieser Beitrag sagen? Geschwätz.
#1 vor 9 Tagen von Dr. Gudrun Dr. Hagmayer (Tierärztin)
  40
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