Medizinjournalisten - die Experten für medizinische Laien

11.02.2017
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Wenn der Arzt eine Diagnose stellt, dann versteht der Patient im ersten Moment erst einmal nichts. Er kann mit dem „perforierten Appendix“ ebenso wenig anfangen wie mit einem „akuten Wurm“, wohl aber mit einer Blinddarmentzündung, nur leider wird der Arzt diese Diagnose erst auf Nachfrage des Patienten erwähnen. Die Sprache der Medizin ist Latein und wenn Ärzte untereinander über einen Patienten sprechen oder einen Bericht verfassen, dann werden selbst diejenigen, die in der Schule vielleicht Latein gelernt haben, nur wenig bis gar nichts verstehen. Es sind die Medizinjournalisten, die die Geheimnisse der Medizin verständlich machen und daher sind diese Journalisten so wichtig.

Wenn es zum Medizinstudium nicht reicht

Muss ein Journalist, der sich der Medizin verschrieben hat, selbst ein Arzt sein? Eher nicht, denn viele Medizinjournalisten interessieren sich zwar für die Materie, aber sie haben keine Möglichkeit gefunden, einen medizinischen Beruf zu ergreifen. Um Medizin studieren zu können, muss man zunächst die Zulassungsbeschränkungen überwinden, die es bundesweit gibt, da sich weitaus mehr Studienanfänger für ein Medizinstudium interessieren als Studienplätze vorhanden sind. Wer keinen passenden Numerus clausus hat und den „Test für medizinische Studiengänge“ nicht besteht, der kann zwar nicht mehr Medizin studieren, aber Medizinjournalist werden. Für viele ist das eine sehr gute Alternative, denn sie beschäftigen sich mit der Medizin und arbeiten als Journalisten immer auf der Höhe der Zeit.

Eine solide Ausbildung

Zahlreiche Journalistenschulen warten auf die zukünftigen Fachjournalisten, die dort statt eines Medizinstudiums ein Studium der Publizistik absolvieren können. Hier spielt der Numerus clausus nur eine untergeordnete Rolle, es werden andere Qualitäten verlangt. Die jungen Journalisten treten in die Fußstapfen der Kollegen, die schon 1894 den ersten journalistischen Fachverband gegründet haben, und die damit Wegbereiter für eine stets hochwertige Berichterstattung wurden. Wie bedeutend der Medizinjournalismus ist, das hat sich zum ersten Mal in den 1960er Jahren während des Contergan-Skandals gezeigt, denn es waren Journalisten, die der Bevölkerung die ganze tragische Bandbreite des Skandals näher gebracht haben.

Ein vielfältiges Aufgabengebiet

Zu jeder Ausbildung zum Fachjournalisten für Medizin gehört auch ein Redaktions-Volontariat und damit die Möglichkeit, praktisch in diesem spannenden Beruf zu arbeiten. Während des Volontariats erleben die angehenden Fachjournalisten zum ersten Mal auch die Vielfalt dieses Berufs und sie lernen, wie anspruchsvoll und faszinierend diese Sparte des Journalismus ist. Medizinjournalisten berichten über die medizinischen Forschungen in aller Welt, sie befassen sich mit Ernährungskunde und auch mit der Psychologie. Sie können sich im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn auf Ernährungskunde spezialisieren und auch das Thema Umwelt ist ein spannendes Ressort für diese Fachjournalisten. Die Suche nach Heilmitteln gegen Krankheiten wie Krebs oder Multiple Sklerose, das Forschen nach einem Impfstoff gegen AIDS oder auch der Ausbruch einer exotischen Krankheit – das alles ist nur ein kleiner Ausschnitt der Themengebiete, mit denen sich medizinische Fachjournalisten beschäftigen müssen.

Die Beschäftigungsformen

Nur wenige Fachjournalisten arbeiten fest angestellt bei einer Zeitung, die meisten der ca. 1600 Fachjournalisten für Medizin in Deutschland sind Freelancer, also freiberuflich tätige Journalisten. Die wenigen festangestellten Journalisten, die es gibt, arbeiten in der Regel für kleine Redaktionen, die sich nur mit dem Thema Medizin beschäftigen. Freelancer arbeiten hingegen mit vielen verschiedenen Zeitungen zusammen, einige schreiben in regelmäßigen Abständen Kolumnen oder haben sich auf ein bestimmtes Gebiet der Medizin spezialisiert und arbeiten eng mit einer entsprechenden Fachzeitschrift zusammen. Freiberuflich zu arbeiten ist für Journalisten nicht von Nachteil, denn so sind sie relativ frei, was die Auswahl der Themen angeht und sie können sich ihre Arbeitszeit stets frei einteilen. Wie jeder andere Journalist, so haben auch Medizinjournalisten einen Presseausweis, der es ihnen ermöglicht, zum Beispiel medizinische Kongresse oder Messen zu besuchen.

Gute Kontakte knüpfen

Wie erfolgreich ein Fachjournalist für Medizin ist, das hängt vielfach auch davon ab, wie gut er vernetzt ist. Gute Kontakte spielen im Journalismus immer eine entscheidende Rolle, denn diese Kontakte sorgen für Insider-Wissen und spannende Hintergrundberichte. Junge Journalisten sind gut beraten, schon am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn ein Netzwerk aufzubauen. Dozenten für Medizin sollten zu diesem Netzwerk ebenso gehören, wie auch praktizierende Ärzte und Apotheker. Es ist sehr wichtig, dass ein Medizinjournalist eine Krankheit nicht nur verständlich beschreiben kann, sondern auch in der Lage ist, den Verlauf der Krankheit anhand von Fallbeispielen zu schildern. Ein gutes Beispiel dafür ist die Fibromyalgie, eine Krankheit, die erst Mitte der 1990er Jahren in das öffentliche Bewusstsein der Bevölkerung rückte, als Journalisten ausführlich über diese ernste Erkrankung berichtet haben.

Für den Laien verständlich

Der Beruf eines Journalisten hat auch immer etwas mit Aufklärung zu tun, und das ist bei Medizinjournalisten nicht anders. Viele Menschen fühlen sich von der modernen Medizin überfordert, sie verstehen nicht, was mit ihnen passiert und nur wenige Ärzte können sich die Zeit nehmen und ihre Patienten umfassend über die Krankheit und die Therapiemöglichkeiten aufklären. Diese Aufgaben übernehmen die Fachjournalisten für Medizin, die in leicht verständlichen Worten auch komplexe und komplizierte Themen aus der Medizin den Patienten näher bringen.

Bildquelle: © Depositphotos.com / michaklootwijk

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.02.2017.

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