Die Geschichte vom IGeL und vom Krebs

24.09.2008
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Condylomata accuminata werden bekanntlich durch eine Infektion der Haut mit dem Humanen Papilloma Virus hervorgerufen, werden sexuell übertragen und gelten als Präkanzerosen für die Entstehung eines Penis- oder Zervixkarzinoms, weshalb für junge Frauen die HPV-Impfung als Prophylaxe unter anderem durch TV-Werbespots propagiert und als offiziell empfohlene Impfung von den Krankenkasssen bezahlt wird.

Soweit, so gut.

Die operative Entfernung von penilen Kondylomen (mittels Exzision oder Laserablation) war bisher ein ganz normaler Eingriff, welcher meistens sogar ambulant durchgeführt und von den gesetztlichen Krankenversicherungen bezahlt wurde. Die Operation macht Sinn, da nicht nur die Präkanzerose entfernt wird, sondern auch eine Weitergabe der Infektion verhindert werden kann. Trotzdem bekommt unsere Abteilung die Kondymombehandlung neuerdings mit der Begründung nicht mehr erstattet, es handele sich hierbei um eine individuelle Gesundheitsleitung, welche der Patient zu tragen hätte. Man könnte also meinen, es ginge um einen mehr oder weniger kosmetischen Eingriff. Praktisch bedeutet diese Entscheidung für das Krankenhaus, dass es für diese geleisteten Operationen im vorangegangenen Quartal nicht bezahlt wird.

Doch das nur nebenbei.

Worum es mir geht ist, wieder einmal zeigt sich, dass im Deuschen Gesundheitswesen Vorbeugung, in diesem speziellen Fall einer Krebserkrankung, nicht an erster Stelle steht, selbst wenn die möglichen Folgekosten einer resultierenden Erkrankung erheblich höher sind. Denn dies ist nur ein Beispiel für medizinisch sinnvolle diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die inzwischen als IGeL verkauft werden (müssen). Wirtschaftlich gesehen mag dies für den die Leistung erbringenden Arzt ein Gewinn sein, da es nicht das Praxisbudget belastet und eine zusätzliche Einnahmequelle darstellt, gesundheitspolitisch halte ich es jedoch für zum Teil sehr fragwürdig. Denn nicht jeder Patient ist willens oder in der finanziellen Lage, sich sinnvolle IGeL zu leisten.

Natürlich ist die Kostenexplosion im Gesundheitswesen ein Problem für die Krankenkassen. Aber irgendwie kann ich nicht verhindern, bei dem Gedanken an einen großen Krankenversicherer, welcher sich die Gesundsheitskasse nennt und mit dem Slogan wirbt: "Wir wollen, dass Sie gesund bleiben", stellvertretend für alle GKV zu ergänzen: ...denn dann kosten Sie uns kein Geld und wir kassieren einfach nur Ihre horrenden Beiträge. Zumindest ist dies der Eindruck der zunehmend bei der Versicherten entsteht, da sie immer mehr für immer weniger Leistungen an die Krankenkassen abführen müssen.

 

Titelbild: © Rainer Sturm / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.12.2013.

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