So'ne kleine rote!

09.09.2008

Kennen Sie das?

Schon im Studium bekommt man beigebracht, dass die ausführliche Anamnese ein grundlegender Baustein der ärztlichen Diagnostik ist und einem wertvolle, wenn nicht sogar entscheidende Hinweise auf die Diagnose liefern kann, welche dann dem Patienten unnötige Untersuchungen ersparen.

Kennen Sie das auch?

"Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?" fragt der Stationsarzt beim Aufnahmegespräch.

"Ja." antwortet der Patient.

"Welche denn?"

"Äh, weiß nicht. Morgens und abends so'ne kleine rote Pille, wissen Sie, Herr Doktor?"

Als gäbe in Deutschland auf dem Markt nur eine einzige rote Pille.

"Und dann noch so'ne größere weiße."

In dem Bemühen, die Möglichkeiten einzugrenzen erkundigt sich der Arzt: "Worfür sind die denn?"

"Lisbeth", wendet sich der Patient hilfesuchend an seine Ehefrau. "Wofür sind die Tabletten, die mir Dr. Schmitz verordnet hat?"

"Für's Herz!" gibt die Frau bereitwillig Auskunft. "Nein, den Blutdruck, oder so. Und eine ist für das Cholesterin. Mein Mann hat nämlich Cholesterin, müssen Sie wissen. Ich sag ihm immer, er soll nicht so fett essen. Aber er hört ja nicht auf mich."

"Haben Sie vielleicht", will der Arzt geduldig wissen, "einen Medikantenplan?"

"Ja."

"Haben Sie den auch dabei?"

"Nein."

"Haben Sie die Medikamente dabei?"

"Nein, ich dachte, die bekomme ich hier gestellt."

"Vielleicht kann Ihre Frau den Plan ja mitbringen", erklärt der Arzt und versucht ein anderes Thema: "Sind Sie schon einmal operiert worden?"

"Nein", sagt der Patient bestimmt. Endlich eine klare Aussage.

"Auch nicht der Blinddarm oder so?" hakt der Arzt trotzdem vorsichthalber nach.

"Doch, der Blindarm ist raus, aber da war ich noch ein Kind."

"Und die Mandeln?"

"Auch weg. Als Jugendlicher."

"Sonst noch was?"

"Herz", greift Lisbeth ein. "Drei Bypässe vor fünf Jahren. Aber seitdem hat mein Mann keine Beschwerden mehr."

Verlassen wir die Szene an dieser Stelle, das Gespräch geht noch eine Weile so weiter.

Alle fordern den aufgeklärten Patienten. Eine Studie hat gezeigt, dass nur ein geringer Prozentsatz der Patienten, die für einen operativen Eingriff nach dem Stufenschema aufgeklärt wurden (also erst ein Merkblatt über die geplante Operation zu lesen bekamen und dann in einem zweiten Schritt noch einmal mündlich vom Arzt aufgeklärt wurden, wobei anstehende Fragen besprochen werden konnten) einige Tage nach der Operation angeben konnten, welcher Eingriff genau bei ihnen durchgeführt wurde.

 

Titelbild: © samantids / Flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.12.2013.

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