Intubieren leicht gemacht: Keine Macht der Angst!

25.01.2017
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Der folgende Eintrag ist sehr fachspezifisch und richtet sich daher primär auch an Fachpublikum. Hier kommen drei todsichere Tipps, wie die Intubation fast immer gelingt:

Die Intubation, also die Sicherung des Atemwegs über die Einlage eines sogenannten Endotrachealtubus in die Luftröhre, wird von manchen Anästhesisten als der heilige Gral ihres Fachs gehütet.

Es wird in Anwesenheit fachfremder Mitarbeiter (Praktikant, Internist, Rettungsassistent etc.) stets ein großes Buhai darum gemacht. Furchtbar kompliziert, kann als Nicht-Anästhesist quasi nicht klappen, man muss mindestens drei Trilliarden Intubationen gemacht haben, um den einfachen Atemweg zu beherrschen ... ist klar.

Intubieren kann auch ein Toastbrot lernen

Müssen wir ja auch so machen, wir haben ja nicht viel anderes, womit wir angeben können. Ich bin der Meinung, das Intubieren kann man einem Toastbrot beibringen, das Toastbrot muss es nur 1000 Mal machen. Ja, es ist einfach eine Übungssache. Man braucht für eine optimierte Laryngoskopie und die erfolgreiche Intubation noch nicht mal ein Medizinstudium. 

Das eigentliche Problem (hört, hört!) ist ein ganz anderes. Die Patienten sterben nämlich lange, bevor sich der Hobby-Intubateur/Intubateuse an die Stimmritzen machen kann. Der Patient hat zu wenig Schlafmittel, kein Relaxans, vielleicht auch zu wenig Schmerzmittel und dann fängt er an zu würgen und übergibt sich. Der Sauger ist nicht vorbereitet (Wer hat heute den Zimmer-Check gemacht? Da war doch alles abgehakt?), der Patient aspiriert.

Oder er hat zu viel Schlafmittel/Schmerzmittel bekommen und die Katecholamine laufen nicht mit. Dann ist kein Arterenol aufgezogen, der Patient wird langsam, bleibt stehen, es wird reanimiert.

Gute Vorbereitung ist alles

Manni der LKW-Fahrer stemmt die Hände in die Hüfte und sagt: „Na, merkste watt?“
Die Intubation ist deshalb so ein risikoreiches und minenübersätes Kampffeld, weil es so viele Fallstricke drum herum gibt.

Die Patienten, die auf der Intensivstation oder im Rettungsdienst wirklich intubationspflichtig sind, oder intubationspflichtig gemacht werden, sind wirklich krank. Wenn die einen Tubus brauchen, dann brauchen die einen Tubus. Ein Nicht-gelingen der Intubation ist fast regelhaft mit dem Ableben oder einer Reanimationssituation verbunden.

Das bedeutet maximalen Stress bei allen Beteiligten. Wenn man dann nicht optimal vorbereitet ist, kann das Projekt nur scheitern.

Plan, Vorbereitung, Checkliste

Mein Rat daher, macht eine Checkliste, bereitet euch vor, entwickelt einen Plan B, bereitet diesen auch vor, kommuniziert miteinander.

Oder so:

Und dann:


Über allem steht:

 
Zur Vorbereitung empfehle ich:

Medikamente spritzen in der Reihenfolge:


Post-Intubations-Checkliste:


Und was nimmt man da so an Medikamenten Narkosedoc?

Zum Beispiel diese hier (es handelt sich hier um einen unverbindlichen Vorschlag), Medikationsempfehlung für einen Erwachsenen von ca. 70 kg, ggf. individiuelle Dosisanpassung beachten:


Weitere Infos dazu folgen im zweiten Teil, dann auch mit ein paar Tricks, die ich mir erarbeiten musste und von denen ich erst viel zu spät erfahren habe.

Schlafen Sie gut!

Der Narkosedoc

 

Bildquelle: Neal Fowler, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.01.2017.

139 Wertungen (2.39 ø)
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Medizin
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Student
Ich hoffe ja, dass sich der Narkosearzt nicht von den (leider doccheck- typisch) "interessanten" Kommentaren entmutigen lässt und wir auch noch in den Genuss des zweiten Teils kommen! Ich bin jetzt schon gespannt auf die Tricks und natürlich auf die "Experten", die dann wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen..
#19 am 01.03.2017 von Student (Gast)
  0
le vieux rat (Gast)
carissimi collegae (welcher Provenienz auch immer): Si tacuisses, philosophus mansisses - mit hinreichender Intubationserfahrung weiß ich um die "Ecken und Kanten", aber ehe Sie intubieren oder darüber schwadronieren, überprüfen Sie bitte doch bitter vorher erst Ihre Grammatik und Orthographie, - wollen Sie bitte überlegen, welchen Sinn Ihr öffentlicher Disput erfüllt und in aller Öffentlichkeit Patienten verunsichert - keine Berufsgruppe (außer Poltiker) tritt sich öffentlich gegenseitig so in den Anus, nicht ein mal Bänker (und die bauen doch hinreichend faeces) - beweisen Sie bitte doch den Mut, den Sie hier "in Deckung verschriftlichen", in Ihrem Praxis- oder Klinikalltag gegenüber Ihren Patienten oder Ihrem Chef ! le vieux rat
#18 am 31.01.2017 von le vieux rat (Gast) (Gast)
  6
Chirurg
Da ist es dann in der Tat nicht sehr hilfreich Doccheck, wenn so eine "Fortbildungsempfehlung" mit Kuchenbacken beginnt. "Fehler" ist schnell gesagt, die sind bei der Anästhesie sind halt oft sehr schwerwiegend. Und es gibt tatsächlich Menschen, da geht es aus anatomischen Gründen NICHT oral. (nasal) Und das lernt tatsächlich nicht jeder, weil dazu auch (überdurchschnittlich) gute Nerven gehören und bei der Einleitung ZEITDRUCK besteht.
#17 am 29.01.2017 von Chirurg (Gast)
  4
Chirurg
Was mich als Arzt nervt, ist die ewige Schimpferei auf Ärzte, das ist ja richtig Mode geworden insbesondere von einem Heilpraktiker, dem offensichtlich ein Chirurg das Leben gerettet hat. Das erinnert mich an ein schweres Polytrauma in einer wirkliche traumatologischen Spitzenabteilung einer Uni. Nicht nur ein STH mit recht langer Bewustlosigkeit sondern auch noch ein Thoraxtrauma und diverse periphere Schaftfrakturen. Alles bis auf die unvermeidlichen Op-narben letztlich folgenlos verheilt, bis ... ja da gab es dann auch den Schadensersatzprozess, der alle Beteiligten schockierte: man hatte (primär!!!) eine Kleinfingerfraktur übersehen, die wurde sekundär korrekt versorgt.
#16 am 29.01.2017 von Chirurg (Gast)
  0
Assistenzärztin
Was ihre Situation angeht Herr Laskowski, ich glaube kaum dass ihr Eingriff in diese Kategorie fällt, eine Ileuseinleitung ist immer auch für erfahrene Anästhesisten eine große Herausforderung mit erhöhtem Risiko, da lässt sowieso niemand den Internisten oder Assistenzarzt ran... insofern betrifft dieser Artikel und dessen Zielgruppe keinesfalls die an Ihnen durchgeführte Prozedur und deren Folgen. Ich wünsche Ihnen weiterhin gute Erholung.
#15 am 29.01.2017 von Assistenzärztin (Gast)
  1
Assistenzärztin
Ich muss Ihnen Recht geben Herr Laskowski, so leid es mir tut. Als jemand der es glücklicherweise gewohnt ist in einem Umfeld von offenem interdisziplinärem Risikomanagement, konstruktiver Kritik und interdisziplinärer Fortbildungskultur zu arbeiten bin ich sehr enttäuscht und auch etwas peinlich berührt wie hier die Kommentarfunktion missbraucht wird um auf überhebliche und besserwisserische Art zu pöbeln aber keinerlei konstruktive Vorschläge anzufügen (Kommentar Dr. Maletz und Dr. Treutlein). Bei den Kommentaren von Gast 1 und 2 und auch anhand Ihrer Reaktion, Herr Laskowki kann ich nur vermuten dass der Artikel nicht verstanden wurde. ES geht nicht darum fachfremde Ungeübte zu ermutigen in den OP zu gehen und einfach nach dem Learning-by-doing-Prinzip loszuintubieren, es geht darum, sich auf einen Notfall vorzubereiten bei dem man plötzlich allein intubieren muss, weil kein Anästhesist da ist.
#14 am 29.01.2017 von Assistenzärztin (Gast)
  2
Als Patient (#4) sehe ich seitens derjenigen Ärzte, die sich ach so kompetent dünken, keinen zu konstruktiver Kritik fähig. Muss man daraus schließen, dass so der kollegiale Umgang mit fachlichen Problemen im Klinikalltag aussieht?? Immer noch unfehlbar? Prozessführende Patienten als Korrektiv? Am krassesten dieser lateinische Musterschüler: Ärztliche "Kunst" zur Philosophie des Schweigens überhöht - wirklich grandios ...
#13 am 29.01.2017 von Günter Laskowski (Heilpraktiker)
  6
Notarzt
Das ist ähnlich wie beim Blutabnehmen, wenn auch vielleicht nicht so harmlos, der eine kanns besser, der andere schlechter, gilt SELBSTVERSTÄNDLICH auch für Anästhesisten selbst. Nich um sonst hat sich auch in der Notfallmedizin der Larynx Tubus so verbreitet. Sicher nur die zweitbeste Lösung, aber besser als beim intratrachealen Versuch zu scheitern oder zu verletzten, oder in den Ösophagus zu schieben.
#12 am 28.01.2017 von Notarzt (Gast)
  0
Assistenzärztin
Ich möchte Dr. Jalinski und Gast 2 daran erinnern, dass eine Intubation etwas ist dass jeder diensthabende Arzt können muss und nicht nur Anästhesisten, Notärzte und Intensivmediziner. Jedem Diensthabenden (ja, Herr Dr. Maletz auch ein Assistenzarzt der Dermatologie!) kann es passieren während eines Notfalles (z.B. Reanimation) allein intubieren zu müssen und wir haben alle Angst davor etwas falsch zu machen. Wenn wir schon lernen wollen wie es geht, dann auch richtig: dazu gehört alles über die Vorbereitung und Durchführung einer elektiven Intubation zu wissen auch wenn wir niemals eine elektive Intubation allein ohne Facharztaufsicht durchführen würden. Insofern bin ich sehr dankbar für diesen DocCheck-Beitrag. Endlich mal wieder etwas nützliches! An dieser Stelle möchte ich Herrn Dr. Maletz gerne bitten zu präzisieren welches Medikament Sie denn in der vorgeschlagenen Aufstellung falsch finden und warum und natürlich durch welches andere Präparat Sie es ersetzen würden.
#11 am 28.01.2017 von Assistenzärztin (Gast)
  3
Gast
kann auch nicht jeder Auto fahren
#10 am 27.01.2017 von Gast
  0
Nun ja Intubation ist auch nicht gleich Intubation. Viele verschiedene Situationen, Umgebungen und Indikationen können einem das Leben schon schwer machen und dann ist es nicht gut wenn ein Toastbrot, wenn auch geschult, daher kommt! Ich behaupte selbst nach 32 Jahren Anästhesie nicht das ich es sehr gut könnte!
#9 am 27.01.2017 von Walter Bingemann (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  2
Einem Toastbrot kann man das Intubieren sicher nicht beibringen, aber interessierten Rettungsassistenten oder Schwestern schon! Sicher ist, dass man es sehr, sehr oft gemacht haben muss, um sagen zukönnen - ich kann es ! Weiter möchte ich den Beitrag nicht kommentieren ☹️
#8 am 27.01.2017 von Dr. med. Gabriele Schmidt-Dorn (Ärztin)
  1
Hab seltenes gelacht - wunderbar !
#7 am 27.01.2017 von Dr. med. Gabriele Schmidt-Dorn (Ärztin)
  2
Alleine die vorgeschlagenen Medikamente würden mich als Patienten unmittelbar nach dem erhofften Wiedererwachen sofort zum Anwalt gehen lassen! Lieber "NarkoseDoc", vielleicht doch lieber mal Dermatologie ausprobieren?
#6 am 27.01.2017 (editiert) von Dr. Thomas Maletz (Arzt)
  23
Oh je, so etwas dürfte nie geschrieben werden. Ich bin erschüttert. Si tacuisses!
#5 am 27.01.2017 von Dr. med. Eckart Treutlein (Arzt)
  18
Als betroffener Patient mit einem Ileus (vor einem Jahr) kann ich nach dem Lesen dieses Artikels nun endlich spekulieren, was bei meiner OP alles schief gelaufen sein könnte. Im OP Bericht steht nur lapidar "unter den gegebenen Umständen (Intubation mit Tubus nicht größer als ID 5,0 möglich und reichlich Sekretentwicklung) fiel zeitnah die Entscheidung für eine chirurg. Tracheotomie ..." Die schlecht versorgte Narbe mit tiefer Delle ist mir als bleibende Erinnerung geblieben. Schlimmer aber noch an das Erleben auf der Intensivstation, dem Tode nur knapp entronnen zu sein. Die Frage, an wen sich der Artikel wohl richtet von #1 ist damit aus meiner Sicht klar beantwortet. Und ich danke dem Narkosedoc sehr - mögen viele Patienten davon profitieren!
#4 am 27.01.2017 von Günter Laskowski (Heilpraktiker)
  9
Ich denke, für Studenten und Assistenzärzte ist das eine sehr gute Anleitung, die dabei helfen kann, berechtigte Sorgen durch verbessertes Vorbereitung zu verringern. Wer schon intubieren kann, für den bietet diese auf maximale Sicherheit bedachte Anleitung eine Möglichkeit für einen Abgleich des eigenen Vorgehens und könnte ggf.l. dabei helfen, Sicherheitslücken aufzuspüren.
#3 am 27.01.2017 von Annika Diederichs (Tierärztin)
  5
Gast
Sehr krasser und überaus gewagter Beitrag. Wie Dr. Jalinski völlig Med.korrekt amerkte, zählt die In/Extubation zu den gefährlichen Inv. Maßn. Zum einen währen da d. zeitliche 15sec/Timing, vermeindl./vermeidb. Ösophagale, sprich falsch-Intubationen, Schleimhautverletzungen/ Perforationen, Kehlkopf, Stimmlippen - Läsionen mit anschliessenden Entzündungen und progredient ausgedehnter Pneumonie oder/und einem Perikarderguss. Eine ganze Gruppe sog. Intubations-folgeschäden. Zahnschäden wären noch das gering. Übel! Zweifaches Fazit; ungeübte Eingriffe haben zur Folge, dass Retropharyngeale Dissektionen sich nicht selten als ein hohes Verletzungsmuster darstellen, und durch unseren "Toastbrotverfasser", ggf. grobfahrlässige unzumutb. haltl. Lehrmeinungen/ im Fachbereich Anästhesie/Beatmungshilfe/ Airwaymanagement in d. Raum gest. werden. Man stelle sich i.d. Beatmungsh. vergleichbare Metaphern vor. Ich frage mich seit langem, wesw. hier Beiträge ohne Zensur veröffentl. werden. DozNotfm.
#2 am 27.01.2017 von Gast
  13
Beginne ich mit dem Schluß: Narkose hat nichts mit Schlaf zu tun und der Anästhesist wird ganz sicher beim Intubationsvorgang auch nicht schlafen! Wenn die Intubation so einfach ist,daß sie von einem Toastbrot erlernbar ist, warum dann eine doch sehr ausführliche Beschreibung mit dem Hinweis einer Fortsetzung? Manche schwierige operative Eingriffe sind wesentlich kürzer erläutert. Richtig ist, daß eine Intubation eine Routinemaßnahme für einen Facharzt darstellt und er dabei auf eine Vielzahl von Komplikationsmöglichkeiten vorbereitet sein muß. Es ist eine allgemeine Erkenntnis, daß Intubation und Extubation zu den gefährlichen Phasen einer Allgemeinanästhesie gehören. Welcher Personenkreis soll mit diesem Artikel angesprochen werden? In meiner langen anästhesiologischen und intensivmedizinischen Tätigkeit sind mir keine Kollegen begegnet, die mit der Intubation als eine heroische Leistung hausieren gegangen sind!
#1 am 27.01.2017 von Dr. med. Wolfgang Jalinski (Arzt)
  6
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