Erkenntnis: Kreatin bremst Krankheitsverlauf!

24.01.2017
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Die meisten Menschen, die sich selbst als Kraftsportler bezeichnen, werden mit Kreatin bereits in Berührung gekommen sein. Immerhin ist die Substanz für ihre leistungssteigernde sowie kraftfördernde Wirkung bekannt. Nicht ganz zu Unrecht gilt Kreatin als „Anabolika für Arme“, das praktischerweise ganz legal zu kaufen ist. Doch auch in der Medizin wird die stickstoffhaltige organische Säure vermehrt eingesetzt, um Krankheitsverläufe zu verlangsamen – mit bisher nennenswerten Erfolgen.
m_1485268191.jpgBild: Unter Leistungssportlern seit langem sehr beliebt, nun auch in der Medizin angekommen. Doch verlangsamt Kreatin Krankheitsverläufe tatsächlich? Bildquelle: Oleg Bezrukow – 477630286 / Shutterstock.com

 

Kreatin wirkt kraftsteigernd

Dass Kreatin viele Vorteile für Kraftsportler besitzt, dürfte mittlerweile fast jedem Sportler bekannt sein. Nicht zufällig zählt das Nahrungsergänzungsmittel zu den am häufigsten gekauften Produkten in der Fitness-Welt. Aber wie genau wirkt Kreatin?

Zuerst gilt darauf hinzuweisen, dass der menschliche Körper Kreatin auch komplett eigenständig synthetisieren kann, denn die organische Säure besteht aus den Aminosäuren L-Glycin, L-Arginin sowie L-Methionin.

Kreatin zählt unweigerlich zu den elementarsten Substanzen im menschlichen Organismus und findet sich zuhauf in der Skelettmuskulatur, wo es gelagert wird, bis es beispielsweise bei anaerober Belastung zur Energiegewinnung bzw. Bereitstellung von Adenosintriphosphat (ATP) herangezogen wird.

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Infografik: Einsatzgebiete und Stoffwechsel von Kreatin erklärt. Infografikquelle: doccheck.com

Exakt dies ist auch der Grund, weswegen Kreatin unter Kraftsportlern derartig beliebt ist und weswegen viele Sportler Unmengen von Geld für das ergogene Nahrungsmittel ausgeben. Was viele allerdings kaum wissen: Kreatin ist – zwar in geringen Mengen – auch in unserer herkömmlichen Nahrung vorzufinden:

Lebensmittel (100 Gramm)

Kreatingehalt in Gramm

Schwein

0,5

Rind

0,45

Lachs, Hering, Kabeljau, Thunfisch

0,4-0,6

Milch

0,01

Tabelle: Auch in der Nahrung, vor allem in Fleisch, lässt sich Kreatin in geringen Mengen nachweisen.

Kreatin in der Medizin – das Wundermittel gegen Parkinson?

Abseits seiner Funktion als Performance-Optimierer im Sport hat Kreatin aber selbstverständlich auch in die Medizin Einzug gefunden. Vor einigen Jahren haben Tierversuche darauf hingewiesen, dass Kreatin Nervenzellen schütze und sich somit ideal für Menschen eigne, die als Parkinson-gefährdet eingestuft werden.

Parkinson – eine Kurzübersicht

 

Bei Parkinson handelt es sich um eine degenerative Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS). Zentrales Diagnostikkriterium der Erkrankung ist der Abbau Dopamin-produzierender Zellen in der Substantia Nigra des Gehirns. Sowohl genetische wie auch exogene Faktoren werden für den Verlust wichtiger Neuronen, also Gehirnzellen, verantwortlich gemacht. Auch oxidativer Stress ist neuesten Untersuchungen zur Folge ein Grund für den Ausbruch der Neurodegeneration.

 

In Deutschland werden jährlich circa 13.000 neue Parkinsonerkrankungen registriert. Auffällig ist, dass Männer häufiger als Frauen erkranken, wobei die primär gefährdete Personengruppe sich im Alter zwischen 50 und 60 Jahren bewegt.

 

Charakteristische Symptome für Parkinson sind das typische Zittern und Muskelstarre, aber auch Schlaf-, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen. Im Extremfall kann Parkinson bis zur Demenz führen und den gänzlichen Verlust der kognitiven Fähigkeiten zur Folge haben.

 

Dann folgte eine Langzeitstudie am National Institute of Health (NIH) in den USA. Elias Zerhouni, damaliger Direktor der Institution, gab zu Protokoll: „Unser Ziel ist es, die Lebensqualität von Parkinsonpatienten über einen längeren Zeitraum zu erhalten, als es bisherige Therapien erlauben.“ Im Zuge dessen wurde gemutmaßt, dass Kreatin den Krankheitsverlauf um bis zu 30 Prozent verlangsamen könne.

Eine weitere Studie am National Institute of Neurogical Disorders and Stroke aus dem Jahr 2008, die von Wissenschaftlern der Neuroprotective Exploratory Trials in Parkinson Disease durchgeführt wurde, suchte im Zuge des Tests nach geeigneten Kandidaten für eine Langzeitstudie. Bei den 200 Parkinsonpatienten zeigte sich nach einer 12-monatigen Kreatineinnahme (19g/Tag) tatsächlich eine neuroprotektive Wirkung der Substanz.

Gemessen wurde der Krankheitsverlauf auf der Standardskala für Parkinson. Kreatin konnte mit einem Behandlungseffekt von 91 Prozent wesentlich bessere Resultate vorweisen als beispielsweise Minocyclin (77 Prozent). Neueste Studien weisen unterdessen darauf hin, dass Kreatin in Verbindung mit Ubichinon noch eine deutlich effektivere Neuronenschutzwirkung ausübe.

Abseits von Parkinsonerkrankungen findet Kreatin grundlegend für folgende therapeutische Zwecke Anwendung:

Kann Kreatin schädlich sein?

Bleibt abschließend die Frage, ob eine regelmäßige und hochdosierte Kreatineinnahme womöglich negative Nebenwirkungen hervorrufen kann. Doch auch hier darf man beruhigt sein. Denn eine Studie, die an der Universität in München ebenfalls zur Parkinsonuntersuchung in Auftrag gegeben wurde, konnte neben einer möglichen Wirksamkeit von Kreatin bei der Behandlung von Parkinsonpatienten auch etwaige Nebenwirkungen quantifizieren.

Während der Studie wurde den Probanden für die erste Woche 20 Gramm Kreatin pro Tag verabreicht, für ein halbes Jahr wurde die Kreatinzufuhr auf zwei Gramm pro Tag gesenkt und dann wiederum auf vier Gramm pro Tag für den restlichen Studienzeitraum angehoben. Blut- und Urintests ergaben das folgende Ergebnis:

Dieses Ergebnis dürfte unterdessen nicht nur für die Medizin und Pharmakologie interessant sein, sondern auch bei Hobby- und Profisportlern auf interessierte Ohren stoßen. Im Sport liegt die durchschnittliche Kreatinzufuhr bei Hobby-Athleten bei circa 2-3 Gramm pro Tag, Profisportlern, die einen zyklisch aufwendigeren Sportkurs absolvieren, wird zumeist zu einer Einnahme von maximal fünf Gramm täglich geraten. Somit kann gegen eine Kreatineinnahme im Sport grundsätzlich nichts gesagt werden, sofern die Kreatin-Supplements keine Phrohormone enthalten.

Kreatin und Haarausfall – gibt es einen Zusammenhang?

Ein Symptom, welches die Studie jedoch nicht anspricht, ist Haarausfall. Der Grund zur Annahme, dass Kreatin womöglich Haarausfall hervorruft, liegt in der Annahme, dass die Substanz die Produktion von Dihydrotestosteron (DHT) erhöhe. DHT ist ein Androgen, ein männliches Sexualhormon, das zwar eine Kraftsteigerung hervorruft, aber auch Haarausfall und womöglich sogar Prostatakrebs hervorrufen soll.

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Bild: Sportler, die Kreatin einnahmen, klagen mitunter über Haarausfall. Bildquelle: cunaplus – 359830799 / Shutterstock.com

 

Bislang fehlen allerdings seriöse Studien bzw. Untersuchungen, welche diese Annahme bestätigen könnten. Erfahrungsberichte von Sportlern sowie die medizinische Grundlage lassen aber zumindest darauf schließen, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen einer Kreatinkur und Haarausfall bestehen könnte. Bis weitere Ergebnisse vorliegen, bleibt dies jedoch Spekulation.

 

Bildquellen:

cunaplus – 359830799 / Shutterstock.com

Oleg Bezrukow – 477630286 / Shutterstock.com


 


 


 

Artikel letztmalig aktualisiert am 24.01.2017.

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