Arbeitszeiten 'mal polemisch

01.11.2008

Wann immer es in Deutschland um eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und das Ladenschlussgesetz geht, setzt von Seiten der im Einzelhandel Angestellten das große Heulen und Zähneklappern ein: Von familienunfreundlichen Arbeitszeiten, fehlender Freizeit ist da unter anderem die Rede, sobald am späten Abend, in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen mehr gearbeitet werden soll.

Mir kommen dann stets die Tränen, ob dieser Ungerechtigkeit.

Dabei ist der Einzelhandel bei weitem nicht die einzige Branche, in der nicht nur wochentags von 8:00 bis 16:00 Uhr regelhaft gearbeitet wird: In vielen Bereichen der Industrie gibt es Schichtdienste mit Nacht- und Wochenentarbeit, genauso im Gastronomie- und Hotelgewerbe sowie natürlich im Gesundheitswesen. Die/der Verkäufer/in, die eine Freigabe der Ladenöffnungszeiten strikt ablehnt, findet es natürlich selbstverständlich, dass sie/er Tag und Nacht, an 365 Tagen im Jahr Anspruch auf eine umfassende medizinische Versorgung hat. Und wehe, man muss als Patient im Bereitschaftsdienst einmal länger auf den ersten Arztkontakt warten: Die Beschwerde lässt häufig nicht lange auf sich warten.

Im (echten oder scheinbaren) medizinischen Notfall ist sich jeder selbst der Nächste. Ich kann mich an eine Situation aus meiner Zeit in der Chirurgischen Ambulanz erinnern, wo Eltern mit einem kleinen Kind, welches sich nach einem Sturz eine stark blutende Kopfplatzwunde zugezogen hatte, sofort in den Behandlungsraum durchgewunken wurden, was dazu führte, dass sich wartende Patienten mit so lebensbedrohlichen Notfällen wie Insektenstichen oder zwei Tage alten Sprunggelenksdistorsionen heftigst beklagten, sie seien aber zuerst an der Reihe. Wir haben vorgezogen, dies zu ignorieren.

Da ich als Krankenhausarzt regelmäßig nachts, an Wochenenden und allen erdenklichen Feiertagen arbeiten muss (von wegen familienfreundlich), so dass sich häufig zu "normalen" Zeiten keine Gelegenheit zum Einkauf bietet, kann ich kein Mitleid für den Einzelhandel aufbringen. Im Gegenteil! Ich genieße es, wenn ich irgendwo auch nach 20:00 Uhr oder Sonntags in Ruhe einkaufen kann. In vielen anderen Ländern eine ganz normale Situation, die auch nicht zum Untergang des Abendlandes geführt hat.

Soll doch jeder Geschäftsinhaber für sich selbst entscheiden, welche Ladenöffnungszeiten sich am besten rentieren.

 

Titelbild: © Peter von Bechen / PIXELIO

Bildquelle: Gesundheitsinformation.de

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.09.2014.

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Medizin, Politik Wirtschaft
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sorry aber ein Paar Schuhe oder Butter muss ich nicht nach 22 Uhr kaufen ...
#2 am 16.09.2014 von Jürgen Unger (Apotheker)
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Gast
wenn das ganze dazu führt, dass die verkäuferin im laden dann eine ähnliche konsumstärke wie ärzte aufweisen kann, ist das okay und zu befürworten
#1 am 09.09.2014 von Gast
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