Der alltägliche Wahnsinn

12.12.2010
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Heute ein Fall, den ich genau so letzte Woche erlebt habe und der zeigt wie weit wir inzwischen verbürokratisiert sind. Ich hatte eine Verordnung folgenden Inhalts vor mir liegen:

 

  • Tamsulosin Stada 0,4 mg N3

 

Kurz im ABDA-Artikelstamm nachgeschaut: N3 gibt es als 98 Stück und als 100 Stück von Stada. Die 98er ist aber außer Vertrieb, also habe ich die 100er ausgewählt. Dann das übliche Fenster für Rabattvertrags-Arzneimittel "Bitte geben Sie die IK-Nummer der Krankenkasse ein". Jawoll, wird gemacht: 6431652 (BKK Pfalz). Die Kasse hat Verträge mit Basics, TAD, Aliud und HeuNet abgeschlossen. Immerhin habe ich die Wahl und das Tamsulosin von Basics ist sogar vorrätig. Toll! Kaum habe ich das ausgewählt, kommt das nächste Pop-up-Fenster an der Kasse "Achtung! Für diesen Artikel gibt es kleinere Packungsgrößen!". Kurz geprüft und tatsächlich: die Firma Basics spielt das blöde Spiel mit 98 und 100 auch, hat aber statt der 98er eine 90er(!) Packung als zusätzliche N3-Packung gelistet.

Weil mich das verwirrt hat und ich mir nun wirklich nicht sicher war, was ich abgeben darf, habe ich beim Apothekerverband (Baden-Württemberg) angerufen. Und dabei bin ich fast aus den Latschen gekippt, denn es verhält sich wie folgt:

Wenn eine N3 verordnet ist, muss ich die kleinste N3 abgeben. Soweit, so gut. Jetzt war aber eine namentliche Verordnung vorhanden (Tamsulosin Stada) und die kleinste N3 war außer Vertrieb, sprich: man bekommt keine 98 Stück-Packung von Stada mehr. Es gibt nur noch die 100er Packung vom Großhandel (und natürlich auch von Stada). Aber: laut Liefervertrag muss ich die kleinste N3-Packung abgeben und das sind 98 Stück. Das "außer Vertrieb"-Kennzeichen ändert nichts daran, dass die Packung mit 98 Stück verkehrsfähig, also abgebbar ist. Auf meinen Einwurf, dass diese Packungsgröße doch nicht lieferbar sei und dass die 100 Stück Packung nach gesundem Menschenverstand dann abgegeben werden kann, wurde mir mitgeteilt, dass das eben nicht ginge. Im Zweifelsfall würde mich die Krankenkasse retaxieren. Aha.

Ich fragte was ich denn nun abgeben dürfe und man sagte mir, dass ich, weil es ja die 98 Stück von Stada als N3 nicht gibt dann auf die nächstkleinere Packungsgröße (N2, gibt es aber auch mit 48 und 50 Stück) gehen müsste. Alternativ solle ich doch bitte zum verordnenden Arzt fahren und mir bestätigen lassen, dass er mit N3 die 100 Stück Packung meint. Ich hab ja sonst nichts zu tun...

All diese Auskünfte basieren auf dem bestehenden Arzneimittelliefervertrag, den der Apothekerverband mit den kranken Kassen abgeschlossen hat. Ich habe dann noch gefragt, warum solche Verträge gemacht werden und darum gebeten, dass man bei neuen Verträgen darauf achten möge, dass solche bescheidenen Situationen nicht mehr vorkommmen. Aber diese Bitte hätte ich auch der leeren Telefonzelle vortragen können. Das hätte den gleichen Effekt.

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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