Warum Sie seit September als Patient oft mehr bezahlen müssen

03.11.2010
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In den Kommentaren meines letzten Beitrags  kam die Frage auf, warum man seit Neuestem bei einem Medikament manchmal etwas aufzahlen muss, obwohl man von der Zuzahlung befreit ist. Ich versuche diese Frage mit diesem Beitrag zu beantworten:

 

Verordnet war ein Meprolol von der Firma TAD Pharma. Wirkstoff bei dieser Verodnung ist Metoprolol, ein Blutdrucksenker. Bei dieser Verordnung musste eine Aufzahlung geleistet werden, obwohl der Kunde von der Zuzahlung befreit war. Das hängt damit zusammen, dass die Krankenkassen Meprolol nicht mehr komplett bezahlen. Das ist verwirrend und kompliziert, kommt aber seit dem 01. September leider immer häufiger vor.

 

Schuld ist der sogenannte "Festbetrag", der von den Krankenkassen festgelegt wird. Dieser Betrag wird von den Krankenkassen bestimmt und legt fest viel die Krankenkassen für eine bestimmte Substanzgruppe höchstens bezahlen. Liegt der Preis für ein Medikament über dem Festbetrag, zahlt der Patient die Differenz zwischen tatsächlichem Preis und dem Festbetrag. Im konkreten Fall von Meprolol 100 mg 98 Tabletten beträgt diese Differenz, die wir Apotheker als "Eigenanteil" oder einfach als Aufzahlung bezeichnen, zur Zeit (Stand 01.11.10) 1,27 €. Dass es keine 2,xx € sind kann damit zusammenhängen, dass die Pharmaindustrie alle zwei Wochen neue Preise festlegen können. Es kann also sein, dass der Hersteller von Meprolol, die Firma TAD Pharma, in der Zwischenzeit eine Preissenkung vorgenommen hat.

 

Normalerweise war es so, dass die Pharmaindustrie ihre Preise an den Festbetrag angepasst haben, damit der Kunde in der Apotheke keine Aufzahlung leisten musste. Bei der "Anpassung" (Krankenkassensprech, Festbeträge wurden nie angepasst, sondern immer nur verringert) im September haben sehr viele Firmen ihre Preise aber nicht gesenkt, weshalb Sie nun bei vielen Medikamenten auf der Preisdifferenz zwischen Festbetrag und tatsächlichem Preis sitzen bleiben. Manchmal kann es aber sein, dass man um den Eigenanteil herum kommt, wenn man die Firma wechselt. So stellt z.B. die Firma Stada das Produkt Metoprolo Stada 100 mg 98 Tabletten her, die man ohne Aufzahlung erhalten kann. Natürlich muss man dann in Kauf nehmen, dass die Tabletten anders aussehen und andere Zusatzstoffe enthalten können, die man eventuell schlechter verträgt. Außerdem kann es noch sein, dass Ihre Krankenkasse für "Ihr" Meprolol einen Vertrag mit einer oder mehreren Firmen abgeschlossen hat. Wenn das der Fall ist, hat die Apotheke keine Wahl und muss Ihnen das Mittel von einer (oder der) Firma geben, mit der Ihre Krankenkasse den Vertrag abgeschlossen hat. Diese Rabattverträge greifen heute sehr häufig und können nur vom Arzt "blockiert" werden. 

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.06.2014.

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Ich hasse diese Krankenkassen.
#1 am 19.06.2014 von Homosapiens Friedrich Adolf Schmidt Himmler (Nichtmedizinische Berufe)
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...meldet Spiegel Online. Die Fusion von Krankenkassen würde kaum Synergie und damit auch kaum Einsparungen bringen mehr...
Gestern mal wieder ein Fall, den das Internet nicht lösen könnte. Ein Kunde von uns sitzt wegen einer OP seit mehr...
Heute ein Fall, den ich genau so letzte Woche erlebt habe und der zeigt wie weit wir inzwischen verbürokratisiert sind. mehr...

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