Kostensparen im TV

28.05.2010
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Das ZDF fragt , warum wir in Deutschland immer weiter mit steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu kämpfen haben. Insgesamt ein recht ausgewogener Report, allerdings werden einige Dinge sehr vereinfacht dargestellt:

  1. InegyBei Inegy handelt es sich um eine fixe Kombination aus Ezetimib und Simvastatin im Verhältnis 10/10, 10/20 oder 10/40 mg. Simvastatin alleine kostet tatsächlich nur um die 15 Euro, allerdings kosten 10 mg Ezetimib alleine bereits ca. 200 Euro. Von daher könnte man den Preis für die Kombination sogar vertreten. Da Ezetimib noch unter Patentschutz steht (Markteinführung war Ende 2002) wird es auch noch eine Weile dauern, bis die Pharmaindustrie durch die Generikahersteller gezwungen sein wird den Preis zu senken. Ob die Forschung an dem Stoff aber tatsächlich so teuer wahr, kann wohl nur die Pharmaindustrie beantworten...
  2. Avastin/LucentisBei Avastin und Lucentis war die Reportage absolut korrekt. Dem ist nichts hinzuzufügen, denn hier macht die Pharmaindustrie tatsächlich einen Reibach auf Kosten der Patienten
  3. ApothekenzahlZur Zahl der Apotheken. Nochmal für Erstsemester und Sportstudenten: die Zahl der Apotheken ändert nichts, aber auch gar nichts, an der Zahl der verordneten Medikamente! Von daher ist die Behauptung, dass hier ein Einsparpotential möglich sei völlig aus der Luft gegriffen. Klar kann man das Beratungshonorar kürzen. Aber dann droht auf dem Land tatsächlich das Gleiche was im Moment schon bei den Ärzten passiert: niemand wird dort mehr eine Apotheke eröffnen. Immerhin wird dies am Ende des Berichts auch gesagt. Das Beispiel mit den Niederlanden ist allerdings daneben, weil das System dort ein völlig anderes ist. Bei uns herrscht Niederlassungsfreiheit, was für Wettbewerb sorgt und gerne vergessen wird, wenn es um die Fremd- und Mehrbesitzdebatte geht. Jeder Apotherker kann hier überall eine Apotheke eröffnen, wenn er eine Approbation und die nötigen Räume sowie die erforderliche Ausstattung besitzt. In den Niederlanden benötigt man für die Eröffnung eine Zulassung ähnlich wie hier in Deutschland die Ärzte. Das heißt, dass der Staat die Zahl der Apotheken kontrolliert und natürlich mehr große Apotheken vor Ort sind, die wirtschaftlich sicher besser agieren können als viele der kleineren Apotheken hierzulande. Auch das Patientendossier, das -ähnlich wie in der Schweiz- von der Stammapotheke geführt wird, fehlt in Deutschland in dieser Weise komplett. Die Hoffnungen ruhen hier seit 10 Jahren auf der Totgeburt "elektronische Gesundheitskarte". Die sollte so perfekt werden, dass sich die Einführung immer weiter verzögert. Und ob sie wirklich so kommt, steht noch in den Sternen. Immerhin haben Landapotheken mit ihrer recht treuen Kundschaft die Möglichkeit über eine persönliche Kundenkarte die Medikamentenhistorie und sogar Kontraindikationen abzurufen.
  4. Mammographie-ScreeningHier muss ich passen, denn ich kenne mich in diesem Bereich einfach zu wenig aus. Allerdings halten sich die Kosten mit ca. 100 Millionen Euro pro Jahr durchaus in Grenzen, wenn ich an die derzeitigen Ausgaben für unsere Bankster denke.
  5. Fehlernährung von Jugendlichen (aber auch Erwachsenen)Ein echtes Problem. Allerdings stellt sich auch hier die Frage, ob der Staat hier wirklich eingreifen kann. Denn McDonalds & Co zu verbieten ginge uns sicher allen zu weit. "Eigenverantwortung, die wird immer wichtiger" heißt es zum Ende der Reportage. Dem ist wohl wahr, nicht nur im Gesundheitsbereich...Übrigens: wurde diese Reportage von der Barmer gesponsort? Das Logo ist in diesem Beitrag mehrmals deutlich zu sehen!
Alles in allem ein recht gut recherchiertes Journalistenstück, dass sogar bei den Apothekentests halbwegs fair war.

Bildquelle: pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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